Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2923 (17.4.1927)
- Date
- 1927-04-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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mvk 8 Men, Sonntag Wiener Moegeirzeitrrng A—— , ... ,, W*.f: WADl 198? Kr. SWS Der IS Zioniitenhonlrefl. wdmsfo L .ItStA WM Wie bereits gemeldet, soll der 15. Zionistenkongreß für den 24. August d, J. nach Basel einberufen werdejn. In dieser alten Schweizer Stadt haben bereits sieben Zionistenkongresse stattgefunden, darunter der erste, der die Organisation begründete. Seit dem 10. Kongreß, dem letzten, der ln Basel abgehalten wurde, ist die zionistische Bewegung mächtig angewachsen, und das gewissermaßen historische Kongreßgebäude, das Baseler Kasino, ist zu klein geworden. Daher ist beabsichtigt, den 15. Kongreß im neuen Gebäudekomplex der Baseler Messe abzuhalten, dessen Bild wir oben bringen. 000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000 Präsident Masarhk in Palästina. Jerusalem, 15. April. Nach idem Besuch von R ifchon-le-Zion und Tel Awiw, wo Präsident Masaryk am Grabe Ach ad Haams einen Kranz niederlegte, .besichtigte der Präsident die kanaanitischen Ausgrabungen in Sichern. Hieraus fuhr er über Asuleh, Ejn Charod und Del Joses nach Beth Alpha, wo er von dem Generalsekretär des Keren Hajeffod, Leo Herrmann, und namens der Siedlung von Josef Wien empfangen wurde. Nach hebräischen und tschechischen Begrüßungen nahm Präsident Masaryk samt Gefolge inmitten der Siedler in der Eßbaracke Platz, wo eine lange Unterhaltung über die nationalen, ethischen, wissenschaftlichen, politischen und religiösen Triebkräfte und Grundlagen der Siedlung stattfand. Präsident Masaryk bezeugte sein höchstes Interesse für alle Einzelheiten und Fortschritte der Siedlung. Hierauf fand ein Rundgang durch die Siedlung statt mit längerem Aufenthalt im Kind er haus, wo der Präsident sich eingehend über das Erziehungssystem informieren ließ und seine besondere Befriedigung über den Zustand der Jugend aussprach. Hierauf fand nochmals eine Versammlung in der Eßbaracke statt, wo die Malerin Grete Krakauer dem Präsidenten ein Bild von Beth Alpha überreichte. In seinem Schlußwort beim Abschied sagte der Präsident u. a., daß hier überall nicht nur Historischer Boden sei, sondern auch Geschichte gemacht wevdL Er verabschiedete, sich auf herzlichste. Weise und mit wärmsten'WünschM für den weiteren Fortschritt der Siedlung. Sodann trat Präsident Masaryk die Weiterfahrt nach Dagwnia, Liberias, Kapernaum und Nazareth an. .Auf der Weiterreise besuchte Dr. Masaryk N a h a l a l, wo die palästinensisch-zionistische Exekutive zu Ehren des Präsidenten eine Feier veranstaltete. Prof. Masaryk erwiderte aus die Ansprachen mit einer längeren Rede, die in folgende Worte ausklang: „Ich glaube an Ihr Werk. Arbeit ist eine der BedinMingen des Glückes, und ich sehe, daß «Sie die Arbeit verstehen. Ich hoffe, daß Äe ihr Ziel erreichen und wünsche Ihnen Glück und Freiheit." Nach Beendigung der Feier fuhr der Präsident nach Haifä, von wo er heute (Freitag) Palästina -verläßt, um über Kairo nach Athen zu reisen. An unsere Rätsellöser! Der Eiusendetermin für unsere erste Preistötselkonkurrenz endigt am 25. A p r i l. Ort und Zeit der Verlosung werden wir noch rechtzeitig bekanntgeben. Unsere Rätsellöser werden gebeten, die ausgefüllten Diagramme mit den dazugehörenden Kupons in einem Kuwert, auf dessen obere Ecke deutlich der Vermerk „Rätselkonkurrenz" zu schreiben ist, an unsere Redaktion, Wien, -2. Bez., Taborstraße 1—3, einzusenden. Fehlende Nummern können in unserer Administration noch nqchbezogm werden. „CtiO“ wecket stets Entzücken, Liebli ohmundet's als Oe tränk. Immer wird es Dich erquioken 1 Ostern wähl'es als Geschenk! Waürnstein «ad die Prager Faden. „Die Juden in Prag" heißt ein eben erschienenes, von Prof. Dr. S. Steinherz redigiertes Sammelwerk, das als Festgabe der Loge Prags des Ordens B'nai Brith zum Gedenktage ihres 25jährigen Bestandes hcrauskommt. Die nachfolgende Episode ist einem Beitrag von Doktor Käthe Spiegel entnommen. Um die Jahreswende 1621-1622 ereignete sich ein in der Literatur oft und ausführlich behandelter Streitfall zwischen dem Vorgesetzten der kaiserlichen Truppen, dom Grafen Albrecht Wald stein und der Prager Judenschaft. Ein Soldat der Wache, welche an Kleinseitner Ring aufgestellt war, brach, als sich der Statthalter Liechtenstein in Wien befand, bei Nacht in dessen Haus ein. Solche Fälle waren, nicht selten. Da Waldstein mit Recht annahm, daß die gestohlenen Sachen nicht lang in den Händen der Diebe bleiben würden, traf er seine Vorkehrungen, um ihrer wiederum habhaft zu werden. Er erließ den Befehl, daß niemand etwas von einem Soldaten kaufen dürfe» ohne vorder die Bewilligung der Hauptleute eingeholt zu Wen. Josef Thein, ein Prager Jude, gehörte zu jener .Gruppe Menschen, die solche Vorschriften nicht schwer nahmen, er kaufte von einem Soldaten schöne Damastbochänge um 7 fl. Doch bald vermißte sie der Verwalter deS StatthalterhauseS und ließ den VeÄust, wie dies in solchen Fällen Üblich war, in den Synagogen auSrufen. Dem Herkomnzin gemäß gab Josef Thein das gestohlene Gut zum Synagogendiener. Der Arme ahnte nicht, daß Waldstein die Nichtachtung seines Befehls schwer ahnden und ein Exempel statuieren wollte. Es sollte ihm die Gemeinde dm Namen des Käufers, ganz gegen den bisherigen Brauch, verraten. Als die Aeltesten standhaft jede Auskunft verweigerten, ließ Waldstein kurzerhand einen Galgen auf-> richten und war entschlossen, falls es nicht gelange, den Namen des Schuldigen zu erfahren, denjenigen, der die Aus-, kunst verweigert, dem Eode zu überliefern. Begreiflicherweise wollten weder der Vorsteher der Gemeinde, Jakob Theomim (M^nka?), der die gestohlenen Dinge ins Liechtensteinsche Palais zurückgestellt hatte, noch der unschuldige Schulllopper Chanoch ben Moses Altschul, bei dem sie hinterlegt worden waren, ihr Leben in die Schanze schlagen. An dem ernsten Willen Waldsteins, seinen Vorsatz zur Tat werden zu lasten, konnte aber nicht gezweifelt werden, da er Chanoch, als er sich geweigert hatte, den Käufer zu verraten, in Ketten legen und in den Arrest abführen ließ. So wurde denn Thein, dessen sich die Gemeinde schon vorher versichert hatte, daß sie ihn irrt jüdischen Arrest inhaftierte, vor Waldstein gebracht. Ebenfalls gefesselt wurde tt ins Gefängnis geworfen. Mit zwei, Hunden sollte er am Schindanger verkehrt aufgehenkt werden. Wie ein Mann bemühten sich nun die Aeltesten, das Leben ihres Bruders zu retten, sie suchten Hilfe bei den Jesuiten und einflußreichen Personen und erklärten sich bereit, den erbosten Kommandanten durch eine namhafte Geldsumme zu versöhnen. Waldstein ließ sich auf Füttütte eines Generals (die Jesuiten waren nicht in der Lage gewesen, einen Schritt zu unternehmen) erweichen und schenkte Thein gegen eine Entschädigung von 10.000 fl. das Leben. Als dieser Betrag in zehn Säckel verpackt in höchst demütigender Weise von zehn Juden auf das Altstädter Rathaus gebracht worden war, verwendete ihn Waldstein dazu, eine Stiftung für.die Erziehung jüdischer Ncophyten zu errichten. Diese Stiftung stand, wenn auch oft verändert, noch im 19. Jahrhundert in Verwendung. Josef Thein und Chanoch Altschul haben in Erinnerung, an die überstandene Angst und Qual den Vorfall schriftlich ihren Nachkommen überliefert. Besonders Thein hat die Zeit des Arrests, den er mstt zwei Hunden teilte, furchtbar empfunden. Lange Zeit wurde der Tag seiner B!efreiung in der Judenschaft als besonderes Fest gefeiert.. »England wird einmal seine Tore wieder Anwanderern öffnen." Sine ßrklürnngdes gnuenmifterr Sir goynfon HM». London, 12. April. (I. T. A.) Bei der im Hotel Cecil abgehaltenen Feier aus Anlaß des 40jährigen Bestehens des Jews' Tempovary Shelter (Verein für jüdische Obdachlose „Nachnäsath Orchim") hielt der britische Innenminister Sir William Johnson Hicks die Festrede. Mt dem Jubiläum war eine Aktion zur Aufbrigung von 20.000 Pfund für Zwecke des Vereins verbunden. Herr Ernest Schiff teilte mit, daß hiervon 15.000 Pfund bereits aufgebracht worden sind. Die Veranstaltung leitete Lionel de Rothschild. Es hatten sich mehr als 300 Gäste eingefunden. Der Innenminister Sir William Johnson; H i ck s drückte in seiner Ansprache -dem Jews' Temporarh Shelter die Anerkennung für sein Wirken im Interesse der Durchwanderer aus und sagte: als diese Jnstitutton vor 40 Jahren begründet wurde, hat England seine Tore allen verfolgten Männern und Frauen offengehalten und ihnen ein Asyl geboten. Heute sind die Tore Englands beinahe geschlossen, aber nicht für immer, es ist möglich, -daß sie im Verlauf der Zeit wieder ganz weit geöffnet werden würden. Es sei, sagte der Minister, eine seiner schwersten Pflichten, der Wächter der britischen Küsten zu sein. Aber heute sei es angesichts der Arbeitslosigkeit und des Wohnungsmangels in diesem Lande nicht möglich, alle jene Unglücklichen heremzulassen, die hieher zu kommen wünschen, in der Meinung, daß England das Paradies sei. Der Mnister sagte, man hätte ihn zu Unrecht antisemitischer Absichten geziehen. Er habe in seinen Handlungen keinerlei Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden gemacht. Jeder einzelne Fall wurde nach Gebühr untersucht. Er hoffe, daß in absehbarer Zeit die Arbeitslosigkeit zurückgehen und sich auch für die Einaewcmderten die Lage ändern würde.' Der Minister wandte sich auch der Frage der Naturalisation zu und sagte, er sehe das Privilegium, britischer Staatsbürger zu sein, als das Höchste in der Welt an. Man entschließt sich -nicht leicht, ein solches - Privilegium zu gewähren.- An zufälliger Besucher habe-keinen Anspruch darauf, Bürger Großbritanniens zu sein. Aber wenn ein Mann seine Kinder hier erzogen und sie die Sprache des Landes gelehrt hat, wenn er. jo. jeine Wurzeln tief in das Leben des Landes gegraben hat, dann müßte er je eher je besser naturalisiert werden. Er, der Minister, habe dafür gesorgt, daß immer mehr Personen naturalisiert werden. Man habe ihm vovgeworfen, er hätte sich von antisemiti- . scheu Stimmungen leiten lassen. Er weise solche Beschuldigung zurück und lade Herrn Lionel de Rothschild und andere Vertreter der jüdischen Gemeinde ein, ihn zu besuchen und sich von der großen Zahl der von chm bewilligten Naturalisationen von Juden zu überzeugen. Niemals fei im Innenministerium irgendein Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden Lei der Gewährung der britischen Staatsbürgerschaft gelacht wordem Die Tore des Innenministeriums stehen den Vertretern der Jüdischen Gemeinde stets offen. Mögen sie kommen, er werde sie persönlich empfangen und sie von der Richtigkeit seiner Worte überzeugen. Der Vorsitzende, Lionel Rothschild, führte dann aus, die Vertreter der Judenschaft wissen, welchen Schwierigkeiten Sir William gegenübersteht und sie billigen feine Handlungen. Sie beklagen die Schwierigkeiten in der Einwanderungsfrage, da die Zahl der in auswärtigen Ländern notleidenden Juden erschreckend hoch fei. Obgleich aber die Tore für neue Einwanderer gesperrt seien, seien die 120 Betten des Shelter von Wanderern aus Osteuropa alle besetzt. Chachmn Dr. M. Gast er erinnerte daran, daß er vor 20 Jahren sich mit Sir William Johnson Hicks bei einem Proteste gegen die Verfolgung der Juden in Rußland zusammengefunden habe. Auch jetzt flüchten zahlreiche Menschen vor Bedrückungen und Verfolgungen in ihren Heimatländern, aber die Tore Englands seien ihnen verschlossen. Die Entschuldigung, daß Arbeitslosigkeit herrscht, sei nicht stichhaltig, denn durch die Einbuße der Intelligenz der Einwanderer verschlimmert sich die Lage. Die Tatkraftder Neuen Menschen hätte zur Verminderung der Arbeitslosigkeit beigetragen. Die Einwanderungseinschränkungen durch England waren ein moralisches Mst Wueren Länder, die dem GeMel l