Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2915 (9.4.1927)
- Date
- 1927-04-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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<2rtto 4 Wien, Svmstaq S. April 1 rn Nr. M» Der Prozeß um das abgehackte «eia. Las Urteil wir» voramfichtlich heute sefäüt. Der S-iisauon^prozen Marek geht seinem Ende zu. Ter (Gerichtshof hat sämtliche von der Verteidigmrg geftellteu Beweisanträge als unerheblich oder durch Sacheerständigeiispirachten nnd Zeugenaussagen bereits genügend geklärt abgelchnt. Ter Schöffensenat ist wohl der Ansicht, daß der nun schon ztvei Wochen währende Prozeß nicht ins Uferlose geführt iverdcn dürfe. Nur ein Sachverständiger aus dein Wissenschaftsgebiet der Physik, Professor T heimer kanr gestern uocf> zn Wort, um die phystkalischcn Gesetze der Hacke zu demonstrieren. 'Auch dieser Sachverständige erklärt in seinem Gutachten einen Unfall für fast ausgeschlossen. Tie Hacke sei viel zn leicht, um eine Durchtrennuug eines steheuden Fußes hcrbeizuführen. Der Fuß dürfte sich vielmehr cnlf ciuer Widerlage befmrdcn haben und wurde in mächtigem Schwung mit der .Hacke bearbeitet. Ausgeschlossen ist cs auch, daß die Hacke einntal auf den Knochen aufgctrosfeu, durch eigene Kraft die Mehrzahl der Hiebe verursacht habeir könne. Während Professor Theimer sein Gutachten aügab, wrrrde wieder das abgehackte Beirr in beu Saal gebracht und Frcur Marek verlor bei den: Anblick wieder ihre Ruhe. Sie begamr heftig zn zittern und mußte aus dcnr Saal geführt werden. Auch Emil Marek konnte nur mit Mühe das Weinen verhalten. Die Verteidigung stellte dann noch zum Schluß den Alltrag auf Einholung eines Fakultätsgutachtens, der ebenfalls abgclehnt ivnrde, w-eil die bisher eingeholten Sachverständigengutachten genügend klar und aufschlußreich sind. Vorher meldete sich Emil Marek zum Wort und sagte: „Ich bitte, Herr Präsident, das Gutachten vsir mir vertrauensvoll erscheinellden Sachverständigen überprüfe:: zu lassen, denn dieses Bein ist ja mein Eigentum es ist ja unnrr SScht Imd in dieseNl Prozeß dreht es sich ja llicht allein um die M Milliarden, wofür vor allenr die Privatbeteiligten Interesse haben, sorldern bei mir dreht es sich üm die Ehrvj Und Geftumdhei-t meiner Fram urrd u-v: weine Nachdem der Vorsntzerlde das Brireisverfcchren für ge- Wossen erklärt hatte, ergriff der Staatsanwalt Dr. Bauntann zu seinem Plaidoyer das Wort mrd führte aus: Der vvrliegelide Prozeß hat in der Oesfentlichkeit deswegen das größte Interesse erregt, weil die Angeklagten Enril Und Martha Marek nicht zu jenem gewöhnlichen Typ der Nebeltäter gehören, die wir gewohnt sürd, inl Gerichtssaat zu finden. Durch die Fülle des Beweismaterials lvird sich der Gerichtshof Wohl scholl eine Meinung über die Schuld der Angeklagten gebildet habe::. Der Staatsanwalt griff sodann auf die Triebfcher der Tat, die mißliche finanzielle Lage des Ehepaars Marek zurück und stellte die Aneinanderreihung der Vorbereitungshandlungen bis zum Mhacken des Fußes Und dann Weiher über das sonderbare Benehmen der beiden int Spital zur Diipierung der Versicheruugs-- gesellschaft und zUr Verlemndungsaffäre Mraz her. Er zog dann z'ur Bekräftigung der Schuld der Angeklagten die Sachverständigengutachten heran, an denen, wie er sagte, nicht zu ztvejifeln sei. Anfangs habe er selbst! der Ansicht zugeneigt, daß die furchtbare Verletzung von dritter Hand hervorgerusen sein könnte, doch durch die 'Sachverständigengutachten sei er überzengt worden, daß Emil Marek die Hiebe selbst mit voller Wucht gegen seinen Fuß geführt hat, der dabei auf einen Block aufgestüht war. Der SachveZständige Maresch hat dabei hecvorgehoben, daß bei einen: Schneidewerkzeug der erste Hieb überhaupt feine Schmerzen auslöse. Da das Ehepaar Marek die Bedeutung der Sachverständigengutachten erkannte, griff es zu den verwerflichsten Mitteln, zur Verleitung des Ehepaars Mraz zur falschen Zeugenaussage und verwickelte in raffinierter Weise Paula Löwen stein in die Affäre. Enril Marek hat nur ein zynisches Lächeln, ivenn man ihm die schversten Verdachtsmomente vorhält. Das weist airf eine ungemeine Willeirsenergie hin, die auch dann nicht kleiner tvird, wenn sie int Dien sie des Verbrechens sieht. Der Staatsanwalt beantragte schließlich die strengste Bestrafung der Eheleute Marek, da sie das Verbrechen des Betruges in mehrfacher Weise verübt und bei ihrer großen List einen immensen Schaden hätten verursachen können. Bei der Strafbemessung bei Paula Löwenstein möge in Rechnung gezogen werden, daß sie verleitet wurde. Gegen eine be- Pension Vogel -ws ij 1 Hlerano jj I Pension von fcilre 30 — aufwärts. j | Herrlicher Osteraufenthal}. j o für Pessadi wird um rechtzeitige öorhejj jj Stellung gebeten. i , dingte Vernrteikmrg der Weleute M r n zettiärtc der StiUrkSanwalt keine Einwendung erheben zu lvollmu stkach dem StaatSamvalt f^ach der Privatbcteiligtenvertreter Prof. Dr. Lenhosf. Auch er stützte sich auf das Sachverständigengutachten intb bezeichnete die Eheleute Marek zweifellos als schuldig. Auf das Strafausmaß wolle er keinen Einfluß nehrncn, er müsse jedoch auf einem Schuldspruch bestehen. Für die Versicherungsgesellschaft meldete er einen Schcäwnärftrtzai^ fpruch von 800 Schilling an. An der Nachmittagsvechandlung krm-für-Emll Marek Dr. Kraszna Ar Wort. Er gab zunächst eine Chawkberistik des lvWenSstarkcn, talentierten, hoffnmlgsvollen, jungen Mannes und kirm dam: auf derr einzigartigen Unfall zu spreche»:, der mit der Psychologie des jungen, aufstrebenden Menschen durchaus nicht in Einklang zu bringen ist. Marek, der unermüdliche Arbeiter, konnte wtchrlrch nicht im Sinne haben, als! Krüppel das Leben eines Mntners zu führen. Nicht nur sein Fuß, auch sein Leben stand auf dem Spiele und was für ihn vielleicht das Höchste ist, die Liebe seiner Fmu. Mußte er nicht befürchte.», ihrx Zuneigung zu verlieren, wenn er zeitlebens als Krüppel neben ihr einherhumpeln hätte Müssen? 200 Millionen Schulden sollen den Mann, der für seine Erfindungen einmal 10.000 und einmal 5000 Dollar bereits eingesackt . hatte, zu dieser unseligen Tat verleite,:. Ist es denn nrenschpsich überhaupt möglich, daß Frau Marek ihren:' Mann, j den sie über alles liebte, zugeredet haben soll: Eurilh jetzt hau dir das Bein ab! (Beide Angeklagte begründen heftig zu wein en.) Wenn man ihnen schon böse Absicht zumlltet, ja warum' hat sich dann nicht Marek die linke Hand abgehackt? Er hätte vo,r der Versicherungsgesellschaft dafür denselben Betrag bekommen müssen. Wenn es ihnen darum zu tun gewesen wäre, ans den monmrtmum finanziellen Schwierigkeiten herauskommen, I Enril Marek hätte nur eine,: kleinen Finger opfern Nmssen und hätte seiner Frau dabei noch ein von ihr so überaus ersehntes Auto kaufen können und von den Zinsen einer 2-Milliavden-Rente, die übriggeblieven wäre, hätten sie " immerhin noch ein monatliches Einkomu:en von 10 bis 12 Millionen Kronen gehabt. Nur ein kleiner Finger Haitis genügt und Marek hätte unbeschwett seinen großen Pläne:: leben können. Dr. Kraszna beschäftigt sich dam: eingehend ,nit den entlastenden Zeugenaussagen unb zog insbesondere die Aussage der Frau Tropper heran, die auf dem Sterbebette ihr Gewissen noch erleichtern wollte. Auch Frau T schock eh hat einwandfrei beobachten können, daß l ein Unfall vorlag. Diesen Anssagen lebendiger Zeugen stehen die Versuche der Sachverständigen gegenüber, die sie au: tote:: Beine , anstellten. Wir haben die Zuziehung eines Unfallchirurgien verlangt, der Antrag wurde abgelehnt. Ich stütze mich auf die erste Aussage des Primarius Dr. F ü st e r, der es für ausgeschlossen erklätte, daß sich Marek etappenweise das Bein amputiett hat. Die Sachverstäiüügengutachten leiden an zwei Fehlerquellen: das erste Gutachten wurde vonj Prof. Hab erda, dem Leiter der gerichtliche medizinischen Schule erstattet. Wo gäbe es einen seiner Mitarbeiter, Schüler oder Untergebenen, der es 'wagen würde, zu sagen, Prof. Haberda hat wieder einmal geirrt! Die zweite Fehlerquelle steckt darin, daß nicht restlos aufgeklärt 'wurde, was von der Amputation des Beines bis zur Einlteserung in das gerichtsmedizinjsche Institut mit dem Bein geschah. Die Sachverständigen haben erklärt, daß der erste Hieb kejm Schmerzen verursachen könne. An einen: Gelehtter: sollte man eS nur probieren. Ich bin sicher, daß er daun seine ganze Th eorie vom Schwerz über den Haufen werfm wird. Au: lebenden Kno chen, nicht am toten Bein und auch er wird dann zur Ansicht kommen nülssen, daß eine solche Handlung nicht menschenmöglich ist. Emil Marek hat viel Leid und viel Unglück mitmachen müssen. Ich bitte um einen Freispruch. (Beifall iw Arwitorinm, das der Vorsitzende strenge vügt.) Sodann sMch Dr. Deirich mit fast tränenerftickter Stimme für Martha Marek. Er schilderte ihre Fugelw, das frühzeitige Sex:mlleben mit dein alten Herrn Fritsch, die fälschlich: Mordauzeige, der FraN Fritsch/die ihren Schatten auch in dieses Verfahren warf, 'und kanr dam: auf das b.urgenländische Projekt zu sprechen. Am selben Dage, an dem das Gesuchschreibm Nin Bewilligung der Landesgarantte fertiggesteltt war, siel der Axthieb, im Augenblick, als der Manu vor der Vollendung seiner Pläne stand. Hätten sie es auf einen Betrug abgesehen gehabt, sie hätten bestinunt nicht einen Tag nach Einsamen der VersichernngspoliM den Unfall provoziert. Dr. Teirich unterbrach, da die Zeit schon vorgerückt tvar, sein Plaidoyer und wird es heute fortsetzen. Man vech-- uet damit, daß das Urteil in den späten Abendstunden gefällt werden wird. IGroBe indische WShlerversammliuigen Heute Samstag, den 9. April 1927, um if28 Uhr abds., in den Sälen des Deutschmeister-Schützenvereines, VIII., Albertg. 43 REDNER: Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes Dr. Max Bernhard Dr. Desider Friedmann Morgen Sonntag1, den 10. April 1927, um 10 Uhr vormittags, im Cafe Kosmos (,,Lurionc‘), VII., Siebensterngasse Nr. 42 REDNER: Oberbaurat Ing. Robert Stricker Dr. Eugen Felix Bez.-Rat Moritz Kohn Jüdische Wähler u, Wählerinnen 1 Erfüllt Euere Pflicht und erscheinet in Massen! Arles ans FrauzensbaS. . Nach emeu: Verhältnis inäßig milden Winter ist der Frühling bei mW eingezogen. Nur iwch kurze Zelt, nnd das frische Grün aus>, Wiesen, Baum und Strauch wird das Auge der Lustivandelndenj -auf den zahlreichen gepflegten Gehwegen erfreue:: und Lebenslust und Freude in allen Herzen ertveckeru Franzensbad, die Keblicha Gartenstadt, das Schmuckkästchen der böhmischen Bäder, daS durch seine unübertroffenen, weit und breit bekannten Knrmlttel schmr so vielen Heilung gebracht hat, bevtttet sich vor, feine Gäste würdig zu cmpfangei:, jenes Kleid anzulegen, das die Bo« suchev so entzückt. Me Besitzer der Hotels und Kurhäuser treffen allo Vorbereitungen, um die Besucher in jeder Hinsicht zufrieden zus (stellen. Sie haben kehre Auslagen gescheut, um alle:: modernen Ansprüchen gerecht zu werden. Peinliche Reinlichkeit, ozonreiche, stmlb- und rauchfreie Lust, bequeme Straßen nnd Wege stüvie dei wohltuende Ruhe tverden Körper und Geist der Besucher mit,-neuem, frischpulsierendem Leben erfüllen. Nur eine kurze Spanne Zeit, und aus allen Gegenden werden die Kranken und Hilfesuchenden sich einstellen, um Genesungzu finden, um mit neuen Kräften ausgestattet, den beruflichen Pflichten nachzukonrmeu. Allen Gästen ist Gelegertheit geboten, ihre Gesundheit wieder zn erlangen. Franzensbads weltbekannte, unübertroffene Moorbäder, natürliche Kohlensäure- und Gasbäder, eisenreiche Mnerallvässer mrd bisher unübertroffene Glaubetsalz-Starkquellen bieten eine solche Fülle von Hellschätzen, dio wohl kaum ein anderer Kurort mifzuweisen vermag. Frauenleiden aller Art, Kinderlosigkeit, Herzkrankheite:^ Erkrankungen des Blutes und der bluttvereitenden Organe, Gicht, Rheumatismus, Stofstvechseltrankheite,:, chronisch: Stuhlverstopsung, 5ttnder- und Nervenkrankheiten iverden in Franzensbad nnt erwiesensu großen Erfolge:: behandelt. 'Erholungsbedürftige aller Art finden selbst! die gewünschte Kräftigung ihres abgespannten Nerve'.qysiems und ihrer durch Krankheit geschtvächten Organe. - Am 1. Mai nimmt, ioie alljährlich, die Saison mit Konzerte:: und Eröffnung aller kurörtlichen Einrichtn^en ihren Anfa:^. Die Eröffnung der Badehäuser erfolgt bereits am 18. Aprll. .ES wird also von diesem Tage an Gelegenheit geboten, mit der Kur zu beginrwn. In der Vorsaison, das ist vom 18t Aprit bis 15. Mai, sürd die Bäderpreise bedeutend ermäßigt, und damit ist auch der: Minderbemittelter: Gelegenheit geboten, die Kur zu gebrauchen. Zahlreiche 'Anfratzere find schon bei der KurvertÄllümg, die bereitwillig Auskunft erteilt und über Wunsch Prospekte jutfcn'cet eingelangt und lassen auf eine gute Saison schließen. Jrrifacher Mord einer AüafzehMhrige«. Berlin, 8. Aprll. Vom Jugendgericht wurde heute dier 16 Jahre alte Ernst Möller wcgei: dreifachen Mordes zn der gesetzlich höchstznlässigm Strafe von zehn Jahren Gefängnis veruttellt. Der junge Bursche, der in einer Fürsorgeanstalt untergebracht lvar, hatte einen Postsekretär, dessen Frau und deren erwachsene Tochter in Omnienburg auf beftialische Weise ermordet. Ein amerlkanWer Flngzeug sör de Wnedo. London 6. Tlprll. Nachvorliegenden Meldungen hat de Pinedo das Angebot der amerikcnnschen Regierung, ihm ein Heeresflugzeug zur Verfügung zu stellen, angenommen. E Hygienische Kinderschuhe in alleHeinfir-r Wt^füh-runa zu fabelhaft -billigen Preisen offeriert -das fcejwcfomul-c Schuhharls Mrahaimoyvicz, 2. Bez., Taborstraße M. 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