Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2919 (13.4.1927)
- Date
- 1927-04-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. SSkS Men, MkMvoch W. April WS7 OTw’v unbesorgt zurückzustellen, weil auch im roten Wien der praktische Antisemitismus nicht verkümmert, sondern — die Anti semiten dürfen beruhigt sein — von de« sozialdemokratischen Machthaber« im guten Stand erhalten wird. Und nun kommen sie — nein, sie schicken ihre neuen Hausjuden aus — und präsentieren ihren Judenschutzpakt. Dort wird das erstemal und im Widerspruch zu früherem Verhalten unser Recht auf das Judentum im nationalen Sinne anerkannt, aber den „Schutzjuden" die Zurückstellung der jüdisches Forderungen zugemutet. Wahrlich, ein teurer Preis. Wer diesen Pakt eingeht, darf Rekriminationen gegen „Judenreinheit" der Aemter, antisemitische H e i m ü t s re ch t s - und AusweisungZpraxiS, darf kulturelle Forderungen, insbesondere Schulforderungen, wie sie sich aus dem Rechte der jüdischen Minderheit ergeben, nach diesem Wahlgange nicht erheben. Die sozialdemokratischen Wahlwerber lassen sich mit dem Wahlzettel einen Judenschutz bezahlen, der die Juden dieses Landes die Gleichberechtigung zwar nicht vor dem Gesetze, aber vor der Handhabung des Gesetzes aberkennt. Weiset die Judenschutzpakte beider Parteien zurück und wählet die Jüdische Einheitsliste! Kisen-ahnkatastrovbe in Brünn. gBitf Ate. 120 Verletzte. — Matzrtillonal üBetfaftten. Brünn, 12. April. Heute, um halb 7 Uhr. früh, sind auf dem Brünner Hauptbahnhof zwei Ar- Leiterzüge aufeinander gestoßen. Der Zug 832 aus Austerlitz fuhr auf den eben aus Rossitz-Segen Gottes eingelaufenen Zug 731 auf. Die zwei ersten Waggons wurden umgekippt und die nächsten Waggons entgleisten. Me eben im Mussteigen begriffenen Personen, zumeist Arbeiter, wurden getötet ober schwer verletzt. Es wurde sofort die Rettungsgefellschaft berufen. Am Unglücksvrte lagen drei Tote; im Krankcnhause starben zwei Personen, dreizehn find lebensgefährlich verwundet, über hundert nahmen schweren Schaden durch Zerquetschungen. Die Unglücksstätte bietet ein Bild der wüsten Zerstörung. Zwei Wagen sind vollständig zertrümmert, vier andere sehr stark LesPdigt. Große Blutlachen und Kleiderfetzen kennzeichnen die Unglücksstätte. Die Identität aller Toten und Schwerverletzten konnte bisher noch nicht genau festgestellt werden. Der Bahnsteig, wo sich das Unglück zugetragen hat, befindet sich an d e r N o r d b ah n st r aß e, und, zwar an einer Stelle, wo die Eisenbahnböschung ungefähr, fünf Meter tief sehr steil zur Straße äbfällt. Der erste Waggon des. zur Entgleisung gebrachten Zuges wurde nun beim Anprall derart umgekippt, daß er mit der äußeren Seitenwand dir NordLahnstraße hinunterstürzte. Nur dem Zufall, daß sich an dieser Stelle ein Strinpfeil e r befindet, gegen welchen der Waggon sich lehnte, ist es zuzuschreiben, daß der Waggon nicht ganz hinunterstürzte und solcherart die drei weiteren Wagen, die aus dem Geleise gesprungen waren, mit sich in die Tiefe riß. Der Lokomotivführer des Austerlitzer Zuges, dem die Schuld an dem schweren Unglück beigemessen wird, wurde von der Polizei in Verwach rungshaft genommen. Die Geräte, daß er in die Landesirrenanstalt eingeliefert wurde, Hecken sich bisher nicht bestätigt. Auf dem Brünner Bahnhöfe herrschte wenige Minuten nach der Katastrophe eine unbeschreibliche Panik. Der amtliche Bericht stellt fest, daß nach dem bisherigen Verlaufe der Untersuchung wahrscheinlich den Lokomotivführer und den Heizer des Austerlitzer Zuges, der dem anderen Zuge in die Flanke fuhr, die Schuld an dem Unglück trifft, da sie nicht genügend vorsichtig in die Station emfuchren und den Zug nicht vor der Markierung zum Stehen brachten. Die Folgen dieser Unvorsichtigkeit wurden durch die nassen Schienen, auf denen der Zug weiterrutschte, bedeutend vergrößert. Die Bremsen bei der Lokomotive und auch bei der Zugsgarnitur wurden in Ordnung befunden. Der Lokomotivführer und der Heizer des Zuges wurden von der Polizei a b- -eführt und gerichtlich verhört. Las englische Franenwahlrecht. London, 12. April. In parlamentarischen Kreisen verlautet, Premierminister Baldwin werde morgen bekanntgeven, daß die Regierung beschlossen habe, den Frauen das Wahlrecht vom 31. Lebensjahr an zu gewähren, statt bisher vom 30. Lebensjahr ab, so daß sie künftig in dieser Beziehung den Männern gleichgestellt sein werden. Me panvaMche Konferenz. Honolulu, 12. April. Die panpazifische Konferenz ist gestern eröffnet worden. Die Vereinigten Staaten, Kanada, Laternameriva, Japan, Austrälien, Mnä und die Philippinen Men zusammen 300 Delegierte entsendet. M» Misere Rätsellöser! D« Einfendetermin für Misere erste Preis, rätfelkimknrrenz endigt am 25. April. Ort imd Zeit der Verlosung werden «Ir »sch rechtzeitig vekanntgeben. Unsere Rätsellöser werde» gebeten, die auSgefüM« Magramme mit den dazugehörenden Kupons in einem Knwert, auf dessen obere Ecke deutlich der Vermerk „Rätselkonkurrcnz" zu schrciben ist, an unsere Redaktion, Wien, 2. Bez.» Laborstraße 1—3, einzusenden. Fehlende Nummern können m unserer Admintstvatio» noch nachbezogen werden. :]aiGpiQoian,GC;aiaiG;a2;a;aD Sin zweiter Fall Märet? Nach dem Gesetz der Serie wird in der allernächsten Zeit ein Versicherungsprozeß das Wiener Handelsgericht beschäftigen, der eine auffallende Aehnlichikeit mit dem eben beendeten Prozeß Marek hat. Der Fall hat folgende Vorgeschichte: Der in Gupf bei St. Margareten wohnhafte Gutsbesitzer und Holzhändler Josef P l a ß n r g schloß am 8. Oktober 1928 mit der VersicherungsgeseNschast „Phönix" einen Versicherungsvertrag ab, wonach er bei bleibender Invalidität 3000 Golddollar und denselben Betrag seine Hinterbliebenen im Falle seines Ablebens zu erhalten hätten. Weiters schloß er am 1. Dezember 1328 mit dem „Phönix" eine zweite Versicherung für den Fall bleibender Invalidität auf 8000 Dollar ab. Endlich schloß er im August 1926 mit der Ersten allgemeinen Unfall- und Schadenversicherungsgesellschaft einen Vertrag ab, wonach er 6000 Dollar für den Fall des Todes, 37.000 Dollar für den Fall bleibender Invalidität und eine tägliche Rente von 6 Dollar für vorübergehende Invalidität auf die Dauer von zehn Jahren zu erhalten hat. Nicht lange Zeit nach der Ausfertigung der Polizze ging Platznig auf die Jagd; fein Gewehr entlud sich und eine Kugel durchbohrte die linke Hand, die dauernd gebrauchsunfähig wurde. Die beiden Gesellschaften nahmen nun, wie Platznig behauptet, an, daß es sich um eine Selbstverstümmelung handle, um die Versicherungssumme zu «chatten. Am 2. September 1926 erschienen Unterhändler bei Platznig und boten ihm einen Vergleich'an, den er — es wurden ihm 10.000 Schilling geboten — annahm. Nachträglich behauptet Plaßnig, er fei krank und seiner Sinne nicht ganz mächtig gewesen und begehrt deshalb eine Fesüstellungsllage auf NiHtLestehen des Vergleiches. Die' bellagten Versicherungsgesellschaften wenden ein, Platznig habe bei Abschluß der Versicherungsverträge verschiedene unrichtige Angaben gemacht, außerdem verschwiegen, daß er die Erhöhung der Unfallversicherung bei der Ersten allgemeinen Unfall-' ruid SchadenversicherungSgesellschast von 26.000 auf 37.000 Dollar beantragt habe, weiters, daß über seinen Antrag mit Wirksamkeit vom 1. August 1926 (es war dies der Tag des Unfalls) die Versicherungssumme für bleckende Invalidität auf 16.000 Dollar herabgesetzt wurde und die ursprünglich fesigestellte Tagesentschädigung per. 5 Dollar in Wegfall kam. Außerdem habe er die Prämien nicht pünktlich bezahlt. Auch die Darstellung über den Unfall entspreche nicht den ursprünglichen Angaben. Der Vergleichs- Vertrag sei vollkommen korrekt abgeschlossen. Die Verhandlung über diesen interessanten Fall wird denmächst stattfinden. * Die Verteidigung im Marek-Prozetz hat als Gegenmaßnahme zu der Nichtigkeitsbeschwerde deS Staatsanwalts für sämtliche-Verurteilte ebenfalls die Nichtigkeitsbeschwerde eingebracht, so daß der Oberste Gerichtshof sich mit dem Fall Marek zu beschäftigen haben wird. £BSBBRBBBBRBBBBBRaBBBBRflflBBBffSa9fBBfl: | FÜRALJLE | besonders günstige Bedingungen: i Gemeinde Wien | Städtische Versichernngsanstalt Direktion: Wien, /.. Tuch lauten §, Tel, 67-5-40 b FILIALEN U. GESCHÄFTSSTELLEN IN AL- 8 LEN GRÖSSEREN ORTEN DER REPUBLIK 1 i B S § SrpisfioasuirgliiS in einet Kohlengrube. lvttt Tote, bre» SchwevserLtzt«. .8««von, 12. April. Auf der Wvodmvvr-Grvbe 8$ Barnskey ereignete sich eine Explosion, durch die LI Sem*; arbeiten verschüttet wurden. Drei davon fanäteu dm WM. drei wurden schwer verletzt. »o ist Slmard KnNnr Ei« VkrgelLagter im ungarischen Konmttmistvnprozeh verschwunden. Budapest, 13. April. Im Geschwovmmfaal M Strafgerichtshofes begann heute vormittags die standgerichtliche Verhandlung gegen den gewesenen stellvertretenden Volkskommissär Zoltan S-anL-o und weitere BO Mitangeklagte. Nach der Anklagerede des Staatsanwaltes otbtttk der Präsident die Abführung der Angeklagten mit Ausnahme Zoltan Szantos an, dessen Einvernahme sofort vorgenommen wurde. Szanto erklärte alle seine vor der Polizei gemachte»: Aussagen für falsch, er habe bloß die Aussagen seiner Mitangeklagten bestätigt, um sie vor der sicheren Brutalisierung durch die Polizei zu bewahren. Den Verdacht, daß seine Mitangeklagten brutalisiert würden, begründet Szanto damit, daß einer der Mitangeklagten, ein gewisser Eduard Rubin, im Verlaufe despolizeilichen Verfahrens spurlos verschwunden sei, so daß angenommen werden müsse, daß Rubin einfach aus dem Wege geräumt wurde. Szanto bestritt die ihm von der Anklage jimc Last gelegten Fakten und erklärte, die ungarischen Kommunisten seien die Partei des bewaffneten Aufruhrs ge-- gen das gegenwärtige System, sie wollen aber die Z^t abwarten, wo sie diesen Aufruhr unter günstigeren Bedingungen werden wagen können als jetzt. In der Nachmittagsitzung wurde der 21jährige Angeklagte Moritz Löwy einvernommen, dessen Aufgabe es.war, die Jugendgruppe der kommunistischen Partei zu organisieren. Auch er erklärt, von der Polizei durch unsägliche Mißhandlungen zu seiner Aussage gezwungen worden Kl sein. Auch die übrigen Mitangeklagten, deren Einvernahme sehr rasch! vor sich gcht, tviderrufen -ihr« pollzeLichen Aussigen mit der gleichen Äagrürckmng. llebrrwüWg m ein stttenflMics eetHtL Das Standgericht faßteabends den Beschluß, der: Pro-- zeß gegen Zoltan Szanto und seine 30 MitaugMagöLUj einem ordentlichen Gericht zit überweisen. Das' Gericht b^ründet seinen Beschluß bannt, daß es sich fön die Verhandlung des Prozesses gegen Szanto im Sinne dev Ausnahmsverordnungen nicht für kompetent erachte, da das Verbrechen der Vorbereitung des Aufruhrs, dessen die Angeklagten beschuldigt werden, nicht Kr jene» Dösikten gehöre, für die die MsncchEverordmmg ein HnHgerichtlrches Verfahren vorsehe. „m $3nfer in Mm» öertwwifc" Kein Todesopfer Zu unserer Mitteilung vom 2. April erhalten! wir aus Jasina (vormals Körösmezö) unter dem 5. April das nachstehende Schrecken mit dem Ersuchen um BeMfieuLlichung. „Da M Men — wie mir bekannt! ist -— viele LaEileute aus Jasrna leben, denen die schreckliche Nachsicht: germtz große Besorgnis verursacht hat, teile ich folgendes mit: Am 29. März ist in der Küche eines ruthenifchen Restaurants durch unbekannte Ursache ein Feuer entstanden. Der heftige Wind trug die Funken auf eine Entfernung von zrrka 600 Meter über mehrere forstära rische Häuser hinweg zunächst aus das Haus des Herrn Siegmund Roferztar unv in einigen Mnuten standen sämtliche Häuser Von dem Besitz der Frau . Hinde Kiesler 'bis exklusive dem Hause des Tischlers Moses Tetzler einerseits und vom Hause der Witwe des Israel Marmarosch exklusive bis zur Zentralbrücke auf der anderen Seite in Flammen. Innerhalb zweier Stunden waren sämtlich Häuser samt Nebengebäuden piedergebrannt. Der Gesamtschade dürste sich auf zirka 6 Mllionen tschechisch Kronen belaufen. 'Menschenleben smd nicht zu beklagen. Die 80jährige Hmde Kiesler und deren Enkelinen haben ziemlich Brandwunden badongetragen, ebenso Siegmund Rosental. Biele Kaufleute sind zu Bettlern geworden, das Elend ist sehr groß, die Obdachlosigkeit ist — dank dein Regierungskomimsfär Herrn Hajek und dem Herrn Forstingenieur JonaS einigermaßen gelindert. Geschädigt wurden 60 Familien. Gegen Feuer waren nur sehr roenige, und diese auch nur mit sehr unbeträchtlichen Beträgen, versichert. ES sind aus einigen Gemeinden Geldbeträge eingelangt, aber Mei zu wenig, um die Nlati und das Leiden der auf emmal Verarmten zu milder». Wenn Sie diese Schlv« derung veröffentlichen, würden Sie die Aufmerksamkeit vieler Bekannten nnd Verwandten auf das Unglück lenken, die ohne Zweifel ihr Möglichstes ftir die Verunglückten tun werden. Hochachtungsvoll ESra Halm, Kassier der Ehowra-Kadische, Jasina." vrotzer vraud Hel raruow. I« Domörowa bei Tarnow brach, wie von dort gemeldet wird, in einem Gasthaus ein Brand aus, der infolge deö Sturmes auf die angrenzenden Häuser Übergriff. Fünf Häuser wurden ein Raub der Flamurdm ivtt Personen sind obdachlos. Der Brand, Veste« EntstehungSursach unbekannt ist, hat e in Todesop-sier gefordert.