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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-17 · Heft 2923 (17.4.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2923 (17.4.1927)
Date
1927-04-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2923 17. ApM 1927 GekkS sssssssssSsi' Wien, Sonntag Wiener Morgerrzettrmg gesprochen Hab- — und ich tat dirS mit Absicht z. B. Lei der großen Zentenarfeier des SeÄenstettentempelS vor den höchsten Würdenträgern der Republik —, mich immer an tö* Adresse unserer christlichen Mitbürger gewendet, um mit aller Entschiedenheit zu betonen, daß das Judentum in den österreichischen Ländern genau so bodenständig sei, wie unsere christlichen Mitbürger, weil unsere Vorfahren seit weit mehr als einem Jahrtausend hier ansässig sind. , Ich spreche also immer von der Bodenständigkeit des ganzen Judentums, nicht von der des einzelnen Juden, darum habe ich mich auch nie meiner eigenen Bodenständigkeit gerühmt, wenn ich auch glaube, mich albodenständig bezeichnen zu können, weil ich nunmehr seit nahezu 67 Jahren hier in Wien wohnhaft bin. Ich war auch im alten Oesterreich bodenständig, denn mein Geburtsort liegt nicht, wie Sie unrichtig berichten, in .Ungarn, sondern in Mähren, 1« welchem ehemaligen Grönland« meine Familie, soweit sich dies stststellung läßt, zumindestens seit der Mitte des 16. Jahrhunderts lebte. Ich habe selbstverständlich eS auch nicht „bemängelt, daß die Jüdischnationalen gegen die Hakenkreuzler kämpfen; viel- , mehr habe ich in allen Versammlungen mich in schärfster Weife gegen die Einheitsliste gewendet, und zwar neben anderen Gründen auch deshalb, weil sie unser« Mevävgsten Feinde, di« Hakenkreuzler, die Universitätsstürmer und in unerhörter Provokation auch Dr. Riehl ausgenommen haben. Jüdische WShlerversammlungen. Heute, Sonntag, 17. April. Leopold st ad t. 4^ Uhr nachmittags, Machsike Hadath, 2. Bez., Schiffürntsgasse 20. Redner: Dir. Josef Boxenbanm, David Nebenzahl. 4 Uhr nachmittags, Liviath-Chen, 2. Bez., Hollandsttahe 2. Redner: Ludwig B a t o, Dr. Wolf H e r z b e r g. 4 Uhr nachmittags, Mechisch Jeschuah, 2. Bez., Josefinengasse 7. Redner: Bezirksrat Plaschkes, Kommerzialrat Max Markus. 4 Uhr nachmittags, Bethaus Chasidrm, Herminengasse Nr. 8. Redner: Samuel Kantor, Dr. Heinrich Glanz. 6 Uhr nachmittags, Bethaus Beth-Jzchak, Wohlmuthstraßie 21, Redner: Jehuda Schmidt, Dr, LZwenherz, Brigittenau. •%’4 Uhr nachmittags, im Froß-Büssing-Saal, 20. Bez., Wallensteinstraße 72. Redner: Dr. Leopold P l a sch k e s, Oberbauvat Stricker. Montag, Herr 18. April. L e o p o l d st a d t. 5 Uh'r nachmittags, Bethaus Gemilath'-Chesed, Lilienbrunngasse 18. Redner: Dir. Boxen bäum, Doktor Glanz. 6 Uhr, Bethaus, Ennsgafse 17. Redner: Chune D ö r fler, David Nebenzahl. 8 Uhr abends, Cafe Dänemark, Praterstraße 48. Redner: Dr. Josef Löwenherz, Dr. Gold Hammer, Dr. Rybats chewsky. 6 Uhr abends, Volksküche, 2. Bez., Krummbaumgasse Nr. 8. Redner: Dr. Dosider Friedmann, David Neben zahl. 8 Uhr abends, Sektionslokal, Jungstraße 8. Redner: Jehuda Schmidt, Dr. Plaschkes, Dr, Israel Taubes. . ‘'r-' Alsergrund. —x ’ :‘! 8 Uhr abends, Cafe Metropol, Soutepral-n, Bevggasse Nr. 33. Redner: Dr., Georg Weiner, Ing. Robert Stricker, Brigittenau. . 4 Uhr nachmittags, Bethaus Ansche Dath w' Zedek, Trauenfelsgasse. Redner: Dr. Israel Taubes, Samuel Kantor. 8 Uhr abends, Toynbeehalle, Denisgasse 33. Redner: Dr. Israel Waldmann, Dr. Josef L ö w e n h e r z, Dienstag, den 19. April, 8 Uhr abends. Leopold st ad t. Cafe Edison, Bereinsgasse IS, Ecke Darwi-ngasse. Redner: Dr. Israel Taubes, Leo Sendiowi eg. Volksküche, Krummbaumgasse 7. Redner: Löbl Taubes, Dr. Leopold Plaschkes. Restaurant Grüner, Zirkusgasse 30. Rsdner: Oberbauxat Ing. Robert Stricker, David Nebenzahl. Bethauslokal, Stuwerstvaße 46. Redner: Chune Dörfler, David Neben zahl. Sektionsheim, Jungstraße 6. Jugendversammiung. Redner: Dr. Schmerler, Leo Menezer. Neubau. V28 Uhr abends, „Zur goldenen Glocke", 7. Bez., Neu- Mgasse ö. Redner: Dr. Fritz Löhner-Beda, Getwinderat Dr. Leopold Plaschkes, Dr. Max Ber-nia r dt. Alsergrund. Cafe City, Porzellangasse 1. Redner: "^r. Leo G oldj a m m e r, Dr. Kurt E p p l e r. Restaurant Weißmcmn, Seeaasse 7. Redner: Ing. Eupn Buchbinder, Dr. Israel Waldmann. Döblin g. Kasino Zö gewiß, DMlnger Hauptstraße 76. Redner: lllfrod: Weißhut, Dr. Josef Löwenherz, Dr. Desder Fried mann. Brigittenau. Volksküche, Kluckygasse 7. Redner: Dr. Leo G o l dsüm m e r, Kans Kandl. ^tei Worte ein Waschj Verfahre# * $§ / auflösen Die dicke Losung, die von Schaum und Seife Strotzt, seift die Wäsche durch und durch gleichmäßig ein, viel besser, als lange Arbeit es zuwege bringt. Ihrer auflösenden Wirkung kann auch fest anhaftender Schmutz nicht trotzen. «Sy r*' einweichen Der feste Rinsoschaum, der stets so reichlich sein muß, um alle Wäsche im Trog zu bedecken, leistet vollkommene Arbeit. Seine kräftigen Bläschen dringen überall ein und saugen allen Schmutz gründlich und doch behutsam heraus. Nach mehrstündigem Einweichen haftet der mit Seife durchsetzte Schmutz kaum mehr an den Geweben und wird vom frischen Spülwasser leicht entfernt. Ohne Reiben wird derart die Wäsche rein gespült und erhält schneeweißes Aussehen. Tagesbericht. Dozent Sr. Siegmund Komfeld. { Eine der wertvollsten jüdischen Persönlichkeiten dies« Stadt, ein berühmter Gelehrter und ausgezeichneter Mensch, hat gestern ein Leben der wissenschaftlichen Arbeit und des Wirkens für das jüdische Volk beendet. Dozent Dr. Siegmund Kornfeld wurde Ln Goltfch-Jenitzau (Böhmen) im Jahre 1859 geboren und stammte aus einer hochangesehenen, frommen jüdischen Familie. Kornfelds engster Freund und Landsmann, Joses Popper-Lynke-us, sagte, sein Vater wäre immer aufgeftanden, wenn der Name KornM genannt wurde, des Großvaters des Verblichenen, eines weithin verehrten Talmndisten. Seine Studienjahre verbrachte Siegmund Kornfeld in Prag und Wien, erlangte das doppelte Doktorat (der Medizin und Philosophie) und wurde später als Kvimaravzt an die Irrenanstalt nach Brünn berufen. Es war die Zeit des Auftretens Theodor HerzlS, und Siegmund Kornfeld schloß sich mit Begeisterung der zionistischen Bewegung an. Die „Wiener MorgenMung" hat den Vorzug genossen, im Juni des Vorjahres Erinnerungen Kornfelds aus jener Zeit, sowie aus seinem weit?- ren Leben zu veröffentlichen. Man erfuhr aus diesen Mitteilungen des Gelehrten, daß er in gewissem Sinne zu den ersten Märtyrern der zionistischen Bewegung gehörte. Als nämlich Dr. Kornfeld in Brünn, wo damals, wie in allen Städten, die antizionistische Bewegung sehr stärkt war, sich offen als Anhänger des politischen Zionismus bekannte, wurde er sofort sehr stark bekämpft, und die einflußreichen jüdischen Kreise Brünns scheuen nicht davor zurück, seine wirtschaftliche Existenz zu untergraben. Als Kornfeld gar Theodor Herzl nach Brünn berief, wußten die Brünner Anbigionistsn seine Stellung zu erschüttern, und. er mußte sein Domizil nach Wien verlegen. „Ich habe es nicht zu bereuen", sagte im Vorjahre der teure Mann einem unserer Mitarbeiter, ,-nicht als Mensch und nicht als Mann der Wissenschaft, daß ich damals das Opfer -meines zionistischen Bekenntnisses wurde." Kornfeld schuf sich in Wien bald als Arzt und Gelehrter einen großen Wirkungskreis, kam mit Herzl und —- was für seine Geistesrichtung und wissenschaftliche Arbeit entscheidend wurde — mit Josef Popper-Lynkeus enge zusammen, mit dem er vier Jahrzehnte in Verbindung stand. Nicht zuletzt durch den Einfluß Kornfelds wurde Josef Popper- Lynkeus dem Zionismus nahegebvacht, und Komfeld wap es auch, der den großen Dichterphilosophen mit dem jüdischen Vereine TikwaH-Jchuda und dessen zionistischem Führer in Verbindung brachte. Es ist unseren Lesern wohl noch in Erinnerung, was Kornfeld in diesen Blättern über die Bedeutung von Josef Popper-Lynkeus und über, seine Beziehungen zu ihm in der ,-Wiener. MorgenFeitung" tzer-, öffentlichte. Während des Weltkrieges verlor Dozent Kovnfelh, über dessen wissenschaftliche Bedeutung noch von berufener Seite zu sprechen sein wird, einen seiner beiden Söhne« Der Schicksalsschlag traf ihn furchtbar, er begann zu kränkeln und konnte sich nicht wieder erholen. Auf dem Zen» tralfriedhof hielt er ein Grab für die irdischen Ueberreste des Verschollenen bereit. Das Grab Web leer und toirbi jetzt den Sarg mit dem Leichnam des Vaters aufnehmen« . ■ Bis in die letzte Zeit beschäftigte sich Dozent Kornfeld mit wissenschaftlichen Arbeiten. Sie galten, wie er uns gelegentlich mitteilte, 'dem Ausbau der Lehren Josef Popper-Lynkeus'. Er wollte die tieferen Wurzeln seiner Ethik bloßlegen und in seiner groß angelegten Studie zeigen, ,/daß für Joses Popper-Lynkeus die Anwendung seiner; Grundsätze auf das Leben die Hauptsache war". Es dürfte sich wohl im publizistischen Nachlasse des .Verblichenen ches Material vorfinden. ’ Und bis in die letzte Zeit wirkte dieser vorbildliche jü» dische Mann für die zionistische Idee und für den Aufbau Erez Israels. Die letzte zionistische Arbeit seiner Feder erschien anläßlich 'des 25jährigen JubileumS des Keven-Kajemeth in diesen Blättern, und war Johann Krementzky ge-, widmet. Einer der Edelsten des jüdischen Stammes, ein leuchtendes Beispiel für die neue jüdische Generation, einer d?r ältesten, treuesten und hingebendsten Anhänger der zionistischen Bewegung ist dahingegvngen. ' : m Das Leichenbegängnis des Dozenten Dr. Siegmund Kornfeld findet Dienstag, den 19. April, am Z«rhMriehhof £1« Tor), um 34U Uhr vormittags statt«' -A ' Stoei LepraWe in Me». Bei zwei Kindern eines Direktors der Wiener Bobenkredkts anstatt wurde vorgestern durch den Hausarzt der Familie unzweifelhaft Lepra festgestM. Me Seiden Müder wurden von der Mutter in einem Flugzeug nach London gebracht, um indem dortigen LepvvJnstitut behandelt zu werden. Dieser Krankheitsfall ist eine der größten Seltenheiten für Mitteleuropa, wo seit dreißig Jahren keine Lepra-Erkrankung vorgskomcken, ist. Wie es heißt, soll die Erikrankung angeblich durch einen neu aüs dem Orient bezogenen Teppich erfolgt sein, wogegen der bekannte Wiener Dermatologe, Dozent Dr. Stefan Brünauer, erMrt, daß eine solche Infizierung ausgeschlossen fei, da Lepra«. Bazillen nur durch längeren Verkehr mit einem Lepra-Kranken Gertragen rverden können. In Wien.werden wohl ab. und W

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