Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2929 (24.4.1927)
- Date
- 1927-04-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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T"" vT ' Vtf Sette 4 Wien, Sonntast Wiener Morgenzeitung 24. April 1627 Nr. 2929 den Haustorcn gemächlich geplaudert; in Gruppen. Zwischen denen Flugschriften irr allen Farben anslenchteten, wurde lebhaft debattiert. Das Wahlfiebcr hat diese beiden jüdischen Bezirke erfaßt, llebcrall wurden die Chancen der jüdischen Partei erörtert und überall merkte man Entschlossenheit: „Wir müssen unserer Liste zum Siege verhelfen." Zu den Versammlungen der jüdischen Partei — in der Leopoldstadt allein mehr als zwei Dutzend — drängten sich riesige Menschenmasscn und blickten evlvartungsvoll zu den Rednern auf. gewissermaßen um sich von ihnen die letzte Gewißheit des Sieges der jüdischen Sache zu holen; denn der Jude braucht immer Zuspruch, der ihm, wo cs um seine Sache geht, Sicherheit gibt. Die Worte der Kandidaten wurden mit Freude angehört und dann, wenn die Versammlungslokale die Massen wieder auf die Straßen entließen, genau erörtert und abgewogen. Und die zufriedenen Gesichter sagten, daß die Worte als vollgetvichtig befunden worden waren; die jüdische Gasse hat mit ihren Herzen und mit ihren denk!scharfen Köpfen die Sache der jüdischen Partei in sich ausgenommen; das gibt stärkste Zuversicht für den Wahltag, an dem die jüdische Partei den Erfolg erringen muß. den die Judcnschaft ihr. und sich 'wünscht. 1,261,655 Mhler in Wien. Nm 121.332 mehr als im Jahre 1929. ^er Magistrat veröffentlichte erst gestern die e n dgültige Zahl der Wiener Wahlberechtigten für die heute stattsindcnden Wahlen. Gegeniiber der Wahl im Jahre 1923 ergibt sich eine Zunahme von 74.864 weiblichen und 46.478 - männlichen, zusammen also 1 2 1.3 3 2 W a h l b e r e ch t i g t e n. Die Gesamtzahl der am Sonntag Wahlberechtigten ist 1,2 6 1.6 5 6; davon entfallen 697.780 auf weibliche und 563.876 auf männliche Wähler. Im Jahre 1923 gab es in Wien 1,140.323 Wahlberechtigte; 'davon waren 622.926 Frauen und 617.397 Männer. Die Zahl der weiblichen Wähler übe rwiegt die der männlichen Wahlberechtigten diesmal um 133.906. In den für die „Jüdis ch e .Pa rt e i" wichtigsten Bezirken sind morgen wahlberechtigt: Innere Stadt 16.334 Frauen und 10.690 Männer, zusammen 27.014, in der Leopoldst a d.t 60.601 Frauen und 42.403 Männer, zusammen 93.004; auf der Landstraße 64.408 Frauen und 42.741 Männer, zusammen 97.149; in Mariahrlf 21.694 Frauen und 16.027 Männer, zusammen 37.721; auf dem Al serg tu n d, 35.092 Frauen, und ,25.967. Männ er. . zusammen '61.049; in W äh''ring. 34.359..Frauen,.25.st39.Männer, zusammen 60.298; in D.öblin g 21.419 Frguen, 16.156 Männer, Msammen 37.575;. in.- der B.r i gitt e n a u 32.555 Frauen, 29.146 Männer, ' zusammen. 61.700 und in F l o,r.r d s d o r s 30.404 Frauen, 28.250 Männer, zu- 'r'umen 58.654 Wahlberechtigte.. «Erez Mel" ».. zirkmMe N. Sämtliche Mitglieder' werden ausgefovdert, Sonntag, <rm Wahltage,-sich um halb 7 Uhr früh im Vereinslokale, 2. Bez., Zirkusgasse 33, einzufinden. Erscheinen Pflicht! Festmähler. In unserem eigenen Leben besitzen wir nutkurze, aber auch glänzende Episoden künstlerischen Schaffens". .Diese Darlegungen Movewskis klingennicht gerade tröstlich; .sie werden aber,-rein äußerlich genommen, durch eine-Reihe von Tatsachen gestützt. Die Versuche zur Schaffung jüdischer Theater von hohem künstlerischem. Niveau sind tatsächlich zum großen Teil Episoden geblieben: in Wien blieb. die wertvolle „Freie jüdische Volksbühne" Episode, die „Wilnaer Truppe" ist zweigeteilt, chat kein festes. Heim finden -können- und kommt künstlerisch und materiell auf ihren Gastspielreisen nicht vorwärts; der Versuch Sigmund Turkows, in Warschau mit gutem jüdischen Theater festen Fuß zu fassen, ist bisher nicht geglückt; .aus Morttvskis Darstellung über das jüdische Theater in Rjga ergibt sich, daß dessen Zukunft auch nicht vollkom-- wen'^gesichert ist; „Habimah" ist die Moskauer Atmosphär^.nicht allzu dienlich und sie braucht ein festes, jüdi- . sches' '.Zentrum; die Filmepisodc Morewjkis haben wir oben.schon erwähnt. Hie .Pläne Morewskis. beschäftigten sich nun bamit, das jüdische Theaterproblem so zu lösen, daß endlich einmal der episodenhafte, stegreisartige Charakter der Bestrebun^st aus , Schaffung eines künstlerisch hochstehenden jüfcischen'^.HeäürS 'vrrschwinhe und methodischer Stetigkeit. Plütz'^Mache. Wie. es scheint, sind die einzelnen jüdischms Zentren än Europa, jedes auf sich allein gestellt, nicht- Hark' geriM Theater zu erhalten. Vielleicht aber könnten sie '.es,/Herrn sie sich zu diesem Zwecke vereinigen ' würM. ,sEitte 'jMsche Theahertruppe unter verantwor« Welche z. B. abschnittweise in Wä.rschitü,. Riga arbeiten und über* dies ' MsiMtreisest /in'' den kleineren jüdischen Zentren unt^DWM''Mr^e.si«'könnte'^ den Weg für eine Lösung des ProWenO.. bahnens . " ’; MWpsff weiH jetzt str Men, wo sich seit langer Ze,it verschlMne'MiM Mise mit der Idee eines künstlcnschhochstehrnden jüdischen Theaters befassen; wäre nicht jetzt GelM^ih diesi, PMß weniger begeistert, aber dafür mit mW Methode zur Durchführung zu bringen? Siegfried Schmitz. Jüdische Geschäftsleute und Augestellte! Achtet auf Suren Mieterschutz! Die Mieterschutzsache wird, wie alles in Oesterreich, mit einem Ausgleich enden, mit einem Ausgleich auf Kosten der Schwachen. Die Christttchsozialen werden ihre Bauern schützen, die Sozialdemokraten die Wohnungen ihrer Arbeiter. Die Geschäftsleute, weil vorwiegend Misch, wird man mit ihren Lokalen opfern. Da wird man den Mieterschutz preisgeben, wenn nicht jüdische Vertreter soso r t A l a r m s ch l a g e n. Jüdische Geschäftsleute und Gewerbsleute werden wahnsinnig gesteigert oder von großen Konkurrenten ausgemietet werden. Sie und ihre Angestellten werden brotlos. Wollet Ihr den Jüdischen Mieterschutz, dann müflet Ihr am 24. April für die Jüdische Partei ' stimmen und alle Eure Freunde und Berufsgenosfen zur Urne brmgenl I« WlMe MleterMM ift In 8tfoöt! » » » I fl Wer alle mögliche« 6ntFettunoffnren fl fl ■ ■ fl fl durchzemacht hat und trotz großer diättscher Entbehrungen keine Gewichtsabnahme erzielen konnte, versuche Dr. HoffbauerS EntfettuuaStabletteu, die vor allem keine Aenderung der gewohnten Lebensweise verlangen und in kürzester. Zeit Gewichtsverminderung bewirken. — Depots Apotheke H. Bayer. Wollzeile Nr. 13 Was Hat der jüdische Wähler heute zu tun? Ile Wahl lst geheim. - Niemand kann den Wühler j kontrollieren. — Er wühle, wen er will und kann daher falle NolMgen unv Einschüchterungen zurüüwelsen. Er; öraucht niemanden! seinen Stimmzettel zu zeigen.; Icb.'r jüdische Wähler und jede jüdische Wählerin sehe' sofdrc ulder im Wohnhaus angeschlagenen Mndmachüng des Magistrales nach, in. welchem Wahllokal und bei welcher Kommission er zur Stimmenabgabe emgeteilt - ist (Amtslokal, Schule)! " ... - Sonntag den 24. April ist Wahltag! .; Die Stimmenabgabe findet von 7 Uhr früh bis 5 Uhr { nachmittags statt. j :• Es enchsishlt sich, möglichst zeitlich wählen zu j gehen, weil erfahrungsgemäß in den Mittagsstunden ein j größer Andrang in >den. Wahllokalen herrscht.! Die.Wühler erhalten, keine amtlichen Wahllegitimationen j und haben sich vor der Wahlkommission durch; Personalhokumente auszMveisen. Zu diesem Zwecke bereite man die hiezu notwendigen Dokumente vor! Ais Urkunden oder amtliche Bescheinigungen zum Nachweis der Identität kommen in Betracht: Gehurts- und Trauscheine, der Heimatschein, Staatsbürgerschafts-Erklärung, Anstellungsdekrete, Pässe und i amtliche Legitimationen jeder Art, Arbeitsbücher, Dienst- | bolenbüchcr, Dienstkarten, Jagdkarten, Eisenbahn- und I Tramwaypermanenzkarten, Goto erbescheine, Lizenzen, Diplome, Jmmatrikulationsscheine und Meldungsbücher einer Hochschule, Hoch- und Mttelschulzeugnisse, militärische Dokumente urid dergleichen, überhaupt alle - unter Verdruck eines Amtsstempels ausgefertigten Urkunden, die den Personenstand des Wählers erkennen lassen. Mit einem oder mehreren dieser Dokumente versehen, tritt der Wähler vor die Wahlbehörde, deren Sitz er aus dem amtlichen Anschlag in seinem Wohnhaus erfährt, nennt seinen Namen, bezeichnet seine Wohnung und legt eine Urkunde oder eine der oben angeführten amtlichen Bescheinigungen vor, aus der seine Identität ersichtlich ist. Hat der Wähler sich entsprechend ausgeivlesen, so erhält er von >dem Wahlleiter d a s und u r ch s i ch t i g e l e e r e W a h l k u v e r t. Er hat sich hieraus in die W a h lzellezu begeben und legt nun den Stimmzettel der Jüdischen Partei in das Kuvert, nachdem er sich überzeugt hat, ob sich nicht in dem Wahlkuvert ein anderer Stimmzettel befindet. Dieser wäre wegzuwerfen und der jüdische hineinzulegen. Sollte ein jüdischer Wähler oder eine jüdische Wählerin keinen solchen Stimmzettel erhalten haben, so begebe man sich in das nächstgelegene Agitationslokal der Jüdischen Pürtei und behebe einen Stimmzettel. Der Wähler oder die Wählerin kann auch von der Wahlbehörde einen leeren Stimmzettel verlangen. Mit diesem begibtmmg sich wie ybeu in die Wahlzelle- und schreibt sowohl -in die Rubrik „Stimmzettel für die Wahl zürn Nationalrat" als auch in die Rubriken „Gemeinderat" und „Bezirksvertretung": Jüdische Partei. Zusätze, wie zum , Beispiel die eigene Unterschrift oder witzig sein sollende Be- I merkungen und ähnliches, sind zu unterlassen, da sonst die | Stimme für ungültig erklärt wird. 1 I SIEGM. KORNHEHL i! C» GROSSFLEISCHHAUEREI!> < | Zentrale: IX., Bezirk, Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 j J j| Lieferant fflr Heilanstalten j« ü Abteilung für -ftPS-FIeisch;j \ cmter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultus- {) j gemeinde Wien 40 <) j | IX., Berggasse 15 XV111., Währlngerstraße 97! j Nach dem Verlassen der Wahlzelle übergibt man das Wcchlkuvert geschlossen dem Wahlleiter, der cs in die Urne legt. Damit ist aber die Wahlpflicht für den jüdischen Wähler und die jüdische Wählerin n o ch 'nicht erfüllt. Sie müssen ihre Familienmitglied e r, ihre Freunde und ihre Bekannten veranlassen, nur für die Jüdische Partei zu stimmen. Ae Mischen AgNationslokllle. Heute werden in folgenden Agitationslokalen A u fünfte erteilt und sind Stimmzettel erhältlich: 1. Bezirk: Agitationslokal, Kärntnevstraße 28, Tel. 77185/6, Cafe Rathaus, Wipplingcrstraße 24—26, Tel. 66109. 2. Bezirk: Cafe Dänemark, Praterstraße 46, Tel. 49366, Bibliothek Zion, Glockengasse 30, Sektionslokal, Zirkusgasie 33, Genossenschaft der Pferdehändler, Heinestraße 36, Telephon Nr. 44257, Cafe Commerz, Hollandstraße 9, Tel. 46050, Volksküche, Krummbaumgasie 7, Restaurant Baron, Große Schiffgasse 19, Verein Kinderfreunde, Obere Donaustraße 91, Telephon Nr. 41207, Cafe Durst, Untere Augartenstraße 39, Gasthaus Ritzinger, Obere Donaustmße 39, Restaurant Bavschak, Große Schisfgasie, ■ Restaurant Braten, Negerlcgasse 2, Singer Josef, Taborstraße 25, Tel. 45545, Brüder Schiffmann, Tabovstraße 44, Tel. 43108- Gasthaus Wessely, Müllfeldgasse 2. . .. Prater:. Soktionsheim, Jungstraße- 8, - . - Restaurant „Zum Radfahrer", Ausstellungsstraße 20, C-h. Dörfler, Obermüllnerstraße 11, Markus Bartfeld, Seb. Kneipgasse 3, Tel. 45439. 3. Bezirk: Max Markus, Dißlergasse 9, Tel. 92030, 94606, 4. Bezirk: Pfads. „Zireuu", Margareteustraße 10. 5. Bezirk: Terassencase, Margaretcnplatz 4, Tel. 50360. 6. Bezirk: Anuoncenburoan Guttmann, Maviahilferstraße 79 >(im Hose rechts), Tel. 4301, Cafe Palace, Mariahilferstraße 99, Tel. 4029, Cafe Palast, Gumpeudorferstraße 128, Cafe Westminster, Mariahilferstraße 57, Tel. 5362, 7. Bezirk: Rcstauraut „Zitahos" (Spritzer), Mariahilferstraße 88 cv Telephon 35535. Cafe Kosmos, (Lurion), Sicbensterugasse 42, Tel. 31368, Buchdruckerei Beck, Kaiserstraße 81, Tel. 37350, Theodor Rix, Stistgasse 27, Tel. 32655. 8. Bezirk: Sektionsheim, Bennoplatz 1a, Tel. 26269, Bude „Unitas", Auerspergstraße 21, Cafe Schlösselhof, Alserstraße 15. 9. Bezirk: Cafe „Metropol", Berggasse 33, Tel. 10157, Lese- und Redehalle, Türkenstraße 9 (Hof), Jüd. Hochschulausschuß, Zimmermannplatz 1. 10. Bezirk: Agitationslokal, Favoritenstraße 130. 12. Bezirk: Artur Albers, Gandeuz'dvrfergürtel 47/5. 13. Bezirk: Pick, Bossigasse 23, Tel. 81951. . 14. Bezirk: Dr. N. Geier, Dadlergasse 13, Tel. 83634. 16. Bezirk: Cafe DubUttsky, Brumieugasse 34, Tel. 28106, Chewet Achim, Neulercheufelderstraße 64. 17. Bezirk: Dr. S. Bohiu, Kalvarienberggasse 34, Tel. 21853. 18. Bezirk: : Dr. D. Rothblum, Stermvartestraße 25, Prokurist Weber, Haizingergasie 45. 10. Bezirk: Cafe Döbliugerhof, Billrothstraße 49, Tel. 1 r> 11* 20. Bezirk: Sektionsheim, Leystraße 81, Sektionsheim, Jägerstraße 30.