Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2916 (10.4.1927)
- Date
- 1927-04-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie», Smmkrg Wiener Morgen-ettung Nr. 2916 lt). April 1927 'SStrr'3 Mische Studenten und Studentinnen! O 9 ft Shit noch zwei Wochen trennen uns von den Wahlen. Habet ihr vergessen, Latz ihr an den Hochschulen schutzlos dem Antisemitismus auSgoliefert seid? Wisset ihr nicht, daß ein Gesetz in Vorbereitung ist, das euch zu reglosen akademischen Bürgern erniedrigt? Begreifet ihr, daß nur bewußt jüdische Vertreter, auf jüdisches Programm gewählt, »»re Interessen vertreten können? Ihr dürft nicht untätig abseits stehen, wenn eS um eure Rechte und um eure Ehre geht. Wir fordern euch auf, euch vollzählig in den Dienst der iK/A^h/Änii/ÄCrhp judffchen Sache zu stellen und au der Wahlarbeit tatkräftig VV L/virväl IWO^Vil lt. I i1%J M tefizunehmenl Werbet für die „Jüdische Lifte"! Da§ Wahlkomitee der jüdischen Studentenschaft. würde Sie der Wert Ihrer Anmeldungen zur Mitarbeit werden entgagen-geniRN-- men: a) Mensa academica judaica, 9. Bez., Zirmnernmnuplatz 8, bei Frl. Braunstein, täglich von 12 bis 6 Uhr. b) In der Lese- und Nedchalle jüdischer Hochschüler, 9. Bez., Dürtenstratze 9, täglich von 4 bis 10 Uhr. c) Im jüdischen Wahlbureau, 2. Bez., Tabovstrahe 1,12 während des ganzen Tages. d) Im jüdischen Agitationslokal, 9. Bez., Glasergasse Nr. 4 a (Souterrain), täglich von 8 bis 6 Uhr. .§ Damanhemden . . S Her rer.» Beinkleider S ComWnattons . .5 Kragen.S 3 Dutzend Taschentücher .$ 16 Paar Strample und Socken .... 2 Pyjama. 2 Betten, überzogen, 1 Tischzeug, wem . 1 Tischzeug, farbig . Kfnderwüsche .... Erscheinet alle in den Jugendversammlungen, in wcl- Handtücher lind Bade was M die Wische Jugend Wiens! Seid ihr als Zi o n i st e n an den Wahlen interessiert oder nicht? Ueberldgt das selbst, nachdem ihr die Ausführungen eurer Freunde gehört habt. che» Studenten zu euch sprechen -verdenk Das Wahlkomitee der jüdischen Studentenschaft, sehe Küchenwäsche zu NEH 8 M lsche von seht Tagen de! einer vterköpfigen EaroiHe. Und dabei ist die Rechnung lange njeht vollständig u. site werden darauf so manches vermissen. Haben Sie daran je gedacht, wenn Sie Ihre Sachen der Wäscherin übergeben, ihrem Schalten und Walten ganz überlassen? Haben Sie je bedacht, was für Ersparnis es bedeutet, wenn Wäsche statt in werden, jedesmal un- Jüdffche Jugendversammlungen finden statt: Dienstag, den 12. April, 8 Uhr, in: Saale der Zionistischen Bezirksorganisation, 20. Bt>z., Jägerstraße 30,^^,. Zejt fadenscheinig Stock. R»s-,L°nd--. Präsident in Ihren Schrank zurückkehrt? Zwnistri ch-Akad emy chen Landesverbandes; Leo Menr Z e r, Präsident der Lese- und Redehalle jüdischer Hoch- Ueberiassen sie es nicht der Wäscherin, ein beschwer. iebiges Waschmittel zu wählen i Lassen Sie sie nicht Mittwoch, den 13. April, 8 Uhr, im Saale der zioniim unrichtigen Fleck, an der Seife, Sparern Erlauben stkschen Bezirkssektion, 2. Bez., Zirkusgasse 33. Referenten: sie nicht, daß ihre kostbare Wäsche gerumpelt und CHainr Gelber, Präsident des jüdischen Hochschulausgebürstet wird. WO . Einweichen Im reichen Rinsofchufses; David Buspau N, Senior deö I. A. V. „Jvria". dasselbe zuwege dringt und ihnen die Be- Donuerstag, den 14. Apr.il, 8 Uhr, in der Lese- und Nedchalle jüdischer Hochschüler. 9. Bez., Türkenstraße 9. Referenten: Dr. Smunel Schmerler, Mitglied des jüdischen Hochschulansschusies; Chaim Gelber. In das Nestanrant „Zur goldenen Glocke" in der Neubangaffe im 7. Bezirk, war für Donnerstag abends eine jüdische Versammlung cinberuscn. Schon vor der Eröffiuing war der Saal dicht besetzt. An 1000 jüdische Wähler des Bezirkes hatten sich eingefunden. Die Referate der Redner, Qbevbaurat Stricker, Dr. Eugen Felix, Doktor Max Bernhard und Bczirksrat Moritz K o h n wurden mit stürmischen! Beifall ausgenommen. Die schivächlichen Einwendungen eines sozialdenwkratrschen Gegenredncrs wurden leicht abgefertigt, und die Versammlung beschlos; fast einstimmig, am 24. April für die jüdische L i st e einzutreten. rcihigung gibt, daß nichts Scharfes mit der Wäsche in Berührung kommt auch kein Sauerstoff oder sonstiges Bleichmittel, welche die Wäsche rücksichtslos weißen. Was besonderer Behandlung bedarf, legen Sie für die Lux- WSsche auf die Seite. Eln Beitrag zur jüdischen Geschichte der Medizin. Von Prof. Dr. Max Neuburger. rinnet Einladung der „Sozialen Vereknigung -• ncber Merzte tu Wien" Reit der berühmte Gelehrte einen überaus interessanten "Vortrag über 'dieses Thema. Wir sind in der Lage, aus den tiefgründigen Ausführungen Professor Neuburgers n ich dein uns zur Verfügung gestellten Manuskript die wichtigsten^ldschnitte zu verbfsentlicken. 1. Z u m K a p i t e l: „M odizinischeMa g r-e". So ansehnlich die ärztlichen Literaturdenkmäler des klassischen MertumS -sind, so reichen sie doch keineswegs aus, um allein als Quelle unserer Kenntnis der griechischen und römischen Medizin dienen zu können. Für manche Epoche, für manche Spezialfrage geben, die ärztlichein Schriften ivenig oder gar keinen Aufschluß, ivährend Jrtschrtfteu, Münzen, Kuustgegeustiindo, namentlich aber die Werke von Dichtern, Philosophen, HistoÄkern mehr oder utiuöer Anhaltspunkte bieten. Was wüßten wir ohne Ilias und Odyssee, wie das ärztliche Können zur Zeit Homers beschaffen war? Wer anders als Thukydtdes berichtet von der Seuche zur Zeit des peloponnesischen Krieges, wie vieles hat die Geschichte der Medizin aus Plato und Aristoteles gesclstjpft, wie vieles aus Cicero, auö PliniuS, welch reichen Einblick in die ärztlichen Standcsverhältnisse gewähren die Spöttereien eines Martial und Juvenal? Was wüßten wir ohne Snctonins vom Cäsarernvahnsinn? Diese Erwägung rechtfertigt es wohl, die literarische Hinterlassenschaft des einzigen jüdischen HistonkerS ans dem Altertunt auf ihren medizinischen Inhalt zu prüfen, wobei noch besonders zwei Umstände ins Gewicht fallen: der nicht religiöse Charakter der Schriften des' Josephus Flavins und deren Abfassungszeit vor dem Beginn schriftlicher Niederlegung des T a l m u d s. * In jeder der Schriften des Jvsephus finden sich Stellen, die medizingeschichtlich von Interesse sind, selbst sein Sprachschatz entbehrt Nicht der Redeweirdungen mit medizinischem Anklang. So vergleicht er gewisse Zustände im Staatsleben mit einer Krankheit und denkt an eine seucheMriige Verbreitung von Ideen, wiederholt bringt er politische Vorgänge in Parallele Mt Entzündung oder Fieber. Einige Male kommen Analogien ans deni Gebiete der Chirurgie vor; so erinnert ihn die Anzündung und Einreißung der nordwestlichen Tempelhalle durch die Juden im Verzweiflungskam Pf mit den Römern daran, daß man branoiggewordme Körperteile , amputiere, um das Fortschreiten des Krankheitsprozesses zu hemmelr. In bezug auf diese Vorliebe für nredizimsche Gleichnisse, in bezng auf die Anbringung medizinischer Kenntnisse bildet JosephuS durchaus keine auffallende Erschchnung irr der griechischen und römischen Literatur. Josephrcs lvar aber zur Berücksichtigung medizinischer Fragen im besonderen Grade veranlaßt, weil sich der Inhalt seiner Geschichte des jüdische« Volkes zum großen Teile mit dem historischen Inhalt der Bibel deckt, in der ja bekanntlich die Hygiene eine große Rolle spielt, gelegentlich auch medizinische Andeuttllngen Vorkommen. So sehr die medizinischen Stellen im Josephus mit den einschlägig '.! Sellen der Bibel im allgenteinen ühereinstünuren, so finden UDS jinnuHiii inillLlij i2||p!p|!S sich doch manchmal nicht ilnbedeutende Divergenzen, Was daraus zu erklären ist, daß Josephus auch die Septnaginia, nicht den hebMschen Urtext allein, benützt, wozu rwch halachische oder hagadische Zusätze konim'en und daß Josephus hie und da rationalistische Erklärungen hinznsetzt oder als Apologet den Text modifiziert. Die Med'izin in der Bibel Md die Medizin im Flavors Josephus decken sich nicht an allen Stellen. Unabhängig von der Bibel, aber jedenfalls ans alter TrMtion schöpfend, schreibt Josephus deur König Salomo die Kenntnis deS gesamten Heilapparats und der nia gischen Therapie zu: Gott lehrte ihn, sagt er, auch die Kunst, böse Geister zmn Nutz und Heil der Menschen zn bannen. Salomo verfaßte nänrlich Sprüche zur Heilung von Krankheiten und Beschwörmtgsformeln, mit deren Hilfe man die Geister derart bändigen und vertreiben kamr, daß sie nie mehr zurückkehren. Bon Salomos Wunderkriaft erzählt auch der Midrasch und nach der Art, wie Josephus von den Salomon'schen Zauberforineln spricht, könnte man schließen, daß sie in Büchern ausgezeichnet waren. Eine UebeMefermtg, die sich sowohl in der MWna als biei byzantinischen Autoren findet, berichtet, daß der fronünir König Hiskia das Heilnttttelbuch Salomos dein Gebrauch entzogen habe, weil das Volk sich darauf verlassen und darüber das EWet zu Gott venrachlässigt habe. * - Es sei übrigetrs bemerkt, baß unter Saloinos Nannm Zaubersprüche, ja ganze Zanberbücher durch das ganze christliche Mittelalter überliefert wnrdeir. Erhallen ist noch das aus christlichen Kreisen stannnendc Testainentmn Salomonio. Ausdrücklich hebt Josephus hervor, daß die ant io ä ln o n i st i sche, m a g i s ch e B h a u d l n n gSweise von Kranken unter oeu Juden seines Zeitalters sehr