Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2921 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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15. April 1927 mte f Nr. 2921 Wen, Freitaff Memr Mvr-M-ettmrs Lin Wisnop Romsm von l»sopo!c1 RitMsp. ComieM im b? & Uwit retiäg, wito - i*p»ti (9. Fortsetzang.) Lin Wiener Roman von Leopold Hiofrtefv Indes war Herr Bernhard aus der beschtverlichen Kniebeuge in seine natürliche Haltung zurückgeketM. Als er den gewendeten Brnstfleck auf seinem! neuen Lehrling sah, rief orMchend: ,Mbc^ Güsti! wie schaust du aus? As denn heut' Purim? Du hast ja bat Brustfleck verkehrt an!" —> „Ja," sagte Gustav sehr verlegen, „ich weih schon" und wollte rasch hinaus; aber er betrieb dies zu' hastig tmtd erregt tntb nach einigen vergeblichen Ring- und Schling!-' - bewegungen, saß der Brustfleck fest wie ein Pcntzer. „Bist du aber ungeschickt!" rief Herr Bernhard. „Was hast dir da gemacht?!" Er ging um Gustav, wie um ein Ausstellungsstück herum, und dann rissen sie beide vereint <w« dem unschuldigen Brustfle^. Dieser aber wollte nicht herunter. Da organisierte Herr. Bernhard die Entkleidung: „Weiht du was?" sagte er zu Gustav. „Zuerst werden.wir ihn rechts herunterziehen und. dann links!" Da sie sich, übers gegenüberstanden, zogen sie nach entgegertgesctztcn Richtun- #at. „Zieh' .doch nicht nach links, wenn ich! rechts sag'!" rief Herr.Bernhard ärgerlich und Gustav erwarte mit Ueberzeugung: „Ich zieh' doch nach rechts!" — „Bei mir is das links!" sagte Herr -Bernhard-und zeigte auf Gustavs rechte Achsel. „Das is links?" wollte Gustav fragen, wagte es aber nicht mehr. EMich einigtm sich beide tiber die Richtung; der Brustfleck wurjhe heruntergezogen, gewendet, wieder angelegt, dann bekaut Gustav die Latzschürze und die Doppelschürze umgebundm, und dann -- erholten sich beide ein wenig. ■ Herr Bernhard fragte: „Hast pst schon was zUM Ga-, belfnihsttick gegessen?" Gitstav hatte noch nichts gegessen, aber mit heroischer Ueberwiltdung — er schämte sich heute so viel — sagte er: „Ö — ja. Ach Hab' schon..." Jedoch die Lust nach den Würsten war größer als! seine Berskellungsfimft, und Herr Bernhard Meinte gutmütig: „Na,- etwas tvirst noch vertragen, was?" — „Nein, wirklich nicht, Bemhard, danke." Mer Herr Bernhard war schon zum Fenster gegangen, hatte dieses geöffnet und rief über den Hof: „Josef! Schmeißen S' für den Gusti drei paar Würstel in dar Kessel!" Gustav, ein Jauchzen mit Mühe unterdrückend,, dachte: „Drei Paar zum Gabelfrühstück! Zu Haus ein Paar zUM Nachtmahl! Die Lehr' sangt nicht schlecht an!" , Nach denr Frühstück führte Herr Bernharddar neuen Lehrling in-die Fabpiksräume üns» stellte. thn den . Arhei-, . lernvor:! „So. Da is der Gusti, der neue Lehrbub k Zeigen S' ihm alles -Josef!" - Herr Lampl verließ das Würstzinrmer und Gustav blieb mit den Arbeitern allein. Diese betrachteten das schmal« Bürschchen in der UngeheurenOose und lächelten. Josef, der Vorarbeiter sagte: „So Gusti, tu mm. Jh wer dir jetzt alles zeigen." Er führte ihn in die SelchkanrMer, und indes machten die anderen Arbeiter ihre Glossen. „Für deh Hosen kunnt er sih an Zimmerherrn ausnehmen!" sagte August, im Range der „Zweite". „Da hast recht!" .bestätigte.Franz und lieh die Kurbel der Füllmaschinr los. „Da hast recht! W Hosen is erm vül z'groh!" — „No: ja!" belehrte-Johann, der TafeWursche. „Weil ise noch, « schwache Buh!" Johann war nicht nur Philosoph, er war auch Musiker. So behauptete er. Er blies jede» Abend im Burschenzimmer auf seiner Flöte; aber so erbärmlich, daß sogar der alte Thycnr, auf di« Nachtmahlreste verzichtend, winselnd mit eingezvgenem Schweif das BurscharzimMer verließ. Thyan war auch beim Emp- Lesorxen 8ie sied rechtzeitig für entweder die Illustriert von Josef Budko Deutsche Uebersetzung durch Dr. Max Gruriwald Hebräisch, Pappband . . 8 3*— beinenband. . . . . . . 8 390 Hebräjsch-Deutseh, Pappbd. 8 3*90 Leineiiband ... . . . 8 4'8Ü oder die mit Holzschnitten von Jacob Steinhardt, geschrieben von F. ßaruch Pappband . . . . . . 86>. buxusband mit Originaihoizschnitt, signiert und numeriert. . 8 30'— (statt 8 54 —) Buchhandlung R. Löwit, Wien, I. Rotenturmstr« 22 fange. Er hatte seine Hütte verlassen, als er das Herr! mit einem neuen Menschen über den Höf gehat sah; aber er schlich ohne besondere Erregung nach denn aus der Miene seines Herrn erkannte er, daß dieser. Neuling nun znml . Hause gehöre. Josef, der Vorarbeiter, hatte Gustav alles - gezeigt. Und was er sah: es gefiel ihm. Das Handwerk wirkt aufeinen unbefangenen, vorurteilslosen Menschen mit Magischer. Gewalt. Es ist Leben. Es hat alles Ztveck und Ziel; jeder Handgriff Bedeutung. ' ' — Eine Genügtuung, daß ihn sein gesunder Instinkt vom toten Studium entfernt, und zum lebendigen Handwerk geführt habe, zog durch Gustavs Genrüt.. Hier entfiel die Frage nach dem „Wozu?", die er so oft und vergeblich in der Schule gestellt. Der klare Blick des Kindes erkannte sofort: Was hier geschieht, muß geschehen. Das „Brät" Mußte gewürzt und in die Därme gepreßt werden: Die Würste müßten geräuchert und gekocht werden, und der Kutscher mußte die Pferde ausschirren! — Ueberhaupt die Pferde! Es waren zwar zwei hochbetagte Schimmel, aber für Gustav der Glanz des Hauses. Der Motor, die Maschinen, der Kesses; die Selchen, das PäckMagazin, das Kontor — es war ja alles schön und interessant! Aber die Schimmel! — Vorsichtig liebkosend, klopfte er die Schenkel der Pferde; sie ließen ihn gewähren, denn beide blickten interessiert, zum Kutscher, der in! einem Winkel des Stalles eine große Truhe öffnete, daraus Hafer nahm, diesen in eine Reuter schüttete und hernach schüttelte. Dieses Geräusch gefiel dem älteren der Heiden alten Herren. Er begann laut zu wiehern und Gustav rief entzückt: „Schön is dehß! Wunderschön!" — „Gell Klahner!" sagte Rudolf, der Kutscher. -„G'sallt's dir bei Uns?" — „Dehß glaub' ih!" — „Besser wihr in dev Schul', was?" — „Die Schul'? — die hat nix g'haßen; aber da is a Leb'n! — i» Bald aber sollte ev das Leben von der düsteren.Seite kennen lernen. Frau Fanny, die Köchin, kam in den Stall Und-rief: „Gusti! was is denn? .Nachtmahl essen! Es ist ja schon spät; Siemüssen ja bald schlafen gehen." — „Wo wer ich denn schlafen, 'Frau Fanny?" — 7/JM vorde- Ser Mord in der Mtiikrgie. Beide Attgeklagte zu lebenslänglichem schweren Kerker verurteilt. Selten haben zwei Angeklagte so wenig Sympathien sowohl beim Publikum als auch, hei ihren Richtern. ..für sich gewinnen' können' wie'tzie.HKHn Mörder des Nachtwächters Ludwig, denen der' Staatsanwalt außerdem ein langes Sündenregister, von Mordversuchen und Einbrüchen zur Last legte. Selten wird es auch vorgekoinmlen sein, daß das-Auditorium die Anklagerede des Staatsanwaltes mit Beifall qustierte, wie dies gestern geschah. Diese Antipathie gegen den kleinen Schwarzen mit den vorstehenden Backenknochen, und den großen Rothaarigen mit dem.typischen Verbrechergesicht drückte sich auch in dem .Wahrspruch der Geschwornen aus, die die Schuld der Angeklagten in fast allen 24 ihnen vorgelegten Fragjen einstiimm^g bejahten. Nur die Fragen auf' Mordversuch an dem Wachebeamten Meister und dem Hausbesorger Brezina wurden verneint, dagegen die Eventualfrage auf versuchte schwere Körperbeschädigtmg Virjaht. Hunger wurde des tückischen Mordes und Oetzbrugger der tätigen Beihilfe dazu ejtlstimmi g schuldig erkannt. Menso lautete das Verdikt auf das Verbrechen der öffentlichen Gewälttätigkeit und bei den zahlreichen, den Angeklagten zur Last gelegten E i n- Ü r u ch s d i e b st ä h l e n, wobei die Qualifikation des G ewohnheitsdiebstahls bei beiden Angeklagten für gegeben erachtet wurde. Der Staatsanwalt beantragte Lngesichts der Unmenge von Erschwerungsgründen, denen einzig unb allein das teilweise Geständnis entgegenzuhalten war, die int Gesetze eindeutig festgelegte Strafe. Nach kurzer Beratung verkündete dann auch der Gerichtshof für beide Angeklagte die lebenslängliche schwere Kerker st r a f e. Bei Verkündung dieses Urteils weinteOetzb r u g g e r wie ein kleines Kind. Zwei neben ihm sitzende Justizsoldaten mußten ihn stützen. Hunger hatte wohl^ auch Tränen in den Augen, schien sich aber in sein! Schicksal gefaßt zu ergeben. Die Verteidiger Dr. Stieglandt und Dr. H a r t m u t h Meldeten für beide Verurteilte die N i cht.igkeitsbeschwerde und Berufung an. «gudlfte«, die eine -«il-Seler störe«. Aus Warschau wird uns berichtet: Das hiesige Landesgericht als Berufungssenat hatte dieser Tage über zwölf chassidische Agudisten zu urteilen, die eine von der hiesigen Misrachigruppe anläßlich des Todestages H erzls in einem Bethaps vexanstalteten Gedächtnisfeier durch Lärnlen und Beschimpfung der Veranstalter störten, so daß P olizei eingreisen mußte. Die Radaubrüder wuv- ZAGREB -1^3 AÖRAM RESTAURANT KARMEL .. Petrinska 20 Einzig strengorthödeses Restaurant am Platze Vorzügliche Küche Mäßige Preise een Burschenzimmer." — „Warum im Burschenzimmer?" — Der Herr hat es so angeschafft.".-' 1 Das vordere Burscheuzimmer war ein kleiner Raum Und dürftig eingerichtet. Zwei Betten, zwei Schränke, zwei Sessel, ein Tisch und darauf ein Lavoir und eine Lampe; Gustav erschrak über die Dürftigkeit, als er di'.eses Zimmer betrat. — In dem einen Bett lag Josef, der Vorarbeiter und schlief bereits. In dem zweiten Bett lag August, der „zweite" Gehilfe, und war noch wach. — „Ich sott da schlafen," sagte Gustav etwas zagend und kleinmütig. „Ja, ih wahß." — „Wer es is kein Bett da?" mrd Gustav blickte nochmals in dem kleinen Raume umher, als hätte er es etwa übersehen. „Suhrchst umasunst!" sagte August. „Du schläfst mit mir." — „Mit Ihnen?" —. „Is dir neht recht?" Gustav schwieg, und betrachtete das Bett, in dem August, lag, Es war ein eisernes B:tt, darauf, ein Strohsack, dessen breite Streifen — das Leintuch reichte nicht über dar ganzen .Strohsack — oben und unten herauslenchteten.. — Keine Matratze wie zu Hause, . keine Federtuchent, kein Federpolster; nur ein rauher Kotzen, und ein Strohpolstrr. Und dieses armselige Schlafgestell nicht einmal. allein. Er blickte beklommen zu seinem Bettgeuossen, auf dessen breite, behaarte Brust, und blieb traurig vor dem Bette stehen. „Na, zihrg di nur aus!" sagte August. „Mnrgn geht's um Viere auf!" — „Um Viere?". — „Ja, um Viere." — „Jeden Tag um Viere?" — „Nahn. Jeden Tag neht. Freitag und Sunntag um Drei." Er lächelte eigentümlich,, ein wenig boshaft, als er dies sprach. Im Grunde war de kein böser Mensch, aber ein — Quentchen Bosheit steckt in jedem Menschen. — Vielleicht war's nicht einmal Bosheit. Wer weiß es denn, was auf dem weiten Wege von« Herzar — wo die Ged>anken entstehen — bis zum Munde, der das harte Wort spricht — sich bildet und —- wandelt. Vielleicht war er verletzt und fühlte: „der Mue sei etwas! Besseres gewöhnt urrd wolle einen Vorzug!" ' „Und wenn ma so zeitlich aufstehen," fragte Gustav,- „krieg'n ma da gleich ahn Kaffee?" — „Ja wegen idürrers wern's um Drei ahn Kaffee - machen!" — „Wann krieg'n mö ihn denn?" — „Vur siebene neht! Ueberhmrpt wer ih dir was sag'n Buhr: die Selcherei is kein Spielzeug nicht!" Wirk dir dehß! Da is neht so wihr zauß!" (Fortsetzung folgt.) den in erster Instanz zu einer Geldstrafe von je hundert Zloty verurteilt. Infolge Berufung der Verurteilten kam die Angelegenheit vor das Landesgericht, das-die Berufung verwarf und das erstgerichtliche Urteil vollinhaltlich stätigte. Eine „Intervention" des ehemaligen Finanzministers Koll. Mann. Die BezivkAhaupt-maunschaft Hietzing hatte entgegen dem- Gutachten der Gastnnrtegenossettschasten in Liesiirg, weiche den - Lokalbedars verneinte, der Frau Therese Hamm eine Gaschaus-- konzession mit dem Standorte in Liesing verliehen. Der dagegen von'der ölasüvirtegenosfenschast eingebrachte Rekurs wurde von der ni ederö ster reichis chen L ande s reg i e r ung abgewiesen, weshalb die Genossenschaft die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof ergriff. Der Beschwerdevertreter Doktor F a n t 1 stellte den Antrag, ztvei im Akte erliegmde Jnterventionsschreiben des ehemaligen Finanzministers K 0 l l m a n n und des Bundrsrates Juki zu verlesen, in denen beide zugunsten der Konzefsimrswerberin Bei der Bezirkshauptmannschaft einfchritten. Finanzminister Kollmann teilte der Bezirkshauptmannschaft auf einer Visitkarte mit,'er sei von befreundeter Seite auf diese Konzessionsangelegenheit außnerlsam gemacht worden und bitte um Mtteilnng, wie es mit der Sache stche. Auf einer zweiten Visitkarte dankt er für die' Wohlwollende/ Erledigung der Angelegenheit. Ter Beschwerdevertreter bezeichnte eS als unzulässig, daß das freie Ermessen der Gewerbebehürde durch solche Interventionen korrigiert werde. De^^Vertreter der mitbeteiligten Konzessionswerbrrin, Tr. Bernhard, erwiderte, daß das bloße Aufmerksammachen aus einen berücksichtigungswerten Fall noch keine Jn'ervention beinhalte. Die „wohlwollende Beurteilung" liege ja im freien Ermessen der Behörde. Ter Verwaltungsgerichtshof gab der Beschwerde der Gastwirtegenossenschaft Folge und hob die angefochtene Entsckseidung als ungesetzlich auf. spekuliert sicher." Dem Beamten der Allgemeinen Berkehrsbank Dr. Cz. wurde für das Jahr 192ü an Eiilkottuilensteucr doppelt so viel vorgeschriel>en, als er fatiert hatte, und zwar auf Grund eines Gutachtens, das außer der Summe des vermuteten Nettoeinkommens bloß die Kvei Worte: „2 P e k uliert sicher" enthielt. Gegen die von der Beruftngskommission bestätigte Steuervorschroibung brachte der Stenerpstichtiga die Beschwerde an den Berwaltungsgerichtshof ein, in welcher er ausführbe, daß er nicht nur nicht sicher, sondern übwhaupr nicht spekuliert habe, und außer seinen Bezngar keinerlei Einkommen besitze. Der Bertvaltungsgerichtshof h 0 b die angefoastoile Steuervorschreibung als ungesetzlich.auf, toeil die Bchauptung „Spekuliert sichet unbegründet und nichtssagend sei. Reziprozität in der Valorisierungssrage. Ans Budapest tvird uns berichtet: Heute verhandelte der Budapester Gerichtshof als Berufungsinstanz die Klage einer Wiener Firnia gegen einen Budapester Arzt auf. Zahlung einer Borkriegsschnld in Goldkronen. Er bestätigte daS abweisende Urteil der ersten Instanz, indem er. anssprach, daß einer Forderung von ausländischen Staatsangehörigen aus Valorisierung , nur. daun stättaegeben tvevden könne,, tvenn in .dem .betreffeühyn ausländischen Staate ähnliche Forderuiigen urrgarischar Staats» angchörtger ebenfalls valorisiert tverdem 53482323532348484848485348535353484853534848485323484823484823535331534823 71803764317^638^774641080