Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2915 (9.4.1927)
- Date
- 1927-04-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Samstag 7&Un*t Msrg«!»-ett««g SMe - '.'IV. | OR!§CNGLRA61ANSs72.- *( LETZTE FASSON \ Heinrich Weinberger, Wien, I., Singerstraße Kr.6 clausus. Den Beweis für diese amüsante Dehauptunschenkte er sich. Mit diesen Ausführungen schloß die Versammlung, die wohl jedem Anwesenden, d-er nicht parteimäßig gebunden ist, gezeigt hat, was man von der „Demokratie" der' .Demokraten" zu hakten hat. Mische Withlerversammltmgen. .Heute abends finden die folgenden jüdischen WShlerversammlungen statt: y28 Uhr abends, Säle des Dcutschmeifter-Schützenvercines, 9. Bez., Albertgassc 43. Redner: Dr. Leopold P l a s ch k e s, Dr. Max Bernhard und Dr. Desider Friedmann. — 8 Uhr abends, Wiener Bürger-Cafe, 2. Bez., Praterstraße 11. Redner: David Nebenzahl und Dr. Josef Löwen her z.— Schmicdts Restauration „Zur Sängerhalle", 2. Bez., Prater 181/ neben dem Polizeikommisfarkat. Redner: Dr. Israel Waldmann, Doktor Georg Weiner und Döbl Taubes. — Volksbibliothek „Zion", 2. Bez., Glockengasse 30. Redner: Dr. Dagobert Rybaczewski, Dr. Leo Goldhammer und Dr. Leopold P l a s ch k e s. — Verein „Nasche Hilfe", 2. Bez., Josefinengasse 7. Redner: David Neöenzahl und Oberbaurat Ing. Robert Stricker. — Volksküche, 20. Bez., Kluckygasse 7. Robert Stricker und A. M. Ehrlich. Morgen, Sonntag: 10 Uhr vormittags: Cafe Astor, 2. Bez., Praterstr. 60. Redner: Dr. D. Friedmann und Dr. L. Plaschkes. — Cafe Auto, 9. Bez., Berggasse 33. Redner: Dr. Israel Cafe Auto, 9. Bez., Berggasse 33. Redner: Dr. Israel W a l d m a n n, Dr. Leo G o l d h a m m e r und Dr. Georg Weiner. — Cafe Kosmos, 7. Bez., Siebensterngasse 42. Redner: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Dr. Eugen Felix und Bezirksrat Moritz Kohn. — 11 Uhr: Machsike-Hadath, 2. Bez., Schlffamtsgasse 20. Redner: Dr. Leovold P l a s ch k e s und. Dr. Israel Taubes. Versammlung ver Wischen Studentenschaft., In der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler fand am letzten Donnerstag eine stark besuchte Versammlung j ü bischer S t u d e n t e n statt, bei der Oberbaurat Stricker und Dr. Leo Gold Hammer über die besonderen Interessen der jüdischen Studentenschaft an den Wahlen referierten. Unter dem Eindrücke dieser Reden entwickelte sich eine sehr lebhafte Diskussion, die zur Bildung eines eigenen Wahlkomitees führte und bei welcher Gelegenheit sich auch zahlreiche Studenten für die Werbeaktion zur Verfügung stellten. * Alle jüdischen Studenten und Studentinnen werden , hiemit aufgefordert, sich zur Teilnahme an der Wahlarbeit zu melden. Anmeldungen werden a) in der Mensa aoademiea judaica, 9. Bez., Zimmermannsplatz 8, bei Fvl. Braunstein, täglich von 12 bis 6 Uhr, und b) in der Lose- und Redehalle jüdischer Hochschüler, 9. Bez., Türkenstraße 9, täglich von 4 bis 10 Uhr abends, entgegengenommen Tagesbericht. Vorläufige Beiles««« des Amte« Konfliktes. SvrMieyvng des UNimatruss. Nachdem schon als Ergebnis der letzten im Ministerium für soziale Verwaltung stattgefundenen Verhandlung zwischen der Regierung, den Kassenvertretern und der Aerzteschaft eine wesentliche Annäherung in den strittigen Punkten erzielt wurde, ergab eine gestern stattgefundene nähere Aussprache der Aerztevertreter mit der Regierung eine Uebereinstimmung der Aufsagung, daß hinsichtlich des Schutzes dex erworbenen Rechte der Kassenärzte die Forderungen der Aezteschaft in eine fü sie bef iedigenden Weise erfüllt werden können. Mit Rücksicht darauf erklärte sich der Präsident des Reichsverbandes österreichischer Aerzteorganisationen, Obersanitätsrat Dr. S t r i tz k o, bereit, eine Kommission gemeinsam mit den Vertertern der Kassen zur Bereinigung der noch restlichen Streitfragen zu beschicken. Hinsichtlich des zweiten Teiles der Forderungen der Aerzte erklärte sich die Regierung bereit, die von den Aerzten aufgestellte Forderung hinsichtlich der Altsschaltung der Nichtbedürftigen von der verbilligten Aerztehilfe einer ernsten Prüfung vom sachlichen Standpunkte zu unterziehen und auf Grund des Crgebnisies eventuell unter gleichzeitiger Mitteilung geeigneter Gegenvorschläge ehestens die Verhandlungen über die aufgeworfenen Fragen mit der Aerzteschaft einzuleiten. Aus Grund dieses Ergebnisses wurde von der Aerzteschaft die Zurückziehung des Ultimatums in Aussicht gestellt. Der Konflikt mit der Bundesbahn-Krankenkasse wegen der Kündigung der zahnärztlichen Verträge erdgab keinerlei Annäherung der gegensätzlichen Standpunkte. Doch wird die Aerzteschaft in diesem Punkte mit Rücksicht auf das Ergebnis in den anderen Fragen eiane Fristerstreckung über die Anwendung gewerkschaftlicher Mittel bewilligen, um nochmals den Versuch zu machen, im Wege weiterer Verhandlungen eine Einigung in diesem Punkte zu erzielen. Absage Tirols au Wer. Adolf Hitler hat un'angst in M ü n ch e n über Südtl.ro>. gesprochen. Seine Aeußerungen haben die Tiroker völkischen Vereine ganz ans dem Häuschen gebracht. Sie 'richteten an Hitler ein Schreiben, in dem es unter anderem heißt: DSie haben über Südtirol gesprochen und erneut J'-ren Verzicht aufd iefes Gebiet erklärt, wofür Sie Mussolinis Freundschaft erkauft haben. Die zynisch freche Art, mit der Sie überhaupt über die Südtiroler Frage hlnmeggehen, hat in allen völkisch gesinnten Kreisen lebhafte Enlpörung hevdvrgerufen. Vor allem mange't Ihnen die allerbescheidenste Sachkenntnis, um über derartige politische Fragen sprechen zu können. Mr raten Ihnen! Lassen Sie Ihre Hände weg von dem reinen, heiligen Tirol!" WSgrvorrichtung «ab Fahrvorrichttmg. Ein Beschluß deS österreichischen Ministerrates. Amtlich tvird verlaittbart: Um die im schriftliche!: Berühr von ' maßgebenden Stellen des öffentlichen mrd wirtschaftlichow Lebenö vielfach beklagten Verwechslungen der Worte „Wage" (Wägevorrichtung) und „Wagen" (Fahrvorrichtung), insbesondere^ in ihren Mehrzahlfornwn, zu vermeiden, wird über eine Anregung des« deutschen Reichsminifters des Innern auf Grund eines Be- 9. Aprk! 1927 . - . —-- — ■ -.■-=*. fchlusseS des Ministerrates die amtliche Schreibung des Wortes „SShig«" (WiegeVorrichtung) dahin abgeändert, daß dieses Wort in allen Formen der Ein- und Mehrzahl sowie in allen Mleitungen und Zusammensetzungen in Hinkunst mit Doppelte" gleich „Waag e" zu schreiben ist. Diese Schreibung wird in die amtliche Rechtschreibung für die Republik Oesterreich ausgenommen. Arftwache« ia Wien and SttederSfterretch. Vom s. dis Id. Juni. Gestern nachnlittags veranstaltete bas Festkontitee bet von der FremderiverkchrSkommisnon und den Bundesländern Wien nnd Ntereröstckrcich vorbereiteten Festwochen in Wien un» Nrct>e rosterreich tut „Hotel Imperial" einen Presseempftng. Gesandter Eduard Ludwig begrüßte die Erschrcnenett. Dann sprachen Generaldirektor Müller der Wrener Messe und der Generalsekretär der Fremdenlvcrkchrs^ kommission Dr. Kronfeld. Dre Veranstaltungen werden vom 5. bis 19. Juni stattstnden und ein reichliches Programm der Fremdenverkehrs? mdustrie zur Abwicklung bringen. Oper und Burgtyeater werden im Dienste der Festwochen stehen. Große gesellschaftliche und M o d c Veranstaltungen smvie ein reichhaltiges internationales Svortprogramm, auch ans dem Semmering, in Baden, MödllnL, Klosterneuburg und in der Wachau werden den Festtagen das Gppräge geben. Für die Teilnehmer an den Festwochen wurden zahlreiche großzügige Begünstigungen in bezug auf Fahrpreisermäßigungen und zum Besuch von SelMswüroig- Ceiteu zugesichert. Das Wiener Stadtbild wird sich im Zeichen festlicher Gala präsentieren. 2er befreite Fuß der Wnefio. „Noch vor zwanzig Jahren," so schreibt Professor W. E. Soothill, der bekannte Sinologe an der Universität Oxford, in der „Contemporary Review", traf man gebildete chinesische Müdchen mit natürlich entwickelten Füßen ausschließlich in den Missionsschulen. Damals hatte noch die Hälfte der weiblichen Bevölkerung des Landes, rund hundert Millionen Frauen und Mädchen, die zu Hufen verprüppelten Füße. Seitdem hat sich dieses BerMtnis jedoch gründlich geändert. Wenn es noch eines Beweises für den gewaltigen Fortschritt bedurfte, der sich im chinesischen Leben vollzogen hat, so würden ihn die zahlreichen Firmenschilder an den Geschäften erbringen, in denen Damenschuhe verkauft werden. Noch vor zwanzig Jahren waren diese Läden in China völlig unbekannt. Heute gibt es keine Stadt, die nicht ihren Schuhladen für Frauen besähe. Damals war jede Frau gezwungen, ihre „Drei Zoll goldene Lilien" dazu zu verwenden, das, was von ihren verkrüppelten Füßen übrig blieb, schamhaft zu verstecken. Heute versorgt sie sich in den Schuhladen mit wundervoll gearbeitetem Schuhwerk in allen möglichen Formen, au! das sie ebenso großen Wert legt wie auf fleischfarbem Seildenstrümpfe. Und befreit wie die Füße der Chinesin, sind auch ihre rabenschitvarzen Haare, die heute nicht mehr aus der Stirn z:»rückgestrichen und am Hinterhaupt straff zusammengebunden werden, sondern sich der Freiheit erfreuen und der Bubikopfmode huldigen dürfen. Die Chinesin unterscheidet sich hierin nicht mehr von ihren Schwestern in Europa und Amerika. Die Mode der kurz geschnittenen Haare hat sich rasch und überall verbreitet, so daß man heute in ganz China und auf jeder Station der Mandschurischen und Sibirischen Bahn Frauen mit Bubikopf und Seidenstrümpfen sehen kann." New Völker Theaterbries. zlgins „Ihr Verbrecher". — Libins ..Schatten der Liebe'." - Ben Ami nnd Baratoff. — Die Saison in den letzten Zügen. Newyork, 31. März. Die Saison eilt ihrem Ende zu. In der zweiten pälfte Mai dürsten bereits alle jüdischen Theater New- Yorks ihre normale Saison abgeschlossen haben. Morris Schwartz schließt sein Kunsttheater bereits am 15. Mai, in den Sonnnermonaten wird in deur neuen Theatergebäude russisches Kino zu sehen sein; zum erstenmal werden dann in Netoyork russische Filnte abrollen, natürlich entsprechend dem Milieu meist solche mit jüdischen Stoffen, so u. a. Schvlem Alejchems verfilurter „Menachem Mendel", von den Mitgliedern des Moskauer jüdischen Kamnrerthsaters dargestellt. Bor Torschluß hatte das Kunsttheater noch eine interessante Novität. > Es brachte ein dreiaktiges Drama aus der russischen Revolution „Ihr Verbrechen" zur Aufführung, das den bekannten jüdischen Schriftsteller und Publizisten M. Olgin zum Verfasser hat. Das Werk ist Olgins erster dramatischer Versuch und ist als Theaterstück überraschend gelungen. Die Fabel des Stückes ist allerdings, künstlerisch genommen, ziemlich merkwürdig konstruiert und. hat zu beioegten Debatten in der Newyorker Theaterkritik Anlaß gegeben: Lydia Suwowa, die Tochter eines zaristischen Generals. hat sich der: Bolschewiken angeschlossen und leistet der Revolution große Dienste dadurch, daß sie gute Beziehungen mit der: „Weißen" hält, welche im Jahre 1919 im Süden Rußlands vordrangen. Der Kommandant der sveißen Truppen will Lydia -besitzen, sie weigert sich. Wie sie jedoch erführt, daß ihr Geliebter Mattv>ej, der -in wichtiges Komnvandö bei der .roten Truppe hat, den Mißen irr die .Hände gefallen ist, zeigt sie sich beröit, das Verlangen des weißen Kommandanten zu erfüllen, unter der Bedingung, daß Matwej freikommt. Die Beditrgung wird erfüllt, doch Lydia kann an Anatol Knrbfki, dem sie das Versprechen gegeben hat, die Freilassung Mattvejs mit ihrer Hingabe zu vergelten, diesen Preis nicht bezahlen. Sie tötet ihn, von seiner tierischen Lust airgewidert. An diese „Tosca"-Fabel schließt sich eine überraschende Wendung: Die Bolschewiken, welche die Stadt, in der sich Lydia befindet, wiedererobern, werfen ihr vor, daß sie durch ihre Tat die Armee gefährdet habe; wäre es ihnen nicht durch Zufall gelungen, die Stadt wieder zu nehmen, so wäre Lydia umgekommen und den Weißen wären wichtige Informationen in die Hände gefallen. Daher kommt Lydia vor Gericht, sie wird — auch miit der Stimme ihres Geliebten — verurteilt uttb aus der Partei ausgeschlossen, da sie ihr persönliches Gefühl höher als die Interesses» der Partei gestellt hat. Die Debatten über diese Fabel sind wohl müßig; denn der Schluß ist — um kein ärgeres Wort zu gebrauchen — peinlich; aber Olgin hat diese Handlung mit ganz ausgezeichtreten dramatischen Zügen versehen, denen das Stück auch seinen Erfolg verdankt. Zu ihm trugen Berta Gersten, Mlf Goldfaden und Morris Schwartz durch ihre auf Effekt gearbeitete Darstellung nmnches bei. Ein anderer dramatischer Erfolg der letzten Wochen ist das Schauspiel „S ch a t t e n d e r L i e b e" des bekannten Theaterschriftstellers S. Li bin, das im Lenox-Theater mit begeisterter Rührung ausgenommen lunche und en suite gespielt wird. Im Mittelpunkt des Stückes steht das Problem der psychologischen Unlösbarkeit einer Ehe, wenn ihr Kinder entsprossen sind. Libin behandelt das Problem ein wenig melodramatisch, ein Zug, der in allen seinen Stücken vorhanden ist, aber mit recht guter psychologischer Atmlyse. Sonst geht es auf den jüdischen Sprechtheateru russisch, allzu russisch her. Ben Autis Jwing-Place-KtAsttheate« hat eine nach dem Muster der Stanislawski-Aufführungen gearbeitete Dramatisierung des DostojÄvfti'schen „Idiot" herausgebracht, die von Leo nid Sniegow inszeniert wnrd.e. Ben Ami als ^Jljoscha schuf eine interessante Figur, doch im allgemeinen ließ diese Dramatisierung das Publjkum zietnlich kühl. Der russischen Mode folgend hat auch der am Schwartz'schen Kunsttheater wirkende große Charakterdarsteller Paul Baratoff (Ben Zwi), welcher für seinen Benefiz-Abend ursprünglich eine Darstellung von Henry Bernsteins Israel" angeküttdigt hatte, ein anderes Stück gätv-ählt. Er brachte Danczenkos Drama „Der Preis des Lebens". Danczenko, der vor etwa einem Vierteljahrhundert nrit Stanislawski das Moskauer Künstlerthvater gegründet hatte, hat sich durch dieses Draum, welches jetzt anläßlich Baratoffs Benefiz zum ersten Malie in jüdischer Sprache aufgeführt wurde, einen Nametr als Theaterschriftsteller begründet. Die Leistung Baratoffs ür diesem Stück übte wieder nichtigen Eindruck, das Stück selbst befremdete. Baratoff hatte vor kurzem trotz dvep> jährigen Aufenthaltes in Amerika zum crfteit Male Gelegenheit, in Newyork feinen in Europa berühmt gewordenen Jankel Schabschowitsch in Schalom Asch's „Gott der Rache" zu spielen. Presse uttb Publikum waren begeistert und stellten die Leistung des Künstlers in dieser Rolle netzen die Schildkrauts. ' , . Auch diese Borstelllmgl' ging int Rahmest eines „Beniefiz" vor sich, wie denn überhaupt die letzten Wochetr djer Saisott hauptsächlich tnU Benefiz-Vorstellungen ausgefüllt sistd, ein Uetzelstcknd, der sich im Nelvyorker MWett Theater noch instner nicht abstellen läßt. Auch die „Gasttheate^ haben Newyork ö'ereW verlassen. Die „Wilnaer Truppe"' bereist schott seit längjever Zeit die anterikanische Provittz uttb tmnmchr ist jhr auch „Habimah" gefolgt, ivelche erst in der letztetr Zeit ihres Newhorkcr AttfenthalteS ben materiellen Erfolg erzielen konttte, der ihrem künstlerischen entspricht. Die Sgifon geht in die stillett Zeiten des Sommyrs übpr.