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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-10 · Heft 2916 (10.4.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2916 (10.4.1927)
Date
1927-04-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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& * , tST **,■ Vierter Morgenzeitung 10. AM^W27 Rr. 2S1s sorgniser regend sei; Elemente, die nichts als Konsumenten sind, seien unerwünscht. Die rumänische Regierung fjabe die Pflicht, den nationalen Charakter der rumänischen Städte zu stärken. Die Regierung werde anläßlich der Älbändertmg des Verwaltungsgesetzes entsprechende Vorschläge unterbreiten. Sa« paMlnenstsche GemetnÜegeseh. L o n d v n, April. (I. T. A.) Das britische Kolonialamt in London telegraphierte an den Waad Leunm (Nationalrat der palästinensischen Juden), daß das Gesetz über die Autonomie der j ü d i s ch e n G e nre :i ndcn in Palästina schon in ganz kurzer Zeit von der Regierung bestätigt und in' Kraft treten wird. Erleichterungen im polnischen zwangssonntagsruhegcsetz W a r s ch a u, 9. April. In seinen weiteren Beratungen hat das Sachverständigenkomitee für Minderhcitssragen in Anwesenheit von Vertretern der interessierten Ministerien eine Reihe von Anträgen formuliert, die besonders wirtschaftliche Forderungen der Minderheiten betreffen. In der Frage der Zwangssonntagsruhe hat das Komitee bezüglich des Handelsgetverbcs einem offiziellen Kommunique zufolge beantragt, datz sämtlichen Geschäftsbetrieben ohne Unterschied der Konfession der Inhaber, in denen keine Hilfskräfte beschäftigt werden, die Möglichkeit gegeben werde, am Sonntag durch zwei, bzw. drei Stunden die Geschäfte ofsonzuhalten, und zwar sollen die sonntäglichen Berkaufsstunden für die Lebensmittelgeschäfte von IO bis 12 Uhr vormittags, für alle anderen Geschäftskategorien von 12 bis bis 3 Uhr nachmittags angesetzt werden. WARNUNG! Bansaflsaag Lassen Sie sich nicht andere Erzeugnisse auf drängen. Verlangen Sie überall nur Simm MazzoliuGrieß die als vorzüglich, schmackhaft, hygienisch einwandfrei erzeugt, bestbehannt sind und wegen ihrer Güte und Billigkeit allgemein bevorzugt werden! Froher J^essash — nur mit Sfrum-tfazzoilt es Wer einmal Strum-Mazzoth genießt, nimmt keine anderen I ® Die Mazzoth-Bäckerei H. STRUM, II., Rotensterng.il, Bi steht unter Aufsicht des ehrw. Rabbinats der lsr. Kultusa gemeinde Wien. Besonders in ritueller Hinsicht sind Sj Strum-Mazzoth unbedingt einwandfrei. Die Erzeugung B, erfolgt mit eigens konstruierten, patentamtlich ge- » schützten Maschinen (Ofen) auf elektrischem Wege. m Das ganze Maschinenmaterial wird von eigens hiezu stündlich vollständig gereinigt und ausgewechselt. Achten Sie auf die Stampiglie: „H. Strum“, die auf jedem Paket ersichtlich ist. Mazzofh-Bäckerel H. STRUM Wien, II., Rotensterngasse 11 BISSZSSBEKSSffiKBa&BB&SBaBBBBBSHBBBIH&BBBBH m H a « n , ri alle möglichen Wer därchremacht hat und trotz großer biätischer Entbehrungen keine Gewichtsabnahme erzielen konnte, versuche Dr. HoffbauerS EutfettuttgStabletteu, die vor allem keine Aenderung der gewohnten Lebensweise verlangen und in kürzester Zeit Gewichtsverminderung bewirken. — Depot: Apotheke H. Bayer, Wollzeile Nr. IS 1 Die Forderung der jüdischen gowerblichen Genossenschaften, daß in den gewerblichen B e t r i e - hcn, .in denen am Samstag die Arbeit aus religiösen Rücksichten ruht, am Sonntag gearbeitet .werden könne, wurde mit der Begründung abgelehnt, daß der Sonntag gesetzlicher Arbcitsruhetag für alle Arbeitcrkatcgorten ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses fei. Die letzte Entscheidung über diese Anträge wird über Antrag der interessierten Ministerien das wirtschaftliche Komitee des Ministerrates zu sprechen haben. Me man in Mn gegen den Hakenkreuz« Terror vorgeht. Berlin, 8. April. (I. T. A.) Aus Köln wird ge. meldet: Die Kölner Ortsgruppe der Nationalsozialisti.* scheu Arbeiterpartei einschließlich ihrer Nebenabkeilungen ist auf Anordnung des preußischen Innenministers wegen Beteiligung an den Vorfällen in Nastätten am 6. März 1927 als aufgelöst zu betrachten. Jeder Versuch, sich weiter zu betätigen oder in anderer Form aufzutreten, wird mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verhindert werden. Bekanntlich hatten die Kölner Nationalsozialisten einen Sturm auf ein jüdisches Wahllokal unternommen mh Personen durch Messerstiche verletzt. Boykott-Propaganda ungarischer Fasristen. Budapest, 7. April. (I. T. A.) Im Verlauf der Diskussion über den Staatsvoranschlag im ungarischen Abgeordnetenhaus riefen die Ausführungen des sozialdemokra.- tischen Führers, Abg. P e y e r, über die in Salgotarjan existierende fascistische Organisation „'S a s o k" lebhaftes Interesse hervor. Einer der Kommandanten dieser Formation sei ein ehemaliger Kommunist. Jetzt erlasse er im eigenen Wirkungskreise Befehle und Verordnungen. In einem dieser Befehle werde die Bevölkerung aufgefordert, jüdische Kaust lcute zu boykottiereu. Das traurige an der. ganzen Sache sei aber, daß die Regierung diese. Bestrebungen unterstütze. Am Schlüsse seiner Ausführungen forderte der Redner eine liberalere Handhabung der Answeisungen, indem er einen diesbezüglichen Beschlußantrag cinreichte, worin ausgesprochen wird, daß alle im besetzten Gebiet geborenen Personen, die sich seit dem Jahre 1914 in Ungarn aufhalten). als ungarische Staatsbürger qualifiziert und nicht misgewiesen werden können. * Neuerliche Berurteilung der Anarchisten zaero nnd Banzetti. Boston, 9. April. Zacco und Banzetti wurden heute vom Gericht erneut zuw Tode vserur testlt. Das Urteil soll in der am 10. Juli beginnenden Woche vollstreckt werden. Beiden Angeklagten wurde gestattet, eine letzte Erklärung abzugeben. Beide erklärten sich für unschuldig. Seite 4 Wien, Sonntag Mische Wählerversammlungen. Heule Sonntag, den 10. April 1927, 10 Uhr vormittags, £afc Astor, 2. Bez., Praterstraße 60. Redner: Tr. Leopold Plaschkes, Dr. Tesider Friedma n n. 10 Uhr vormittags, Cafe Metropol (Auto), 9. Bez., Bergrlfse 33. Redner: Dr. Georg Weiner, Dr. Leo Goldammer, Dr. Israel W a l d m a n n. 10 Uhr vormittags, Cafe Kosmos (Lurion), 7. Bez., Licbensterngasse 42. Redner: Dr. Engen F e l i x, Dezirksrat Noritz K o h n, Ing. R. Stricker. li Uhr vormittags, Machsike-Hadath, 2. Bez., Schiffamtsrasse 20. Redner: Tr. Israel Taubes, Dr. Leopold plaschkes. Morgen Montag, den 11. April 1927, 9 Uhr abends, Altes Rathaus, 1. Bez., Wipplingerstraße 8. Redner: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Dr. Tesider Friedman n. 8 Uhr'abends, Cafe Esplanade, 9. Bez., Alserbachstraße 41, koutcrräin. Redner: Löbl Taubes, Dr. Josef Löwcnh c r z. 8 Uhr abends, Bolksbibliothek „Zion", 2. Bez., Glockenpafjc 30. Redner: David Nebenzahl, Ing. Robert Stricker. 8 Uhr abends, Restauration Barschak, 2. Bez., Große Echiffgasse 3. Redner: Tr. Leopold Plaschkes, Löbl Taubes. 8 Uhr abends Winzigs Lvuisen-Säle, 10. Bez., Favoritenstraße 111. Redner: Tr. Josef Pollatschek, Tr. Tesider Friedman n, Tr .Leopold Plaschkes. 8 Uhr abends, Cafe Neptun, 20. Betz., Gausplatz 7. Redner: Dr. Israel W <ildma n n, Ing. N. S t r i ck c r. 8 Uhr adends, Cafe Palace, 6. Bez., Mariahil-seiftraße 99. Redner: Erna Patt a l, Dr. Otto Adele?, Dr. Josef L ö m e n h e r z. Mittwoch, den 13. April 1927, 8 Uhr wü-ends, Cafe Fetzer, 2. Bez.. Praterstraßc 8. Redner: Dr. Israel Wald mann, Dr. Josef Löwe n h e rz. 8 Uhr abends, Central-Keller, 2. Bez., Taborstraße 8a. Redner: A. M. Ehrlid), Dr. Leopold Plaschkes, Ing. R. Stricker. 7 Uhr abends, Hotel Glüh. 2. Bez., Hollandftraßc. Redner: Bezirksrat P -l a s ck) >k e s, Ing. R. Stricker. 8 Uhr abends, Cafe Lovrana, 3. Bez., L-öwcngasse 36. Redner: Kommerzialrat Mar Mar-ius, Dr. Leo Gold- Hammer, Dr. Tesider F r i e ü m a n n. Sine Mahnung an die mmanMe Studentenschaft. Bukarest, 7. April. (I. T. A.) Unter der Ueberschri'b „Regierung und Studenten" veröffentlicht das offizielle Organ der rumänischen Regierung „Jndrcptarea" eine Mahnung an die Studentenschaft, in der es u. a. heißt: Die Studenten dürfen nicht die Arbeit der Regierung durch Nuhestörnngen erschweren. Wenn die Studenten weiterhin sich dem höchsten und ersten Gesetz des Landes, der Ordnung, nicht Unterwerfen wollen, werden sie nur ihrer eigenen, Sache schaden, da keine Regierung, niag sie,auch noch so wohlwollend der Jugend gegenüberstehen, es dulden könne, daß sich Zustände einbüvgern, die. das Prestige und die Sicherheit des Landes gefährden. Wir tvollen nicht glauben, daß die heutige Hochschuljugend die Stimme der Zeit, trelche die stimme des Vaterlandes ist, nicht hören will. Minister Goga gegen vre Fremden. Bukarest, 7. April. (I. T. A.) Im rumänischen Senat wurde gestern über die Stellung des Staates zu den Minderheiten debattiert. Senator Gradistcanu wies darauf hin, daß Rumänien vier Millionen Fremde beherberge, wäh- ■uenb zlvei Millionen Rumänen im Ausland: leben. Er forderte Entnationalisierung der Minderheiten und Erleichterung für die Niederlassung rumänischer Kaufleute in den Städten Siebenbürgens, die sämtlich eine fremde Mehrheitsbevölkerung haben. Den f r e m d e n E l e m e n t e n, vie auswandern wollen, sollen keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Innenminister Goga stellte namens der Regierung fest, daß der starke Fremdrnzustronr nach Rumänien beverbreitet ioar, in hohem Ansehen stand. „Ich habe zum Beispiel gesehen", berichtet er, ,/a£e einer der Unfern, Eloazar mit Nanien, in Gegenwart des VespasianuS, seiner Söhne, der Obersten u.nd der übrigentzKrieger, die von bösen Geistern Besessenen davon befreite. Er hielt unter die Nase des Besessenen einen Ring, in welchem, eine von den Wurzeln eingeschlossen war, die Salomo angegeben hatte, ließ den Kranken daran riechen und zog so den bösen Geist durch die Nase heraus. Der Besessene fiel sogleich zusammen nnd Eleazar beschwor dann den Geist, indem er den Namen Salomos und die von ihm herrührenden Sprüche hersagte, nie mehr in den Menschen znrückzukehren. Um aber den Anwesenden zu beweisen, daß er wirklich eine solche Gewalt besitze, stellte Eleazar nicht weit davon einen mit Wasser gefüllten Becher auf und befahl dem bösen Geiste, beim Ausfahren diesen umzustoßen und so die Zuschauer davon zu überzeugen, daß er den Menschen verlassen habe. Das geschah auch in der Tat und so wurde Salonros Weisheit kund." Diese merkwürdige Stelle im Josephus ist mit der Angabe in der Apostelgeschichte in Parallele zu setzen, wonach Jrcken Exorzismus getrieben hätten. Der vorherrschend rationalistische Talmud kennt die Tätigkeit her Exorzisten, wie überhaupt den, in den Evangelien vertretenen Begriff „Besessenheit", nicht. Ins Kapitel der Medizinischen Magie gehört auch der weitverbreitete Glaube an die Zaubernmcht der Alraunwurzel, Mandragora, und an die Gefahr, die beim Einsarrrmelu der Wurzeln droht. „Nähert man sich ihr", erzählt Josephus, „und will sie anfassem, so ist es schwer, sie festzuhalten, da sie sich sortbewegt und nicht eher stehen bleibt, als As Man den Harn oder das monatliche Blut eines Weibes auf sie gießt. Aber auch dann zieht die Berührung dw sicheren Tod nach sich, wenn man die Wurzel nicht so trägt, daß sie von der Hand herabhängt. Man kann sie rMigens auch aus eine andere, ungefährliche Weist gewinnen" und zwar so: Nachdem man sie ringsum durch Graben derart gelockert hat, daß nur noch ein kleiner Teil der Wurzel in der Erde steckt, bindet man einen Hund daran. Wenn nun das Tier dem, der es angebunden hat, schnell zu folgen strebt, wird die Wurzel leicht vollends herausgezogen. Der Huiid aber stirbt auf der Stelle, gleich-- sam als stellvertretendes Opfer für den, der das Gewächs nehmen wollte. Jetzt übrigens hat der, in dessen Hand die Wurzel gerät, nichts nwhr zu befürchten. Trotz dier großen Gefahr beim Einsam'meln der Wurzel wird sie, um einer besonderen Eigenschaft willen, aifrig gesucht.' Die sogenannten Dämonen nämlich, d. h. die Geister böser Menschen, welche in die Lebenden hineinfahren, werden durch jene Wurzel sogleich vertrieben, selbst wenn nran sie nur in die Mhe der Kranken bringt." Der Blinde. Von Romain Rolkand. *) i In ihrem Abteil tvaren nur zwei Männer, Franzosen: ein junger Leutnant, im Gesicht verwundet, mit schwarzer Binde über den Augen und vermummtem Kopfe; ein Krankenrvärter fährt mit ihm. Der letztere, ein robuster Bnrsch vom Lande, gleichgültig, abgestumpft gegenüber Leiden (er hatte dergleichen so viel gesehen!). Sobald er seinen Kranken rocht nnd Mecht in einer Ecke verstaut hatte, kümmerte er sich nicht Wettet um ihn. Zunächst kante er ein paar Schinkenschnitten, trank aus der Weinflasche, dann zog er seine Treter aus, streckte sich der Länge nach auf die gegenüberliegende Bant und schnarchte. Der Kranke saß auf derselben Seite ivie An- *) Aus dem soeben erscheinenden dritten Band von Romain Nvllands RvmattwerL „Verzauberte Seele", den der Dichter „Mutter und Sohin" betitelt, bringen wir mit Erlaubnis des Verlages Kurt Wolfs einen ergreifenden Abschnitt zmn Vorabdruck. nette. Sie sah, wie er n mH ertastete, sich mühsam erhob> im Gepäcknetz über seinem Kopfe etwas suchte, ohne es zu finden, sich seufzend wieder setzte. Sie fragte: „Sie suchen etwas? Kann ich Ihnen helfen?" Er dankte. Er wollte Pulver einnehmen, um oin Stechen in der Stirn zu beruhigen. Sie gab ihm die Arznei mit ein bißchen Wasser ein. — Beide flöh der Schlaf. Im Tosen des holpernden Zuges kamen sie ins Gespräch. Neben dem Kranken sitzend, sicherte sie ihn gegen das Stoßen des Wagens; über seine fröstelndeir Knie hatte sie eine Decke gebreitet. Diese mitfühlende, .Gegenwart belebte ihn. Und er tat wie fast alle, sobald sich das Erbarmen einer Frau über sie neigt: er schloß sich! aus, und bald beichtete er tvie ein Kind. Er vertraute ihr Dinge an, die kein Mann von ihm erfahren hätte und vielleicht nicht einmal Annette, wenn er sie hätte sehen können. Eine Kugel hatte ihm beide Schläfen durchbohrt. Erblindet war er zwei Tage auf dem. Schlachtfelde gelegen. Langsam schien die Sehkraft tviederzukehrcn. Dann aber hatte sie tvieder abgenommen. Das Licht erlosch ihm für immer. Mit diesem Verluste verlor er alles. — Er war Maler. Licht war sein Hab und Gut, sein Brot. Und man wußte nicht einmal, ob die Zerstörung nicht auch ans das Gehirn übergreiscn würde. Schmerzen folterten Das war noch gar nichts. Die Seele lag in Agonia In tiefer Nacht vergoß sie tränenlos blutigen Schweiß.,. Sie hatte nichts mehr. Mes lvar ihr genommen. Ohne Haß war er in den Krieg gezögert, aus Liebe zu den Seuren, zu den Menschen, zur ganzen Welt, zu den heiligen Ideen. Es galt, den Krieg zu töten. Es galt, die Menschheit davori zu befreie». Sogar die Feinde. Er träumte davon, ihnen die Freiheit zu bringen. AkleS hatte er hingegeben. Die Welt hatte ihn genarrt. Zu spät merkte er die schauerliche Ungerechtigkeit, die schmutzig«

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