Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2927 (22.4.1927)
- Date
- 1927-04-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982015--29799-3017961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 2927 Men, Fvoidag Wiener Morgenzeitnng 28. April ISS? ZAGREB "W2 AGRAM RESTAURANT KARMEL. Petrin ska 26 Einzig streng orthodoxes Restaurant am Platze Vorzügliche Küche Mäßige Preise ist genau fo unkleidsam für uns als die schwarze; die Vertreter dieser beiden Farven nrüchten uns am Aevsten doch noch den gelben Iudensteck des Mittelalteranhesten. So lehnen wir also schon schwarz, rot und gelv ab und dieser DreiNang erinnert mich an die Aufrufe, die mir Deutsche jüdischer Konfession für die demokratische Liste ins Haus senden und um diese abzmveisen, bedarf es nicht vieler Worte. Diese Partei, die Farben sagen es schon, hat von jedem Nebel kür uns ei» wenig, tut uns also nicht gut — ist auch WrrdieV viel zu ausdruckslos, um unser Gefallen zu erwecken. Wir Jüdinnen wählen daher am 24. April nur die jüdischen Farven, deren Vertreter als einzige imstande find, uns für uns und unsere Kinder eme heitere, günstige Gegenwart und Zukunft zu schaffen, soweit dies eben in der Galuth möglich ist. Wir wählen ohne Zögern und mit voller Zuversstcht und Vertrauen die heiteren, uns freundlichen Farben, das Blau-Wertz der jüdischen Partei. Dora Diamant, FstrsorgeEn. An die jüdische» Arbeiter und Angestellten! Das anonyme Wahlkomitee werktätiger Juden, dieser jüdisch« Ableger der österreichischen Sozialdemokratie, spielt sich unbefugterweise als der Wortführer der jüdischen Arveitendm Wiens auf und nimmt es sich heraus, nicht bloß der sozialdemokratischen Partei Zutreibevdienste zu leisten, sondern auch die Jüdische Partei mit unwürdigen Mitteln zu bekämpfen. Die gefertigte Zionistische Arbeitspartei „Hitachduth", die ebnen Dell 'der jüdischen Arbeiter und AngestGten Oesterreichs organisatorisch umfaßt, sieht sich daher veranlaßt, folgendes zu erklären: Wir erkennen die aufbauende Arbeit der österreichifchen Sozialdemokratie, soweit sie sich im Bau der Volkswohnhäuser, bn der Schaffung der neuen Schule im Geiste der großen neuzeitlichen Pädagogen, in der Errichtung von Anstalten, die den breiten Schichten der Bevölkerung die Möglichkeit gibt, Licht und fiuft zu genießen, sowie in der von echtem sozialen Empfinden getragenen Füvforgetätigkeit äußert, voll an. Andererseits aber muffen wir vom jüdischen und demokratischen Gesichtspunkt aus folgendes konstatieren: Die österreichische sozialdomvkratbsche Partei hat dadurch, daß sie das gegenwärtige Wahlrecht, welches daraus abzielt, die Mandate unter die großen Parteien aufzuteilen und die Minoritäten um ihre Vertretung zu bringen, mitgeschaffen hat, den Boden des wahren Sozialismus und der Demokratie verlassen. Am allerwenigsten jedoch kann der österreichischen sozialdemokratischen Partei die Vertretung der jüdischen Interessen anvertraut werden. Diese Partei weist es oft und entschiedenzurück, als „Juden schutztruppe" angesehen zu werden. Im Gegensätze zum Weltsozialismus negiert sie hartnäckig die Existenz einer Judenfrage, und aus dieser Negation heraus leitet sie ihre konsequent ablehnende Haltung gegenüber allen jüdischen Forderungen ab. Sie tritt wohl für das Selbstbestimmungsrecht der 'Nationalen Minoritäten ein, schließt aber die Juden von diesem Rechteaus, und versagt ihnen daher die Erfüllung auch der primitivsten Forderungen. Jüdische Lehrinstitute und Wohlfahrtsvereine erhalten keine Gömeindesubventtonen, jüdischen Turnvereinen verweigert man die Turnsäle, der Unterricht im Hebräischen ist für den sozialdemokratischen Präsidenten des Wiener Madtschulrates ein „reaktionärer Balla st". Aber nicht bloß die nationalen Rechte der Juden, auch ihre primitiven bürgerlichen Rechte werden seitens der sozialdemokratischen Gemeindeverwaltung ignoriert: Juden werden nicht angestellt, bekommen in den Gemeindehäusern nur selten eine Wohnung -»gewiesen, werden trotz mehrjähriger Seßhaftigkeit in Wien nicht eingebürgert usw. Die Negation des Judentums seitens der österreichischen sozialdemokratischen Partei geht aber noch weiter: Ungeachtet ihrer Zugehörigkeit zur sozialistischen Internationale, in welcher auch die palästinensische Arbeiterschaft vertreten ist, und die das Recht des jüdischen Volkes auf seine historische Heimat anerkannt hat, nimmt sie eine feindliche Haltung gegenüber dem Palästina- Aufbau und eine einer sozialistischen Partei nicht entsprechende Haltung dem arbeitenden Palästina gegenüber ein. Aus all diesen Erwägungen heraus sicht die ,Hitachduth" auch für die jüdischen Arbeiter und Angestellten, die sich eines vermeintlichen materiellen Jntereffes willen nicht zum Stimmvieh dagradkren lasten wollen, die dringende Notwendigkeit einer eigenen jüdischen Vertretung in den wichtigsten öffentlichen Vertretungskörpern ein. Nur durch eine jüdische Vertretung, die stets und überall für die vitalsten, jüdischen Jntereffen mit dom nötigen Mut und Nachdruck eintritt, kann eine Aenderüng in dcr Behandlung der Judenschaft dieses Landes herbeigeführt und eine allseitige Verständigung angebahnt werden. Eine solche. Vertretung, die, die jüdischem, Interesse« stets im Auge haltend, für das v olle Recht des arbeitenden Menschen und für Aufrecht* erhaltnng der sozialen Errungenschaften und auch des Mieterschutzes einzutreten h a b e n w i r d, erhoffen wir uns nur von >den Mandataren der jüdischen Partei und fordern wir daher die Mische» Arbeiter und Angestellten auf: Wählet die Liste der „jüdische« Partei«! Zionistische Arbeitspartei ,Hi1<rchktth" für Oesterreich. Jüdische Wählerinnen und Wähler! Für euch besteht am Sonn tag vv ampilicht! UeberfallauselnenmexikanilchenUenbahnMg Banditen zünden einen Schnelling a«. — Süll Reisende getötet. New York, 21. Apyil. Auf der Eisenbahnlinie Mexiko-Guadalajara bei Limon wurde gestern nachts der fahrplanmäßige Nachtzug von etwa 300 Ba: diten zum Entgleisen gebracht. Die militärische Eskorte in der Stärke von 50 Mann wurde im Nahkampf getötet, ( die Passagiere in. die Wage« eingeschlosfeu, worauf der ganze Zug mit Petroleum übergosssen und angezündet wurde. Die Banditen versteckten sich sodann rund um den brennenden Zug und schossen von dort auf die Reisenden, die aus dem Zug zu flüchten versuchten. Im Zug befanden sich etwa 600 Reifende, von denen ungefähr 200 erschossen, niedergestochm oder lebendig verbrannt sind. Unter den Toten befindet sich auch die Tochter des gewesenen Staatspräsidenten O b r e g o n. Sie Überschwemmungen im Missifsippigebiet. Epidemien in den Flüchtlingslagern. Während Newyork mit 31 Grad Celsius außergewöhnlich heiße Tage durchmacht, gehen ununterbrochen Regenstürme in den Südstaaten nieder. Die Wetterberichte melden, daß fünf Millionen Acres in der Mississippiebene mit Wasser bedeckt sind. In mehreren Flüchtlingslagern in Arkansas sind Epidemien ausgebrochen. Die Stadt Neumadrid mußte rvegen Dammbruches völlig evakuiert werden. > Taifun und Feuersbrunft iu Japan. London, 21. April. Nach Blättcrmeldungen aus Japan habe ein Taifun Yokohama heimgesucht und die Schiffahrt schwer in Mitleidenschaft gezogen. Eine durch den heftigen Wind geschürte Feuersbrnnst habe in der Stadt Kanazama (Provinz Jshikavo) tausende Häuser zerstört. Der Schaden wird auf fünf Millionen Yen geschätzt. Es wird befürchtet, daß Viel- Menschen ums Leben gekommen seien. Der Ratte«- und MlluseverMger als Kronprinz Aus Budapest wird gemeldet: Seit einiger Zeit beschäftigen sich die Behörden mit einem ^angeblichen Kronprinzen Rudolf, der sich in der Gemeinde Lajosmizse bei Budapest herumtreibt und aus der Leichtgläubigkeit des Landvolkes Nutzen schlägt. Der Pseudokronprinz ist seines Zeichens Rasten- und Mäuse- Vertilger und heißt Mols Ferencz. Die Bauern drängen sich um den /Kronprinzen", der zumeist in zündenden Ansprachen Prophezeiungen über die Zukunft Ungarns macht und dabei scharfe Kritik an dem bestehenden Regime übt. Der falsche Kronprinz kam deshalb mit der Verwaltungsbehörde in Konflikt und wurde ans Lajosmizse abgeschoben. Aber Ferencz kehrte nach Lajosmizse zurück, weil er dort außerordentliche Erfolge aufwies, bis ihn gestern die Gendarmen festnahmen uttb nach Budapest brachten. Hier hat die Staatsanwaltschaft gegen den 70jährigen Schwindler ein Strafverfcchren lvegen Schmähung des ungarischen Staates eingelegt. Prozeß Wege« einer Snteiguuug im Fahre 1794. Aus Warschau wird berichtet: Im Jahsse 1794 beschlagnahmte die ruffische Regierung das Erbgut des damaligen polnischen Kronkanzlors Mierzejewski, weil sich dieser gegen die ruffische Herrschaft auflehnte. Auf dem Terrain, welches das damalige Gut darstellte, entwickelte sich die Warschauer Borstadt Praga. Nun beabsichtigt ein Nachkomme des Kanzlers gegen die HanS». befrtzer, deren Grundstücke sich auf dem vhenmlijgen Erbgut befinden, gerichtlich vorzugchen und die Rückgabe des Bodens zu verlangen. In Anbetracht der Größe des OVMes hat der Prozeß in Warschau erhebliches Aufsehen erregt. Sie Telephon-Nummer ««lerer Redaltün ist ab « Uhr abends jetzt -usschUehliq Nummer 31.086. Der Zug ist vollständig von den Flammen zvHSrt worden, die Ueberfallstätte bietet ' cän grauenhaftes Bild der Zerstörung. Die mexikanische Regierung hat sofort die GAkseckbUng eines großen Truppenkontingents zur Bersvlguttg der Banditen angeordnet und der KchogSminister hat sich persSMch «m die einer KavallerteaMeUung gestellt, um an der Verfolgung terlzunehmpn. Nach einer offiziellen Erklärung sollen politische Hintergründe zu dem Anschlag geführt haben. Das Etnfkvpwt wird beschuldigt, die Bande, die dien Zug überßel, orHaujisiert zu haben. Der Anwalt ein-r religiösen Fr i beitsliaa Mtte die Bau I eit 8i« neues Mittel gegen 3usfet« lrankheit. .Hocment" in Pweasmm. "Aus B e'ri i n wird uns gemWÄ: Auf dem 'Ctzivuröettftnvr;; im £ungeu5eck-Birchow-Haus machte der HWstenr Dr. StaHk Vonlrer Berllner"Charite eine aufsehenerregende Ankündigung über ein neues Mittel gegen die Zuckerkrankheit. Das Mittel, das den Ramien „Hoorn enl" trägt, Mrd in 'Pillenform eingenommen. Der VerWnrke -StosswEelfPezläNst Professor Dr. Norden üus Frankfurt wird kommende Woche Wer 'die Anwendung dieses neuen, von ihm erfundenen „Hormenk" . und ferne damit gemachten Erfahrungen auf dem 'Kongreß der Krankerchausdirektoren in Mesvaden einen Bortrag halten. Prof. Norden hat in zahlreichen Fällen mit feinem Nttttel Erfolge erzielt. In Berlln wurde von sieben Aerzten das Mittel vorerst an Versuchstieren erprobt. Den Tieren wurde die Bauchspeicheldrüse, die Pancreas, herausgeschnitten, deren Sekret Mr richtigen Verdauung der Kohleihhdrate nöttg ist, und ohne das der Zuckergehalt der Speisen ins Blut Wergcht. Durch Einnahme des neuen Mittels blieben die Tiere auch nach der Beseitigung der Bauchspeicheldrüse zuckerfrei, so daß schon durch den Tierversuch die Bedeutung des neuen Mittels erwiesen erscheint. Prof. Norden baut in Frankfurt eine Klinik nu-r zur Behandlung der Zuckerkranken mit dem neuen Mittel „Hovment", durch das die Jnsulininjektion mit ihren Folgen Werftüssig würde, wie auch die Pancreasoperattonen, die in der letzten Zeit immer häufiger durchgeführt wurden. Siguungsprüsuag für die 8he. Der Lievvömeffer. War früher die Eindrucksmethode der Prüfstein der Gefühle, fa führte bald die Unzulänglichkeit dieses Verfahrens zum Wusbau der Ausdrucksmethoden, die in den physiobogischeu Begleiterscheinungen der Gefühlszustände einen objektiven, jederzeit kontrollierbaren Anhaltspunkt für die wissenschaftliche Forfchnngj gewährleisten. Wenn eS also möglich ist, zu «zeigen, daß dWem bestimmten Gefühl stets ein zugeordnedeS „Ausdruckssymptom" entspricht, fo ist eS einleuchtend, daß diese, körperlichen BcMviterscheinungen wieder einem Rückschluß auf die zugchörigqn Gtzfühle gestatten. . ,,; [ t Beobachtung und Messung nebst graphischer RegistrüLuug ward heute iu der Experimentalpsychologre vielfach angetvandtj. Die Atemschreibung (Pneumographie) zur Feststellung der Atemkurven, die Gardiographie zur Untersuchung der Schwankungen des Blutkreislaufes, Sphymograph (Pulsschreiber) und Sphygmanonreter (Pulsblutdruckschreiber) seien nur kur erwähnt. Es prützt 'der Versuchsperson gar nichts, Gefühle verbergen zu wollen, diü technischen Hilfsmittel registrieren sie ja doch mit peinlicher Genauigkeit. Selbst der GefühlÄvert der Musik oder eines lKunstzobjektes ist der experimentellen Untersuchung zugänglich genrau fo wie geistige Prozesse. Will man doch gefunden haben, daß z. B. als Ausdruckssymptom einer Lüge, drei -bis fünf lieft Atemzüge vor der falschen Aussage zu gelten habe». Da ist es nun nicht veNounderkich wenn kürzlich «in Amerikaner- H. Gernsback, der bekannte Herausgeber der popnWv