Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2932 (27.4.1927)
- Date
- 1927-04-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeiw 4 iStett, Mittwoch Wien« Morgerrzeitui^ 37. AM 1927 Nr. 2983 Ruhige Feiertage ia Jerusalem. Jerusalem, 2ü. April. (I. T. A.) Die am 23. April ststigeftindcnen Prozessionen der Mohammedaner und Christen in Jerusalem sind vollkommen ruhig verlaufen. Die Behörden haben in Anbetracht der Anwesenheit vieler lausend Anl>ämrer der verschiedenen Religionen von auswärts die Polizei und die englischen Truppen in einen Zustand verstärkten Schuhes versetzt. Die Prozessionen tvoren grötzer als jemals. Die mohammedanisclx.' Prozession ging mittags vor sich, während die christliche Prozession, an der Vertreter der meisten christlichen Nationen teilna-hmen, am Nachmittag begann. Die Mische Bevölkerung Jerusalems verhielt sich ausnahmslos ruhig und vermied jede Ansammlung. Sir Alfred Moud in Berlin. Aus Berlin rvird berichtet: Die englischen Industriellen, die Sonnlag in Berlin weillen und von dort nach dem Rheinland weiterreisten, ivaren haupisächlich Vertreter der chemischen Industrie; unter ihnen befand sich auch der ehemalige britische Minister Sir Alfred Mond, der Vorsitzende des Ausisichtsrates der britischen .Imperial Chemical Industries Ltd." (des britisckwn Chemie-Trusts) und Präsident der Brunner-Mond u. Co. Sir Alfred Mond, der jetzt der Konservativen Fraktion des englischen Unterhauses angehört, ist ein eifriger Verfechter der Idee des Jüdischen Na:«.n.rlheims in Palästina. Wie bereits mehrfach berichtet, ist Sir Alfred Mond zum Leiter der Palnstina-Experten-Konimission 'bestimmt, die im Abkommen zwischen Dr. Woizmann und Louis Marchall in Amerika vorgesehen ist. Rabbiner Sirisohn gemaßregelt? C z e r n o w i tz, 26. April. Der „Cuvantul" meldet aus Kischinew, daß aus Grur^ einer Weisung des Inn enmini st e r i u m s Rabbiner Zirlsohn seines Mandates als Gemeinderat verlustig erklärt wird, da er gelegentlich des Besuches des amerikanischen Obersten A m e n t ein „ungehöriges Benehmen" an den Tag gelegt habe. — Rabbiner Z i r l s o h n hatte dem Amerikaner, der ihn in offener Stadtratssitzung einem Verhör über politische Fragen unterziehen wollte, die Antwort verweigert und ihrn erklärt, er wolle ihm unter vier Augen Rede und Antwort stehen. KerenM wieder georseigt Das „Berliner Tageblatt" meldet aus New $orl: Alexander Kerenski, der sich noch immer aus seiner Vortragsreise durch die Bereinigten Staaten befindet, wurde gestern zum zweitenmal öffentlicht geohrfeigt. Boi einem Bankett, das ihm zu Ehren in Chicago veranstaltet wurde, trat ein ehemaliger zaristischer Offizier auf ihn Zu und schlug ihm mit geballter Faust ins Gesicht. Es entstand eine allgemeine Prügelei, in deren Verlauf der, Angreifer überwältigt und hinausgeworfen wurde. (Das erstemal wuvde Kerenski von einem Mädchen, ebenfalls eineH'politischen Gegnerin, tätlich insultiert. — Die Red.) L Welyundettsechsundamzlglaiisend Kilogramm verschiedener Waren würben bisher von der Polnischen Lnstverkchrs-A.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bezirk, Degetthoffstraße 7 (Telephon 71-0-84), ohne die geringste Beschädigung oder Vertust befördert uröd einige Stunden nach der^ Aufgabe dem Adressaten zugestelll. Etwaige Nachnahmebeträge waren oft schon am übernächsten Tage in den Händen des Msenders. und unbebaute weite Aecker Israels Erbe sind. „Und doch", heißt es weiter, „bringt dieses fruchtbare Land Getreide aller Arten, die Früchte aller Zonen und schmackhafte Weine noch heute hervor." Den Unglücklichen muß geholfen werden, so lautet sein Appell, sie müssen aus ihrer geistig tlnd materiell unerträglichen Lage befreit werden. Und dankbar wird die großartige Hilfe begrüßt, die Moses Montefiore und Albert Cohen den Juden Palästinas in den Fünszigerjahren brachten Welches überströmende Gefühl des Dankes, welche. Herzensfreude würde dieser Mann heute haben, könnte er die Wandlung von siebzig Jahren sehen: ein aufblühendes Land, in dem die Juden Bringer und Schöpfer neuen Lebens sind. Diese «wenigen Nachrichten, die ich auS dem erwähnten Buche wiedergegeben habe, mögen genügen. Die zweifellos sehr interessante Schrift bringt bei monotoner Darstellungsweise auch viele Berichte, denen man nicht recht trauen darf, naiv und phantastisch zugleich; sie ist längst vergessen. Was wir iaber nicht vergessen dürfen, das geht aus dem Wenigen schon hervor: von 1847 bis jetzt ist in dem toten, barbarischen Lande eine Veränderung vorgegangen, die auch der hartnäckigste Zwölfter anerkennen muß, wenn ihm der Fortschritt des kurzen Zeitraumes zionistischer Tätigkeit nicht einleuchtet. Der Zweifler soll fünfzig, hundert Jahre warten: wir haben die Zuversicht, daß schon in kürzerer Zeit der Aufbau eines jüdischen Palästina gelingt. — Dann erklären bestimmt Me die Leute, denen man heute nichts vormachen kann: wir haben es ja gleich gesägt! Kongreß der Mischen Stuoeatenschast Frank, reich«. I« Anwesenheit von 71 Delegierten und mehreren Handel studentischen Gästen wurde am Mittwoch, den 20. April, i Nancy der erste Kongreß der jüdischen Studentenschaft Frau, reichs eröffnet. Der Vorsitzende der jüdischen Studentenschaft von Nancy, H o f m a n, eröffnctc den Kongreß mit einer Ansprache, woraufhin der Student Mangiel das Organisations-Referat hielt und dem Dank der ausländischen jüdischen Studentenschaft für die Gastfreundschaft, die ihnen Frankreich entgegenbringt, Ausdruck gab. Vertreten sind die Studentenschaften der Universitäten in Bordeaux, Montpellier, Rouen, Grenoble, Cayenne, Straßburg, Paris und Nancy. Von der Sttldentenschaft Toulouses lag eine Erklärung vor, daß sie sich allen Beschlüssen unterwirft. Der Vorsitzende, Hofman, skizzierte in einer längeren Aussprache die politische und wirtschaftliche Aufgabe des Kongresses. Als Gast aus Berlin sprach Herr Berger, der den Anschluß an den Weltverband jüdischer Studenten empfahl. Am Donnerstag, dem zweiten Kongreßtag, referierte Lev in über die materielle Lage der jüdischen Studenten in Frankreich und empfahl verschiedene Maßnahmen zur Besserung der Position der Studenten, so u. a. die Einrichtung von Darlehenskasse,,, dia Zusammenarbeit mit den großen jüdischen Organisationen, wie Joint usw. Herr Libermann empfahl die Gründung eines Jnformationsbuveaus. , Nach Annahme entsprechender Beschlüsse und Wahl eines Zentralratcs wurde die Konferenz geschlossen, (I T. A.) Paß und Erbschaft. Aus New York wird uns geschrieben, Die unglaublichen Zustände in der Einlvanderungsgesetzgebung zeitigen mitunter auch recht seltsame Kuriositäten, wie der folgende Fall beweist. Zwei russische Juden, Samuel R o t h m a n n und Mordche Hermann, waren im Besitze je eines alten Kerenski-PasseS und eines gemeinsamen reichen Vetters in Amerika. Der Vetter starb und vermachte seinen beiden Verwandten in Rußland 800.000 Dollar. Zur Erledigung der Erbschaftsangelegenheit erhielten die plötzlich reich gewordenen russischen Juden ein befristetes Einreisevisum und sie fuhren nach New-Orleans, wo der verstorbene Erblasser gewohnt hatte. Die ErbschaftSangelogenheit ist erledigt und in drei Wochen erlischt die Gülttgkekt ihres Aufenthaltsrechtes in Amerika und auch des erteilten Paßvisums. Die beiden Dollarbesitzer versuchten bisher vergeblich, eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu erzielen und müssen die Vereinigten Staaten von Nordamerika verlassen. Die Frage ist nur, wohin sie fahren sollen. Denn sie haben Ivohl jetzt Dollars, aber kein Heim und auch kein gülttges Answeispapier für die Reise. Rußland nimmt sie nicht zurück, weil eS den Kcrenfki-Paß nicht alS russischen Paß anerkennen will. Sie versuchten, in Kanada auf legalein Wege anzukommen, wurden aber zurückgewiesen. Auch ihre Bemühungen, nach Mexiko zu kommen/ blieben erfolglos, — die Einreisebewilligung wurde ver weigert. Zwei reich gewordene Juden suchen eine Heimat. Es ist auch als Reicher „schwer zu sein, ein Jude". Sie Wiener Zcitschrist .Palästina". Soeben ist das dritte Heft der Zeitschrift „Palästina" erschienen, die vom Zionistischen Landeskomitch für Oesterreich herausgegeben und voll Adolf Böhm redigiert wird. Man kann die eingehende Lektüre und die Verbreitung dieser Monatsschrift den Palästinafreunden nicht dringend genug ans Herz legen. Das neue Heft enthält wieder sehr wichtige Aufsätze, die sich rnjit breNnerrden Probleinen des Palästinaanfbaus beschäftigen. Dr. A.G r auovsky (Jerusalem) schreibt über Boden-- und Si edlitngspolitik und führt wichtige Grülrde an, die für den Erwerb städtischen Bodens durch den Jüdischen Nationalsonds sprechen. Ern st Davis (Jerusalem) setzt sich in seinem Aussatz „Industrie und Majorität mit der Frage der Industrialisierung Erez Israels auseinander. Er sucht zu beweisen, daß das Wachstum der jüdischen Industrie durchaus nicht bloß vom Wachstunr der jüdischen Landwirtschaft abhängt. Ein ariderer Vorkämpfer der Industrialisierung, Dr. A. Bonne (Haifa),, bespricht das Problem der Schaffung einer Industriebau?. Sorgfältige Informationen findet der Leser in dieseur Hefte über das Ruthlenberg'sche Elektrifizierungswerk, die Oel- und Seifenin du st riein Palästina sowie über die Druckerei- Jndu st riein TelAwiw. In seinem lesenswerten Aufsatz „Erziehung und Wirtschaftsgesinnung" weist Dr. Kurt Grünwald (Tel Awftv) auf das Versäumnis hin, welches barin bestand, daß die Zionisten bjs jetzt eine Handelspolitik im Rahmen ihres Programmes als überflüssig ansahen. Er führt die Mittel und Methoden an, die in dieser Beziehung Wandel zu schaffen ihm geeignet erscheinen. Sehr, aktuell ist der Aufsatz über die Bedeut ungu ndAufgabederlan dwirtschaftlichen kooperativen Arbeitsgesellschaft „N i r" von Dr. Walter Preuß (Tel Awiw). Die reiche Rundschau des Heftes bringt Bemerkungen über Politik von Dr. Leo Gold ha mm er (Wien) und Dr. Hans K o hn (Jerusalem), sowie Wirtschaft von Dr. Kurt G runwald. Ueber das geistige Leben in Palästina berichtet Dr. Hugo Bergmann (Jerusalem). Vortrefflich zusaimlmengestellt und sehr instruktiv ist muh die Rubrik „Nachrichten und Daten". Die neue bedeutsamer Zeitschrift ist durch das Sekretariat des Zionistischen Landeskomitees, Wien, 1. Bez., Kärtnerstraße 38, zu beziehen. 7ns iüdisdke Maus das iüdisdke (Blatt .CESCHKA' ,/m, die Marke des eleganten Herrn VII., Kaiserstraße 123 IX., Alserstraße 6 ein Mann, der nur zwei Tage im Fahre arbeitet. In dem kleinen Heivcdorf Hjallerup, einige Meilen nördlich van Aalborg, lebt ein Mann, der in der glücklichen Lage! ist, nur zpiei Tage im Jahre arbeiten z» muffen und dabei so viel Geld verdient, daß er davon ausgezeichnet während des ganzen JahreS leben kann. In Hjallerup wird nämlich der großarttgste Pferdemarkt de-S ganzen europäischen Nordens alljährlich zwei Tage lang im Frühling abgehalten. Dieser Pferdemarkt ist das große Ereignis für das Dorf und die ganze Umgebung. Niemarrd weiß, warum dev Pfcrdemarkt gerade hier feine Stätte hat, denn in Hjallerup befinden sich nur einige zerstreute Gehöfte und ein großes stattliches Wirtshaus, von dem der Unkundige zuerst gar nicht begreift, wie es da überhaupt bestehen kann. Dein Besitzer dieses ,/KrugeS"^, wie man dort die Wirtshäuser nennt, gehört die weithin! sich ausdehnende ebene Landftache, welche von alters her znm Marktplatz dient. Es kommen da zur genannten Zeit aus allere Gegenden Jütlands tveit über 10.000 Pferde zusammen, und wohl! an die 30.000 Marktbesucher treiben sich dort umher, darunter zahlreiche Agenten, Matter und Dolmetscher, die beim Handel und Feilschen den ausländischen Käufern unentbehrlich sind, weil für diese der rauhe jüt-dänische Dialekt ganz unverständlich ist. Viele große Schenk- und Tingetangelzelte sind auf dem Platzes errichtet. In einem Dutzend und noch mehr Sprachen hört man sprechen und schreien, singen und fluchen. Der glückliche Besitzer des stattlichen Wirtshauses und des großen Platzes verdient an diesen zlvei Tagen und in der dazlvischenliegenden Nacht so viel Geld, daß er fürs ganze nbrigü Jahr reichlich genug hat. Wenn der vielgeschäftige ungeheures Markttrubel vorübergerauscht ist, dann wird.s für 363 Tage wieder öde, still und ganz geschäftslos in dem einsamen Heidedorfs Hjallerup. Sie Rodelte. Eine neue Beg-riffGezeichnung ist -in die Terminologie des emanzipierten Frauentums eingezogen: die Boyette, der letzte Typus des k n ab e n ä yn l ich e n Mädchens, in Frisur und Kostüm, wie man ihn ein Jahr vorher erst noch vereinzelt zu sehen bekam.. Das Wort Boyett ist seiner Zusammensetzung gemäß ein sprachliches Zwitterding: im Stamm (boy) englisch, in der Forra französisch, alos eine Ausgeburt französisch-englischer Phantasie, die vielleicht die Welt erobern wird. In den am Kanal gelegenen Badeorten der englischeir Riviera waren diese Boyettes in Männersaktos mit kurzen Haaren zu den Feiertagen zu Dutzenden zu sehen. Sie trugen zuweilen ein Sportjacket und Flanellhosen, auch „bags" genannt.Noch beliebter ist die N o rfolktracht, denn die Boyettes wollen den Männern so ähnlich wie nur möglich sein. Die Boyette amüsiert sich mit ihrer Maskerade, und das ist ein wirklich harmloses Amüsement, das ihr und keinem anderen zum Schaden gereicht. Englisch nennt 'man diese Art „Ultratoncboyish" oder „Ultrafoolery", was so viel wie Ultrawildfangart oder MehralÄnarretei bedeutet. Was aber die anderen Leute, darüber denken mögen, das macht der Boyette keine Sorgen. Sie trägt ihren Herrendreß mi tselbstbewußter Eleganz zur Schau und freut sich an der Bequemlichkeit im Radfahren, Golfspielen und Spazierengehen. Mordrache eines Nepalesen. i Art Indien wurde seit langem' nicht svvie Interesse für ei;-.' Strafsache bekundet, als für den Fall, der irr der letzten SB.- vor dem Gerichtshof von Kalkutta behandelt Wurde. Angel ' War der nepalesische Student der Jurisprudenz, K ha rag B.> h a d u r S i n g h, der des Mordes an dein reichen Zuckerundi Jute-Industriellen Hiralal Agarivala in Kalkutta beschuldigt wurde. An, 27. Februar d. I. hatte der 'Angeklagte den Kaufmann in seinem Bureau ausgesucht und verlangte ihn zu sprechen. Als er vorgelasfen wurde, nahm der Student einen Brief aus der Tasche, in toelchem nur di« Wort« standen: „LieS, elender Schurke, dein eigenes Todesurteil!" Hiralal hatte kaum Abbazia Held-Pension Royal In schönster Lage am Meeresstrand. sonnige Zimmer mit schönster Aus* sicht, Bäder im Hause, Vorzügliche Küche. — Komplette Pension von Lire 35'— aufwärts.