Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2921 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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®nre ö t&fen, Freitag Wiener Morgeirzeituitr. lö. April 1927 Nr. 2921 * JÜDISCHE WClf I Vor Dem Schwrrzbarlh'Prozrß. Wladimir Svval gestorben. Rach einevr Telegranvm aus Prag verstarb dort im Atter von 42 Jahren der bekannte Ukrainer Wlad-ims.r Koval, der von der Petljura-Partei als Hauptzeuge gegen Gchwarzbarth geführt worden ist und auch schon in Paris vom Untersuchungsrichter vernommen worden war. Lehnt« Todestag Sr. Zamenhofr. Aus Warschau wird uns berichtet: Anläßlich des zehnten Todestages des Schöpfers der Esperantosprache Dr. Ludwig Z a m e n h o f fand auf dem hiesigen jüdischen Zriedhof eine Gedenkstier statt, an welcher die hiesigen Esperantovereine sowie der Verband der Esperantisten in Polen teilnahmen. Es wurden mehrere Reden gehalten und das Grab bekränzt. An den Verband der Esperantisten in Warschau sind aus dem Ausland schriftliche und telegraphische Kundgebungen eingelangt. In welchen die Bedeutung Zamenhofs und des Esperanto für den FrieÄensgedanken unter den Völkern gewürdigt wurde. {fine Wische Aerztekonserenj i« Palästina. Am 11. April wurde in Tel Awiw eine Konferenz jüdischer Aerzte eröffnet. Je zehn Mitglieder der Mrztcgesellschaft entsandten einen Delegierten. Die Hauptrcfcrate wurden von Professor Doljanski und den Aerzten Sherman, Joffe, Stein und Rosenthal gehalten. Stt „Hain d« Wischen Kriegsopfer". Bor einigen Monaten ging durch die Zeitungen eine interessante Nachricht. Ein.ungarischer Künstler hatte den Vorschlag gemacht, man sollte ein neues, ein internationales Denkmal für die Kriegsopfer errichten. Bisher erbaute jeder Staat, jedes Volk, ja jede Stadt ein eigenes Denkmal für ihre im Kriege gefallenen Angehörigen. Nun soll dieses neue Denkmal dem gemeinsamen, allweütlichen «Andenken an alle Opfer des Weltkrieges gelten. In diesem Zusammenhänge verdient auch der Plan eines ganz neuarttgen Denkmals Erwähnung. Obwohl nur ein nationales Kriegsopferdenkmal, von einem Bolle errichtet, wird es doch der Opfer aller kriegführenden Staaten, aller Heere und aller blutigen Schlachten — und zwar auf eine neue Weist — gedenken. Es wird geplant, ein alljüdisches Krieg sopferdenkma! in Palästina in Form eines Waldes zu errichten, in dem auf den Namen eines jeden im Kriege gefallenen Juden ein Baum gepflanzt werden soll. Als der Plan eines jüdischen Kriegsopferdenkmalß überhaupt aufkam, war es von vornherein klar, daß sein Ort nur in Palästina, im jüdischen Lande, sein könne. Verschiedene Fragen tauchten auf und verschiedene Entwürfe. Sollte es aus Stein oder Metall errichtet werden? Sollte als Symbol die gealterte, müde Mutter dienen, die lautlos nach ihren Kindern trauert, weil sie ihren Schoß verlassen, in fremde Nester sich zerstreut, für fremde Interessen gekämpft, in fremden Scharen gefallen sind? Sollen jene zwei Juden gemeißelt werden, von denen der eine im russischen, der andere im deutschen Heere dienten, wie der eine, als er vom Bruder die Dä>eskugel empfangen, sein letztes „Schema" schreit? Oder sollte das Denkmal einen jungen, stolzen Juden zeigen, der aufrechten Hauptes für sein Vaterland sttrbt, während in seinem Herzen Sehnsucht nach friedlicher Arbeit in der Urheimat, Liebe zu jüdischem Volke brennt? Me diese Entwürfe mußten verschoben werden, bis einmal die Zeit ihrer Verwirklichung herankommt. Für heute ist nur die Anpflanzung eines jüdist' t Kriegsopferhaines entschieden, der sozusagen ein lebendes Denkmal bilden Dieser Hain wird ein Zeichen der jMschen Solidarität und Volkspietät sein. Zugleich wird er der Welt gegenüber ein beredter Zeuge all der Opfer sein, die Israel im Weltkriege auf den Mären der verschiedenen Staaten dargebracht hat. Die Juden haben keine staatliche Organisation, die diesen Gedanken verwirklichen könnte. Sie haben nur ein Instrument für die Errichtung dieses Denkmals, den Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Leisrael). Der Nationalfonds hat die Ausführung dieses Planes bereits in Angriff genommen, so daß mit der Anpflanzung eines Haines der jüdischen Kriegsopfer" in der nächsten Zukunft zu rechnen ist. Damit wird ein Denkmal errichtet, das neben seiner Bedeutung für die' Aufforstung Palästinas zugleich als Beispiel und Vorbild einer neuartigen und positiven Kriegsopferehrung dienen kann. Dr. Zwi Rothmüller. Die Sultusgeureinde Meran für den Keren Kajemeth. Me «an uns aus Meran schreibt, hat die dortige jüdische Gemeinde sich anläßlich des LvjShrigen Jubiläums deS Keren Kajemeth in das Goldene Buch desJüdischenNationalsondS «intvagen lassen. 2Siü|tige« literarischer stabilst«« «ok W. Latzö»«Bert-oli>i. In diesen Tagen werden es 26 Jahre, seitdem der bekannte Publizist und soziale Kämpfet, Herr W. Latzki- Bertholdi, der einstige Minister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine, schriftstellerisch wirkt und im Dienste der sozialen Idee im Judentum steht. Gemeinsam mit Dr. N. Syrkin begründete er die zionistisch-sozialistische Partei und das Journal „Hamon". Wegen Teilnahme an der revolutionären Studentenbewegung wurde Latzki-Bertholdi vom Rigaer Polytechnikum relegiert und machte ball» die Bekanntschaft mit zaristischen Gefängnissen in Wilna, Warschau, Odessa und Riga. Da die Ochrana chm keine Ruhe ließ, sah er sich geztvungen, in das Ausland auszuwandern, um seine Studien fortsetzen zu können. Nach dem Judenpogrom in Kischinew kehrte Latzki-Bertholdi wieder nach Rußland zurück und betätigte sich führend in der sozialen Bewegung der jMschen Arbeiterschaft. Er redigierte verschiedene legale und nichtlegale Zeitungen, wie z. B. „Das jMsche Proletariat", „Neuer Weg", „Unser Weg", „Das Wort" usw. 1906 nahm er als Dressierter an der Konferenz der sozialistischen Internationale in Stuttgart te.il, wo er die Aufnahme der Jüdischen Arbeiterpartei in die Internationale durchgesetzt hat. 1907 besuchte er mit Israel Zangwill,und Dr. Jochelman Herrn Jacob Schiff in Newyork, mit welchem er die Frage der Regelung der jMschen Wanderung nach Amerika besprach. Er war einer der Gründer der Gesellschaft zur Regelung der jüdischen Wanderung. Im Weltkriege befaßte er sich mit der Organisierung der jüdischen Hilfsarbeit. 1017 begründete er in Rußland die Jüdische Volkspartei, 1918 wurde er zum Minister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine ernannt. Ms Begründer des Volksverlages. nahm er großen Anteil an der Verbesserung der Lage der jüdischen Schriftsteller. Nach der Befesttgung des bolschewistischen Regimes in der Ukraine, 1920, kam Latzki-BerthrM nach Berlin, wo er mit dem Hause Ullstein den „Klal-Verlag" begründete. Zweimal besuchte er Südafrika, um eine jüdische Einwanderung in dieses Land vorzuberciten. Zuletzt bemühte er sich um die Vweinigung von Hias, Jca uttb Emigdirekt zwecks Konzentrierung des jüdischen Wanderungswesens. Bor einigerZeii nahm Latzki-Bertholdi seinen Wohnsitz in Riga, wo er zusammen mit Dr. Jacob H e l l m a n n die Rigaer. jsthWe SagHzMung- „Friprorgn" redigiert. - f ii; r Professor Mbett Giysteiq MUgfied der Bayerischen Akademie. Die Bayerische Akademie der Wissenschaft, mathematisch-naturwissenschaftliche Kldsse, hat.Professor Awert Einstein zum korrespondierenden Mitglied gewählte Bühne «ad Kunst. Aufgebögelter Johann Strauß. „Eagliostro in Wien" im Bürgercheater. In dem Bemühen, die Operetten von Johann Strauß wieder zu beleben, ist nunmehr auch das Bürgertheater den anderen Mener Operettenbühnen gefolgt und hat sich gleich den für die Strautz-Äüfbügelung bereits renommierten E. W. Korngold verschrieben. Er besorgte das musikalisch für „Eagliostro in Wien", eine nicht übermäßig ergiebige, aber immerhin durch ein paar wirklich schöne Melodien ausgezeichnete Strauß-Operette. Die Bevüeuerung sparte nicht mit jener penettanten Jnstrumentattonstechnik, über die Kyrngold verfügt. Am Dirigenten- ,ult ließ er sie gut zur Geltung kommen. Mit dem umständlichen Libretto hat manS weniger leicht und die . Neubearbeitung vermochte außer einigen mehr oder weniger harmlos-deplacierten Attualitätsretouchen wenig damit anzufangen. Für die Ausführung hatte OV«rreMeur Emil Guttmann den schon zur Tradition gewordenen Mener Opeieettenrahmen geschaffen, in dem sich vor nicht gerade interessant bemalter Leinwand viel Kostürmverk und dann und wann, der Mode Rechnung tragend, etliche alchymistlsth unbekleidete Girls maßvoll tummelten. Die hochstaplerische Zauberei des Eagliostro war gemütliches PratevzaUbercheater. Für den Grafen war Jakob Feldhammer bezogen worden, der seine Rolle mit Nachsicht des Gesanges Überaus etnjt nqhm; etwas weniger Ernst hätte mehr Effekt gemacht. Joa Rußka, Ernst Arnold und Margarete Siezak, in der ihres Vaters großes natürliches Gesangstalent sich in ein kleines natürliches Spieltalent unvgewandelt Hot, erledigten ihre Aufgaben dem Publikum zu Dank. Echte Operettendarstellung gibt immer noch Mizzi Zwerenz, die im komischen Fach wirklichen Witz, echte Laune und. ausgezeichnete parodistische Begabung spielen läßt. Richard Hold war ihr sympathischer, diSürete» Partner. Das Publikum ließ willig die wiegenden Tanzweisen, auch wo sie ein wenig synkopiert waren, in sich einströmen und verlangte stürmisch Wiederholungen, die bereitwillig gegeben wurden. ES gyv stürmischen Beifall, Blumengärten auf der Bühne mit der üblichen Bollversanu.'.lung aller „Verantwortlichen". S. S. I Uittl1 il «jfijlÄiiili;:.- K ix* «Lb An unsere Rätsellöser! Der Einsendetermin für unsere erste Preis« rätselkonknrrenz endigt am 26. April. Ort und Zeit der Verlosung werden wir noch rechtzeitig vekanntgeben. Unsere Rätsellöser werden gebeten, die auSgefüllton Diagramme mit den dazugehörenden Kupons in einem Knwert, auf dessen obere Ecke deutlich der Vermerk „Rätsel« konkurrenz" zu schreiben ist, an unsere Redaktion, Wien, 2. Bez., Taborstraße 1—3, einzufenden. Fehlende Nummern können in unserer Administration noch nachbezogen werden. loaaoaoaao Peter Attenberg« Nachlaß wird versteigert. Für die nächste Zeit steht die Versteigerung von Peter Altenbergs Nachlaß bevor. Peter Attenberg hinterließ seinem Bruder Georg Engländer eineeinzigarttge Sammlung von Bildern und Photographien, die sich bis zu seinem Tode in seinem Zimmer im Graben-Hotel befand. Diese sehr zahlreichen Bilder und Photographien sind fast ausnahmslos mtt eigen* händigen Au fschriften Peter Mtenbergs versehen. In dieser Sammlung befinden sich auch weniger bekannte und ganz unbekannte Bilder Peter Altenbergs. Am 10. d. M. ist nun Georg Engländer an einem langen und schweren Herzleiden gestorben. Er wurde in aller Stille beigesetzt. Auf Grund der testamentarischen Verfügung Peter Mtenbergs fällt nun der Nachlaß wie auch die Honorare einem wohltätigen Verein für mißhandelte Kinder, der „Kiicherrettungsgesellschast", zu. -uldignng hebrWch« Schriftsteller sl!r einen arabstchen Sichter. Der Verband der hebräischen Schriftsteller Palästinas wurde eingeladen, an der in Kairo demnächst stattfindeuden großen Feierlichkeit aus Anlaß des 70. Geburtstages des größten der lebenden arabischen Dichter, A ch m e d Shavki, der in Kairo lebt, teilzunchmen. AuS allen moSlemitischen Ländern begeben sich auS diesem Anlaß Wordnungen nach Kairo. Der Verband der hebräischen Schriftsteller Palästinas wird auch seinerseits eine Abordnung entsenden. Die kulturellen Beziehungen zwischen dem jüdischen Palästina und Aegypten sind von jeher außerordentlich herzlich Im vergangenen Jahre besuchte eine Gruppe, hebräischer Lehrer Palästinas Aegypten und wurde dort sehr gut ausgenommen. Die Lehrer waren Gäste des Unterrichtsministeriums. Es wurde ihnen zu Ehren ein Empfang gegebenbei welchem der äzhpti'che Unter tt^tsmiuister und Dr. Weizmänn, der damals in Aegypten weilte, Ansprachen hielten. Die Abordnung wurde auch vom König Fuad empfangen. Die Lehrer der ägyptischen StaatAschulen starteten später ihren palästinensischen Kollegen einen Gegenbesuch ab. Am den Matern. Heute bleiben sämtliche Theater geschlossen. Bürgt heater. Morgen, 7 Uhr zum ersten Male „DaS Genie und sein Bruder", Komödie von Sil-Bara. (Abonnement 6. Gruppe.) Operntheater. Morgen, halb 8 Uhr ,I>er Maskenball". VolkSoper. Sonntag, nachmittags halb 3 Uhr „Die verkaufte Braut", abends halb 8 Uhr „Carmen". Montag, nachmittags halb 3 Uhr „Die Zauber flöte", abendhalb 8 Uhr „Orpheus in der Unterwelt". .Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr „Cyprian ne", von B. Sardou und E. de Na;ac. (Abonnement IV./ ModerneS Theater. Morgen Erstaufführung des Lustspiels „Fauteuil 47", von Louis Berneuil, deutsch von Robert Blum. Theater in der Josef stad t. Sonntag nachmittagschwarz und W eiß"; Montag nachmittags „Der Igel". Kammerspiele. „Nummer 17" mit Hans Moser gelangt SamStag, Sonntag und Montag, halb 8 Uhr abends, zur Aufführung. Um 10 Uhr nachts wird „Mary und die Liebe" mit Erika Gläßner gegeben. (N I Im Johann-Strauß-Dheater fand gestern vor gut besuchtem Hause die 60. Aufführung der lustigen Operette „Glück in der Liebe" statt. Publikum und Schauspieler in der animiertesten Stimmung, den Trägern der Hauptrollen wurden «rauschende Ovationen dargebracht, einzelne Gesangs- und Tanznunrmern müßten mehrere Male wiederholt werden. Nach dem zweiten Akt konnten sich die Schau« vieler, der Komponist und die Direktoren für den Bei- /all bei offenem Vorhang bedanken. Der gestrige Erfolg der JubilaumSaufsithrung läßt darauf schließen, daß dem Stück noch eine 100. und vielleicht auch' 200. Wiederholung Leschieden ist. Die Opermooche. In der kommenden Woche werden in der StaatSoper folgende Werke aufgeführtr Sonntag, den 17. d. M. „Die Metstellinger von Nürnberg"; Montag, neu 'einstudiert) „Der Postillon von Lonjumeau" — „Klein das Blumen"; Dienstag „Ton Juan"; Mittwoch „Intermezzo"; Donnerstag „Turandot" (Titelrolle Frau Jeriha); Freftag „Elettra"; Samstag „Madame Butterfly". PegrüßungSabend für D. I. Silberbufch. Anläßlich der Rückkehr des Schriftstellers D. I. Silberbulck von einer mehrmonatigen Amerikareise veranstaltet die „Vereinigung der hebräischen und jiddischen Vresseberichterstatter in Wien" Montag, den 18. d. M. üm< 8 Uhr abends im Lokal der zionisttschen Bezirkssektion, 2. Bez., Zirkusgasse 33 eine gemeinsame Begrüßung. Freunde und Verehrer des Schriftstellers sind willkommen. Der Krakauer Männerchor „Echo" in Wien. Der auf mchreren internattonalen Sängerkonkurrenzen ausgezeich' nete Männerchor „Echo" aus Krakau gi'it Samstag, den ~ d. M. im Großen Konzerthaussaal r\'.ii Konzert. Das Mmm umfaßt Cläre hervorragender polnischer Komponisten soivie Werke von Schumann, Bruckner, Strauß, Reger und Mendelssohn, die in deutscher Sprache gesungen werden.