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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-20 · Heft 2925 (20.4.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2925 (20.4.1927)
Date
1927-04-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Wien, Mittwoch Wi«n«r Morgenzeitung 20. April 1087 Ar. 2925 iSBBBBBBBBSaBSfiSBBBBfiaBfiSSBaSaSiflfRBBaSi FÜR ALLE 8 S Versieherungs -Abschlüsse bietet besonders günstige Bedingungen: Gemeinde Wien Städtische Versicherungsanstalt Direktion : Wien, Tuchlauben S, Tel. 67-5-40 FILIALEN U. GESCHÄFTSSTELLEN IN AL¬ LEN GRÖSSEREN ORTEN DER REPUBLIK 1 daß sie gleichsam in Ehre nn ottvehr gewindelt hätten, sei nicht stichhältig, weil ihnen gesetzlich das Recht der Konfiskation und K l a g s e i n b r i n g u n g zzlgestand-L'.l wäre. Diese Auffassung werde durch die besonderen Verhältnisse des Falles noch erhärtet, da -dies?. Verhinderung einer freien, jedenfalls nnoequenr-n Meinungsäußerung von Exponenten eines publizistischen Organes ausging, das in Patents scher Kritik in aggressiven Artikeln bekannt e r ui a ß e rr r o n d e llr R e ch t c d e r freien Meinungsäußerung weitestgehenden und auch mitunter schonungslosen Gebrauch machte Es müsse als sittenwidrig st i g m a t i s i e r t werden, wenn gerade ein Orgmr dieser Art dun unbequemen Gegner nicht erwidert, sondern ihn an der Verbreitung seiner Ansichten zu verhindern sucht. Der Verurteilte meldete gegen dieses Urteil dir Berufung an. Bekefftz« Staatsbürgerschaft. Im gestrigen Mittugsblatt haben wir mitgeteilt, daß der ehemalige Besitzer -beS Kronosverlages und Herausgeber der „Stunde", Emmerich B e k e s s y in.Budapest weilt und dort gegen sich eine Tolbstmrzei.gc gemacht hat, um das gegen ihn von Wien aus laufende steckbriefliche Verfahren in Budapest zur Entscheidung zu bringen. Die Angelegenheit ist deshalb sehr kompliziert, da Bekessy seinerzeit durch die österreichischen Soz-ialdemokraten das Heimatsrecht in Wien erhalten hat. Da er aber angeblich aus dem ungarischen Staatsverband nicht entlassen wurde, besitzt er auch noch die ungarische Staatsbürgerschaft. Darüber wird nun Klarheit geschaffen werden, indem die österreichische Regierung nach Budapest das Auslieferun gsbegehren stellen wird. Bekessy wird wogen Erpresiung und Betruges, begangen durch falsche Zeugenaussage, verfolgt. Jas Leichenbegängnis Sigmuad Kornseids. Unter überaus zahlreicher Beteiligung wurde gestern Dozent Dr. Sigmund Kornfeld zu Grabe getragen. Die große Zeremonienhalle am Zentralfriedhof konnte die erschienenen Tramrgäste kaum fassen. In seiner Eigenschaft als Seelsorger sprach zunächst Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang von den hervorragenden menschlichen und wissenschaftlichen Qualitäten des Verblichenen und rühmte insbesondere die biegeistertc und werktätige Treue, die er denr Judentunre bekundet hat. Dann nahm der Präsident der israelitischen Kultuszemeinde, Herr Professor Dr. P i ck, selbst tief erschüttert, von dem Toten Abschied, mit dem ihn 50 Jahre der Freundschaft verbunden haben. Namens der Volkshochschule sprach Herr Professor Dr. Reich und wies auf die fruchtbare wissenschaftliche Tätigkeit hjn, welche Dr. Kornfeld in den Bolksheimen Ottakring sowie Leopoldstadt entfaltet hat. Im Nanren der Schüler sprach ein Hörer der philosophischen Fachgruppe, für die Loge „Wahrheit" Herr Dr. Ticho, lvorauf Herr Oberrabbimr Dr. C Hajes an die Bahre trat und daran erinnerte, daß Kornfeld in der Zeit als die große jüdische Renaissaneebervegung des Zionismus entstand und im Judentum heftige Gegnerschaft erstchr, sich mit großem Mute der Ueberzeugung zu Theodor Herzl bekannt hat. Kornfeld habe gewußt, daß in dieser ersten zionistischen Periode ejn Bekenner des Zionismus den Weg des Leidens rurd der persönlichen Opfer gehen nrüsse, aber er nahm» die Anfechtungen auf sich, brachte jegliches Opfer, weil er erkannte, daß die zionistische Bewegung über das Judentum hinaus der ganzen Menschheit diene. Die mutigen Bekenner des Zionismus der ersten Zeit, zu denen Kornfeld zählte, süw nur jeneu zu vergleichen, die gegenwärtig auf palästinensischer Scholle unter Opfern und Entbehrungen für das jüdische Volk und die Menschheit ivirken. Dann wurden die irdischen Ueberveste des bedeutenden Mannes in die Gruft gesenkt. Die kantonalen Funktionen versah Herr Oberkantor Schleifer. Erhöhte BnUaMligM > Mir. S a i;: i <;t g o d r Ehil i. I.. .(v;;cn Butan«, darunter der für erloschen aci,uu.:ii. . v U t r u, habe | inlder lchten Zeit wieder eine stark- Tätigkeit gezeigt, j Ne ßrweiterung der Zewish Agency. Benßeruugen Weimanns über kein Abkomme« mit Marshall. — Sie Ausgabe der Sachverftik« Vigen-Kommiffion. — Sw Srbertenkomttee. Der Londoner ,Haolam" vom 1b. April vevöfstlrtlicht ein Interview mit dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Ehaim Weizmann Wer seine Eindrücke in Amerika. Wir lassen hier die wichtigsten Stellen folgen: Trotz aller Schwierigkeiten, trotz der Mißerfolge einiger zionistischer Institutionen, trotz der deprimierenden Nachrichten, die auch nach Amerika aus Palästina gelangen, ist die Bewegung keineswegs geschlvächt. Im Gegenteil, das zionistische Feuer brennt Heller denn je. Es gibt heute in Amerika, wenn man von einem kleinen Kreise sozialistischer Doktrinäre absieht, keinen Gegner des Zionismus. Es gibt N t ch t z i o n i ft e n, das heißt Menschen, die sich der Zionistischen Organisation nicht oder noch nicht unterordnen wollen. Mer Antizionisten gibt es nicht, und man kann auch nicht davon reden, daß der Glaube an das Gelingen unserer Sache gesunken wäre. ES gibt freilich Zweifel an der Richtigkeit unserer Kolonisationsmethoden. Llmerika kann unser Nationalheün allein aufibauen, und die Mittel, die Amerika für diesen Zweck zur Verfügung stellen kann, sind unbegrenzt, aber nur wenn man den Beweis liefern kann, daß das Geld nicht in ein hohles Faß läuft, sondern für ein reales Aufbauwerk verwendet tvird, das mit Ueberlegung und , mit Berechnung ausge-- führt wird und daseine sichere Zukunft hat. Die Frage des Aufbaues ist keine Geldfrage, sondern eilte Frage guter und geeigneter Siebtem gsmethoden. Der amerikanische Jude Und, tote. Mir scheint, auch jeder niedere Jude fragt nach der Zweckmäßigkeit e i n e r H a n d l u n g. Cr will wissen, ob sich unsere Siedlung, und vor allem die landwirtschaftliche Siedlung, selbst erhalten kann. Man macht bei uns oft Rechnung ans, der Boden kostet viel Geld usw. Gesetzt, es gelänge uns, die Kolonisation um diese oder jene Summen zu verbilligen, wenn uns Regierungsböden zur Verfügung gestellt würden, würde das unser Problem lösen? Die Juden Amerikas Händeln mit uns nicht um den Kaufpreis. Was sie wollen lst, daß man ihnen klar und deutlich erklärt, daß ein Siedler nach Ausstattung mit einer gewissen Ansiedlungssunrme imstande ist, ohne fremde Unterstützung auf seinem Boden zu leben und allmählich seine Schulden, zu bezahlen. Nur wenn diese Bedingung erfüllt istwird man unsere Siedlung als ein voatles Kolomsationswerk betrachten können und dann gibt es k e i n H i ndernis für die Erlangung großer Summen. Ich will mich nicht von vorncHerein auf verschiedene Finanzierungsmethodeu festlegen — diese Frage ist auch nicht so wichtig —, wichtig ist nur, daß wir erklären können: was Ihr gebt, trägt von Jahr zu Jahr zur Vermehrung jüdischer Dörfer in Palästina bei, in denen Menschen ein geordnetes Leben führen und in denen sie eines Tages ansangen, der Nation zur ückzuerstat >te,n, was sie an Boden- und Kolonisationskrediten empfangen haben. Das ist auch der hauptsächlichste Gedanke, der der Expertenkommission zugrunde liegt. Der Gedanke entstand in zionistischen Kreisen und schon deswegen ist es töricht, diese als eine Bedingung für die Erweiterung der Jewish Agency aufzufassen, wie man versucht hat. Auch ohne Erweiterung der Jewish Agency wären wir jetzt genötigt gewesen, eine solche Kommission zu entsenden, denn wir sind allmählich der Ungewißheit über die richtige Siedlungsmethode und der einigen Kritik an unserem A r b e i t s s y st e m, die manchmal nicht unbegründet zu sein scheint, müde geworden.. Die Zionistische Exekutive hat bereits selbst mit einer Nachprüfung der Grundlagen unserer Wirtschaft begonnen — das war ja der Zweck der Wirtschastskonfereug unter dem Vorsitz von Herbert Samuel, die durch die Zionistische Exekutive im letzten Sommer emberufen worden war. Die Delegation, die jetzt nach Palästina geht, ist nur ein weiterer Schritt auf diesem Wege. Die Entsendung der Delegation wurde von den Zionisten und durchaus nicht in Veickindung mit dem Weizmann-Marshall-Abkommen beschlossen. Nachdem man sich bereits verständigt hatte, interessierte sich auch Marshall für diesen Vorschlag. Gemeinsam beschlossen wir sodann, die Delegation auszusenden und mit der Erwettenmg der Jervvfh Agency zu wnrteit, bis die Kommission ihren Bericht erstatten würde, auf Grund dessen ein Arbeitsprograwm ausgearbeitet ioerden soll. Wir stimmen durchaus darin überein: die Agency bedeutet nicht eine bloße Demonstration, sondern gleich nach ihrer Gründung soll sie ein fertiges Arbeitsprogramm vorfinden und sofort mit der praktischen Arbeit beginnen. . Dte Kommission wird durch ein Expertenkomitee unterstützt sei», dessen Kompetenz von niemandem wird - in Zweifel gezogen iverden können. Wir werden daher auch ohne allzu große Schwierigkeiten den richtigen Weg finden und d amjt auch Geld. Man muß beachten: schon jetzt gibt Amerika in diesem Jahr 20 Prozent mehr für den Keren Hajessod als im vergangenen Jahr. Man stelle sich vor, was Amerika geben würde, wenn die Aspekten bessere wären. Radio aus dem Meeresgrund. Die ersten Versuche. Aus Westerland auf Sylt wirb gemeldet: Die nordische Rundfunk A. G. unternahm am Montag abends Fynksprechversnche zwischen Taucher und Flugzeug. Die Sprechversuche zwischen dem Taucher Har ms Vors und dem Berichterstatter im Flugzeug Hans Philipp Weitz (Berlin) ntußten, da dte Maschine, dte selbst alle Stationen einwandfrei empfing, aus noch nicht geklärter Ursache keine Verbindung mit dem Dampfer erreichte, abgebrochen werden. Um so besser gelangen dte Versuch:, den Weltmeisterschwimmer Kemmerich durch einen Kopfhörer- Schwimnchelm auf feiner stebenstündigen Schlwimmreise von Westerland an die Sylter Nordspike mit Radiomusik zu versorgen. E SMunticrtfetfmtiaißtilQtaufenD Kilogramm verschiedener Waren wurden bischer von der Polnischen Luft« verkehrsÄ.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bezirk, Degetchosistraße 7 (Telephon 71-0-84), ohne die geringste Beschädigung oder Verlust befördert und einige Stunden nach der Aufgabe dem Adressaten zugestellk. Etwaige Nachnahmeibeiräge waren oft schon am übernächsten Tage in den Händen des MsenderS. Wien, 80. April. Taä Wetter. In Oesterreich ist daS Wetter vorwiegend trüb und steUemoelse regnet es. Die Teinpemtur ist attgerMrr. gestiegen. Die Vorhersage lautet: Vorwiegend heiter, Tempera turzunayme. Sechzehllte österreichische Klasienlotteri«. Bei der gestern abgehalteüen Ziehung des ersten Tages der b. Klasse gewannen: 4000 S. das Los Nr. 6Ü.S60; je 3000 G. die Lcve Nr. 47.880, 91.196; je 3000 S. die Loe Nr. 18.260, 73.140, 78.467, 75.828; je 1000 S. die Loe Nr. 8770, 40.416, 46.366. Außerdem wurden 1400 Gewinne zwischen 500 S und 160 S. ausgelost. Dte Postämter Mütze« alte Schillinge annehmen. Das Post- und Telegraphenverordnungsblatt elithült eure Kundmachung, nach der die Post- und TelegraptMä'niter die Schillinge mit der Jahreszahl 4924 auch weiterhin unbeschränkt anzunchmen haben; diese Schillinge dürfen jedoch nicht ,nieder zur AusMhlunä verwendet werden, sondern sind an die Hauptkasfen cwzusühren. Todesfall. Montag, den 18. Wril 1927, uni 7 Uhr früh, starb in Baden bet Wien plötzlich Frau Rosa Gote" >' geh. teurer in 75. ..|ri<••*. . ' yj . ,.udet Mttwou), oen 2v. pril, 12 ...ittags, am Zenttnlsrtedhos, yraelttifche Abteilung, 1. Tor, ftatt Vermißte Touristen. Gestern nachts ist im Hauskommisiaviat der Polizeidiroktion als Zentralstelle für alpine Unfälle ein Telegramm der Gendarmerie Mühlbach bei Bischosshvscn eingelangt, wonach, der Wiener RechnungSbcamte Josef T e u f e r t, die Private Mizzi Röschl aus Wien und der Schneider Johann Schmickl aus Schwechat, die sich aus einer Skitour befunden haben, im Hochköniggebiet seit Ostersonntag vermißt werden. In dem Telegramm heißt es weiter, daß im Laufe des gestrigen Tages Teusert tot aufgefunden wurde. Schweres Autounglück bei Schwechat. Gestern abends fuhr ein Lastenauto) das der äösährige Lastenautofuhrwerker Hermann R e i n i n g e r lenkte, in der Richtung von Schwechat nach^ Men. Nächst dem Lintenamt Schwechat fuhr der Lastwagen mU großer Wucht gegen den bewbgelassenen Bahnschranken der Donauustrbahn an, wobei der Bahnschranken und das Auto teilweise zertrümmert wurden. Neininger, der allein am Wagen saß, schlug auf dem Lenksitz mit dem Kopf gegen den Schlagbaum an und beim Zurückschleudern wurde ihm der Brustkorb vom Volant des Autos eingedrückt. Das Auto fuhr noch über das Geleise gegen den zweiten Bahmchvanken und kam schließlich zum Stehen. Die Rettungsgesellschaft wurde berufen, doch konnte der In« spektionsarzt bei Reininger nur mehr den bereits erfolgten Eintritt des Todes fssbstellen. Die Amtshandlung ist im Zuge. Ein vcerjähriges Mädchen ertrunken. Gestern gegen 1 Uhr nachmittags spielte die viel» jährige Ehausfeurstochter Hedwig Jar osch mit vier kleinen Buden nächst der Simmeringer Hauphtraße anr User des Wrener-Neustädter-Kanals. Dabei beugte sich das Kind zu weit vor, verlor das Gleichgewicht und stürzte in das, Wasser. Die Knaben schlugen Lärm und der Selchergchtlse Johann Winesch, der herbeieiltg, barg die verunglückte Kleine. Die Netcungsgesellschaft kannte jedoch nur mehr den Eintritt des Todes foststellen. Die gerichtliche Obduttion der Leiche wurde beantmgt. VovlMftung dos Rcvolverchelden Szifs. Der angebliche Filmdarsteller Georg Szisz, der am 13. d. M., um feine Verhaftung zu vereiteln, au5 den Kriminalbeamten Pechan drei SckMe abaab, konnte Nllunlchr in Favoriten verhaftet werben. SM war im Jahre 1925 wegen Herauslockllng von Fahrrädern vom Wiener Landesgericht bedingt zu zchn Wochen strengen Arrest verurteilt worden. Als er im Vorjahr neueruch zu 14 Tagen Arrest verurteilt wurde, hätte er auch dte erste Strafe verbüßen sollen. Szisz hat eilten Arüeitslosen gedungem der für ihrr gegen geringes Entgelt die 14 Tage abfast Die Sache mm jedoch auf und aeweii SM wurde ein Strafverfahren wegen Betruges eingeieitet, weshalb er vechaftet werden sollte. Dabei hat er dalln glegen den Kriminalbeamten die Schiisie abaegebeu. Szisz wände deni Landesgericht eiligelieferiv Bter Pecsoi ..'; ter einem Flnr v.'rüra,,^ Alls -!ou.:: . U\. n.; i : ''-riiitülst..^äLUg stürzte oer East-El-ucch (GmssüMst Kent) ab. Die vier JnsasM Verbrannten. ' i irtnr ,r itfifiif. n « Mm a,‘+. f HMli v.'-1, -.nrf«i II i'tturiitlnrffii-nw . ..

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