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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-16 · Heft 2922 (16.4.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2922 (16.4.1927)
Date
1927-04-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wkn, GamStag Wie«« Morgev-eitimg 16. UpM 1SS7 Gette B 26 Bergarbeiter ertrunken. Sla srulieMM w PeWlvMea. Rewyork, IS. Apru. In einer Kohlengrube von ^tloona in PennMvanken ist gestem ein Stollen plötzlich von Master überflutet morden. Die 26 Arbeiter, die rn dem Stollen beschäftigt waren, sind ertrunken. Mre Leichen konnten noch nicht geborgen werden. Die Ueberfchwemmung tarn so unverhofft rasch, daß es nicht möglich mar, die Grubenarbeiter zu verständigen. Die Arbeiter der übrigen Stollen konnten sich nur mit Mühe retten. Srvlofio« kn Galatz. Fünf Personen getötet, zwei Häuser zerstört. Bukarest, 16. April. Heute um 6 Uhr früh ereignete sich in Galatz in einer Straße eine heftige Explosion. Ein Arbeiter namens Michael Andre hatte ein g eheimes Magazin von Explosivstoffen, die er zur Herstellung von KnaMomben verwendete. Er wollte dieses Material heute früh an einen anderen Ort in Sicherheit bringen. Währenid des Ausladens fing das Material aus unbekannter Ursache Feuer und explodierte. Andre und seine Frau sowie drei andere Personen wurden getötet. Zwei Häuser sind infolge der Explosion zerstört worden, wobei mehrere Personen mehr oder weniger schwere Verletzungen erlitten haben. Notlandung der Prag—Wien-Flugzeuges. Prag, 15. April. Gestern mußte ein Flugzeug der Internationalen Luftverkehrsgesellschaft aus dem Wege von Prag nach Wien eine Notlandung vornehmen, da die zwei Motore zu arbeiten aufhörten. Das Flugzeug erlitt unbedeutende Beschädigungen. Die Passagiere mußten die Fahrt auf der Bahn nach Wien fortsetzen. Sie Lage der Jude» in RumSnien. E z e r n o w i tz, 14. April. Wie gemeldet, hat der Innenminister G o g o im Verordnungsweg die beschleunigte Durchführung einer allgemeinen Volkszählung verfügt, die bereits am 24. April stattfinden soll. Als Zweck der aufsehenerregenden Verfügung wird die Feststellung der Zahl der „Fremden" angegeben, und man bringt dies in Verbindung mit einer kürzlich erfolgten Erklärung des Ministers, daß die Fremden repatriiert worden sollen. Unter einer solchen Repatriierung wäre nur eine Massenausweisung zu verstehen, und es ist klar, daß in den jüdischen Kreisen große Erregung herrscht. In bi*. Kammer interpellierte Abg. Dr. Mayer Ebner die Regierung über das Schicksal von vielen Hunderten Juden der Bukowina, die nur darum des Bürgerrechtes für verlustig erklärt worden sind, weil die Behörden in ihrer Säumigkeit die. Ge suche nicht recht-, zeitig der zustänbigen Stelle zugeführt haben. Eine Antwort ist nicht erfolgt. eine Wische Petition an 0enttnl Wenau. Bukarest, 13. April. (I. T. A.) „Curierul Israelit" veröffentlicht eine Petition der jüdischen Einwohnerschaft des Städtchens Britschan in Nordbessarabien, in welcher darüber geklagt wird, daß kein Jude es länger wagen kann, die Eisenbahnen zu benützen, da er den grausamsten Insulten d er Cu z ist e n ausgesetzt sei. An einem der letzten Tage drangen Cuzisten in den nach Jassy gehenden Zug ein, schlugen drei jüdische Passagiere bis zur Bewußtlosigkeit, die übrigen jüdischen Passagiere konnten sich nur dadurch retten, daß ein Sol d a t ihnen das von Cuzisten verschlossene und verbarrikadierte Coupe öffnete, so daß sie über die Felder flüchten konnten. Handel und Wandel, heißt es in der Petition weiter, werden vollständig unterbunden, da die Juden nicht ntefjr wagen körnten, sich der öffentlichen Verkehrmittel zu bedienen. Wie aus Bukarest gemeldet wird, hat die rumänische Regierung den nationalen Minderheiten eine Subvention von 45 SJlittionett Sei für Schulen und kirchliche Zwecke zur Verfügung gestellt. Davon kommen 30 Millionen der ungarischen und 15 Millionen der deutschen Minderheit zugute. Das jüdische Evziehungs- und Religionswesen geht leer aus. Reise Primo de Rlverar nach Marokko. Madrid, 15. April. General Primo de Rivera wird sich morgen nach Marokko begeben. Nach der offiziellen Mitteilung ist der Zweck seiner Reise der Besuch der von der jüngsten Sturmkatastrophe heimgefuchten Gegenden. Es wird jedoch als wahrscheinlich angesehen, daß sich Primo de Rivera zu dem Zioecko nach Marokko begibt, um aus Anlaß des jüngst ausgebrochenen Aufstandes neue Anordnungen zu treffen. In diesem Zusammenhang verlautet, daß das Direktorium beschlossen hat, aus jedem Infanterie r^gi^ Ment eine Kompagnie heranzuziehen, um sie nach Marokko M entsenden. k Senlct gute loten nach Polen mit Flugzeugen der Polnischen Luftverkehrs A. G. Aeroilot, Wim, 1. Bez., Tegetthoffstrahe 7. Jede Auskunft durch Telephon 71-0-84. Fracht pro Kilogramm 0,76 Gro^"" ^^usive Versicherung. Wie», 16. April. Da» Weuer. , Am gestrigen Tag find infolge einer plötzlich Meingevrochenen Westjttömung reichlich Niederschläge gefallen. Laut der Vorhersage sind allmchlicher Temperatur- /rückgang, veränderliches Getter und zeitweise Niederschläge zu ernmrten. . Tovessail. Man schreibt uns aus Leoben: Am IS. April starv Wer der Präsident der LeobenerC heivra Kadlscha, Herr AlolS Rertmann im 67. Lebensjahr. Der Bervttchene, der aus Neutra stammte, mar ein treuer Sohn fernes Volkes, der Juden und Nichtjuden gleich angesehen und sehr wohltätig. Das Leichenbegängnis fand arü 1b. Apru unter allgemeiner Beteiligung statt. Die Levbener Iuvenfchaft wird ihm em ehrendes Angedenken bewahren. Bo» einem Auto getötet. Ist der Nähe ihres Wohnhauses, 11. Bez., Kvplagasse Nr. 64, wurde gestem vormittags die fünfjährige Josefa B i ü m e i von einem Auto niedergestoßen und überfahren. Das Krnd erlitt einen Bruch des Schädelgrundes. Die RettuNgSgefeUfchafi fand die Kleine schon tot. Eröffnung des Luftverkehr-; Wien—Salziburg—Innsbruck- Bregenz—Lindau. An: 16. April wird die erste innerösterreichische Lustverkehrsstrecke durch die österreichische LusLveMhrsyesclvschaft in regelmäßigen Betrieb genommen werden. Durch diese Schnellverbindung wird Salzburg von Men aus in 2.16 Stunden und Innsbruck in 3.45 Stunden erreicht werden können. Ein Alug Wien—Bregenz wird einschließlich des Aufenthaltes in Salzburg und Innsbruck eine Fiugdauer von 6 Stunden erfordern. Der Verkehr wird werktätig in beiden Richtungen stattfinden. Abflug in Wien 14.20 Uhr. Ankunft Salzburg 16.36 Uhr, Mflug 16.60, Ankunft Innsbruck 18.06, Mflug Innsbruck 7.4s, Ankunft Salzburg 9, Mflug 9.16, Ankunft Wien 11.30 Uhr. Ttraßenbaiiinsahrpreiö am Montag. Ausd er Straßenbahn und elektrischen Stadtbahn wird. kommenden Montag der Sonntagsfahrpreis eingeWöen. Es rönnen deshalb an diesem Tag die FrÜYMrfcheine, Hm- und Rückfcchrfcheine, Wochenkarten und FWsorgefa'hrsicheine nicht benützt werden. Tansenv Ziegelarveiter strekke». Donnerstag mittags sind die Ziegelarbeiter des Hennersdorfer Werkes in den Ausstand getreten./ Gestern früh wurden die Arbeiter des Vösendorfer Werkes entlassen, was dazu führte, daß mittags die Wienerberger Ziegelnrbetter die Arbeit niederlegten. Insgesamt befinden sich tausend Ziegel arbeitet jetzt im AuS^- stand. Vor einem Monat überreichten die Arbeiter die Forderung nach einer Erhöhung der Löhne. Die Werkuntemehmung markte aber nur geringe Zugeständnisse, die von der Arbeiterschaft alS unzureichend befunden wurden. Da aui ein weiteres Entgegenkommen seitens der Werks-. Unternehmung nicht mehr zu rechnen war, setzten gestern die Arbeiter des Hennersborser Werkes mit dem Streik ein. Zirms Avolft. Die für Sonntag und Montag angekündigten Nachmittagsvorstellungen entfallen aus technischen Gründen. Die Abendvorstellungen mit dem fesselnden Aprilvroaramm. und den großen Entscheidungs-Ringkämpfen (Steinbach, Schwarz, Jaago, Petromitich, Samson, Lobmaher, Paradänofsi beginnen um 8 Uhr. Aus der DchariM'elr. . Aus Frankfurt a. M. wird uns gemeldet: Mn von der Kurverwaltung von Bad- Homburg veranstalteter . Schachkongretz wird am 10. Juni beginnen. Bei diesler Gelegenheit findet ein internationales Meisterturnier statt, an dem sich Bogolfiibow, Reti, Rubinstein, Sämisch. Tartavower und der Frankfurter Meister Ovbach vetetAyen Ihre Gesundheit können Sie vollständig wieder zurückerlangen, von allen ihren Schmerzen werden Sie gründlich befreit, wenn Sie mniin - B U mm U i FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL äußerlich zu Einreibungen, innerlich auf Zucker, tropfenweise genommen, verwenden. Das beste Hausmittel. ftBEAA£KERHÄLTLICH! werden. Jeder spielt mit jedem zwei Partten mit wechselndem Einzug. Die blaue Nelke. Eine NeUenschau, die gegenwärtig in London stattfindet, enthält inehr als 4000 verschiedene Exemplare, von denen vielneuartige Farben und Formen darstellen. Die phantastischeste.' Farben sind erzielt worden. So gibt es eine neue Art, dle eine helle Mauve-Farbe zeigt; eine andere Blüte ist orangcgelb mit purpurnen Flecken, wieder eine andere. rot- und mauvefrrben mit einem darübertiegenden silbergrauen Ton. Solch: exotischen Farbenmischungen werden von ben Nelkenzüchtern besonders bevorzugt. Aber der höchste Ehrgeiz der Nelkenzüchter ist noch nicht erreicht: es fehlt die blaue Nelke. „Wir haben viele-neue Nelkenfarben in diesem Jahre auf ben Markt gebracht," sagte der Vertreter der größten Firma von Nelkenzüchtern, die über eine Million Exemplare in ihren Treibhäusern besitzt, „aber den Sehnsuchtstraum, eine blaue Nelke zu züchten, ist noch so fern wie je. Blau ist die Farbe, nach der alle Nelkenzüchter strebe», und der Mann, der eine solche blaue Nelke auf den Markt bringt, würde ein Vermögen verdienen." Die alte Uniform. Im „Stachelschwein" lesen wir die folgende köstliche Anekdote: Gesellschaftsabend bei M., Professor der Medizin. Dazu viele, auswärtig« Gäste. Professor M., getauft, dennoch (dennoch?- von pvononziert jüdischem Aussehen, durchaus deutschvölkisch, läßt im Verlaufe des Abends hin und wieder eine gepfefferte antisemitische Bemerkung streichen. — Dr. P. (von auswärts) wendet sich an einen Einheimischen: ,'Perzeihung, ist M. nicht Jude?" — „Nein. Er ist Christ. Aber Gott hat ihm gestattet, die alte Uniform zu tragen." Ein Denkmal für die Erfinderin des Camembert. Das kleine französische Städtchen Vimontiers beschloß, neulich, seiner ehemaligen Bürgerin Marie G a r e l l e ein Denkmal zu errichten. Marie Garelle ist weder Schriftstellerin noch eine Dame gewesen, die sich viel mit Wohltätigkeit beschäftigt hätte — sie war eine schlichte Bauernfrau, die den berühmten franzstfischen Camembert-Käse erfand. Sie war es auch, die ihre Schöpfung zuerst über die Grenzen der Vaterstadt brachte. In kurzer Zeit warf sich ganz Vimontiers aus die Ausbeutung der glücklichen Erfindung, und nun zahlt die kleine Stadt zu'den reichsten in Fra^reich. E Palästinaweine. Die Wte-Löwen-Apotheke, Wien, 6. Bez., Jossfstvdterstraße 25, teilt mit, daß sie über vielfachen Wünsch nun auch Palästinaweine führt, welche unter streng ritueller Aufsicht einer bekannten raVbinischen Autorität, ge- Mt werden. JÜDISCHE WEIT Sie kaukasische» Retglnden Dem Moskauer „Emes" entnehmen wir die folgen- - den neueren Daten über die Bergjuden im nördlichen Kaukasus. In diesem Gebiete leben im ganzen 10.100 Juden, deren wirtschaftliche Lage. eine sehr schwere ist. Der größte Teil von ihnen besteht eigentlich aus Heiimatslosen, die aus Daghestan zur Zeit des Bürgerkrieges nach dem norkankastschen Gebiet flüchteten. Ihre armselige Existenz fristen sie durch geringfügigen Kleinhandel und Hand- . werk. Die meisten Familien leben von 20 bis 25 Kopeken pro Tag. Eine stattliche Kolonie von B e r g j u d e n lebt schon seit mehr als 100 Jahren in der Stadt Naltschik. Die Kolonie hat die Rechte eines autonorwrn Kreises, besitzt ihren eigenen Sowjet und alle anderen administrativen und Parteiorganisationen, die alle jedoch sehr primitiv ausgestattet snrd, da die. Bergjnden noch auf einer sehr tiefen Kulturstufe stehen. v Pie Kolonie besitzt weder gutes Trinkwasser noch eine gepflasterte Straße oder ein Bad, keine Straßenbeleuchtung, keine Heilanstalt. Das schlechte Wasser verursacht unter ihnen epidemische Krankheiten. 160 Familien beschäftigen sich mit Ackerbau, doch stehen ihnen im ganzen 339 Desjatinen Boden zur Verfügung. Die einzige Sprache, die die Bergjtzden verstehen, ist ein eigener Dialekt. Interessant ist, daß anläßlich des Kongresses der Bergjuden im vorigen Mai der Beschluß gefaßt wurde, zur Hebung der Kulturarbeit unter den Bergjuden ihre jüdischen Zeitungen, die bisher in ihrem Dialekt, jedoch mit jüdischen Buchstaben gedruckt werden, in lateinischer Schrift herauszugeben. Dieser Beschluß konnte aber bisher nicht verwirklicht werden. Professor Millstätter Ehrenmitglied der American Chemical Society. Me aus New Pop! telegraphiert wird, hat die American Chemical Society den berühmten Physiker und Nobelpreisträger Professor Richard Millstätter zum Ehrenmitglied ernannt. Ir. Srkar Sohn, Repräsentant der Berliner jüdische» Gemeinde. Die Uebevprüfung der Wahlergebnisse zur Berliner jüdischen Gemeinde hat ergeben, daß der sozialdemokratische Kandidat Dr. Oskar Cohn als g e w ä h l t erklärt wurde. Cr dürfte sich der Volkspartei (zionistisch) als Hospitant 'anschließen. „Ich kann die Lanke nicht nehmen. •." Cuzisten wollen einen jüdischen Künstler zur Taufe zwingm. Wie I. T. A. unter dem 12. April aus Kischlnow meldet, stellten die Studenten der Kischinewer theologischen Fakultät dem talentvollen jüdischen Schauspieler des Kischinewer Nationaltheaters E. Semo das Ultimatum, sich entweder Laufen zu lassen oder s einen Posten zu verlassen. Semo stellte eine Antwort in acht Tagen in Aussicht. Schließlich schrieb er: „Mein Entschluß steht fest: Ich kann die Taufe nicht nehmen. Ich bleibe trotzdem ein guter Rumäne. Heute verlasse ich das Kischinewer Nationaltheater. Ich danke Euch für Cure Gefühle der Freundschaft und Begeisterung, die Ihr meinem Talent erwiesen habt. Ich verlasse das Nationaltheater mit dem gleichen nationalen Glauben, den mir meine Eltern einflötzten." Sine Legende ist entstanden. Aus Warschau wird uns berichtet: In dem kleinen Städtchen Porisow bei Warschau wohnte die 67jährige Frau Sissel Gedanke, die dort ein Lebensmittelgeschäft betrieb. Sie war eine fromme, gottesfürchtige Jüdin, die ihr Leben genau nach den jüdischen Lebensgesetzen einrichtete und täglich bereit war, von dieser sündhaften Welt für immer Abschied zu nehmen. Jeden Morgen zog sie nach verrichtetem Gebet ihre bereitgehaltenen Leichenkleider an, stellte sich vor den Spiegel, um zu scheu, wie sie „über hundert Jahre" im Grabe aussehen werde. Vor einigen Tagen nun ereignete sich folgendes: /

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