Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2921 (15.4.1927)
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2921 Men, Freitag Wiener Morgenzeitung 15. April 1927 Seite 5 auch in der Tatsache liege, daß die Leute durch die öffentliche Aufklärungsarbeit heutzutage ihre Wohnungen besser lüften als vorher. Die moderne junge Frau mit ihrem Sportbedürfnis steht in schreiendem Widerspruch zu ihren romantischen Vorfahren aus der Vergangenheit, die sich zimperlich in ihre Wohnungen einfchlossen und allerlei Riechmittel verwendeten, u,m die Krankheiten zu „verscheuchen". Der gleichen Ansicht ist auch ein Versicherungsfachmann, der erklärt«, daß die heutigen Lebensversicherungen in ihren matheinatischen Berechnungen das durchschnittliche Erleben der Frau Häher ansehen als jenes des Mannes. Aerztliche Sachverständige aus elf Ländern haben soeben eine dreiwöchige Studienreise durch die englischen Großstädte beendet und erklärten einstimmig, daß das englische Mädchen gegenwärtig einen außerordentlich hohen physischen Standard repräsentiere. In einem Interview erklärte rin Arzt, daß die kurze Rockmode bedeutend zu diesem Umsband« beitrage. ES ist ein« ausgemachte Tatsache, daß der physische Standard einer jeden Nation in erster Reihe von dem Gesundheitszustand der Frauen abhänge, und da muß aus diesem Belange die englische Nation als die gesündeste der ganzen Welt angesprochen werden. 7AUW0 PFLANZENMARGARINE “IED Ausgiebig - Beköirm ich - Nahrhaft KUNEROLWERKE A. G., WIEN Sin 3080 Fahre altes Konversailaarlextton. Bei Abusir in Aegypten wurden auf einem ausgegrabenen Papyrus die Reste eines Konversationslexikons aus dem griechischen Altertum aufgefunden. Dieser Papyrus läßt die überraschende Tatsache erkennen, daß der Gedanke des Konversationslexikons uralt ist, viel älter, als man bisher angenommen hatte. Die aufgefundenen Rchte erwiesen sich als ein Auszug aus einem größeren Werke, und sie enthielten, ausführliche Listen der Gesetzgeber, Gelehrten, Künstler und Techniker jener Zeit. Daneben Auszeichnungen über die sieben Weltwunder und eine Uebersicht über die damals bekannten Erdteile, Volksstämme, Staaten, Berge, Inseln, Flüsse und Quellen.' Aus diesen Angaben geht deutlich hervor, daß dieses erste Konversationslexikon tatsächlich ein Vorläufer der späteren allgemeinen Enzyklopädien war. Bisher hatte man angenommen, daß die ersten Versuche, ein Kompendium aller Wissenschaften und Künste zu geben, in eine viel spätere Zeit, jedenfalls nach Christus, gefallen sei. Enzyklopädien über einzelne Wissenschaften gab es bereitsfrüher. Den bisher als ersten angesehenen Versuch machte um das Jahr 600 nach Christus Jsidorus Hispalensis, nach ihm kamen Hrabanus Maurus, Vincent von Bauvais (1260), Ringelberg (1559) usw. Alle diese Werke können natürlich, was wissenschaftliche Durchdringung des Stoffes angeht, mit einem Lexikon von heute nicht verglichen werden. Sie sind sämtlich nichts weiter als bloße unkritische Sammlungen von Materialien. Die inneren Zusammenhänge der einzelnen Wissenschaften darzustellen, war in ihnen nicht versucht worden. Damit machte erst Baco von Varulam (nach 1620) den Anfang. Die erste deutsche Enzyklopädie war die von I. G. Sulza, die im Jahre 1756 zu Berlin erschien. Später folgten die Werke von Eschenburg (1792), Schmiz (1810), Schaller (1812). Alle diese Enzyklopädien haben allgemeineren Charakter und sind durchaus als Vorläufer des heutigen Konversationslexikons zu betrachten, das allerdings nicht mehr den wissenschaftlichen Zweck seiner Vorläufer hat, sondern vorzugsweise aus die Popularisierung der wissenschaftlichen Kenntnisse gerichtet ist. Das erste richtige Konversationslexikon im heutigen Sinne begründete Friedrich A. Brockhaus im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts. Es ist jedenfalls von großem Interesse, zu sehen, daß die Erkenntnis der ' Notwendigkeit derartiger Nachschlagwerk,? bereits im Altertum öorhanden war und auch schon zur Zusammenstellung eines solchen geführt hat. Ser Maler der schSnen Pariserin. Paul Helim gestorben. Fast siebzigjährig, zugleich geschätzt und vergessen, ist Paul H e l l c u gestorben, der Maler und Zeichner der schönen Pariserin um 1900. Mann der großen und größten Welt, der keinem mondainen Anlaß im VorkriegS-PariS schiend, gab er durch seine Anwesenheit Bestätigung, daß der Kreis der echten Pariser vollkommen und geschlossen ser. Jeder kannte ihn, er jeden und jede, und kaum weniger aiS seme Bilder, Rütelzeichnungen, Kupferstiche, AquaireUe und Pastelle, war seine ganze Persönlichkeit „große Weit"; liebenswürdig, tadellos in der Form, lächelnd und oberflächlich. Immer Liebhaber der schönen Frauen, denen feine Farben schmeichelten, schmeichelte er ihnen auch als Mann der Gesellschaft, und er hätte es als» Niederlage empfunden, wenn eine, von der Paris zu sprechen begann, in seiner Porträtgalerie gefehlt hätte. Jndenl er fle zum Modell nahm, war sie offiziell anerkannt, «nd indem fle sick von ihm für seine Leimvand oder Mappe einfangen ließ, bestätigte sie ihn als den offiziellen Frauenmaler von Paris. Unendlich ist ihre Reihe, nun gealtert, verblüht oder verschwunden, die alle lächelnd, träumerisch oder kokett tzaskmden, ganz ohne aülenkenden Hintergrund, kleine Hüte lange Röcke, sOnes, langes Haar, ein Band um die Taille, meist blond — denn schon vor Anita Loos bevorzugte Helleu die Blondinen — schlank und immer elegant. Man könnte aus ihnen eine Modegefchichte der vergangenen Generation Metten. Oft stellte er Hortensien zu ihnen, er war der Maler dieser einst so distinguierten Pflanze, die auS der Mode kam wie HelleuS Modelle und wie allmählich er selbst. In seiner großen Zeit, als Deaudille als Luxusbad emporstkeg, hatte Helleu dort feine Segeljacht; auf sie lud er seine Modelle, stellte sie in die klare Seeluft, gab ihnen Meer. Sonne, Lust, um ihre Schlankheit zu unterstreichen, ganz Grandseigneur der Palette, des Bletstistes wie des Stichels, und so paradierte vor ihm das tout Paris von damals, zu dem alles gehörte, was in der ganzen Welt von Paris sich angezogen fühlte, die Reichen, Emporstrebenden und Begehrlichen des Planeten. Aber dann alterte der schöne, elegante Mann, er trug nicht mchr seine verführerische Kapitänskappe, er verkaufte sein Segelschiff, andere Maler stiegen empor, man zuckte über Helleu die Achseln, den Jungen schien er nur mchr komisch^ sie schimpften nicht einmal mehr über ihn, und er, der sonst Ausstellungen stolz answich, wollte in Landen eine solche veranstalten, sich wieder in Erinnerung bringen. Aber diese Aufgabe übernahm der Tod. Das neue Paris der kurzhaarigen und kurzröckigen Pariserinnen erfährt noch einmal, daß er gelebt hat, und die jungen Damen sagen sich einen Augenblick: Ach ja, er hat ja Mama gemalt . . . Und dann lassen sie sich von van Dongen porträtieren. 7AU WO PFLANZENMARGARINE wird unter ständiger Aufsicht Sr» Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld, Mattersburg, aus Pflanzenfetten hergestellt und kann daher in allen strenggläubigen Familien verwendet werden KUNEROLWERKE A. G„ WIEN ki« Budapest« Polizeihauptman« unterschlägt 130.000 Pengö. Eine ungarische Skandalaffäre. Budapest/14. April. Oberstadthauptmann Eugen Marinovies erstattete heute bei der Staatsanwaltschaft die Strafanzeige gegen den Leiter der Ofsiziersmesse der Budapester OberftadthauptmannsHaft, P o l i z e i h a u p thauptmann Dr. Al ex i u s S z a s z, gegen den bereits vor einigen Wochen ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden ist. Da das Disziplinarverfahren ergeben hat, daß Dr. Alexius Szasz nicht weniger als 120.000 P e n g ö unterschlagen hat, hat der Oberstadthauptmann heute die Strafanzeige gegen ihn erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat in später Abendstunde Dr. Szasz in seiner Wohnung durch zwei Detektive verhaften lassen. Diese Skandalasfäre in der Oberstadthauptmannschast erregt in der Stadt große Sensation. Mareks Bein wird nochmals amputiert. Das Ehepaar Einit und Martha Marek begibt sich heute in-das Sanatorium Löw, das sich für die unvermeidliche neuerliche Amputation eines Fußteiles Mareks zur Verfügung gestellt hat. Emil Marek hat sich auf das entschiedenste dagegen ausgesprochen, daß seine Frau ineinem Varietee außtrete und die öffentliche Neugierde auf sich lenkt. Gleichzeitig Hai Herr Marek alle Anträge von Filmgesellschaften abgelehnt. Er wünscht auch nicht, daß er und seine Familie der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen, zumal er von seinem Rechte überzeugt ist und vollstes Vertrauen in den Ausgang seines Strafnnd des zu erwartenden Zivilprozesses hat. Frau Martha Marek wird während des Aufenthaltes im Sanatorium ihre Memoiren schreiben, da sie auf dem Standpunkte steht, daß trotz des so eingehend geführten Prozesses eine ganze Reihe von Fragen Noch ungeklärt geblieben sind, die einer Aufklärung gegenüber der Oeffentlichkeit noch bedürfen. Wetter« Ärafaukschab für Aleranver Weisz. Wie berichtet, lauft dar für Alexander W e i s z bewilligte Strafaufschub am 18. April ab. WeiSz hat nun durch seinen neuen Anwalt Dr. Hans Gürtler ein Wiedcraufnahmegesuch eingebracht, in dem eine Reihe von neuen Tatsachen bekmn^.egeben tvird, die nach Auffassung des Verteidigers und seines Klienten von so einschneidender Bedeutung sind, baß der Strafvollzug vcn Mmts wegen gehemmt werden muß. In diesem Sinne wird auch im Wiedwaustmhmegesuch verlangt, daß der Strafvollzug bis zur Erledigung des Wiederaufnahmebegehrens sistiert werde. Das Gericht wird eine Reche von Z e u g e n einvernchmen. um, tote es im Gesetze vorgeschrieben ist. zu pr ü- Sie Lelephou'Rumm« «ns«« Revattio« ist ab 6 Uhr abends jetzt ausschließlich Nummer 31.086. f e n, ob die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme, bcziehuitgsweise eine Hemmung der Strafe gegeben sind. Die Erledigung dieses Gesuches rmrd wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Das separate Strafaafschubgesuch, das Weisz cingebracht hat und in dem aus Familienrücksichten «in weiterer Strafaufschub von drei Monaten erbeten wird, ist, wie wir erfahren, in zustimmenvem Sinne erledigt worden. Wien, 15. April. Im Ghetto. Das Komitee der werktätigen Juden hat bekanntlich die Aufgabe, der sogialdemokratischen Partei die Dienste des Hausjaden zu leisten. Da die Partei nicht direkt zu den Inden sprechen will, so läßt sie das durch das Komitee besorgen. ES ist ein übler Dienst, und die Sozialdemokratie zeigt den Komiteetern sehr deutlich, wie und was sie von ihnen denkt. Sie hat sie ins Ghetto gesteckt und ihnen in der „Arbeiter-Zeitung" einen versteckten Winkel angewiesen. Wenn man wissen will, wann und wo die Werktätigen den jüdischen Wähler einfangen wollen, wo ihre Versammlungen stattsinden, dann findet man das nicht so rasch. Auf Seite 4 und 5 sind sie in der „Wahlbewegung" nicht zu entdecken. Die Rubrik .Pereine und Versammlungen" auf Seite 13 ist ihnen verschlossen. Man sucht nervös, ja, irgendwo müssen sie doch sein! Und man liest schließlich mit einigem Erstaunen aus Seite 7 zwischen den österreichischen Prooin-zbühnen und den Tabaktrafiken zu Ostern auch die Mitteilung von den werktätigen Juden. Sie sind, wie sichs gebührt, im Ghetto. Sie verlangen stch's nicht anders und sind wohl noch stolz daraus, daß der Proletarier, der in den gewohnten Rubriken sich zurecht» finden will, nichts von ihrer Existenz erfährt oder doch nur da?, daß die Parteileitung sie als notwendig, aber unbequem uu> lästig zu den Tabaktrafiken schiebt. Das Wetter. Die Temperamr ist geistern etwas gestiegen, die Nordströmung hat auf, /,ört. Abends setzten wieder Niederschläge ein. Nach der Vorhersage ist wegen zunehmender Bewölkung Regen zu erwarten. Die Rubrik „Film und Kino" erscheint diesmal erst morgen Samstag, da heute sämtliche Kinos lvegen des Normatages geschlossen sind. 7-Uhr-Ladenschlutz am Samstag. Der Magistrat hat verfügt, daß im Kleinhandel mit anderen Waren als mit Le'bensmitteln am 16. d. M. der Ladenschluß um 7 Uhr erfolgen darf. Der Ladenschluß im Löbensmittel-Kleiu- Handel erfolgt an diesem Tage um 8 Uhr abends. TAUWO PFLANZENMARGARINE 1L>2 für ihre OJT ER BACKEREIEN! Jnbilare der Ebe. In Vertretung des Bürgermeisters überreichte gestern Stadtvat Richter den Ehepaaren Ignaz und Kacharina I o k e l, Adolf und Regina P o l l i tz e r, Leopold und Karoline Schöffel und Josef und FraMiska Steinhäuser anläßlich ihrer goldenen Hochzeit die Ehrengabe der Stadt Men. Bon dom Sohne mißhandelt. Der 61jährige Hilfsarbeiter Johann Zl etmek, Wintergasse 40, erstattete gestern beim Polizeikommissaviat Brigittenau die Anzeige, daß er im Verlause eines Streites von seinem eigenen Sohne Johann durch Fußtritte und Schläge mit einem Schlüssel mißhandelt wurde. Der Mann wies auch verschiedene Verletzungen im Gesichte auf und wurde durch den Jnspektionsarzt der Rettungsgesellschast behandelt. Die Amtshandlung ist im Zuge. Der Zirkus Krone, eine der größten Unternehmungen dieser Art, nimmt Samstag abends ieine Vorstellungen in Wien aus. Die Vertreter der Wiener Presse waren gestern zu einer Bovbesichtigung geladen. Sie trafen die Arbeiten in der Vorbereitung an und konnten so am besten einen instrutkiven Uebevblick erhalten. Eine Armee von Bediensteten war mit der Ebnung des Platzes vor der Rotunde, mit der Ausstellung der Zelte, der Dierställe ustv. beschäftigt. Ganze Parks von Traktoren, Raupenzügen und Wagen, die von Arbeitselefanten geschoben wurden, waren in Tätigkeit. Aus drei Manegen wird sich das Programm abrollen, dessen Hauptinhalt die einzig dastehende Tierschau liefert. Das Naturgeschichtsbuch war gestern lebendig geworden: 36 Löwen, 10 Tiger. Wölfe, Zebras, Kamele, Gnus, 80 Bären. Panther, Flußpferde, Bisons, Seeelefanten waren, mehr oder minder fviedttch gesinnt, auf den Platz befördert worden. Den Pressevertretern wurde auch eine zehngliedrige Gruppe von Irokesen vovgestellt, deren jüngste Dame auf dem Stirnband stolz das Hakenkreuz (oder ist es das Toma-Hakenkreuz?) trägt. Der weiße Adler, der würdige Häuptling, ordnete seine Untertanen stilvoll für die Photographen. DaS große Unternehmen, das eine tägliche Spesenlast von 27.000 Schilling zu decken hat, ist in Wien em gern gesehener Gast. Hoffentlich' ist ihm das Wetter günstig. * Pazumnitentempel. Der halachische Bortrag des Herrn liabbinerS Dr. S. Funk über das Thema „Crew pesack ch'chal lihjoth üffchavbath" findet Sarnstag, den 16. d. M. cm 4 Uhr nachmittags im Pazmanitentempel statt. E SveMlidtttleAtmlen» »tiefe mitten «Orr durch Me Polnisch- Luftverkehr»-«.-«,.. Wim, 1. Bez., Tegetthvffstraße 7 (Telephon 71-0-34) befördert und einige Stunden nach der Aufgabe denr Adressaten zugestellt. Ein Expreßbrief nach Polen kostet S. 1.10. Ein Luftpostbrief nur S. 0.60.