Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2923 (17.4.1927)
- Date
- 1927-04-17
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Romain Rolland 2× ep/1025528
- Stefan Zweig 2× ep/1025800
- Thomas Mann 2× ep/1025357
- Bertolt Brecht 1× ep/1024839
- Bruno Frank 1× ep/1003844
- Egon Erwin Kisch 1× ep/1025238
- Felix Salten 1× ep/1026698
- Franz Blei 1× ep/1024808
- Georg Brandes 1× ep/1024832
- Gråsten 1× ep/1044646
- Homer 1× ep/1025156
- Paul Amann 1× ep/1023284
- Werner Sombart 1× ep/1026302
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'Jh. 292?, Wien, Sonntag Wietrer Morgenzeitung 17. April 1927 Seit« 9 Das Büch der Zeit >,i - LirL8,^H78DLILL.6L OLL .WIENER MORGENZEITÜN G' Roman eines «nverftellten Lebens. Romain Rolland: Mutter und Sohn. (1. bis 20. Tau-.'end, 1927, Kurt Wolff Verlag, AiLncheu.) Bon Romain RoUandS Romantetralogie „Verzauberte Seelen" ist nun, abermals von Paul Amann ins Deutsche übertragen, der dritte Roman erschien!?». Er führt die „Seelengeschichte eines unverstellten Lebens", wie Rolland selbst im Expositionsbande dieser grasten Dichtung sein Werk nannte,, in die A des großen Krieges. Nachdem wir in „Annett, u- > Sylvia" die Entfaltung der Seelenjugend Irn beiden Schwestern Rivierc belauscht und im Buche „Sommer" das Reifen dieser Leben verfolgt haben, setzt uns der neue Roman in den großen Kampf, der Mutter um ihren, Sohn, dem sie mit Willen, mit jenen: Willen, den die Wahrhaftigkeit schafft, dem Vater ferngehalten hat. Denn das Lebensschicksal der Annette Riviere ist das des kompromißlosen Menschen und seine Tragik packt umso stärker, weil einer Frau dieses göttliche und darum qualvolle Geschenk der Unverstellbarkeit verliehen ward. Me Annette Riviere immer wieder enttäuscht lvird, wo sie sich ganz gibt, tveil sie sich.eben nur ganz geben , kann; wie sie immtzr wieder erkennen muß, daß der Sohn, dm sie alltein besitzen will, durch Blutes Erbschaft von seinem Vater her ihr immer wieder, entgleitet, bis sie ihn endlich ganz hat, in zweiter Zeugung, dergeistigen, ihn zu ihrem Kinde macht, das - sind Höhepunkte dieses Buches, in denen der Dichter geradezu durch Visionskraft über sich hinausgeht. In diese Einzelschicksale verflochten ist aber in dem Romanwerk eine Geschichte des dritten republikanischen Frankreich., Schon im ersten Roman „Annette und Sylvia" hatte Rolland das bürgerliche Frankreich 'in den Jahren nach der „Affäre", nach den Erschütterungen und Aufwulstungen .des Dreyfus-Prozesses, in großen aber einprägsamen Zügen umrissen; der Roman „Sommer" schilderte die. Entwicklung der Republik im ersten ' Jahrzehnt des begonnenen Jahrhunderts und deckte unmerklich jene Zusammenhänge auf, welche für den kommenden Krieg den notwendigen Begriff „Vaterland" schufen; Mutter und Sohn ist nun die Ge schichte Frankreichs im Kriege, geschaut aus der Perspektive von zwei Dutzend Seelen. Und diese Rolland'sche Geschichte des kriegführendem Frankreich bis zu dem Tage, da Kanonen und Glocken den Waffenstillstand im Oktober 1918 verkünden, ist ein erschütterndes Dokument jenes tragischen Wahnsinns, der in Frankreich wie anderwärts methodisch gezüchtet worden war. Rolland arbeitet nicht nach der Art der Schlachtenmaler in Kolossalformat mit heroischen Knalleffekten, sondern er schildert den Krieg ganz anders: da und dort taucht ein Bild auf, huscht vorüber und bohrt sich doch gewaltsam in Herz und Hirn: Begegnung mit einem Blinden, das.qualvolle Ende eines „Vergasten", eine kleine Bürgersfrau, die zur Dirne wird; und diese scheinbar gelegentlichen Bilder sind so gesetzt, daß sie immer zu - rufen scheinen: „Du Mensch vergißt zu schnell! Vergiß nicht!" Und wir verstehen jetzt des Dichters Absicht mit seinem großen Rvmanwerk „Verzauberte Seelen": den Zauberbann zu lösen, in den Verstellung und Unwahrhaftigkeit eine Menschheit geschlagen hat und den Krieg zu überwinden nicht mit den Dogmen eines phrasenreichen Pazifismus, sondern durch jene seelische Wahrhaftigkeit, die keine Kompromisse kennt. Vaterländer, Gesellschaftsordnungen, Moralbegrjffe sind zu unwahren Schemen geworden; der neue Mensch muß ihnen erst wieder die Wahrhaftigkeit geben. Dies ist nur möglich durch die Wahrhaftig- Bücher sind die besten Geschenke Besonders sei empfohlen der soeben erschienene, neue große Roman von Romain Holland Mutter und Sohn der dritte Roman derMihe ,Verzauberte Seeles der nicht zuieht durch die Aktualität seiner pwb. leme die Öffentlichkeit in breitestem Ausmaß erobern wird. Der preis beträgt für den Halbleinendanb Mt. 7.50, für den O.inzlemenbanb VM. 9.50 3n allen Äuchhandlungen erhLltlichl Kurt Wolff Verlag - München keit der Seelen. So ist der Kampf der Annette Riviere um ihren Sohn Mark, den Romain Rolland in dem dritten Roman seiner Tetralogie gestaltet, der Kampf um den neue-:, den glücklichen Menschen, um die friedliche Menschheit. E. G. Fried. VON BÜCHERN, DICHTERN UND VERLEGERN. Frievemzeit im Buch. Bücher, 300 Seiten sta^i, gut gedruckt, fest in Leinen gebunden, Inhalt —'darüber nachher! — und Preis: nicht ejnmal drei Mark! Also fast noch besser als vor 13 Jahren. Die einzige, Möglichkeit, Literatur unters Volk zu bringen, die Menge zum Buch zu erziehen. Der Verlag Th. Knaur in Berlin fängt es so gut wie klug an. Jede Woche ein Buch! Herrliches Schlagwort! Und wenn es so weiter geht wie es ansing — dann . . . Darüber nachher! Zuerst noch: Thomas Mann und H. G. Scheffauer geben diese neue Bibliothek (für uns alle!) heraus. Thomas spricht, mit seinem maßvollen Humor, den Vorfpruch. Er wird allmählich Parte aller Entdeckungen- und Unternehmungen unserer erfolglüsternen Verleger. Nun gut: dem uubeschadet gilt es diesmal, scheint's, einer Sammlung, die unser literaturverdorbenes Gemüt zum hellen Jauchzen bringt. Denn, und nun kommt's: der erste Band enthält den Roman „Bildnis eines Rothaarigen" von dem bis heute fürs Deutsche noch nicht aufgespürlcn Hugh Walpale! Und dieses Buch — 320 Seiten, und zehn Seiten vorher, kennt ihr die Lösung noch immer nicht! Es ist das ebenso haarsträubende wie herzbewegende, hirnberückendc, wie Blut schaudern lassende Abenteuer eines Amerikaners in England. Götter und Bestien im Menschen, Paradiese und Höllen in der Natur. In Liebe und Grausamkeit Berirrtie, aus Selbstwahn zu Mitmenschentum sich Rettende. Wahrscheinlichkeit? — Der Teufel schert sich darum! Wahrheit ist in dem Buch, glühende, schauernde, brglückendte, entsetzliche Wahrheit. Tenn — und so unmöglich es angesichts dieser tollen, rasenden, abgründigen, irrsinnigen Begebenheiten scheinen mag! — denn, Gott helfe mir! ein leibhaftiger Dichter hat den Roman erfunden, geschrieben, mit Natur und Gchanken durchsetzt, mit einer Bravour heruntergetobt, in der er Herz, Seele, Menschlichkeit erschütternd erklingen läßt. Nichts Schöneres können wir großen Kinder uns wünschen! Wir fallen selig ins Jugendlaster des Schmökerns zurück. Her mit Woche auf Woche! Wir fiebern von Freitag zu Freitag! Dank, Thomas Mann. Bravo, Scheffauer, bravo! (Er hat wohl die Wahl, Idee und Organisation.) Heil dem. Volk. Es wird lesen lernen. Hub der Weg — wirklich! — ist nicht weit von Walpale zu unseren Großen. Schlage es. ihm nur ein, das Volk! KurtMünzer. „Glan; und Eiend borüh?.ter Freuen" bct'tüt sich ein neues Buch von Franz Blei, d.:s in amüsanten Bildern eine Revue aus der Kulturgeschichte der letzten, zwei Jahrtausende bietet, beginnen) mit der bvzantinischm Kaiserin Theodora, den Schluß bildet Anette Kolb. (Ernst Rowohlic- . Vertag, Berlin.) . ' Von Gro g Munk (Pseudonym für die Gattin Martin Buders) erscheint im Jnset-Ver.ag Leipzig ein neues Ge» schichtenduck unter dem Titel „Die Gäste". Die nationale und die soziale Revolution in Indien wird in dem Aufsatz „Gavgas. Aktiv iSmus und Passivismus als Methoden des politischen und sozialen Kampfes" im 1. Heft des 2. Jahrganges der nunmehr zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift „Elho8" (G. Braun, Karlsruhe)- instruktiv behandelt. Dickes Organ steht unter den wenigen notwendigen Zeitschriften- Gründungen mit an erster Stelle. Soziologie und Kuiturphilosophie, besser vielleicht Kulturpolitik, sind die modernen Wissenschaften. Sie beanspruchen und finden allgemeines Jniereffe, denn sie wirken am Bau der Zukunft. So wird jedermann, dcr nach Ethos greift, eine Fülle von Anregung darin finden. Karrn Michaelis Reiieroman „Die Prr.enkette" wird vom Vertag Kiepenheuer, Potsdam, angeiAn:igL. Bert Brecht, die dramatische Hoffnung des jungen literarischen Deutschland, erscheint. nunmehr im Prophy.äeu- Verlag, Berlin. Als erste Nodiffit.n werden angeüündigt: „Mann M Mann", das neue Lu.-.spiel Bert Brechts, ferner das in Berlin bereits aufgefülstt: Schauspiel in 16 Bildern „Im Dickicht der Ctä te",.das den geheimniZvol en Kampf zweier Männer in ver Riesenstadt Chicago schildert, und das erste Balw.en.uch Bert Brechts „Hausposticke". „Be.ichtr aus der WlMich'eit' heilst die neue Serie, die der Verlag Die Schmiede, Berlin., ankii.ndi.gt. In dieser Serie schreiben bekannte Journalisten uuj Schriftsteller über aktuellste Stoffe der Gegenwart in Fwr.n lebhafter und spannender Erzäh ungen. J.sef Roth schreibt über die „Juden auf Wanderschaft". Egon Erwin Kisch gibt in seinem kriminalistischen Reifrbuch eine Schilderung der Verbrechen aber Zeit.« und Länder. Leo Lania macht grausame Enthüllungen aaS der „Faorik der Nachrichten . P. Mac Orlan ge.'t den abenteuerlichen Weg waghalsiger Schmuggler nrch, Ebnere Trautner führt uns in die Höhlen oes weißen Giftes und Hans Siemsen veröffentlicht erlch ^t er^de Briefe eines Homosexue len. Eine Anthologie jüngster Lyrik, herausgeaeben von WilU R. Fehse und Klaus Mann, eingeleitet von Stefan Zweig, bringt der Verlag Gebrüder Enoch, Hamburg. BÜCHEREINLAUF. Mtägyptische Erzählungen und Märchen. Ausaewählt um überseht von Günther Roeder. 1627. Vertag Enger Diebevichs, Jena. Dr. Siegsried Bernftld: Di« heutige Psychologie dn Pubertät. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Leipzig, Wien, Zürich. Georg Brandes: Homer. Verlag Philipp Reolam jun., Leipzig. Paul Busson: Sylvester. F. G. Speidel'sche Verlagsbuchhandlung. Kasimir Edschmid: Die gespenstigen Abenteuer des Hosrat Bvüstlein (Roman). Verlag Paul Zsölnay, Berlin-Wien-Leipzig. Herbert Eulenberg: Um den Rhein (Roman). Verlag M. Spaeth, Berlin. Willi R. Fehse und Klaus Mann: Anthologie jüngster Lyrik (Geleitwort von Stefan Zweig). Verlag Gebrüder Enoch, Hamburg. Bruno Frank: Ein Konzert (Novellen). Verlag Gustav Kiepenheuer, Potsdam. K. Goldberg: Deutsche Balladen. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. Oskar Marko Gras: Wir sind Gefangene. Drei-MaÄen- Verlag, München. Ernst R. B. Hansen: Polens Drang nach dem Westen. Verlag K. F. Köhler, Berlin und Leipzig. Alexander von Humboldt: In Südamerika. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Prof. Dr. Paul Kämmerer: Geschlecht, Fortpflanzung, Fruchtbarkeit. Drei-Masken-Verlag, München. ,^a'Jscha" („Die Frau"), Monatsschrift für die Interessen der palästinensischen Frau, herausgegeben von der Histadrut Nashim Jbriot b'Erez Israel und der Zionistischen Frauenorganistion in Amerika „Hadassah" (Heft Nr. 7 bis 8, Jerusalem 1627). Ferdinand Kattenbusch: Das Unbedingte und Uttbegvelfbare. Verlag Leopold Klotz, Gotha. Stephan Ley: Beethoven als Freund der Familie Wegeler v. Breuning (nach den Familiensammlungen und -Erinnerungen). Verlag von Friedrich Cohen, Bonn. Dr. Paul Julius Möbius: Das Nervensystem des Men- * schen und seine Erkrankungen. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. „Paneuropa", Heft 4 (April), 3. Jahrgang, Paneuropa- Verlag, Wien-Leipzig. Prof. Dr. Richard KÄtzschcke:! Die Geschichte des deutschen 'Männergesanges. Wilhelm Limpert-Verlag, Dresden. ■ ' . La revue litteraire juioe (1. Heft, März 1627). Edition de la revue litteraire juive, Paris 16e. Gustav Renker: Der sterbende Hof (Roman). Verlag L. Skaackmann, Leipzig. Toni Rothmund: Caroline Schlegel (Roman). Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. Dierck Seeberg: Oberstadt (Roman). Verlag H. tzaesiel, Leipzig Werner Sombart: Das Wirtschaftsleben tm Zeitalter des Hochkapitalismus. Verlag Duncker u. Humblot, München und Leipzig. * Kurt Sonnenfeld: Der rote Schleier (Roman). Verlag Maximilian Salzer, Wien, Berlin, Leipzig. R. L. Stevenson: Der Strand von Falesa. Verlag Philipp Reclam jun-, Leipzig. Alexrs Tolstoi: Iwan, der Schreckliche (Romane der Weltliteratur). Verlag Hesie u. Becker, Leipzig. Johann Friedrich Unger im Verkehr mit Goethe und Schiller (Briefe und Nachrichten). Schriftgießerei H. Berthold, Abt. Privatdrucke, Berlin 1627. S. Wininger: Große jüdische National-Biographie (6. Band), Cernauti. FELIX SALTEN Martin Overbeck DER. ROMAN EINES REICHEN JUNGEN MANNES l. BIS io. TAUSEND Saltens neues, von buntem Leben erfülltes Buch ist einer der anregendsten und spannendsten Romane der letzten Zeit. Mit virtuoser Hand wird ein glücklicher Einfall so packend und liebenswürdig gestaltet, daß man mit reinem Vergnügen dem eigenwillig gewählten Lebenspfade Martin Overbecks folgt. (Münchner Neueste Nachrichten) Ganzltinenband S 8.fO PAUL ZSOLNAY VERLAG / WIEN £.4 t •. Z *