Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2920 (14.4.1927)
- Date
- 1927-04-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2920 Wien, Donnerstag Wiener M-egrttzrttlMS 14. WE M87 Der Sohn des Moses Mautner Elti Wiener Roman von Leopold Woklsr.?) OjpyrisIit tWTby R. KwH Verl^, Wien - Leiptfg (3» TalHkAMgH Me ein Verschütteter das Licht, so suchte a an dem düsteren Hemalfer Himmel crn Sternlein ,,„b—es teudjtetc. Es klärten sich allmählich seine Gedanken und er fand mH dachte: „Draußen bei Bernhack, in der Selcherei Ls eines Mt: Da Ms viel zu essen! Nicht so schmale Portionen rmd so vorgeteilt, wie zu Hause!" — Es ist bekannt, daß in viele»: Bürgerhäusern der Wmrsch nach vornehmer Wohmurg unb kostbarer Kleidung mit dm vorhandenen geringen Mitteln in Konflikt gerät. Was tun? Frau Sali tvar nicht' verlegen. Sie tat/ wie viele andere Frauen: Sie sparte beim Essen; und »Venn Gustav remonstrierte: „Mutter! Warum krieg ich nur ein Paar Würstel zum Nachtmahl?" sagte sie: „Weil ich für ein zweites Paar kein Geld Hab'!" worauf der llrine Gustav schlagfertig erwckerte: „Mutter! Kauf' mir lieber einen bi ligm -Anzug Und gib mir dafür rin zweites Paar'Wuststel!" Da antwortete die Mutter: „Das verstehst du nicht, mein Kind. Denn in den Magen können einem die Leut' nicht hineinschauen; aber nach außen Muß man sich zeigen!" Das verstand er. wirklich nicht, und dämm dünkte ihm jetzt die neue Lehre mit den ungezählten Wirrsten wie ein Paradies. Langsam, klärend — wie der Mrnck aus den Wolken — zog ein Mildes Licht über sein Gesicht, denn in GÄankm fraß er sich bereits durch das Schlaraffenland der LaMplschen fetten Debrecziner und saftigen Rindskamme. Das Wasser floß ihm im Munde, und fest wie eine Auster, preßte er die Lippen' übereinander, um es zu behalten. Dieses verschlossene Schalenpaar deutete»: die Eltern für tiefe»: Schmerz Und teilnahmsvoll fragte der Vater: „Nu Grift:! Mrs tut dir roch! Warum red'st nix?" Die Mutter sprach Zärtlich : „Fürcht' dich nit Mei Kind! Es wird dir draußen nicht schlecht'gehen. Nur Mutzt du auf alles schauen, dem: du bist bei Verwandte und tust es für deine LcUt'- und-was du tust- Möses oder Gutes, Mein liebes Kind, tust du immer nur dir. — Merk' dir unsere Lehre»:, denn wir Meinen es dir mir besten und glaub' nrir.." Da unterbrach Herr Hermann seine Frau. „Also jetzt lass' mich auch e bissel, reden!" Denn der Vater »vollte auch ein tveirig Lehren seinem Sohne aufpacken; und er schärfte dem Buben ein,, was er tun und »vas er »mterlässen und-was er fürchten Und was er meiden.solle!- Die guten Elter»:! Sie luden 'ihrem Sohne ein so schweres .-nick großes- Lehrbuch a»:f,- und vergaßen über den»! Be- '' Hagen, welches sie dabei Empfanden, ob denn die junge Seele, anfnahmswillig, ansnah»nsscrhig sei? Gustav horchte wohl ohne etwas zu verstehen; denn se:»:e Gedanken waren voräusgerilt-ins gelobte Land der Würste Und er hatte nur den - einen: Wunsch: in eigener Person bald nachzüfolgen. - EMich gab ihm die Mütter ein Paket Und sagte: „So, da hast dar die Wäsch' U»td einen Anzug und ein Paar' Stiefel :md jetzt geh' Mein Kind und bleib' gesund." Sie streichelte seine schtvarzen Locken, sah ernst in seine großen, dunkle»: Augen Und küßte ihn innig. „Also geh', geh'!" — „Küss' die Hand Mütter! Küss' die Hand Vater!" sagte Gustav und »vollte z'ur Türe. „Nein, mein 'Gaffenjung'!" rief ihm der Vater nach. „Nein. Komm' noch her zU mir. Wenn e sKind cn:s deM Haüs geht, soll Ma ihm Feworechecho nachsagen. — Verdient hast dU's zwar nicht!" fügte er scharf hinzu, denn Herr Hermann Mußte der. wärmsten Regung seines Herzens ein Kröpfchen WerMut beime»:g!m. „Verdient hast du's nicht. Dü hast »nir und der Mutter genilg angetan. — Weir so kann ich dich doch nixüus'n HÄlls Besorgen 8ie sieh rechtzeitig für en,w^ Hagadah Illustriert von Josef Budko Deutsche Uebersetzung durch Dr. Max Qrunwald Hebräisch, Pappband . . 83 — helnendancl . . . . . .8 390 Hebräisch-Deutsch, Pappdd. 8 390 helnendand ...... 8 4'80 oder die mit Holzschnitten von Jacob Steinhardt, geschrieben von F. Baruch Pappband . . . . .. . 86 — Luxusband mit Originalholzschnitt, signiert und numeriert '.• 830 — (statt 8.54 —) .r Buchhandlung R*Löwit, Wien, I* Rotenturmstr. 22 gehe»! lasse»:!" Er legte seine H^icke guf das Haupt des. Knckes Und sprach: ,Lenwrechecho adaunoi tvexischmerechv! Gott segne dich »min.Kind und behüte dich//,— Gustav ging mit deml Paket unter dem Arm aus dein Hause seiner Eltern. Und er giyg froh und fröhlich dem Neuen entgegen, ins Leben hinein. — Geh' nur glückliche Fugeick! Ober: beim Fenster steht das Mer und blickt dir nach. —.„Me er nur lahft!" sagte die Mutter. „Vierzehn Jahr' hat ma e Kind gehalten, gepflegt und jetzt —! Wie er.nur lahft! Als wenn er's nicht drwarten könnt'!" : Herr Bernhard Lanipl stand mit geneigtem Haupte au den Türpfosten-seines Kontors gelehnt — es war wieder eine Betriebspause — mck blickte über den Hof znm »Tor, äls dieses langsam geöffnet wurde u»ck ein schmächtiger Jüngling — ein Paket nnterM Arm — eintrat. „Ah, Gusti!. Du bist schon da?" rief Herr Bernhard. „Ja," antwortete Gustav. Nach einigen begrüßenden Worten führte Herr Bernhard den neuen Lehrling in dsas prD Stockwerk, in die Wohnung, Und sah ihn.priifeM an. ,-Nein," sagte er. „Mit dein Anzug kannst du.nicht ins Wirrstzinpner gehen. Zuerst wer ich dich umziehe»:. Jch.tver dir diertpeil, bis du ei»:en Arbritsa»:zng bekoMnfft, eine Hose von mir leihen :md einen Brustfteck und eine Schürzen, daß du tvie rin Selcherausschanst!" Nach diesen Worten ging Herr Berr:-' hard zu einem Schranke, öffnete diesen, nahm aus dein oberen Fache eine pot-wrißgestrelfte Leinenhöfe und 'erneu, rot-weißgestreiften BruMeck, Nick gab, Gustav beide Stücke Dieser betrachtete die Hose und gleichzeitig diie üppigen Forme»: seines Lchrherrn und dachte: „Da btrin wer ich micks verliere»:!" — Herr Bernhard hatte sich indes mit einer! tiefen 'Kniebeuge UM» deshalb ein we»:ig ächtzjenjö, den»! Unter-, stei: Fache des- Schrankes zUgelvendet. Dort lagen die Schürzen; schön sauber, »Nit dem Buge nach außen gerichtet, de»:n Frau Resi hielt Ock»:ung; tvenn sie - abends nach Haus ka»tt. — tagsüber war sie m Verkaussladen in der Alserstrahe — war ihr erster Weg zum. Wäschekasten: „Ob du mir nichts auseinander geworfen hast, Bemhard!?" Unidi wenn etwa rin Schürzenbändchen, des Drillsüberdrüssig, aus Reih' und Mck» herauslugte, rief sie: „Na schau^ Bernhard!. Karm Mlan div d ie Schlüssel 'kaffen? Alles wirfst du .mir durcheinander V* -r-[ DruM Miete jetzt Herr Berwhard zagend vor dem Wäschekaste»:-' und mit einer Behutsamkeit, als hübe er . ein zart gebrechlich Kind aus den Windeln, nahm er von drin - untersten, rechtsliegenhje»r „Stoß" eine Latzschürze und von dem links liegenden „Mvh^ eme Doppelschürze. Gustav hatte''-indes den Straßenanzug abgelegt U:ck tvar. in die breite, rot-weißge streifte Hofe seines - Lehrherrn geschlüpft. Er fühlte sich darin überaus' bequem, denn die steif gebugekte/Hose glich auf srinen schmalen Beinen einer Krinoline. — Nun vetsnchte er den Btuststeck. Zwrächst Hielt er ihn eine Weile prüse»ck vor sich und! dachte nach, tvie er anzulegen' sei. Fragen wollte er nicht, weil er, sich schäMte, also schlüpfte er Uns gut Gllick hinein, undl traf richtig das Verkehrte. Die rot-weiße Außenseite hatte er! innen Und die Mit weißem Hanell gesiitterte Fnnensrite, trüg er — wie die Slowaken iM Sommer den Pe^, — nach cn:ßm. . - '■* (Fortsetzung folgt.) OCCOCOQODOOOOOOOOOGCXXXXXXXX^OCO£XXXXX3 ‘ die weltberühmten Schwefel-Thermen. 14 radioaktive Schwefelquellen bis zu SS^0 Celsius Temperatur. Heilanzeigen: Rheumatismus, Ischias, Gicht, Nierenleiden, Gefäß- und chronische Gelenkserkrankungen. Heilmittel: Moderne Schwefel-Einzel- und Vollbäder, Trinkkuren, Schlammpackungen und alle physikalischen, hydrotherapeutischen und medizinischen Kurmethoden. Terrainkuren. — Traubenkuren. Städt. Badehotel „Herzoghof*. — Kuranstalt „Johannesbad“. — Städtische Bade- und Kuranstalt Kurbetrieb ganzjährig. In der Vor- und Nachsaison bedeutend ermäßigte Zimmerpreise von 8 3'—» bis : ' 812— . * Das neu erbaute, 15.000 Personen fassende. Thevmal-Strandbadl. Konzerte, Kurmusik, Trabrennen, jeder Sport, Theater, ';;Sömmerarena usw.; Auskünfte und Prospekte durch die Kurkommission Baden, Fernruf 343. 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Sodann gab der Hilfsämterdirektor der Tabakregie Anton Kluge als Zeuge an, daß in der von den Einbrechern ängebohrten Kaffe nur ein Betrag von 216 Schilling, das' Gehalt eines auf Urlaub, befindlichen Beamten, deponiert war. Der ermordete Nachtwächter Ludwig habe in der kritischen Nacht nur auAhilftweise den Dienst versehen. Er war verheer atet, hatte zwei kleine Kinder, das dritte wird demnächst zur Welt komme»:. Der Portier der Tabakregie S l a m a berichtete über die Auffindung der Leiche Ludwigs. Sodann wurde Revierinspektor Johann M eist er, der durch einen Schuß bei der BerhaftitUg, Hungers schwer verletzt wmcke,. verhört.. Er gab. an,' daß. er elf Wochen im Spitale zubringen mußte n»d jetzt nur mehr leichten Dienst versehen könne. Einen Re- . volver habe er bei Hu»rger damals nicht gescheu. Der Staatsanwalt. demonstrierte mm, daß man die Pistole,. ' die Hürrger damals verwendet hatte, in der Hand verbergen könne, ohne daß rnan sie sehe. WShreirck einer. Fragestellung des Verteidigers Dr. Stieglandtbraustei Oetzbrugger auf urck rief dem Anwalt zu: „Sche Vüg en!" Ztver JustizsoÜxaten nmßten ihn mit Gewalt zur Raison bringen, weil er zu toben begmm,. Nach Beendigung --des Zeugenverhöres erstattete der Gerichisarzt Prof. Dr. Meixner sein Gutachten über die Schußverletzungen au der Leiche des getöteten Nachtwächters. Die Herzwunde Lrckwigs war ^unbedingt töckl i chc Der GeriUspsychiater Äozent Dr. Diwitz Vvzeichnete Oetzbrugger wähl von geistigen Anomalien befallen, die auf die Trunksucht des' Vaters zurüchzusühren. sein dürften, jedoch in seiner VerstandesbiDung vollkommen normal u»ck für seine Taten voll verantwortlich. Auch Hunger ist normal,w«nn auch im Denken etwas schfiverfällig. Bei Hunger könnte vielleicht seine leichte Weinerlichkeit irreführen. Es gibt eben Leute, denen leicht die Träne»» in die Augen kommen, doch gewinnt man den Eindruck, daß es nickst das Schicksal des andern ist, das sie rührt, sondern das eigene Schicksal. Hunger gehört in diese- Kategorie. Zum Schluffe erstattete der Sachverstärckige im Schießfache Springer sein Gutachten, itckeM er erklärte, daß die tödlichen Schüsse nur aus der Frommerpistole, Hu»:- gers Abgegeben tmrden. Der Vorsitzende schloß sodann das Beweisverfahven. Heute vormittag finden die Plädoyers urck nach der Beratung die Urteils Verkündigung statt. Re Stadtgemeknüe Linz ten Einlegern Ser »ovenbmit ersatzpflichtig. Aus Linz tvird berichtet: In den: Prozeß einiger Einleger der B o d e r: b a n k gegen die Stadtgemeücke Linz wegen Haftung für die verlorenen Einlagenhat das Linzer Bezirksgericht ein Urteil gefällt, nach dem die Gemeinde verhalten ist, den Klägern die eingeklagten Beträge samt Zinsen und Kosten zu bezahlen. Heute Donnerstag, den 14. April, um halb 8 Uhr abends, in den Sälen des Restaurants „Grüner Baum" VII,, Mariahilferstraße 56 üroBe Massen”"" Es sprechen unsere Kandidaten: Gemeinderat Dr. Leopold Pia sch kes, Dr. Desider F r i e d ma nn, Dr. Eugen F el ix. Juden, epscheinel in Massen und höret <Supe Veplpelevl »WMMS mm :^HEB3|3 23534848312301010000000202232353484823535323534853534823234848534853235323 436574545 53534823482353234853232348230102530000010223482348232323314823000101234848