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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-10 · Heft 2916 (10.4.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2916 (10.4.1927)
Date
1927-04-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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M. sma Wien, Svnntag Wiener Morgerrzett««- «. April E Wie In -owsetrnßland d« AMe«ItIsmns gezüchtet wird. Das ofMette Organ des Verbandes der konmmnistischm Jugend ln Sotvjetrußland „KomsoMvlskaja Pravda" veröffentlichte ln einer seine« letzten Nummern eine Reihe von Zuschriften, durch die die Aufmerksamkeit der führenden Män^ auf das furchtbare Anwachsen des Antisemitismus Inder Arbeiterjugend gelenkt werden soll. Ern junger Bauer, der nach Moskau kam mrd sich dort in Arbeiterkreisen und in verschiedenen politischen Zirkeln der Hauptstadt umgeschaut hat, erzählt in denr Matt: Als ich auf dem Dorfe lebte, lvar mir der Begriffs des nationalen, Hasses genau so fvenü» wie allen übrigen Minern. In Moskau aber sah ich erst wie groß und verbreitet der Judenhaß in der Arbeiterschaft ist. Ueberall hörte er die Hetzreden, daß in Sowjetrußland bloß die Juden gut leben, weil die. Macht angeblich in jüdischen Händen liege. „Wir Haffen die Juden", sagen die Arbeiter, „weil die Sowje t» macht ihnen die Freiheiten wiedergegeben Und sie Mit Privilegien überhäuft hat". Ein Korrespondent aus Kanawim schreibt in derselben Nummer der Zeitung: „Der Anttsemitismus nimmt bei uns innner größere und bÄ>rohlichere Dimensionen an und wird von den Kommunisten ebenso geführt wie von arideren. Biele, selbst aktive Mitglieder der komnnmistischen Karmnern auf denr Lande, verbreitert die Lüge, daß die Juden sich des Landes bemächtigt haben und Herrscher der kommunistrschm Partei seien." Ern junger jüdischer Kommunist narnens Reich klagt in der genannten Zeitung sein Leid, wie er inr Verlause einer Diskussion von Kommunisten beschinrpft wurde, die ihm zuriefen: „Niemals werdet Ihr die Krim bekommen! Ihr nehmt uns das Brot weg. Schade, daß wir nicht wieder 1920 haben, wir würden rasch mit dir, jüdischer Hund, fertig werden. Ihr wollt an die Universitäten kommen ihr wollt die Schulen in eure Hände bekommen das werden wir zu verhindern wissen!" Am deutlichsten jedoch spricht der Brief eines jüdischen Mitgliedes des kommunistischen Jugend-Verbandes, der die Arbeiterfakultät absolviert und Nachher ein Jahr lang Student an einer Universität tvar, die er krankheitshalber verlassen müßte. Er erzählt: „Ich habe'kein jüdisches Aussehen. Ich spreche russisch mit einer rein russischen Aussprache. Ich gelte als Autorität des Verbandes der kommunistischen Jugend. Alles sehr schön. In dem Augenblick aber, als bekannt wird, daß ich Jude bin, wendet mkm sich ostentativ von mir Nb, wie von einem Aussätzigen und beginnt mich zu reizen. Das tun sowohl die jugendlichen als auch die erwachsenen .Mitglieder der kommunistischen Partei. Wie schlimm ergeht es erst einem Juden, der die .russische Sprache nicht so geherrscht oder sie, wie es in jenen Krisen heißt, „jiddiffchs" ausspricht. Man muß selbst in der Lage eines Juden, gewesen sein, um den ganzen Schmerz und das ganze Leid, angesichts dieses komnnmistischen Antisemitismus zu empfinden!" Jugoslawischer Judentum. Wenn es eines Beweises bedürfte, daß gute Staatsbürger auch Zionisten sein können, so bietet ihn Jugoslawien. Hier ist kein Unterschied zwischen Jude und Nichtjude zu bemerken. Die Bevölkerung ist toeder antisemitisch, noch philosemitisch, sie nimmt überhaupt keine Notiz, ob Judo oder nicht. Sie hält es für selbstverständlich, daß sich der Jude jüdisch betätigt. In Agram war ein großes jüdisches Meeting. Sämtliche Blätter entsandten Berichterstatter und brachten sehr schöne Und objektive Berichte über die Redner und ihre Tendenzen. Sie informierten mit derselben Ausführlichkeit und Objektivität wie etwa über eine Versammlung der Radikalen oder der Nincicpartei. Die Regierung betrachtet die Juden als gleichwertige Staatsbürger. Ich habe mit einem hohen jugoslawischen Funktionär gesprochen, welcher mir sagte, die Juden Jugoflawiens Härten sich im! Kriege ebenso tapfer geschlagen, wie die andere Bevölkerung. Sie zahlen ebenso willig die Steuern und nehmen ebenso Anteil anr Aufbau und an der Konsolidierung des jugoslawischen Staates. „Wir schätzen," sagte dieser Funktionär, „die Juden ganz außerordentlich." Und trotz dieser Auffassung seitens der Bevölkerung Und der Regierung, sind die Jck>en Jugoslawiens außerordentlich zionistisch orientiert. Mir imponierte es ganz gewaltig, als ich in der Stadt Agram große Plakate über ein zionistisches Meeting sah Und feststellte, daß dieses Meeting überfüllt tvar. Mir stieg fast ein Gefühl des Neides auf, als ich erfuhr, daß die gesamte jüdische Jugend im „Makkabi" organisiert ist. In Spalato ist der Friedhof auf einent Hügel, der Neberblick über die Stadt uiä» das Meer gewährt, herrlich gelegen. Fast jedes Grabmal - aus den letzten Jahren trägt dm Davidstern. 'Die Kultusgemeiudein Spalatv ist sehr alt, doch der neue Geist des Palästinaaufbaues hat hier Einzug gehalten. Einen Fall von Tlbtrünnigkett und Taufe gibt es hier seit undenklichen Zeiten nicht mdhr. Wer den schönsten Eindruck erhielt ich in Ra gusa. Ein Wiener Rechtsnntvalt bedauerte mir gegenüber auf einem Spaziergange, daß tvir Purim so sang- Utt& klanglos in der Fremde verbringen müßten. Als lvir ins Hotel kanten, fanj den wir zu unserer größter, iieberraschung Einladungen des I „Jüdischen Kulturbundes" von Nagnsa zu einer Pnrimfeier. | Nicht nur mir, sondern sämtliche jüdischen Gäste aller Hotels erhielten diese Einladung. Der Kulturbund hat seiner ausläMschen Brüder geärcht und einen eigenen Organisationsdimst eingerichtet, um zu erfahren, welche ausländischen Juden in Raausa Aufenthalt genommen haben. Dort trafen sich Gäste, me bisher fremd aneinander vorbeigeg äugen waren und die sich nun als Brüder begrüßten: der aus dem deutschen Reiche, jener ans England, ein anderer wieder aus der Tschechoslowakei. Und alle fanden tmeder Kontakt mit den Ragusanem. Die Ragusaner zählen 20 Mische Familien, sieben spaniolische, 13 Aschkenasim. Sie haben ein eigenes Haus in der Strade Zudvwska, einer Seitengasse des Hauptplatzes, der Stradvna. Dort befindet sich auch ein kleines Bethaus. Im Hanptfaale hängt das Bild des Königs, flankiert von jmen Herzls und Sokolows. Die Glassenster sind 'in. den blau-weißen Farben gehaltm, denn der „Jüdische Kulturbund" ist zionistisch. So viele Juden, so viele Zionisten. Ein Unterschied zwischen Sephardim und Aschkenasim ist nicht vorhanden. Sie arbeiten für Keren Hajessod und Kajemech. Sie halten einen hebräischen Kurs ab und pflegen nach jeder Hinsicht jüdische Kultur. Das Fest, zu welchem wir eingeladen waren, begann und schloß mit der feierlichen Äbsingung der Dikwah Was dazwischen lag, war allgemeine Unterhaltung und Tanz, aber es wehte in dem schönen jüdischen Heim der liebenstvürdigen, eleganten Ragusaner, die Luft jüdischer Zusammengehörigkeit und Brüderlichkeit, welche wieder zeigte, daß wir ein Volk sind, wo und-Unter welchen Verhältnissen wir auch immer siedeln. Und diese jugoslawischen Eindrücke belehrm, daß zur guten Staatsbürgerschaft dieselbe Eigenschaft gehört wie zmnj Zionismus, nämlich Ge me in sinn. Dr. Hugo Benedikt. Gröfittung des Wischen Waisenhauses in Mukarevo. 'Aus Mukacevo wird uns geschrieben: Vorige Woche fand hier unter größer Feierlichkeit die Eröffnung des mit Hllfe des Joint errichteten modernen jMschen Waisenhauses statt, in tvelchem zunächst die j üdischen Kriegswaisen Unterkunft und Erziehung genießen werden. An der Feier nahmen der Gouverneur für Karpathorußland Beskid, der Großzsupan Doktor Jech, Vertreter des Ministeriums für soziale Fürsorge, der militärischen Behörden, Vizebürgermeister Dr. S p i egel 'sowie Delegierte vieler Organisationen und jüdischer Vereine teil, die vom Präsidenten Dr. Saphir begrüßt wurden. Der „Joint", der feit einigen Jahren hier tätig ist, hat Großes geleistet. Es wurden bisher fast zwölf Millionen tschechischer Kronen aufgewendet. Die Geburtstagsfeier des Hunbertneunjächrigen. Im größten jüdischen Mersheim der Welt, im „Home os the Sons and Doughters of Israel" in Newyork wurde vor einigen Tagen dev 109. Geburtstag des Insassen Chaim Weiß gefeiert. Mister Weiß erfteut sich einer guten Gesundheit. Im Kampfe um die Prohibition steht er aus Seite der „Nassen". Er macht seinen täglichen Spaziergang ohne jede Stütze, liest ohne Augenglas und nimmt jeden Mittwoch ein türkisches Bad, das er nicht nlisfen will. Als er im Vorjahre seinen 108. Geburtstag stierte, produzierte er sich als ausdauernder Charlestontänzer. Im Alter von hundert Jahren mußte er einer schweren Operation unterzogen werden. Weiß stammt aus Jassy in Rumänien, wo er das Schneiderhaudwerk betrieb. Bor drei Jahren starb ihm seine dritte Frau im Alter von 67 Jahren. Er erzählt, daß sein Vater 115 Jahre alt geworden sei und so wie er selbst sich niemals eines Augenglases noch beim Geheil eines' Stockes bei" Jules Wilippfon Ritter der Ehrenlegion. Herr Jules P b i t i p p s v n, der Sohn des Präsidenten der Jcwish Colonisatton Association, Franz Philippson, wurde ,ür seine Verdienste ümi naiowoD Tel. 7214 bringt für die heurige Frühjahrssaison. Cftcrüangs ln den herrlichsten Farben, neuesten Dessins, modernsten Schnitten, durchwegs auf Seide gearbeitet, ln allen Größen, zum Preis von S160'— SS E PMftlm-MaMth 1« Wien. Seit langem ist es für die Juden der ganzen Welt selbstverständlich, für die Pessach-tage Wein aus Palästina zu verwenden, denn die Tatsache, baß von Juden in Palästina Wein gebaut wird, ist für die Juden in aller Welt gerade an den Pessachtagen eine Art symbolische Bindung, die ihnen den Palästinawein für den Seder geradezu ßlrr Wicht macht. Nun besteht seit den letzten Jahren in Palästina auch eine hochstehende Mazzothfabrikatton, und Heuer ist es dank den Bemühungen des Herrn Nathan Brodetzki möglich genwrden, Mazzvth aus E r e z Israel in Wien zu erhalten. Es liegt auf der Hand, daß es nunmehr jeder Jude als seine Pflicht ansehen wird, den Pessach mit Palästina-Mazzoth zn feiern. Denn gerade an den Pessachtagen sind die Inden der ganzen Welt am stärksten mit ihrer alten Heimat verbunden. So ist denn zu ernrarten, daß die Möglichkeit, Palästina-Mazzoth zu beziehen, von der österreichischen' Judenschast freudig ausgenommen werden wird. In den letzten Jahren haben die Palästina-Mazzoth bereits in England, Amerika und auch Polen Eingang gefun-- der: und sind in diesen Ländern geradezu marktbeherrschend geworden. Dies liegt zunächst daran, daß sie bezüglich des Kaschruth über allen Zweifel erhaben sind. Sowohl der palästinensische Großrabbiner Kuk als auch das religiöse Oberhaupt der aschkenasisch-orthodoxen Juden von Erez Esrael Oberrabbiner Sonnenfeld haben den Hechscher, der die rituell vollkommen einwandfreie 'Herstellung dieser Mazzoth beglaubigt, ausgefertigt. Sind doch die Mazzoth aus Palästina von der Saat des Weizens bis zur Verpackung und Versendung ein Ergebnis jüdischer Arbeit auf jüdischem Boden. Da für ihre Herstellung die modernsten technischKl. und hygienischen Hilfsmittel angewendet werden, ist tfu erstklassiges Produkt auf den Markt gekommen, das überaus schmackhaft und wohlbekömmlich ist; die nach Europa exportierten Palästina-Mazzoth sind garantiert heurige Ware; ebenso wird auch für durchaus reelles Gewicht Gewähr geboten. Es ist daher in jeder Beziehung ein Edelprodukt aus Erez Israel hierher gelangt, und so steht zu erwarten, daß die Juden Wiens die neueinga führten Palästina-Mazzoth herzlich begrüßen werden. Die Palästina-Mazzoth sind durch den Generalreprä« sentanten für Oesterreich Herrn Nathan Brode-tzkl Wien, 2. Bez., Leopoldsgasse 43, zu beziehen. e Moderne Mantelseide, Crepe de chine, Crepe Georgette, sowie alle modernen Seiden ftoffc in großer Auswahl und infolge kleiner Regien seV prerswert nur bei Kann & Fried, VI., Linke Wienzeile 4Q int Hose. l Kausleute, wählet den schnellsten Crepe de Chine, Crepe Georgette sowie alle moderueu Seidew Polnischen Luftverkehrs Ä.-G., Wien, 1. Bez., Tegetthossi straße 7, Telephon 71-0-64. Gin Kilogramm kostet 76 Groschen inklusive Versicherung. i1! Fi" 1.J-IÜL.J.'.'.Ü.J SCHUHMODELLHAUS LEOPOLD JELLINEK lliARGUEBITEI araau wMm iwämt ISKOTCH DRQGÜEI mfsmm In/RK. BU&GGAS5E 5.

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