Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2923 (17.4.1927)
- Date
- 1927-04-17
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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©eit« rr Men, Elmmas Wiener Morsenzeitnns 17. April 1637 Nr. 2623 Der Sohn des Moses Mautner Ein Wiener Roman von Leopold Hiohler* Copyright 1987 by R. LSvit Verlag, Wien — Leipzig (10. Fortsetzung.) Es ist so eigen mit manchen Mensch.n Sie können von viacr Sache nicht lassen, einer Sache, die ihnen im Gvmche inchr Leid als Frende bringt. Man kann 'sie treten stoßen, c .rjagen — sie bleiben. Bleiben wie der trerve Hm.di, dev seinen Herrn trotz Prügel nicht verlaßt. — Bei einem ist's der Berus, bei arideren iK «es die Liebe oder der Glaub: oder die Heimat. — Und in jedem Menschen — glaubt es mir — flimmert ein Fünkchen dieser sittlichen Treue. jDie so handeln, sind nicht die Klügsten; aber vielleicht die besten. Wird's ihnen gelohnt? Ich glaube schcn. Und wenn auch nicht? Sie tragen ihren Lohn in sich, in!bem Glücksgesühl der reinen Hingabe.- Frack Resi wartete in dem Verkaufsladen in der Als:rftraße in großer Ungeduld. Den Hut hatte sie bereits aufgesetzt, aber schief; iinrner schief, wenn sie err:gt war. Sie« blickte durch die Spiegelscheiben des Schaufensters nach ihrem Bruder aus die Straße hinaus. Liber vergebens. Sie lief zum Telephon: „Hallo! Sag' mir, Bernhard, is denn der Lausbub noch nicht weg?!" — „Mer, Resi, ich Hab' dir doch schon gesagt: vor einer halben Stund' is er weg! Is er beim noch nicht drinn?" — „Möcht' ich doch nicht telephonieren! Was fragst du so..." — Jede Qual endet. Gustav erschien. „Gott sei Dank!" empfing ihn Frau Resi, ,chaß du endlich da bist! Wann wer ich heut' wieder zum Essen kommen?" — Sie ging, aber vor der Türe blieb sie stehen, winkte Gustav zu sich und sprach leise: „Pass' auf alles gut auf, Gusti! und die Sophie", so hieß das tzrfte Ladenmädchen, ,soll rechnen und du kassierst ein! Verstehst du?" — „Ja."- Es war still im Laden. Mittag war die flaue Geschäftszeit. Fräulejn Sophie, die „Erste", saß hinter dem Verkausspulte und gähnte und Fräulein Marie, die „Zweite" unterstützte sie darin. Gustav ging in dem Ladcn auf und ab, blickte durch die Glastüre-auf die Straße hinaus, dann ging er ab und auf, und als die Langweile unerträglich wurde, ging er in das an den Laden grenzend Zimmer. — In diesem Zimmer stand ein Diwan mit rotem Lederüberzug. Er blickte lange und zärtlich dor.hin und ihm schien, als wenn die Schlafgeister d:s grell-roten Led:rS zu Lanzen begännen Und ihn mit aller Macht zu sich lockten. —t Käthe Natowic Siegfried Fuchs Wien XX. Wien XX. Verlobte Wien, Im April 1927 die Marke des eleganten Herrn VII., Kaiserstraße 123.iX., Alserstraße 6 SCHUHMODENHAUS DORN Taborstraße Echte Schlan gen- Eidechseu-Krokodillederschuhe S 45-4950 Ziteine ans echtem Jranzös Sltadc-Chevreaax hergestettten BrähjdhrtmodeUe legen Zeugnis ab vom Schönheitssinn und edlen Qeschmack,' Herren- Schuhe in fabelhafter Ausführung und Auswahl Vorzüglichste nor> bv Küche WeinspezialitMten nos bv in den bestbekannten Restaurants Kohn-Toldl tl., Zirkusgasse Nr. 3 XX., Heinzeimanngasse Nr. 1 Telephon 49-3-28 Telephon 41-2-80 BfliiaBaBiiiiiiiiaiiiiiiiiiHiiiMiiMi ■... »--—----_- I E Bei zahlreichen Beschwerden des «eidlichen Geschlechtes bewirkt das natürliche „Frang-Joses"-Bitter»vasser die allerbeste Erleichterung. Zeugnisse der Mimiken für krarcke Frauen bekunden, daß das sehr mild abführende Franz-Josef-Wasser besonders bei Wöchnerinnen mit ausgezeichnetem Evkolae angewendet wird. Aber er blieb stark, verließ den Rckmt Und ging wieder tut den Verkaufslalden hinaus. In hoffnungB.oser Langetreile blickte ihn Sophie wie flehentlich an. — Die Ruhe und Stille — es ivar wie Mohn und Gustavs Deinen wmd-e wie flüssiger Brei. Die roten Güster schwirrten mib lockten, er konnte nicht widerstehen und ging hinein und — streckte sich. Und als ihm die Augen zufielen, schläferte er sein Gewissen ein: „Es kommt eh niemand, und wenn jenmnd kommt..." Aber iveiter kam er nicht; er schlief bereits. — Nun, diese Vertretung war gewiß nicht im Sinne des Herrn und der Frau Lampl und Herr Bernhard Nagte auch häufig zu Herrn Hermann: „Sagen Sie, Vater: Sind Sie so gewesen? Nachmittag im Geschäft schüfen statt auspassen!?" Nur hätte Herr Bernhard hinzu fügen sollen daß er Gustav in dieser Tätigkeit Vorbid geivefen; denn manchem Nachmittag, wenn viel Arbeit in der Fabrik war, mußte nämlich Gustav in der Fabrik bleibe,: urd Herr Bernhard ging statt Gustav in den Berkaufsladcn; eigentlich war er dann hinter dem Berkaufsladen aus dem roten Lederdiwan. Und das -7so ist die Jugend — hatte Gustav seinem Lehrherrn bast» abgelauscht und dachte: „Schüft er,t schlaf' ich auch." Und zuweilen — sie behaupte len, es sei'nur einnral gewesen — sck/iefen auch So': hie und Marie Hücker dem Verkcntfspult. Nur Frau Resi belebte dieses 'Dornröschenland. Wenn sie Nachmittags im Geschäfte war. gabs immer Arbeit. „Scharm S', Marie!" rief sie, „r fr die Schnallen ausschaut! Es tvär' schon Zeit, daß Sie sie putzen — und die Pult', die könnten Sie auch einmal unten abstauben! — Und Sie, Sophie, nehmen S' doch die Geschirrtücher vom Kessel weg! Bis ein Loch drin feilt wird! Hängen Sie's draußen zum Trocknen auf!" — Aber die meisten Nachmittage der Woche war Gustav in dem Berkaufsladen und dort mußte er bis Abend b'eiben. Dann lootste ihn Herr Bernhard noch zn einer anderen Aufgabe: „Geh' Gusti, trenn dl jetzt nach Haus fährst, fährst doch vorm Hernalser Geschäft vorbei...!" Es war dies eine zweite Fttictte Herrn D rnha ds. „Geh' schon' daun hinein, kannst dort nachtmalsten! Na ja! Ob du jetzt zn Haus nachtrnahlst oder dort. Wenigstens' hast du Gesellschaft mrd siehst, wie die Kunden bedient werd.n!" Es ist die Gabe mancher Menschen, so leichchin mild« mit liebenswürdigen Worten, dem anderen Menschen zu vielen Pflichten noch eine aufzuhalsm. Und so wurde es fast täglich neun. Uhr abends, bis der Lehrliirg zur Rlche kam. Es tvar ein Leben voll Arbeit und — tve.iig Schlaf. Aber der junge Mann gedieh. In dem halben Jahr war aus „die schtvache Buh" ein kräftiger, rundichw Bursch geworden, der schon sein eigenes Beit braucht:. „Ma hat ja kahn Platz mehr," klagte August. „Der B chr druckt uiih ganz auß'r beim Schlafen!" So bekam Gustav ein eigenes Bett und zum Schlüsse der Lehrzeit sogar ein eigenes Zimmer. — Der Sch uß der Lehrzeit! Si waren ash v r äugen die drei Jahre mcd nicht nutzlos. viU,.uo hatte nta,.u,ie5 gelernt, auch die manuelle Ungeschicklichkeit überwm.d n und dennoch fürchtete er die Gesellenprüfung. August beruhigte ihn: „Aber schau! Du kannst ja eh vül mehr, als deh verlangen!" Mit „Deh" meinte er die Prüfungskommission. Aber ein gebranickes Kind — Gustav hatte zu viel Niederlagen bei Prüfungen erlitten — fürchtet das Feuer.- " Am Tage der Prüfung stand um ein Uhr mittags im Hofe der Fabrik ein fesches Zcugerl, ein l üch'.er Ncutitscheiner und am Bock dieses Wagens saß Rudoff. der Kutscher der Fabrik. Festlich gekleidet. Vor dem Neuti sch.iner standen die beiden alten Schimmel. Gleichfalls festlich g.k'eidet und kaum zu erkennen: Gestriegelt, gewaschcn, gFutzt; die Silbermähnen schön gekämmt; neue, leichte Kuimnet mil Silberbeschlag. — Um zwei Uhr kam Gustav mit seinem Lehrherrn in den Hof hnun'er. Gustav in einem neuen, schwarzen An^ug; Herr Lampl im Salonrock. Feierlich schritten beide zum Wagen und stiegen e'n Im Hofe standen sämtliche Burschen und Ladenmädch n uud Frau Fanny, die Köchin und die Magazineurin und auch der Buchhalter. ..Sühren S' uns zur Genossenschaft!" sagte Herr Bern.- hard. Rudolf faßte die Zügel kurz und hoch tob ein Herreusahrer. „Das er s' drhalt!" spottete August, „sunst schreibn s' erm noch wegen Schnellfahrn auf!" .Man fuhr Die Prüfung war bald und glücklich vorüber .Stolz schritt der neue Geselle mit foem Meister die Treppe des Genossenschaftsgebäudes hinunter zum Mag n dw vor dem Tore wartete. „So, Rudolf," sagte Herr Bernhard, „jetzt führen S' uns auf die Landstraßen zu die Eltern!" — „Geh', Bernhard," bat Gustav, „sah'.n ma zuerst zu Hein- Ireiilsdiin IcplHz heilt wundertätig Rheuma, Gicht, Ischias Stärkste Schwefelthermen. Alluvialschlamm .Pension von Kß 40'-— Informationen für Oesterreich: Auskunftssteile Wien» VL, Neulinggasse 21, sowie die Badedirektiou Das m&hrisohe Paradies I Md nin&coiici. Oie stärksten n&tftrliohen Kohlensäurebäder der Tschechoslowakei. Berühmte Kaltwasserheilanstalt. Modernstes Inhalatorium Europas. Ueber 20.000 Kurgäste. 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Herr Bernhard lächelte: „Na gut. — Führen S' uns zuerst in die Leopo.bstadt zum Schwager."- Heinrich, der älteste Bruder Gustavs, saß in seinem Kontor, als er einen Wagen Vorfahren hörte. , Hin!" dachte er, „wer kann das sein?" und ging zuin Fenster, 'wollte dieses öffnen und hinausblicken. Da wurde aber schon die Tür aufgerissen; Gustav stürmte herein mtb rief: „Frei! Frei!" „Ich Hab' geglaubt," erzählte Heinrich später den Eltern, „er is aus'n Landes Gericht gekommen! — Frei!?" Indessen war Herr Bernhard im Kontor Heinrichs erschienen. „Weißt du was, Heinrich?" sagte er, „fahr' mit mis zn die Eltern!" — „Ich Hab' zwar noch »zu tun," meinte Heinrich, „aber schlepp' mich, ich gch' gern!" — Heinrich war kein Spaßverderber uud gerne „Festteilnehmer^, kurz, er 'fuhr mit. — — Im Elternhaus, tm Speisezimmer liand Herr 'Hernurnn beim Fenster. „Wo sc nur 'vletteu'?" sagte?.r zu seiner Frau. „Halber Viere is!" — „Ich versteh' dcB auch nicht," erwiderte Frau Sali. „Bernhard hat gesagt: Sir werud'n. nur drei da sein!" Herr Hermann blickte wieder ans die Gasse hinnnler und rief voll Freude: „Da künnner se! Was flaust du nur, "Sali: He'nrich is auch dabei! Und alle drei lachen se! Na ja. es is ja auch ganz schön. 'Jetzt is er was, wenigstens e "Gesell'!" — Die Mutt.r seufzte ein wenig: „Ich Hab' mir's anders vorgestellt, Hermann!" — Mer als Gustav ins Zimmer sttürmle tut) ans seinen dunklen Augen eine Freude, eine Zuversicht glühte, als hätte er heute die Welt erobert, da — lachte auch der Mutter das Herz. Ihre Augen leuchteten, br.tit 'Mütttr 'sind eitel; und der junge Bursch — er war siebzehn Jahre alt — es war eine Freud', ihn anzuschauen. — 11. Kapitel. Ein junger Mensch, sofern er durch Arbeit geadelt ist unfy t jnverdorben blieb, gleicht einein 'jungen "Baum. 'Den Kops hält er nach oben, so wie der Baum seine Zw.ige zum Himmel streckt; voll Kraft und Milien und Freude zum Leben. — Um Jo ein junges Gewächs streichen gar viele der Menschen umher und schauen und bewundern. Mer die junge, unverdorbene Pflanze merkt in ihrer naiven Ahnungslosigkeit nichts von den äugenden B.'icken und wendet nicht einmal ein B ättchen dem Beschauer zu Ge'allcn. Es bleibt nicht immer so. :— Denn so wie der Most! zum Wein, reift auch einnral der Jüngling zum Manne rmd dann... (Fortsetzung im DienStagblatt.) Dar schweren Gefahr der Alterserscheinungen begegnen Sie am wirksamsten durch den Oebrauch von Sklarofsyrup nach Univ.-Prof. Dr. Mladejovsky In allen Apotheken erhältlich. Haupt-Depot: Apotheker C. BRADY, Wien, 1., Kotenturmstraße 18. E Warnung! Wir haben in der letzten Zeit die Wahrnehmung gemacht, daß unter Awvenbung unertaubler Reklame.ricks in Inseraten unsere seit mehr als 30 Jahren unter der Marke „L i l i e" bestbekannteir Erzeugnisse, wie L i l i e >Nv e b e, L b tienchisson, Lilienbettuch, Lilienbatist, Lilienda mast nstv. zu Preisen angeboten wurden, d!« nicht einmal den Gestehungskosten der von uns in den Handel gebrachten Qualitäien gletchkommen. Das kaufende Publikum erhält, wenn es an eine solch: Quelle gelangt, getvshnlich die Auskunft, daß diese Ware bereits ausverkauft sei, und es wird versucht, ihm andertveiüge Waren anzuhängen, oder minderwertige Webwaren alS „Liliemvareir" einzuhändigen. Wir haben derartige Fälle, soweit sie uns bekannt geworden sind, zur gerichtlichen Verantwortung gezogen und warnen sowohl unsere Großabnehmer als auch das P. T. Publikum, solche» Auküildigungen Glauben zu schenken und Waren anzunehmen, die iricht mit unserer gesetzlich geschützten „Lilienmarke" versehen sind. .Gleichzeitig ersuchen wir, unS derartige Uebergriffe Mcks nachsichtstoser gerich lichgv Verfolgung ungesäumt zur Kenntnis zu bringerr. Lilien- Leinwand-Unternehmung, Wien, 1. Bez., Schottenring 25. Sämtliche Lilie n-Leineuwaren sind im Warenhaus Brüder S ch i f f m a n n, 2. Vez., Taborstr. 48, in reichster Auswahl zu konkurrenzlos billigen Preisen erhältlich.