Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2914 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Wiener Morgenzeitnns 8. Aprrl 1927 Nr. 2914 Seite 2 Die Wahlbewegung. Mehl m«b überfiedel»! Der erste Erfolg. Mett, S. April. Wd^rßpnrch, mit dem« die Misch-Se- «Wöe Wählerschaft int« in ihren Versammlurrgen 1211b iwÄer ^Wiener Mirgenzeituug" die Kandidatur Riehls im MW» BeM bekämpfte, hat den ersten Erfolg ger- KÄgt. Diese unerträgliche Provokation ist zurückgezogen 'worden MM verschwindet von Nordvst nach Jmremvest mL> die Wähler dieses, des zweiten Wahlkreises, werden Zu ihm Stellung zu nehmen haben. Seine Person bleibt freilich auch werket eine arge Beleidigung der Fudenschast, &fe sich ja daran erinnert, daß Richl in einer Zuschrift an die ,Me«er Morgeuzeitung"" erklärt hat, er habe roch« GOmyrng noch UrVepzengung geändert. Sein Prog««M WAe Dschnng mit donfi>Pogrom und die Einhetitsliste hat durch die Aufnahme des gewesenen .Hcckenkrerrzlers seine Richtlinien akzeptiert. Sk« ist auf Mn. Nfvsau heruntergegLtteu. Daß sie aMsemitisch i% stand von oornehewin fest; ChrißlichsoMle wie Grohdeutfche bekehren sich ja progmuMatisch zrrm zersetzenden jüdischen Einfluß. Trotz, dem Mm sie We Einheitsliste nicht durch die Aufncchme einer Person entstellen dürfen, dewnLLektanschauung die offene Ungesetzlichkeit bildet. * Die Judenschast hat mit ihrem' Urteil Mt zurück« gehalten und die für die politische Führung der EinhMliste verantwortlichen Personen konnten darüber nicht hinweggehen. Es O #ig, bah Riehl bleibt. Aber ebenso .richtig ist, daß die Judenschaft, die ihm ja eine schwerd Niederlage bereitet Me, wenigstens zu einem Teile noch vor dem Mahlgang einen Erfolg zu verzeichnen M Der Pogromhetzer und seine HintevMnner haben es zu spüren bejbrmmen, daß es einen jüdischen Willen gibt und es VM» nun eine Aufgabe der jMschen Wähler des Bezirkes sein, der jcht mit dem Ritualmotdagenten beglückt wird, ebenso entschlossen an seinem Diebakel MtzMirLn. In Nordvst hat sich eüviestn, daß es nichts „Aussichtsloses" aSöt und daß geht, wenn man nur will. Darauf kommt es an und der Erfolg muß ausgüveitet werden. ES kann in einem Kümipf keinen Defaitismus geben. Er war von vorneherein nicht.vorhanden, aber es gab Kreise und El-emente, speziell in Nmdost, die mit der AussichtslosigLeit auf den Wählerfemg gstngen. Ein werktätiges Kvmite» war alstbaS> auf dem Plan und strengte sich ach den jM° scheu Bürgern zu bÄveiseu, daß ein Kampf gegen Richl von den Juden nicht geführt werden könne und daß sie deshalb unbedingt nur sozialdemokratisch wählen dürften. Es war eine verzweifelte Logik, aber die Sozialdemokraten rechneten darauf, daß der Name Riehls in der Judenschast eine Art WmikstlMimtung auslösen würde. Schwarze und Rote Men sich darauf gefreut. Die Einheitsliste wvllte die jMschen Wühler einschüchtern, die SoziabdeMokratie, die doch ohnedies die jüdischen Stimmen als ihr Privateigentum betrachtet, versuchte sie für sich zu. fangen. Aber die jMschen VersainnÄungen wurden rasch zu Massenmeetings und die jüdischen Männer und Frauen bekundeten, daß sie jetzt erst «dji zur jMschen Liste zu stehen entschlossen find. Die Parteien des Riehl mußtm hier , die Koysegueus ziehen. Die jüdischen Wähler werden das begonnene Werk vollenden. Denn auch Jnnenwest ist ein Wahlkreis des Verbandes Wien und jede Stimrnv, die dort für die jüdische Lifte abgegeben wird, vergrößert die Wchtziffer intb verringert damit die. Möglichkeit, daß Riehl etwa doch noch durch das Hintertürchen der Reststimmenliste in den Nationalrat schlieft. Die Uehersiedelung des Riehl ist ja nur ein Anfang. Aber die Partei, die an ihm politisch verd'iienenwollltz, sieht mit Betrübnis, daß sich ein jüdischer Mlle regt und daß er sich die ihm gebührende Beachtung erzwingt. Er hat sich jetzt bereits den gar so klugen WahlkreisgeomeHern zu ärgerlichem Bewußtsein gebracht und es war sicherlich für sie nicht leicht, sich einzugeftehen, daß sie die Welt. nicht so nach Gutdünken verteilen dürfen. Wären sie nicht so durch ihre antisemitischen Scheuklappen geblendet, so. hatten sie den Riehl ganz zurückziehen und in die Stllst seiner mit dem Hakenkreuz gezierten Kanzlei schicken «Mein. Sie haben das nicht getan und so wird er wohl auch in Jnnenwest» nicht gewählt werden. Mer auch für dO Generalpächter und Generalverleugner aller Mischen Stimmen ist die Sache eine böse Enttäuschung. Sie hat damit begonnen, daß die Juden fest blieben und daß di« Mische Liste als ein befreiender Wegweiser begrüßt nrurde- Das ist sie anch. Zwischen den roten und schwarzen Mühlsteinen sollt« zunächst das Judentum zerrieben werden. Die.Mischh List« errtspricht der blanken Vernunft. Me wird sich durchsetzen, da di« hunderttausend jüdischen StiMmjenträge^ Heute wissen, daß sie den Sieg haben, wenn sie.nur wollen. Gestern abends wurde bekannt, daß die Parteien der Eiicheitsliste, ChriMchsoziale und GroßdSütsche, einver- > n eh ml ich die Streichung Riehls viM der Einheitsliste des 4. Wiener Wahlkreises beschlossen habe«. Riehl überstedelt in den 2. Wiener Wahlkreis, der die Gemeindebezirke Mariahilf, Neubau und Josefstad t umfaßt. Er erhält hier die vierte Stelle hinter den Ehristlichsozialen H e i n l, FinanMinister Dr. Kienböck und Professor Krasser. Seine Kandidatur erscheint hier aussichtslos, denn der zweite Wahlkreis hat im ganzen nur vier Mandate zu vergeben. Gei den Wahlen im Jahre 1923 erhielten hier die Christlichsozialen 41.366, die Sozialdemokraten 34.846 und die Großdeutschen 7664 Stimmen, während auf die jüdisch e Wahlgemeinschaft 3639, auf die bürgerliche Arbeitspartei 3483, aus die Tschechen 825, auf die Kaisertreue Volkspartei 261 und auf die Kommunisten 295 Stimmen entfielen. Don den vier Mandaten wurden zwei den Ehristlichsozialen und eines den Sozialdemokraten zugeteilt und ein Mandat für das -weite Ermittlungsverfahren reserviert. Obwohl die Großdeutschen in diesem Wahlkreis nur 7554 Stimmen ausgebracht hatten, wurde doch ihr Listenführer in diesem Bezirk, der damalige Vizekanzler Dr. F r a n k, der jetzt Gesandter in.Berlin ist, als Reststimmenabgeordneter des Wahlkreisverhandes Wien in den Nationalrat entsendet. Nach dem eben Gesagten könnte günstigsten Falles dev dritte auf der Einheitsliste, der erwähnte Professor Krasser, ein Mandat bekommen, während Richl in diesem Wahlkreis ein sicherer Durchsallskandidat ist. Im 2. Wiener Wahlkreis wird statt Riehlder Christ« lichsoziale Schneidermeister Ho las an dritter Stelle der Einheitsliste auftauchen. Er war bis jetzt im 5. Wahlkreis hinter Spalowsky und Jerzabek kandidiert worden. Ms Lückenbüßer Riehls wird nun auch Holas'in diesem Wahlkreis fallen. Ae anMmIMe üMftelbfcoitt komplett. Gleichzeitig mit den Verhandlungen wegen der Abschiebung Riehls aus dein jüdischen Bezirk in den zweiten Wahlkreis wurde auch mit den Hakenkreuzlevn der Couleur Schulz ein Pakt abgeschlossen. Schulz wird im fünften Wiener Wahlkreis (5., 10., 11.) als Kandidat der Einheitsliste ausgestellt. Die bisher von der nationalsozialistischen Partei eingereichten Listen (Völkische Einheitsliste) wird allüberall zurückgezogen und die Anhänger der Schulz- Gruppe werden ausgefordert werden, im ganzen Bundesgebiet für die Einheitsliste Riehl.und Konsorten zu stimmen. Der PlalaMieg. Die mchtsozialdemokratischen Parteien bellagen sich darüber, daß ihre Wahlplakate von der Wipag, der st ä dtischen Plakatierungsanstalt nicht bestellungsgemäß in der gewünschten Anzahl angeschlagen werden. Diä Ehristlichsozialen haben z. B. Freitag mittags der Wipag 2000 Plakate übergeben wollen. Diese erklärte aber, nur 1500 oder 1600 übernehmen zu können, weil kein Platz vorhanden sei. Die Sozialdemokraten haben nämlich schon vorher so viel Raum, aus den Plakatwänden gemietet, daß für die anderen Parteien nicht viel Platz übrigbleibt. Die Christlichsozialen wollen sich dieses Jndienststellen eines städtischen Unternehmens für die jy- Msdemokrattsche Wahlagitation nicht hieten lassen, zumal auch, wie sie behaupten, von den 1600 Plakaten der Einheitsliste, die sie der Wipag übergeben haben, nicht viel zu sehen sei. Wiener ü« gestörte chriftlWirstile »erlMMWg. Gestern abends fand in der Aßmayergasse eine christlichsoziale Wählerversammlung statt, die von zahlreichen Sozialdemokraten, darunter auch Anhänger des Republikanischen Schutzbundes, besucht war. Während der erste Redner ruhig angehört wurde, wurde der folgende Redner, Bundesrat Hemal«, wiederholt gestört, so daß die Versammlung wegen des Lärmes durch ungefähr zehn Minuten nicht weitergsführt werden konnte. Obwohl ein Sozial- Vorladungen in Wahlavgelegen« Helten. «tu ViffKtewt an Ute IM««! Sfiftec. Jeno aWftmiifttfsenolfett, welche Vorladungen zugi Magistrat in Wahlangelegenhetten erhalten haben, mögen sich vesttmrnt vorerst im Aentralwohttolal („Wiener Morsenzeitrmg", 2. Bezirk, Taborstrahe 1) elnfindeu dcmokrat seine Gesimmugsgenossen zu beruhigen versuchte, wurde er von diesen niedergeschricn, und sie erklärten, nur dann jeden Redner ruhig anzuhören, rvenn er über die Sozialdemokraten die volle Wahrheit spreche. Auch der folgende -Redner wurde von den meist aus jugendlichen Elementen sich zusammensetzendem Sozialdemokraten niedergeschrren. Die Sozialdemokraten krawallierten »nd lärmten, so daß die Versammlung geschlossen und das Lokal von der Polizei geräumt werden mußte. Me Wiener Stimmzettel. Infolge der gleichzeitigen Vornahme der Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen mit der Nationalratswahl. mußte auch die Frage der Form des Stimmzettels gelöst werden. Es müssen die Wahlberechtigten die Möglichkeit haben, füralledrei Vertretungskörper oder nur für einen oder für zwei dieser Vertretungskörper ihr Wahlrecht ausüben zu können. Diese Frage ist durch die soeben erschienene Verordnung des Wiener Stadtsenates als Landesregierung gelöst worden. Wähler, die für alle drei Bertretungskörper ihr Wahlrecht ausüben wollen, können sich eines dreiteiligen Stimmzettels bedienen. Ein solcher Stimmzettel muß 10 Zentimeter breit und 21 Zentimeter lang sein und durch zwei zur Schmalseite parallel gezogene Striche in drei gleiche Teile geteilt werden. Ein Teil ist für die Wahl in den Nationalrat, der zweite.für die Wahl in den Gemelnderat und der dritte für die Wahl in die Bezirksvertretung bestimmt. Die für die beiden letztgenannten Bertretungskörper (Gemeinderat und Bezirksvertretung) bestimmten zwei Teile müssen in dem einen Teil, die Aufschrift Gemeinde rat, im anderen Teil die Aufschrift (Aufdruck) Bezirks Vertretung tragen. Der für den Nationalrat bestimmte Teil kann mit der Aufschrift Nationalrat versehen sein, er gilt aber auch, wenn diese Auffchrift nicht vorhanden ist. Will ein Wähler nur für den Nationalrat oder nur für den Gemeinderat oder nur für die Bezirksvertretung oder nur für zwei ^dieser Vertretungskörper abstimmen, so hat er die Abschnitte längs der Striche abzutrennen. Er kann aber auch seinen Willen dadurch zum Ausdruck bringen, daß er auf den Abschnitt, der cruf^den Vertretungskörper lautet, für den er n i ch t abstimmen will, deutlich die Auffchrift oder die Parteibszeichnnng, oder beides durch streicht. , ~ 3n spül überreichte KaudidateMften in Tirol. Wie die „Innsbrucker Neueste Zeitung" erfährt, habe die Kreiswahlbchörde entschieden, daß die Listen der Kam m u n i st e n, des U d e - B e r b a n d e s, des L a n dbundes und des Völkisch-So.ziälen Blocks zu spät überreicht worden seien, da sie statt am 2. ds. erst am 3. ds. eingereicht wurden. Demnach bestehen für die Nationalratswahlen in Tirol nur z w e i Listen, und zwar die bürgerliche Einheitsliste und die sozialdem"" kratische Liste. Mische WSHlerversammlunge». Morgen abends finden die folgenden jüdischen Wähler Versammlungen statt; V2S Uhr abends, Säle des Deutfchmetster-Schützenver» eines, 8. Bez., Albertgasse- 43. Rddner: Dr. Leopold Plaschkes, Dr. Max Bernhard und Dr. Desider Friedman«. — 8 Uhr abends, Wiener Bürger-Case, 2. Bez., Praterstraße 11. Redner: David Nebenzahl und Dr. Josef Löwen Herz.— Schmiedts Restauration „Zur Sängerhalle", 2. Bez., Prater 181, neben dem Polizeikommissariat. Redner: Dr. Israel Wald mann, Dok- 'tor Georg Weiner und DM Taubes. — VolMibliothek „Zion", 2. Bez., Glockengasse 30. Redner; Dr. Dagobert Ry baczew ski, Dr. Leo G old Ham me r und Dr. Leopold Plaschkes. Verein „Rasche Hilfe", 2. Bez., Josefinengasse 7. Redner: David Nebenzahl und Oberb. ' Ing. Robert Stricker. — Bolksbiblio* thek Zion, 8. Bez., Glockengasse 80. Dr. Leo Gold Hammer und Dr. Leopold Plaschkes. — Volksküche, 20. Bez., Kluekygasse 7. Robert Stricker und A. M Ehrlich. - Gomttaa. den 10. Avril 1927; 10 Uhr vormittags: Cafe Astor, 2. Bez., Praterstr. 60. Redner: Dr. Desider Friodmann uckr Dr. Leopold Plaschkes. — Volksküche, 20, Bez., Kluckygasse 7. Redner: Dr. Otto Abels s und David Rebe «zahl. — Cafe Auto, 9. Bez., Berggasse 33. Redner: Dr. Israel Wald mann, Dr. Leo G a ldha m mer und Dr. Georg Weiner, — East Kosmos, 7. Bez,, Sichenstevngasse 42. Redner: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Dr. Eugen Felix und Bezirksrat Moritz Kohn. — 11 Uhr: Machstk«-Hadach. 8. Bez., SchiffamtSgasse SO. Redner: Dr. Leopold Plaschkes und Dr. Israel Taubes. DieWnhlleitung. Wem alle Wischen Wähler zur Urne gehen. Wische Me gesichert! die