Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2913 (7.4.1927)
- Date
- 1927-04-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982001--29647-3017795- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Leide 0 Ären, Donnerstag £8te«i*t Mvrgenzetturrtz 7. April 1627 -kr. SSI» Bühne und Kunst.! Serthovenfeiern. Große jüdische Wählerversammlung Neben dem offiziellen Beethoven-Fest gab es Beethoven-Feiern sämtlicher Wiener nursikalischen Körp^rsckZfteu. Das Wiener Sinfonieorchester, welches sich bei der Zentenarfeier durch die Philharmoniker zurückgesetzt fühlte, huldigte Beethoven in einem eigenen Konzerte, in> welchem Fritz Busch in seiner ebenso andächtigen wie bckäihtigen Weife das Violinkonzert zelebrierte. Mit dem urmnfikalischen Mgm Pianisten Rudolf Serkin und seinem Bnider Hermann Busch vereinigte er sich zu einer gelungenen! Wiedergabe des Tripelkonzertes. Leopold Reichwein leitete mit Elan das Orchester. Nicht ganz einverstanden konnte limt mit der Beethoven- Feier des „Wiener Konzert Vereines" sein. Herr Dirk Fock dirigierte die „Neunte", in welcher die Damen Schumann und Bit tner, die Herren Szekelyhidy und Mayr die Soli sangen, gar zu selbstherrlich in den Tempi und in den verschiedenen Sforzatis. Professor Robert Lach hielt die Gedächtnisrede. Eine nm so gehaltvollere, durchaus Beethovens würdige Feier brachte das Arbeitcr-Sinfoniekonzert unter Leitung des Schönberg-Schülers Anton Webern, tvelcher mit Musik förmlich explosiv gelten ist. Man hörte in stil-, voller Auffassung die verhältnismäßig selten gespielte B-Dur- Sinfonie und die Chorfantasie op. 80, deren Klaviersolo ' in Eduard Steuermann einen berufenen Interpreten »hielt. Eine Novität für die Zuhörer war der.Chor „Wv sich die Pulse fugend! ich jagen" aus der Musik zu der „Weihe des Hauses". Zum ersten Male war er bei der Eröffnung des Josefstädter Theaters im Jahre 1822 erklungen — es wurde damals bei der Bühnenaufsührmrg auch getanzt —, zuletzt vor mehr als einem halben Jahrhundert unter Leitung von; Johannes Brahms. Nach hiesenr herrlichen Chor, dessen Solo Adelheid A r m h o l m mit 'chlackenfreier, jUgeMich helleuchtender Sopranstimme sang, wollte der kein Ende nehmen, so daß er wiederholt werden mußte. Fb, Am den Theater». ' Burgtheo te r. Morgen, y8 Ufjt, „TrSes ch-übel". (Abonnement zweite Gruppe.) ' Op er-n thea ter. Morgen, 7 vhr, „Die Königin von &,a<b<t". mit ff arl Fischer-Niema nn als Gast: — Frau Marie Gerhart wurde aus weitere zw ei. Iah re' der Swatsoper verpflichtet. — GeneralmusiiLErektor Felix Weingar tner wird in der Zeit vom.17. April bis 1: Mai sechsmal am Dirigemenpult erscheinen. ' ... KämmerspHele. Sonntag, 11 Uhr vormittags--findet die einzige Tanzmatine« Gertrud Kraus mit -vollständig neuem Programm statt. B o lkso p 4 r. Morgen FreitM gelangt „O rpheus i n der Unterwelt" mit Ernst Arno-lo als Gast in der' Titelparüe zur Aufführung. — Samstag geht rat Rahmen des Wagner-Zyklus zum ersten Male ,Fti e nz i" mit Kammersänger Hubert Lener in ^ene. Ra i m u nd t h e a t e r. Samstag, den 9. April, geht nach ■ achtjähriger Pause, neu infzeniert, „Das Dre i m äÄe rlh a u,s" m 'Syene.- Johann -St ra u ß-TH eate r. Am Mittwoch, den 13. April, findet die 50. Aufführung 'der Operette „Glück in der Liebe" statt. ■ ,■ ■■ rl Nagen u. Darmseiäende nehmen mit bestem Erfolge „BOLUCARBON“, zusammengesetzte Tierkohle-Tabletten. Bolucarbon, von aizt- Hchen Autoritäten empfohlen, bestbewährt bei Biähungen- Aufstoßen, akuten und chronischen Magen- und Darmbeschwerden etc., sind in der Apotheke C, BRADY, Wien, I., Rotenturmstraße 18, Ecke Fleischmarkt, stets lagernd, wo auch Literatur gratis erhältlich ist. Postversand überallhin. Heute Donnerstag, 7. April 1927, um halb 8 Uhr abends, im Restaurant „Zur goldenen Glocke", VII., Neubaugasse Nr. 5 Referenten t Oberbattrat Ing. Robert Stricker» Dt. Feiix, Dr. Max * Bernhardt, Bei.-Rat Moritz Rohn. Jüdische Wähler nna Wählerinnen, erscheinet in Mästen! Große jüdische Mattenversammlung Samstag, den 9. April 1927, um halb 8 Uhr abends, ln den Sälen des „Deutschmeister Schützenvereines“, VIII., Albertgasse Nr. 43. Es sprechen: Dr. Des. Friedmann, Gemeinderat Dr..Leopold Plaschkes, Dr. Max Bernhardt. , Juden, höret eure Vertreter! 3fC7fR7HnurnniSBRMnRnunRRiWRiffFi9vKflRRffRRjflnRuffinAnnunNn!jffiRjnNRufflfi Jüdische Redner: Oberbaurät Ing. Robert Stricker, Dr. Felix, Öezirksrat Moritz Kohn. Sonntag, den 10. April 1927; iim 10 Uhr vormittags, im Cafe „Kosmos“ (Lurion), VH., Siebensterngasse 42. Erscheinet in {Massen I :— -:-:---— - : Bereioe. Bortkäge ttnD Versammlungen Mädchengruppe 6—8, 8. Bezirk, Bennoplatz 1a. Heute um 8 Uhr abends: Julius Kob.titzr Heitere-VorÄräge. Sternahtzn-e auf hem Sommerheidenweg. Am Samstag beginnt Prosestör Thomas seine populären Vorträge' unter freiem Himmel. Versa mnckuntz' jedesmal um 9 Uh r m Pötzleinsdorf. Enbstalion der 41erMnie.-Schluß ^10 Uhr. Jüdisches Zentrum der So^alen- Hilf^cmemschaft Anttta /Müller, 2. Bsziirk,- Untere-Augartenstraße 3ö. Heute von 7 bis ■:K& Uhr neuer Kurs Engkisch für Anfänger, von 7 bis 8 Uhr '.nerckr Kurs Französisch fü't VorM-schrittene. ' Für beide Kurse -'wevdeu noch AnmeLduugen euts/'engenommen. Von 2 bis 3 ,Uhr jurid ischc. Beratmrgsstelle/ von / y, 7 bis 8' Uhr ErziehUngScheMingMll^, für., schwer,, KfÄder. . Set Projeb deskhekredakteurs Po'ifkn. Das grotzdeutskhe Pärkeibiatt und Bösel. Gestern 'fand bÄm Gewtzvbogerichte unter Vorsitz, des Landesgerichtsvates Dr. Bia ck die Fortsetzung der Verhandlung über die bekannte Klage statt, die der ehemalige Mesredalteur der grotzdeutschen „Wiener Neuesten Nachrichten", Herr/Richard Wichelm Poliska, nÄ. einem Klagepunktum von 2st6.690 S. wegen ungerechtfertigter Entlassung und. auf Zuhaslung eines lOjShrigen, bis zum Jahre 1935 urifünb'ter lautenden Dienstvertrages gegen den, Verlag cingcbracht hat. Zu Beginn der Verhandlung g'cht der Vorsitzende begannt, daß die Vorladung an den Zeugen Basel, Rolandbübue. An dieser Bühne wurde gestern die Gilbertsche Operette „Dorine und der Zufall" zum 88. Male aufgeführt. Der. verdiente Erfolg war so stark, wie bei der Premiere. Ganz entzückend Louise Kartonsch in der Titelrolle, aber auch die übrigen Mitwirkenden voll Verdienst. Hakoah-Orchester. Die nächste Vollprobe findet Sonntag, den 10. d. M. um 10 Uhr vormittags» statt. Jüdischer Schwank-Abend in Bratislava. Man schreibt uns aus BmtMava: Im Rahmen der Kulturveranstaltungen des ^Ahavath-Zion-Ve reines Bratislava" las Samstag, den 2. April, Herr Dr. Max Präger, Wien, eine Auswahl Mischer Schwänke. die ein treffendes und interessantes Bikd gaben, wie sehr Humor und Witz die Psychologie eines Volkes widerM spiegeln vermag. Am Kaffechaustisthe, aus der Zufälligkeit des Beixravmenseins mit ostjüdischen Kriegsflüchtlingen, wurden diese, im - Volksmunde des Mischen Ostens kursierenden Schwänke in ihrer Origmalfassupig aMszeichnet und die Grundlage für diese foMloristifch bedeutsame Sammlung gelegt, die demnächst in Buchlsorm erscheint. Es find wahre Perlen Mischen Humors, die die Anomalie dieses Ghettolebens in allen LübenssiNationen und Aeußevungen tveGUch charakterisieren, m denen fich die Volksseele in Ihrer ganzen Tiefe und Twg. kamit offenbart. Eine Fülle prächtiger Typen wird hier lebendw, vom Botte selbst geschaut und treffend gezeichnet. Die vorzügliche Auslese Mw die ausgezeichnete Interpretation der Geschichten durch den.Vortrmerrden, der sich bemühte, auch dem das spezielle Idiom weniger beherrschenden Teile des zahlreich erschienenen. PubbAmnS gerecht zu werden, gestalteten den Mend zu eindm besonders genußreichen. Dr. O. N. Pse erste Milche Kuustausstekwng in Newpork. Irr Nerohork wurde dieser Tage auf Jnitiattve der Geseltschast für jüdische Kultur die erste jüdische Kunstausstellung in größerem ■ Mäßstab eröffnet. Die Ausstellung wird in den Lokalitäten der Gesellschaft zur Förderung des Judentums (Soctech sor Advaneement of Judgism) abgMnten. Die Ausstellung wird vom Direktor Dr. Sonderling geleitet und,wurde bisher von zwanzig bedeutenden amerivlnisch» jüdischen^Künstlern, Maler» und Bildhauern beschickt. Bme aMestellte Kunstwerke haben jüdische Sujets. Wir werden Wer. den Verlauf, der „nd ihre Bedeutung noch ausführlich beÄhteuöesorgen 8ie sich rechtzeitig kür pesssek entweder die Hta8triert von Josef Budko Deutsche Uebersetzung durch Dr. Max ürunwald Hebräisch, Pappband Leinenband . . . . 8 3'— . 8 3 SO Hebräisch-Deutsch, Pappbd. 8 3'SO Leinenband ...... 84'80 oder die mH Holzschnitten von Jacob Steinhardt, geschrieben von F. Baruch ... i Pappband ..S6*~ Luxusband mit Originalhoizschnitti signiert «nd numeriert. . 8 30 — (statt 8 94'—) Buchhandlung R. L^wlt Wien,l.RotenturniSitr. 22 bet fich das letzte Mal weye» KraMeit antsthuldiyt hatte, nicht -ugestellt werden konnte, da er lmgebttch von Wen abtvesend war. ES wird nun Wer Antrag der bÄlagten Partei ei« Privatdetektiv namens Novak eivvernommen. Dieser gibt an, er habe am Dienstag Basel beobachtet und festgestellt, daß Boftl in Wien sei. Basel habe sich um X8 Uhr per Auto aus fernem Bureau in seine Wohnung in der Gloriettegasse begeben. Um 4 Uhr nachmittags verließ er wieder seine Wohnung und begab fich wieder ins Bureau, von wo er um yi Uhr abends nach Hause -UDÜcksuhr. Auch ein zweiter Zeuge, der Redakteur Julius Be ne sch, der über das VerhäbtniS PoliffaS zu Basel aussagen sollte, ist nicht erschienen. Der Postbote, der ihm die Vorladung hätte zustellen sollen, wird einvernommen und erzählt, er habe vergeblSch versucht, zu Benesch vorzudringen. Dr. Grub.er: Herr Benesch entgeht sich der Zeugenaussage. Er hat wiederholt vor mehreren Zeugen und auch vomir selbst «Märt, er sei der Mann gewesen, der die Verbindung zwischen Bösel und PoUfka hergestellt hat. Er habe auch des öfteren dem Poliska von Basel Geldbeträge Merbracht. Er wisse auch, daß PoWa von Bcsel Börsentips bekommen und. diese verwendet habe. Dr. Gruber erklärt weiterS, Basel habe auch in der Folg« merkwürdige Zumutungen an Polifia gestellt. Er habe verklangt, daß die „Uieue Freie Presse" in seinem Sinne schreibe. PoMa wurde deshalb auch des öfteren in der Nacht heruntergerusen und es wurde beraten. Der Gerichtshof beschließt, fifcei den Zeugen Basel eine '.Ordnungsstrase von 100 Schilling zu verhängen und seine neuerliche Ladung unter Androhung der Vorführung zu verfügen. Dieselben Maßnahmen werden dem Zeugen Benesch in Aussicht gestellt. Der Zeuge Regierungsrot Födisch gibt an, Poliska sei am 10. Dezember v. I. spät nachts zum Dolephon gerufen worden. Aus die Frage des Zeugen, wer am Apparat sei, wurde geantwortet: Poliska öeroiirüxirte dann mi't Basel für den nätlM/i Vormittag eine Zusammenkunlft. Pokifka: Ich habe nie bestritten, /daß ich mit Basel gesprochen habe. Er . dürfte mich wahrscheinl.ich nach Erscheinen des Artikels gegen Wrer in der „Grazer Tagespost" angerufen haben; da ich keine Zeät hatte, habe ich mich mit ihm für den nächsten Dag besprochen. Als nächste Zeugin wird die RedaktionssekretLrin Ma u the vernommen, die bei der Disziplinarverhandlung gegen Poliska ProtokoMchrerin war. Me sagt aus, PolMa sei, als rnan ihm die Bösel-Angelegenheit. vochielt, sehr zuverstchMch geivesen. Er habe erklärt, von Basel eine entsprechende Aeußerung über die. Grundlosigkeit der gegen ihn erhobenen Amv-ürfe beibringen izu können.^ Er brachtd jruch'danin. .eine-Erklärung, die .aber sehr schwach ausgefallen war und weder ihn, noch die Leitung befriedigte. PolMa habe dann erklärt, Basel sei ein gemeiner Kerl und Lügner, aber als man ihm eine Erklärung vorlegte, in der. er Bosct als Lügner bezeichnen sollte, habe er die Untepschrist verweigert. . Der Redakteur Viktor Lischka gibt als Zeuge an, er sei der Mann gewesen, der im Dezemiber die neue Fassung des Gerüchtes über die Bestechmig AhrerS der Redaktion mitgetÄlt habe. Bis dahin war nanu Ich kginL bestimmte Sumnre genannt worden. Der Zeuge nannte in der Redaktion die Sumnre pon 500.000 Dollar und nun entwickelte sich eine Diskussion darWer, ob es zweckmäßig sei, dieses Gerücht zu publizieren. Die Stimmung war im allgemeinen gegen eine Veröffentlichung. In der Nachmittagsverhandlung wurde die gegen 4 Uhr oinkrsffende Nachricht, daß der Gorichtsbeamte den Zeugen Bofel weder in seinem Bureau noch in der Wohnung antraf, mit einer gewissen Heiterkeit ausgenommen. Der Vorsitzende teilte anschließend mit, daß der Zeuge abgereist sei und erst nach den O.sterfeiertagen wieder in Wien erwartet werde. Das Gericht beschloß hierauf, Bofel zur nächsten B-erhandlung zwangsweise vorführen zu lassen und ihm die durch die Vertagung erwachsenen Kosten aufizuerlegen. ' Der Termin der nächsten BcvhaMung . wird „a u s b e st i m m t e n Gründe n", wie der D-n,>iwnde sagte, schrfftlich bekanntgegeben werden. Btt«r1rll«ng eines mififchen Pogromffrften in New Bott. Aus Newyork wird uns vericktetr Der russisM Fürst Michael ObolenSki, gewesener lwhvr Offizier in der weißen Armee kann auch als Emigrant iin freien Amerika seinen Juderchaß nicht lassen. Gr benützt jede Gelegerrheit, auch an belebten Straßenecken plötzlich «eine Pogromrede gegen Juden loszulassen. Bor kurzem verursachte er unter seiner ZuWrerschaft eine sülche Ent-» rüstung, daß es zu einem Straßentumult gekommen wäre wenn der Polizeibeamte der Szene nickst durch die Pevbaftung des Fürsten Ovolenski ein Ende gemacht hätte. Der Richter, den,r er. vorgefWrt nmrde, verurttilte den auch bei Gericht ungebärdigen weißterroristischen Fürsten zu zehar Tagen Arrest, weil er die Bevölkemng gegen die friedlichen jüdischen Bürger aufgeu-iegelt hat. Zu bemerken ist. daß Fürst Oboknski iviederlM bei Juden in Newvork um Arbeit und Gelduntersttttzung gebettelt hat und fie in der Regel auch erhielt. Nunmehr hat ev sich auch diele ^ilssqueNen selbst verstopft. .sW‘4. i B./0::+.+:.:++/+/::+/++..+:+:D 23485353485348534812532348532300010101234823480200020002000053010100484853