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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-17 · Heft 2923 (17.4.1927) · p. Seite 13

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2923 (17.4.1927)
Date
1927-04-17
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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mtem .. I uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuui rer erste ReM - der erste Astem. H SMenchlttMeWÄsthe^Legende-sii -siarkÄrMnsAerffche iPHanüOe befruchtet wie die Ssgevds vom Golem, jener aas Bchm geftwmlen Mewscheuftyrrr, dtze -er Sage «ach -er Hohr ÄKSVl Löw zu Prag durch magische Kräfte belebt hat, damtt dieses Wesen, daß der RaM als seinen Diener ansgab, die Judenschaft Prags vor verderblichen Anschkagrn der Judenfeinde rette. Es ist ans der Sage bekannt» -atz -er Golem die , Juden Prags gegen ein« Blutanklage zur Pefsachgeit beschützt hat, und Ebenso bekannt ist fein Ende, -atz er durch Entziehung seiner magischen Kraft wieder zum toten Lehm wurde, nachdem er eines SaWaths seine Riesenkraft gegen die Mische Gemeinde gekehrt »nü großes Unheil angerichtet 'hatte. In den letzten Jahre« ist diese Sage für eine Reihe von Erzählungen, Romanen und Dramen künstlerischer rmd ProWemvorwurf geworden; von den vielen Werken dieser Art seien Klotz -er Roman von Gustav Meyrink, eine .Erzählung „Der Dienervon Karl Baron Torresani und die Golem-Dramen von Artur Hollitscher und H. L eiwik erwähnt. Auch der Film hat sich mehrfach, am populärsten durch ein« Bearbeitung des Schauspielers Paul Wegen er gefaßt, mtt der Golem-Sage beschäftigt. Dem WnsAerischen Interesse parallel laust das Interesse an dem Problem selbst, welches nach der mystischer! und mythischen Sette des legendenhaften Vorgangs von der Erschaffung eines Menschen durch einen Menschen überaus anziehend ist. Wertvolle Darstellungen der Golem-Legende mtt Bezröhung auf die ihr zugrundeliegenden Probleme haben Moritz D ermann (bereits im Jahre 1883) und vor einigen Jahre» mtt ganz vorzüglicher volkskundlicher Kenntnis und symbolischer Einfühlung Chaim Bloch gegeben. In erschöpfender Weise behandelt nun das ganze Gebiet der Golem-Legende ein soeben erschienenes Werk von Hans Ludwig Held,*) das von der Auffassung ausgeht, es sei anzunehmen, datz die Gestalt des Golem, die sagenmätzig erst'ziemlich spät bekannt wurde, aus einer-mythologischen Vovstellungsrerhe stammt, die «als menschliches Gemeingut in den Schöpfungsmykhen der verschiedensten Volker und zu dm verschiedensten Zetten wiederkehrt; die jedoch ihre unzweifelhaft vollkommenste Darstellung im hebräischen Mythus gefunden hat.- In diesem Werk wird der Versuch gemacht, das Golem- Problem eindeutig zu Wsen. Der Verfasser selbst weist darauf hin, daß dieser Lösungsversuch mitten in das Reich der Symbolik Hineinfuhre, an deren Stelle man auch, ist die individuelle Einstellung danach, reine Mystik und reinen Okkultismus sehen kann. Das Buch Helds ich selbst von gewissen Beimengungen dieser Art nicht immer ganz frei, was jedoch seinen Wert in keiner Weise mindert. Denn Heids Versuche einer Lösung des Golem-Problems basiert auf tiefgründiger Kenntnis aller Materien, die ein.^n solchen-. Versuch historisch-wissenschaftlich zu fundieren vermögen. Aus .der. Fülle -roses Stoffes seien nur einige, die Geschichted^Golem-Legende;-und^ ihrtz Variationen erhellende Daten hervorgehoben; sie lasten gleichzeitig erkennen, in welchem Sinne Held das Golem-Problem löst. Das Wort „Golem" kommt in der Bibel nur einmal, in dm Psalmen, in der Mleitung „Golimivor und wird im Talmud nur selten gebraucht. Seine Bedeutung ist mit dem Fremdwort „embryonalvielleicht am besten übersetzt. Die Golem- Sage, in ihrer voll ausgebildeten Form, taucht erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts, mtt der Stadt Prag» einer der ältesten und angesensten jüdischen Gemeinden verbunden, auf. Datz die Elemente für die Golem-Sage schon früher vorhanden Ivaren, wobei in ihnen das Problem der Legende ziemlich deutlich zutage - trat, beweisen zwei Stellm des Talmudtraktats Sanhedrin. Dort heißt es: „Raba sagter Wmn die F r o m m e n wollten, so könnten sieeineWelt e-rfchaffen; denn es heißt: „Denn eure Sünden trennten zwischen euch und eurem Gott.- Raba schuf einst einm Menschen und sandte ihn zu Rabbi Zeva; als dieser aber mtt Hm sprach und er keine Antwort gab, sprach er: Du stammst also von den Genossen (du bist von Zauberern ge-' schaffen), kehre zu deinem <Äaub zurück. R. H a n i n a und R. Oschaja befaßten sich jeden Vorabend des Sabbaths mit dem Studium des Buches der Schöpfung und schufen ein dreijähriges Kalb, welches sie dann aufaßen-. Diese beiden Stellm weisen deutlich auf eine zum Golem- Kreis gehörige magische oder mystische Tatsache hin, aber aus ihnen allein läßt sich auch schon der Schluß ziehen, den Hest» durch verschiedene Belege erhärtet, daß nämlich die Golem-Legende irgendwie im Zusammenhang mtt de« Sage von der Erschaffung! des Menschen steht, daß also gewissermaßen Adam der erste Golem war. Aufschlußreich ist der Hinweis der einen Stelle auf das Buch der..Schöpfung (Sepher Jezira), welches, wie aus einer'Reche von Sagen anderer Gebiete, so solchen über Maimonides hervorgcht, in vevschiodeneen Fassungen vorhanden gewesen sein mutz und eine Art Lehrbuch der praktischen Kabbala gewesen sein dürfte, in der die Adepten über die verschiedenen Formen, Schreibungen und Anwendungen des in der praktischen Kabbala verwendeten Gottesnamens, des S ch e m, unterrichtet wurden. Der in der jüdischen Mystik hervorstechende schöpferische Gehalt des eigentlich unaussprechlichen Gottesnamens spielt auch in der allgemein bekannten Prager Golem-Legende, die man gewissermaßen als die oberirdische Fassung dieses wahrscheinlich seit langem unterirdisch fortgesponnenen LegendenstoffLs -bettÄö^.kamr,-eüreTwLchttgeMÄe. DieMerweMrug des Gottesnamens deutet aus die enge Verbindung der Golem-Phantasie mtt der biblischen Phantasie des Menschenschöpfungsaktes. Außer dem Prager Golem gibt es taLsaWch eine Reihe ähnlicher Gebilde der Sage. Der bekannte FvanSfurter Historienschreiber Johannes Jacobus Schudt erzählt in seinen, im Jahre 1714 erschienenen „Jüdischen Merkwürdigketten", in denen er sich sehr ausführlich und mtt einer Sachkenntnis, die auf die starkem weit über das Ghetto reichende Verbreitung der Sage hindeutet, mtt dem Golem beschäftigt: Rabbi Elias, ein Baal-Schem (wörtlich: einer, der des Gottesnamens mächtig ist), in Polen, habe ebenfalls einen Golem erschaffen, der jedoch zu solcher Größe wuchs, daß der Rabbi nicht mehr an seine Stirn reichen konnte, wo das magische Wort „emeth- (Wahrheit) stand, das den Golem zu Leben und Werken befähigte. Als nun der Rabbi durch eme List den Golem dazu verhielt, sich zu bücken, und ihm den ersten Buchstaben des lebenspendenden Zauberwortes von der Stirn auslöschte (wodurch „meth" — Tod übrig blieb), da Mrzte die riesenhafte Last des Lehms auf dm Rabbi und erdrückte ihn. Hier ist also eine andere Variante des magisch-mystischen Wostprinzips gegeben. Chaim Bloch, dessen Buch „Der Prager Golem" bereits evtvähnt wurde, berichtet über eine Reihe von Golem-Sagen aus Polen ustd dem übrigen europäischen Osten, die immer mtt berühmten Rabbinen zusammengebracht sind. So hat Rabbi Elia hu, mit dem Beinamen Baal-Schem von Wilna, der in. der Mitte des 16. Jahrhunderts lebte, sich der Sage nach einen Golem geschaffen; aber auch der unter dem Namen B a a l-, Schem Tow bekannte Begründer des Chassidismus sowie sein Zeitgenosse Rabbi MoschevonKutyw werden als mächttg der Erschaffung eines dienstbaren Golem-Geschöpfes angesehen. Interessant ist, daß auch dom GaonEliavon Wilna die Schaffung eines Golem zugeschrieben wird. Gewissermaßen der letzte Golem wird dem Rabbi Dowrdl Jaffe in Dovhiczyn (Gouvernement Grodno), der um 1800 lebte, von der Sage angedichtet, dieser Golem richtete, analog wie in der Prager Sage, am Sabbath Unheil an, indem er eine Feuersürunstverschuldete, die die Stadt zerstörte. (Man beachte übrigens die in fast allen Varianten der Sage zutage tretende unheilvolle Macht'des Golem, die neben der heilsam wirkenden einhergeht.) Diese „östlichen" Golem-Geschichten scheinen vorwiegend unter der Einwirkung der Prager Golem-Sage entstanden zu sein; es finden sich, wie bereits angedeutet wurde, in ihnen verwandte Züge, die allerdings zum Teile auch mtt dem Hauptproblem der Golem-Legende, der parallel mit der göttlichen laufenden menschlichen Schöpferkraft zusammenhängen. mögen. Interessant^ weil-auf die bereits erwähnte Zeit des unterirdischen Lebens der Golem-Mystik hinweisend, sind Golem-Sagen aus frühmittelalterlicher Zett. Der berühmte Philosoph und Dichter Salomo ibn Gabirol (11. Jahrhundert) soll der Sage nach einen weiblichen Golem als Dienstmagd geschaffen haben. Chaim Bloch nennt als den Schöpfer dieses weiblichen Golem Rabbi Simon ben Gamliel und erwähnt auch, daß der berühmte Bibelkommentator, Dichter und Grammatiker Abraham ibn Esra (12. Jahrhundert) der Sage nach ein menschliches Wesen künstlich geschaffen habe; bald aber hätte er seine Tat bereut und gesprochen: „Wende dich nach vorne und nach rückwärts"; sogleich sei das Wesen zerstört worden. Die Wundergläubigkeit aller Völker — auch das jüdische machte keine Ausnahme — unterstellte. *)' Das Gespenst des Golem, eine Studie ans der hebräischen. Mystik mit einem ExkurS Mer das Wesen des Doppelpäirgers von Hans Ludtvig Held. 1927, Allgemeine Verlagsanstatt- -München. Jtewyßake ira# cterx *»<35S»pastett vurbera. Schuh'und Svumjif-PpojTaQanda. uripd fortgesetzt QROSSFLE1SCHHAUERE1 2n*t*X-JXt Berirfc, Betguu 19, Titephn L lef e r an t fl r H eMi« «ta Abteilung für tmter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbfnsts -der ftr. KWtwgernelnde Wien 40 IX.. Berggasse 15 XVI!!., WährtagerstraOe 97 i I SeooQeeeQoeeooooeeoeeeeeQeeQeeeoeoeeei' diesen auf Mystik und Magie in gleicher Weise beruhende«. Stoffen Realität, und es ist daher nicht zu verwundern, wenn der Enkel des beretts erwähnten Begründers be§ Chassidismus, CHacham Zewi, die Frage austvav^ ob ein Golem in einem Minjan (der jüdischen Gebetzehnschaft) gültig zähle oder nicht. Auf der anderen Sette aber steht doch immer wieder das Mysterium der Wiederholung des göttlichen Schöpfungswerkes durch einen Menschen in voller Reinheit diesem naiven Zauberglauben gegeniiber. Dies geht deutlich aus der anonymen hebräischen Handschrift „N i s l o e t M e h a r a il" (Wunder des Rabbi Löw) hervor, die anscheinend von einem Zeitgenossen des Rabbi Löw geschrieben wurde und vom Chaim Bloch in genauem Exzerpt d-utsch wiedergrgcben ist. Dort befindet sich detailliertes Material über Ursache, Mysterium und Zweck der Erschaffung des Golem, über sein Tun und sein Ende, alles gewissermaßen sub specie divinatatis gesehen. Vieles von diesem Legendengehalt hat in seiner bereits ertvähnten dramatischen Golem-Dichtung der jiddische Drama-. trker H. L e i w i k verwendet. Helds Golem-Buch führt sehr eingehend das Golom- Motiv in Parallele mit dem unter allen Völkern verbretteten Sagenmotiv vom menschlichen Automaten, für: das er zahllose Belege liefert, und beschäftigt sich dann ein--, gehend mit der magisch-mystischen Kraft des Schem, welcher, in der Golem-Legende gewissermaßen Symbol der Schöpfungskraft, ist. Die Triebkraft schöpferischer Nachahmung des Göttlichen, die in der Golem-Legende ebenso wie in den Automatengeschichten steckt, sieht Held in der menschlichen Fähigkeit des Doppelgängertu ms. Diese Fähigkeit der Mspaltung eines zweiten Ich, von der sich verblüffende Beispiele fmden, gegen welche die exakte Wissenschaft schon mehrfach ratlos angerannt ist, scheint dem Autor des neuen und wertvollen Golem-Buches der Kernpunkt des Golem-Problems zu sein. Der Schreiber dieser Zeilen folgt mit bewußter Absicht Held auf diese Bahn nicht; es genügt wohl durchaus für die Lösung des Golem-Problems der mystisch sublimierte menschRche Schöpftlngstrieb. Es scheint nicht notwendig, dem Golem- PrMem eine auch nur g efp e n stis che Tatsächlich k e i t zugrunde zu legen, wie es Held versucht. Der menschliche SchöpfungstrW und seine Werke sind genug starke Tatsachen. Doch ganz jenseits solchen Einwandes rst Helds Buch von größtem Wert für die Erhellung großer Gebiete jüdischer Mystik. Das reiche Material, von dem hier nur ein ganz kleiner, auf die Phantasie erregende Kraft der Golem-Legende hinweisender Teil wiedergegeben wurde, ist Beweis genug für die Bedeutung dieses Buches. Siegstr-ied SchmW. M Fubttaum des Zündhölzchen. Ein Arzt als Erfinder. Werm wir uns heute durch das rasche ,AnstreichgN eineS:ZÜiLi. stokzesl Feuer für unsere Zigarre verschaffen, so denken wrr üSHt daran, wieviel Arbeit und Mühe der Mensch Vor hundert Jahvov! hatte, (icm Feuer zu machen. Damals arbeitete man noch MnÄich mitStahl und Stein, der als! eine schr Vst versagende Reibfläche diente. Das Strerchhoilz vrKW ße Menschheit von diesen Mühen ,und Beschwerden, wsrtbr es ist gerade hundert Jahre her, daß das .erste praktische StveWlM erfunden wurde. Londoner Blätter erinnern daran, VH im ^April 1827 John Walker in seinem noch erhoStechN 'Tagebuch verzeichnet, er habe eine Schachtel mit hundert Jfyß* hölzern" für einen SchMng verkauft- Die meisten geschichtlichen Darstellungen der Erslimdung des Streichholzes erwDnent Waller kauur, denn er war, wie so prancher andere Ersttider, gbücklos, und hat nicht die Früchte seiner Mrbeit geerntet. Nachdem Robert Bu y le 1780 das ^Mhimistengchoimnis des Phosphors der Oeffentlichkeit mitgeteikt hatte, hat man mchofach versucht, ans Phosphor und Schwefel ein« gseigntte! ZMd- Masse zu finden, die an Stelle von Mahl und Swkn üvetan! llormte. Der Forscher Peyla in Turin, dem «S gelang, Ok GelbstentzündunA.deS Phosphors an der Lust xa verhüben, brachte die nach ihm benannten Kerzen in dem Handel, die aus «JWöm. etwa vier Zoll langen Wachsstock bestanden. Später erfand dann der Pariser Apotheker DeroSne ein Feuerzeug, bei dem er» Schwefelholz durch Reiben an einem rauhe» Gogenstcmd p$b zündet wurde. Dies war die letzte ^Borstzch zu dem etzach. lichen Streichzündholz. >Aber der entscheidende Schritt mnßts noch getan werden. Der Londoner Chemiker Co-vper soll bis« reitS 1825 ein solches Zündholz hevgepsllt habe«, aber sch« gelehrte Erfindung kam nicht in den Handel. Der erste, bch Zündhölzer verkaufte Md damit Hren StegeSM durch die Wickt begründete, war John Walker, der 1781 z» SwcktoN-miAM geboren war. Er,sollte Arzt werden». Hatte «aber d« gröhtiej Angst vor Operationen, dagegen eine lettmschaMhejL«V° zur Chemie, und so wurde er Apotheker. Gwei Jahve fatfws er das Phosphorstreichholz erfarw, hatte er eme Mis^rng, die zu gleichen Teilen aus Chlorkali und AntnnlowSulfld bestach, als „Perkussimrspulver" verkauft, und dadurch wird er wohl ^aai> die Erfindung seines „Reibholzes" geführt wjmve» sein. &At Walker war ein beschewener Mamy der nicht hachch M sein« HtSzer patentieren zu lasst«. Er teätttfe! W Laust -«B

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