Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2929 (24.4.1927)
- Date
- 1927-04-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 24. 21pril 1027 srr. SöLS > Wahlzeit von 7 Ahr früh bis 5 Ah* I nachmittags! Zeder versorge sich mit dem Stimmzettel der jüdischen Partei! Gehet zeitlich wählen, damit Zhr Euch dann der Wahlarveit widmen könnt! Wählet die jüdische Partei! Wählet die jüdische Partei! Bor der llntscheldung. -y, Wien. 24. April. -Tie Masse der jüdischen Wähler Wiens lvird heute Von den Führern der Judenschaft an die llrne gerufen. Sie soll erkläre,i. daß sie zu den Personen Vertrauen besitzt, die für jüdische Angelegenheiten seit langen Jahren tut Kampf stellen nnd die zu keiner Stunde lwch versagt haben. Es sind dies die Personen, die in der grauesten Zeit des österreichischen Judentums, in beit Schreckenstageil des Krieges, anf ihrelr Posten gestanden haben ulld den von aller Welt bedrohten, von jeder Hilfe verlassenen Opfern Trost und Mut gebracht haben. Es sind dies die Personen, die ihr jüdisches Gewissen und ihr PstickKbewußtsein ailgetrieben hat, die jüdische Sache zu führen, Personen, die das jüdische Volk in Ost imd West als eine einzige unzerstörbare Einheit anseHn und die auch in denk Kampf um die Wiederaufrichtung des jüdischen Landes und der jüdischen Freiheit im Vordergrmid stehen. Personell, deren NanlcrL das garrzc jüdische Volk in Ehren nennt und an die sich auch nicht der Schatten eines Mißtrauens heranwageir darf. Für das jüdische öffentliche Leben ist das eine Selbstverständlichkeit. Aber wenn wir in den Straßen lesen, was die 'Volksparteien den Kandidaten nachsagell, wewrr wir ülls erinnern, wie noch vor ganz kurzer Zeit hohe Amtssunküoiläre dieses Staates, Politiker imb Volks beauftragte der schmnloseftcn Korruption und des Mißbrauches chrer Stelkmg beschuldigt wurden, so sind wir stolz auf diese Selbstverständlichkeit. Ter jüdische Wähler «hat dies zu bekräftigen. Aber er hat auch zu erkennerr, daß er nicht mir Vertreter ferner Interessen wählt, soilderu Vertreter der großer: jüdischen U>ee, des jüdischen Freiheitsenrpfindens, der jüdischen Friedenssehnsucht und der jüdischen - Demokratie. Das jüdische Volk ist das einzige, in dessen Seele der Gedanke d^r Völkervereinigung, der Ucberwindung des Hasses Fuß gefaßt hat, das einzige Volk, das den Krieg uitb die Gewalt verabscheut, es ist das Volk des Buches und des Gesetzes. Der Lauf der Weltgeschichte hat es gefügt, daß auch diesen: Volk das Sclbstbestinmumgsrecht wenigstens in de,: ersten ' Grundlagen zuteil geworden ist. Das jüdische Volk hat sich ^einc Heimat zu bauen, aus seiner Kraft, aus seinen Mitteln. Tie Mächte des Völkerbundes vertrauen den: jüdische:: ' Volk, daß es sein ureigenstes Recht selbst ivahrirehnren wird. Ilm so mehr müssen wir, wo imn:er wir rvohiwrr, die Vertretungen unserer Angelegenheiten selbst besorgen und in die Hände jüdischer Menschen legen, die allein verstehen und empfinden, wie es um uns steht. In Polen hat die jüdische 'Masse sich durchwegs aus der Botmäßigkeit der fremben Parteien befreit. In Estland hat sich das jüdische Volk seine volle kulturelle Autonomie errungen. Im Land der jüdischen Zukunft, in Palästina kämpft eben jetzt die junge jüdische Siedlung mit dem Stimmzettel um ihre Position und alle Juden haben sich aus eine einzige Liste geeinigt: Freisinnige und Orthodoxe, Konservative und Radikalsozialisten. Alle Parteien stehen einig nebeneinander ui:d sie haben trotz der schiversten Weltanschaimngsdifferenzen die Notwendigkeit der Stunde erkannt. Gewiß vollzieht sich der Politisierungsprozeß eines über alle Länder verstreuten Volkes unter potenzierten Kämpfen. Aber wo es sich um eine genieinsame Ausgabe handelt, um die Sicherung der wirtschaftlichen und politischen Existenz, UM die Erziehung dev Jugend, um das gleiche Recht, muß das Judentum als eine geschlossene Partei austreten. Wir haben eine Liste ausgestellt, in der der jüdische Jtttellcktnelle, der jüÄsche Erwerbsmann, der jüdischst Profefftonift nnd beijüdische Arbeiter steht. Männer Nnd Frauen umsaßt diese Liste und wir haben den Wahlaufruf veröffentlicht, in dem alle Forderungen einer radikalen demokratischen Richtung aufgestellt werden. In Hunderten von 'Versamm-; hingen ist die Bedeutung dieses Kampfes erörtert worden, j Kein Deutscher, kein Christ hat daran Anstoß genommen- Das Proletariat in dieser Stadt läßt es immer wieder erkennen, daß es unserer: Kampf respektiert, ebenso daß es den Aufbau der jüdischen Freiheit in Palästina mit seiner 'Sympathie begleitet. Aber die jüdischen Führer dieses Proletariats, die in ihrer Glrettofeighert in neurotische Krämpfe verfallen, wenn von jüdischen Dingen die Rede ist, bestreiten uns unser Recht und sind sogar auf den hysterischen Einfall gekommen. Juden und Pogromparteien zusaurmenzutun. Wen,: rvir auf unserer Liste bestehen, sagen sie, fördern wir die Reaktion. Nein, sie fördern die Reaktion ndu rvenn sie in dem Wahlkampf Schaden erleiden sollten, so haben sie das nur sich, nur ihrer verdrehten Politik zuznschreibcn, die die Taktik über die Freiheit stellt und die ihnen den Nimbus genommen hat. Sie müssen sich selbst dafür verantwortlich machen, daß unter dem falschen und 3« de» Nationalrat: Me», MM (2., 20., 2L 9(}i(!) Robert Stricker, Oberbau rat, Wien. Dr. Desidcr Fried mann, Rechtsanwalt, Wien. Dr. Leo G o ld h a m me r, Rechtsanwalt, Wien. Meier Henisch, Privatbeamter, ien. 3« allen übrigen sechs Wiener Wahlkreisen lautet die jüdische Liste, die zugleich auch Wahlkreis-Berbandsliste ist. wie folgt: Dr. Desider Friedman n, Rechtsanwalt, Wien. Dr. Max Bernhard, Rechtsanwalt, Wien. Karl Schwarz, Kaufmann, Graz. Dr. Ludwig R o s e n h e ck, Rechtsanwalt, Mödling. 3« de» Semeinverat: 1. Bezirk: Dr. Desider Friedmann, Rechtsanwalt, Wien. Dr. Alfred Löwy, Arzt, Wien. 2. Bezirk: Dr. Leopold P l a s ch k e s, Rechtsanwalt, Wien. Dr. Desider Friedmann, Rechtsanwalt, Wien. Robert Stricker, -Dberbaurat, Wien. Dr. Leo Goldhammer, Rechtsanwalt, Wien. Franka Rittermann, Private, Wien. Viktor B a u n: i n g e r, Kaufmann, Wien. Meier Henisch, Privatbeamter, Wien. 9. Bezirk: Dr. Lco Gold Hammer, Rechtsanwalt, Wien- Dr. Desider Fried mann, Rechtsanwalt, Wien. Hugo Rechnitzer, Prokurist, Wien. Salo Schmerler, Privatbeamter, Wien. Dr. Alfred L ö.w y, Arzt, Wien. Ella F i n k e l st e i n, Private, Wien. 20. Bezirk: Robert Stricker, Oberbaurat, Wien. Wilhelm Pethyan, Fleischhauer, Wien. Frau Perl Modlinger, Private, Wien. 3» die Bezirksvertretunge«: 1. Bezirlr Bezirksrat I. H. Waltuch, Kaufmann, 1. Bez., Maria Theresienstraße 24. Dr. Leopold Grünberg, Rechtsanwalt, 1. Bez., Schwarzenbergplatz 8. Julius Goldfinger, Direktor, 1. Bez., Adlergasse 8. Adolf Tarier, Kaufmann, 1. Bez., Kohlmessergasse 6. Oswald Reicher, Kaufmann, 1. Bez., Werdertorgasse 5. 2. Bezirk: Bezirksrat Nachman Rappaport, Kaufmann, 2. Bez., Rotensterngasse 6. Max S ch i s f m a n n, Kaufmann, 2. Bez., Taborstraße 48. Dr. Dagobert Rybaczewsky, Rechtsanwalt, 2. Bez., tzollandstraße 14. Bezirksrat Hermann Plaschkes, Genossenschafts- Vorsteher, 2. Bez., Castellezgasse 12. Margit Buchbinder, Private, 2. Bez., Taborstraße 11 b. Siegmund Haber, Schriftsteller, 8. Bez., Große Mohrengasse 3 b. Paul Földes, Kaufmann, 2. Bez., Obere Donaustraße 65. Chaim Dörfler, Kaufmann, 2. Bez., Mbsstraße 29. gefälschten Schlagwort des Antimarrismus eine Sammelfront der heterogensten Eleinente geschaffen »verden konnte. Wir haben mit beiden nichts zu tun. Wir lehnen rechts und links, schwarz und rot autgelb ab, wir sind jüdisch und bleiben jüdisch u:kd wählen jüdisch. 3. Bezirk: Kommerzialrat Max Markus, Kaufmann, 3. Bez., Äießlergasse 8. Ludwig B a t o, Beamter, 3. Bez., Dampfschiff straße 14. Franka R i ttermann, Private, 3. Bez., Hetz gasse 42. 6. Bezirk: Bezirksrat Moritz Kohn, Kaufmann, 6. Bez., Stumpergaffe 29. Ignatz G u t t m a n n, Filialleiter der „Phönix", 6. Bez., Amerlinggasse 9. Jenny Eckstein, Private, 6. Bez., Hugo Wolsgasse 3. Josef Mühlbauer, Beamter, 6. Bez,, Mariahilferstraße 89 a. Abraham F r ä n k e l, Bankier, 6. Bez., StumjÄ» gasse 49. Ernst Asche r, Handelsagent, 6. Bez., Amerlinggasse 9. Bernhard Me hier, Kaufmann, 6. Bez., Moritz-, gaffe 5. 7. Bezirk: Theodor Rix, Kaufmann, 7. Bez., Stistgasse 27. Leo Königsberge r, Kaufmann, 7. Bez., Kaiserstraße 67. Emil Dick stein, Kaufmann, 7. Beg., Westbahnstraße 38. Julius Steiner, Angestellter, 7. Bez., Bandgaffe 1. Josef Thiebcrger, Direktor, 7. Bez., Neubaugaffe 66. Jakob Groß, Kaufmann, 7. Bez., Neubaugaffe 36. S. E. M i ch e l st ä t t e r, Fabrikant, 7. Bez., Neubaugaffe 57. Armin Klein, Kaufmann, 7. Bez., Schottenfeldgaffe 89. 8. Bezirk: Karl Schwarz, Kaufmann, 8. Bez., Langegaffe 76, Prof. Dr. Heinrich G l a n z, 8. Bez., Langegaffe 32. . Natalie Kolb, Private, 9. Bez., Alsorstraße 57. Walter Fleischmann, Kaufmann, 8. Bez., Josefstädterstraße 52. Isidor Pfesserbaum, Kaufmann, 8. Bez., Blindengasse 7. Dr. Alfred G r o ß n e r, Arzt, 8. Bez., Alserstraß" 54. 9. Bezirk: Bezirksrat Dr. Georg Weiner, Rechtsanwalt, 9. Bez., Porzellangaffe 13. Max Bellak, Kaufmann, 9. Bez., Glasergasse 4a.» Moses Weiner, Prokurist, 9. Bez., Servitengasse 13. Salo Schmerler, Prokurist, 9.,Bez., Seegasse 12. Dora Diamant, Private, 9. Bez., Müllnergasse 36. 18. Bezirk: Josef Weber, Prokurist, 18. Bez., Hoizingerstraße 45. Grete Wilheim, Private, 18. Bez., Gentzgaffe 37. 19. Bezirk: Ing. Moritz Freundlich, 19. Bez., Döblingei Hauptstraße 70. Fritz Pollak, Beamter, 1V. Bez., Döblinger Hauptstraße 70. Hugo Rechnitzer, Bankbeamter, 19. Bez., Dionys Andraffistraße 5. 20. Bezirk: Ing. Richard Beck, Baumeister, 20. Bez., Rafael gasse 6. Rudolf Klumak, Kaufmann, 26. Bez., Klucky gaffe 13. .■«' .. Die Kandidatenliste der indischen Partei Meldet Euch heute, halb 7 Ahr früh, alle zur Mitarbeit im ^jUVvH ♦ Zentralwahlbüro (Wiener Morgenzeitung) II., Taborstraße 1-3.