Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2926 (21.4.1927)
- Date
- 1927-04-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. SSSV Me«, DormerSlvg XL ApE!0» GedSchwitzftöruugeu dnrch gasalinbehnndlung! Ueber einen merkwürdigen Fall von Gedächtnisstörung beichtete in der Wiener Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde Assistent De. Hitzenberger von der Klinik WenckLach. ES handelt sich um einen Patienten, der mit Insulin behandelt ivurde und Überraschende Erscheinungen zeigte, die anscheinend als Folge der Behandlung ausgetreten sind. Der Patient war vollkommen desorientiert und sein Gedächtnis versagte gänzlich Fragen nach seinen Familienverhältnissen, sogar nach der Jahreszeit konnte er nicht beantworten. Die Behandlung, die dem Patienten zuteil wurde, beseitigte die ursprüngliche Lebensgefahr, allmählich wußte er mich über seine Familienverhältnisse Bescheid und gewann die örtliche Orientierung zurück. Wie in dem ärztlichen Referat ausgeführt wild, hat sich bloß die Erinnerung an Namen noch nicht wieder eingestcsllt. Aber auch in dieser Beziehung trat insoferne eine Bessa-- rrmg ein, als der Patient zuerst einen einzigen Namen wuAe, und Mar: Breitner. Warum ihm dieser Name so im Gedächtnis geblieben ist, wurde nicht aufgeklärt. Der Patient konnte sich jedoch teS Namens des Bundespväfitenten und anderer bekannter Persönlichkeiten noch ufrfet entösftttäL '■Tnwyi? Vf vtnvf*i Silo Eißler begnadigt. Unterbringung dt einer Heilanstalt. Otto Ei hier, der vor vier Jahren seinen Vetter Robert Vitzler, Mitinhaber der bekannten HoUirma I. Eißler u. Brüder, in dessen Bureau in der RathauSstraße durch mehrere Revoltvevschüfse getötet hatte, weil dieser ihn geschäftlich benachteiligt haben soll, wurde, wie erinnerlich, zu 10 Jahren schweren Kevlers verurteilt. Die Strafe hatte er in der Strafanstalt Karlau bei Graz ahzuWßen. Da Eißler an schwerer tzastpsychose erkkranikt ist, wurde von seinem Verteidiger Dr. Haslinger für ihm ein Begnadigungsgesuch eingebracht, das aber uchpvünyllch abschlägig teschieden wurde. Nunmehr hat dar Verteidiger abermals ein Gesuch um bedingte tzaftear-t-tassung eingeibracht, dem mit Rücksicht auf das g-e-r^chtSplsychiatrische Gutachten stattgegeben wurde. Otto Wtzler hat einen Großteil feiner Strafe in Einzel- ,hoft verbracht, so daß er schon ungefähr die Hälfte der Über ihn verhängten Strafe verbüßt hat. Dr. Eißler wurde noch gestern aus der Strafanstalt entlassen und der Grazer PolizeibivÄtton zur Verfügung gestellt. Es wird jetzt Über seine weitere Anhaltung in einer Heilanstalt entschieden werden, da Mtzler deutliche Symptome von Paranoia zeigt. Mt seinen Angehörigen steht Eißler wegen der Auseinandersetzung über das HWsrsche Vermögen noch immer im Prozeß. Ne kommenden Schacherelimkffe. Gegenwärtig findet in Bremen ein Achtmelsterturmer statt, an dem n. a. Bogoljubow, ferner die deutschen Meister Carls, v. Hohzhanfen und Wagner teilnehmen. GZiefes Durnier ist, wie soeben gemeldet wird, nach stoben Runden beendet worden; als Sieger ging BogvljuVow mit 8 Zählern hervor. — Die Red.) In Berlin wird ein M erster tu rnier des Arbeiter- Schachkluvs in zwei Achtergruppen ausgetragen, das daduvch bemerkenswert ist, daß die starken russischen Meister JLjin-Geuewsli (der Befieger Capablancas im Moskauer Durnier) und Suwarew (der ebenfalls am Moskauer Durrüsr teilnahm) mittun. Genewski führt im Berliner Turnier. In den nächsten Tagen beginnt in > Tunbridge- WwllS (England) ein Achtmeisterturnier, an dem vier englische Meister und aus dem Ausland Reti, Colle, Montieelli und Snosko-Borowski teilnehmen. Die weiteren internationalen Turniere dieses Jahres sind das anläßlich des Schachweltkongresses in London, zu dem jedes teilnehmende Land vier Vertreter zu entsenden berechtigt ist (die voraussichtliche Teilnehmerliste haben wir schon veröffentlicht), ferner stark besetzte Turniere in Magdeburg, Leningrad, KecSkemet, HevflngsforS, Meran und Hastings. Im nächsten Jahre soll in New wieder ein großes internationales Schachturnier stattsinden, das eine hervorragende Besetzung erhalten wird. An Preisen sind insgesamt 8000 Dollar auSgefotzt, von denen der Sieger 1"000 Dollar erhält. Für jeden gewonnenen Punkt werden außerdem SpieHonorare von BO Dollar verteilt. Die Einladung zu diesem Durnier erhielten Weltmeister Capablanca, Dr. Mjechin, Rimzowiksch, Bogoljuibow, Rubinstein, Professor Bidmar, Spielmann, Machhall, Reti, Colle, Dr. Dartcckower, Grünfeld, Dr. Darrasch, Dates, Przepiovka, Canal, Maroozy, KupshA, Kashdan, Dr. Euwe und Eduard LaÄer. Aus dieser Liste geht hervor, daß auch diesmal Dr. EmanuelLaster übe r g a n g e n werden soll. Er wäre vielleicht dar Beste» wenn die europäischen Meister diesen Boykott DaskerS mit einem Boykott des Durnierbeantworten würden. «XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX) Ae Lelephou-Rummer unserer Redaktion Ist ad « »hr abend« jetzt mqchüetzüch Nmmner 81.086. llnvetterlttaftropheu iu aller Belt. WirbelstSrme in Minois. Newyork, 20. April. Ueber Süd-Jllmois sind äüßerst heftige Wirbelstürme niedergegangen, die katastrophale B'rwüstungen anrichteten. JnCenterville tourte eine Schule durch einen Tornado znm Einsturz gebracht. Der Lehrer tourte getötet und 25 Kinder unter den Trümmern begraben. Alle Kinder sind verletzt, fünf davon schwer. Zwei Kinder tourten auf ter Straße durch Herabfallente Ziegelsteine getötet. Zahlreiche Dörfer tourten verwüstet. Einige taufend Häuser leichterer Bauart tourten zerstört. Die Zahl der Toten wird auf 75, ldie der Verletzten ans über 300 geschätzt. Sin Zyklon ln Sydney. London, 20. Llpril. Wie aus Sydney in Australien gemeldet wird, ist die Stadt am Montag durch einen Zyklon derhe-ert worden. 1-5 Personen fanden den Tod. (Qn Zf* VK Ml Newyork, 20. April. Nach einem Tüegrmrmr aus Memphis (Tennessee) ist der Damm des Miissoyrri bei New-Mateid durchbrochen, wodurch etwa 3^000.000 Hektar Ackerland überschwemmt werden. Die Einwohner des betreffenden Gebiets flüchten ziu Taufenden vor dsr herein-brechenden Fluten. Die Behörden uns das Rote Kreuz organisieren Hilfsakttonen. Bis jetzt werden durch die Uever schwemmmrgen 35.000 Obdachlose gezählt. Erdbeben ans de« Philippinen und gatza«. London, 20. April. Nach hier eingetwffenen Meldungen hat sich im Norden der Philippmen-Jnsel Luzon und gleichzeittg auf ter japanischen Insel Formosa ein Erdbeben ereignet. Auf der Insel Luzon sind bedeutende Erdbeben ereignet. Auf ter Insel Luzon sind bedeutende Schäden verursacht worden. Sogar in Manilla haben mehrere Häuser Risse bekommen. Ueber den Umfang des Bebens Ms der Insel Formosa fehlen noch Einzelheiten. *\\?B Dar älteste Planetarium Die Errichtung der Planetarien nimmt immer mehr zu und auch in Wien wird demnächst anläßlich der Ausstellung ,Mien und die Wiener" ein Planetarium eröffnet lverüen. Auch in London denkt man daran, eines zu errichten, und aus diesem Anlaß erinnert John van derMeer in den Londoner „Times" daran, daß eine einfache, aber anschauliche Nachbildung des Weltalls in ähnlicher Art, wie sie heute Üblich ist, bereits vor 150 Jahren von einem Holländer geschaffen wurde. Es ist dies das Planetarium der kleinen Stadt Franeker der ehemaligen Universität von Holländisch-Friesland. DaS Planetarium, das seit 160 Jahren im Gange ist und den Besuchern des Städtchens zugänglich ist, fiel heutzutage einer unverdienten Vergessenheit anheim, war aber früher als ein Wunderwerk berühmt. Es wurde von einem geschickten Friesen, namens Eise Eisinga, geschaffen, der im Jahre 1689 mit 84 Jahren starb. Eisinga war Wollhändler, beschäftigte sich aber in seinen Mußestunden eifrig mit der Sternenkunde und errichtete in dem Bestreben, das Planetensystem zu veranschaulichen, in seinem kleinen Hanse zu Franeiker ein vollständiges Planetarium, an dem er vier Jahre lang arbeitete. Seit 1766 ist diese hauptsächlich durch hölzerne Räder in Bewegung gesetzte Einrichtung immer in Gang, mit Ausnahme weniger Jahre, in denen Eisinga von Hause fern weilte. 1625 wurde das Planetarium zusammen mit dem Haus durch einen königlichen Erlaß für die Summe von 10.000 holl. Gulden, etwa 16.000 Mark, angekauft und blieb unter der Obhut des Schöpfers bis zu dessen Tode. Dann schenkte König Wilhelm HI. das Planetarium dem Magistrat von Franeker, der noch heute für ldie Erhaltung sorgt und es der Besichtigung zugänglich macht. Englische Srganisatsonrknust. Eure der überraschendsten Beobachtungen, die ein Rchsenter macht, ist die, daß nie oder selten, das was in einem Lande gut oder praktisch organisiert ist, von irgendeinem anderen Lande übernommen wird, außer wenn einmal eine „Kommission" auf' eine Untersuchungsrqise ausgesandt wird, nm das zu entdecken, was jeder einzelne Rcsisende längst gesehen oder gewußt hat. So gibt es auch in Londorr eine Urnnenge Dinge, die andere Städte übernehmen und nach ahmen könnten und sollten. Zunächst die Anlage der Bahnhöfe. Ankunftsnnd Abfahrtsplattformen sind streng getrennt, der ganze Bahnhof liegt zu ebener Erde, rrnd die Ankunstsseite ist so angelegt, daß Autos und Droschken in der Halle neben (parallel mit) dem Zuge warten. Da es außerdem keine Bahnhofsperre gibt, da die Billets im Zuge vor der Ankunft abgenommen werten, entwickelt sich ter ganze Ankunfts- Verkehr mit größter Schnelligkeit und Bequemlichkeit für den Reisenden ab. Diese Einrichtung ist reichlich ejn halbes Jahrhundert alt. Die Londoner Postämter kennen keine geschlossenen Schalter, weil sie keine Schalter haben; die Briefkästen sind zahlreich und von weitem sichtbar, da sie, in Pfeilerform, auf dem Bürgersteig stehen. In den zentralen Gegenden Londons wird die Post 19 Mal am Tage anSgetragen; das letzte Mal um halb 10 Uhr abends. AuS ter Unzahl anderer praktischen Einrichtungen oder Organisationen seien im Durcheinander einige wenige anfgezählt: Die meisten ZigarettenlädeN haben vor dem Eingänge Automaten, wo man Zigaretten erhalten kann, wenn ter Laten geschlossen ist. Die sehr zahlreichen Bedürfnisanstalten sind unterirdisch, halten alle große Waschräume mit heißem Wasser, vtt>entlichen Bürsten und Kämmen und einen Stiefelputzer. Jedes Londoner Viertel hat eine große Freibibliothek, in ter alle wichtigen Zeitungen und Zeitschriften kostenlos ausliegen. Die Buchläden haben ptxm. Teil säte, in denen Kataloge und neue Publikationen studiert werden können. Man kann neue Romane für 7.6 Schilling kaufen und 5 Schilling zurückerhalten, wenn man sie zurückgibt; sie gehen dann in die Leihbibliothek. Die großen Hervenmotegeschäste haben Frisiersalons, Umziehräume (für Leute, die in den Vororten wohnen und keine Lust haben, nach Hause zu fahren, um sich für den Mend anzuziehen). Sie bessern alle die bei ihnen gekauften Kleider, Hüte, Stiefel, Wäsche usw. auis. Die Museen haben alle elektrische Beleuchtung, sie sind teilweise! bis 10 Uhr abends geöffnet, können also wirklich von aller: besucht werden. Die Parks haben große Rasenflächen, die nicht nur zum ansehen, sondern jum „betreten" nffp. beliegen oder spielen da sind; die Seen in ihnen tve-rte (zu bestimmten Munden) zum Baden benützt. E 2,300.000 Mornettk haben die Flugzeuge der Polnischen L«ftvLrLchvS>M-O. „Aerolot", Wien, 1. Bez., TeMthoWtvahe 2, 50bL W>*0>84, bisher zurückgelegt. Kein Passagier ist ums Lebe» getemmett, kett^Wmrew travsport verloren oder beschädigt worden. m>mt 2k Ach«. DaS Wetter. Das Wetter hat sich gestern wieder gebeffert. (BBJft auch warmer geworden. Nach der Vorhersage dsüestder gegenwärtige Witterungscharakter ««Hatten. Die Wiener Leprafälle — ei» Gvuverchrnrd. Die alarmierende Nachricht, daß in Wien zwei Säta* falle vovgekontmen seien — was wir allerdings meich bezweifelt haben — hat sich nun als ei« Gruberchtzwd herausgestellt. Ein Abendblatt, das die Sache zuerst brachte, wurde nämlich von einer „verläßlichen Seite" absichtttch irregeführt. Tödlicher Nnsall eines Wiener Sikudentm am GaMchw. In der Vorwoche verunglückte der 20jährige Jurist Wolf S ch r u f aus Men, Sohn eines Mener-Reufiadter Rechtsanwaltes, bei Limone am Gardasee. Er ftchr auf feinem Rad und kam zu Starz. Mit Wucht cm eine Hausecke geschleudert, blieb Schrüf bewußtlos liegen und statb kurz darauf. Zufammenstotz zwischen Motorrad und Auto. An der Kreuzung der Gonzagagafse und der Ringstraße ist gestern vormittags ein Autotaxl, das der Eyauffeur Josef Blahatek lenkte, nttt einem Motorrad znsammengestotzen. Der Lenker des Motorrades nmrte vonr Rade geschlendett und erlitt schwere Verletzungen an Kopf und Armen. Er soll Karl F o d o r heißen und Säckehändler fein. Nach Zeugenaussagen trifft den Lenker des Autos Bla'hatek das Verschulden an dam Unfall. MaMir-Andachten. Zur Vermeidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur „Haskarah" werden Sonntag unr 6 Uhr früh inr Stadttempel, 1. Bez., Seitenstettengasie 4, und im Leovoldstädter Tempel, 3. Bez., Tempelgafse 5, sowie um 9 Uhr vorm, im Olhmpiasaal, 1. Bez., Rothtzasie 5, anläßlich der Maskkr-Andachten feierliche Gottesdienste statt finden. io. osrerretchiWe Klaffeuwnerre. Bei der gestern avgehaltenen Ziehung deS zweit« Tages der S. Klaffe gewannenr 9000 S. das Los M 13.929; 8000 S. das Los M. 23.231; 6000 S. das Lo, Nr. 13.691; je 5000 S. die Lose Nr. 16.838, 64.285 4000 S. das Los Nr. 90.987; 3000 S. bas Los Nr. NW fe 2000 S. die Lose Nr. 9795, 42.921, 4&O50, ft),168, 63.025, 96.076? fc 1000 S. die Lose Nr. 8050 15.778, 28.410, 38.957, 46.045, 80.869, 99.881. Äußerten wurven 2480 Gewinne zwischen 500 und 160 G. ausi gelost. E Palästirmweme. Die Atte-Löwen-Apotheke, Wien, 8. Bez., JosoMdterstraße 3b, teilt mit, daß sie über vrelstrchen Wunsch nun auch Paläisttnawe-ine führt, welche unter streng ritueller Aufsicht einer bekannten ravbtnifchen MrwviM gefüllt werden. > Erstttafftge Trainer stehen zur Verfügung Billig« Preis« LI Krttffnuifefl am 1. Plal 192? e ßü 9