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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-07 · Heft 2913 (7.4.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2913 (7.4.1927)
Date
1927-04-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Men, Donnerstag SBtetto* Morgsrr-ettrms 7. W37 Nr. 2918 x MaBateller HEILIG & Ci, I., Kärntnerstrafie s Telephon 78-1-86 ^iMMtinenteili-PrOSpeliie Telephon 78-1-86 MONATLICH S S0 - MONATLICH S 60*— MONATMfö S 60 - 1 Frühjahrsanzug 1 Modehose 1 Frühjahrsanzug 1 Frühjahrsrock 1 Frühjahrsanzug 2 Hosen 1 Sommeranzug 1 Frühjahrsrock 1 Sommeranzug 1 WInterpadetot 1 Sommeranzug 1 Winterpaletot 1 Herbstrock 1 Herbstanzug 1 Modehose 1 Smokinganzug 1 Modehose ABONNEMENT-DAUER ZWEI] ÄHRE 1 Sportanzug 1 Ueberrock Kleider Esteiben Eigentum des Abonnenten. — Bügeln, Reparaturen kostenlos inklusive Abholung und Zustellung. — Garantiert beste englische Stoffe und erstklassige flafiarbelt. 3er Prozeß um das abgehMe Sein. Neuerliche Sachverftöndigrngutachteu. — Ser anantzme BrleWreiber eruiert. Der gestrige Tag im Prozeß Marek brachte wenig Neues und verlief mich sonst im Gegensatz, zu den früheren Berhandlungstagen ziemlich ruhig und sachlich. Nur zu Beginn des Prozesses gab es eine kleine Sensation, die auf das Konto des bekannten Goldsültfedertönigs Karl Winkler zu buchen ist. Er ist der Verfasser des anonymen Briefes über die Kokainfvritze, mit dev Frau Marek ihren Gatten anästhesiert habe, um ihm daun das Beirr abzuhacken. Der ganze gestrige Vormittag war wieder mit Sachverständigengutachten ausgesüllt. Professor Maresch ergänzte seine Ausführungen von Samstag und erklärte auf eine Frage des Verteidigers Dr. Kraszna, daß alle konstatierten Wuntzen von dem lebenden Bein herrühren, was sich einwandfrei durch die Blutunterlaufungen feststellen lasse, tvelche niemals beim Durchhacken eines toten Körperteiles zum Vorschein kommen. Nun erstattete der zrv-erte Sachverständige Professor Merxner sein Gutachten, üaZ sich im wesentlichen mit dem Professor Maresch' deckt. Die große Wunde sei keine einheitliche. Sie wurde durch eine Reihe von wuchtigen Hieben mit der scharfen Schneide eines schweren Hiebiverkzeuges hervorgerufen. In der Kuocheulvunde lvurden im ganzen fünf Hiek> flächen gefunden. Die Hautwunden wurden durch mindestens vier Hiebe herbeigeführt. Es ist ausgeschlossen, daß die Wunden durch das Ausfallen des Holzblockes aus das Bein entstanden seien. Ebenso stehe fest, daß beim Abhacken das Bein auf einem stützenden Gegenstand, wahrscheinlich dem Holzblock, aufgelegen sei. Hierauf gab Professor Mayreder von der Technischen Hochschule sein Gutachten über das Burg enland-Projekt Mareks ab. Er wies auf verschiedene Mängel des Projektes hin, insbesondere auf den viel zu hohen Strompreis, und .bezeichnet« es als nicht wirtschaftlich. Trotzdom sei es geeignet gewesen, als Grundlage rines Darlehens zu dienen, weil sich ja die Kreditinstitute nicht um die Güte des Projektes vom wirtschaftlichen Standreinsten wiedergibt. Das sind die Chore, die die spanjolischen Juden aus dem Morgenlande nach Spanien gebracht haben, als fie mit den Arabern herüberkanten, und von Spanien trugen sie sie nach Holland und nach jedem Ort, wohin sie die Verfolgung trieb, und dann wieder nach den: Morgenland zurück, nach Syrien und nach Byzanz. Karger und unmnsischer, ohne Musik, doch auch ohne Bilder, wirkt nach jenen: christlichen ihr Gottesdienst; er ähnelt sehr dem abendländischen. Männer, von seidenen Tüern umhängt, füllen den Raum; hinter den Gittern, wie bei den Griechen, sitzen die Frauen, und die ansschwl-ifende StiMnre des Vorsängers, steigt und fällt mit dem Inhalt der Gebete. Ein kaltes Morgenlicht macht alles noch kahler, denn es ist acht Uhr und xs regnet draußen. Aber neben mir hebt das verehrungswürdige Antlitz eines sehr alten Rabbiners von der Wand, und ich sehe an seinen Lippen, ioie er teilnimmt. Gin Teppich, rot und silberbeschlagen, verhängt eine Risch', und wie er weggezogen wird und sich ein Schrank eröffnet, kommt Unruhe in die Gemeinde, zwei hohe, silberne Geräte hebt man heraus, die bedeckten mit kostbaren Stickereien einen geheimnisvollen Inhalt. Langsam trägt man sie zur Empore, und jede Hand sucht einen Zipfel zu erhaschen, den man küssen soll. Aus den.Decken und Geräten hebt der Priester eine doppelte Rolle; da, wie er sie vor der Genre inde hochhebt» bricht sie laut in Rufe des Willkommens aus. Hjker hat das Volk, wonach es voll je begehrt: ein Symbol, greifbar, einen Gegenstand der Anbetung. Man hat dem Volke die Thora gezeigt. Stückweise lesen eüvählte Männer.die Legende des Pasfahfestes vor. Als aber die Knaben ihren Chor anstimmen, der nur bei den Spaniolen gehört wird, erstaune ich: das sind dieselben Rhythmen und Melddien, die ich bei den Arrneuiern hörte, Dieselben grellen, syhrkoptischen a capella-Gesärrge, arrfreizend und primitiv. Punkt, sondern nur um die Güte des Garanten kümmern, und als solche war die burgenlandrsche Landesregierung in Aussicht genommen. In der Nachmittagsverhandlung wurde Professor Urban ek als physikalischer Sachverständiger über die Schlagkraft der Hacke einvernomanen. Er erklärte cs für ausgeschlossen, daß die Hacke durch ihre tanzende Bewegung die Mehrzahl der Hiebwunden verursacht habe. Dies wäre nur möglich gelvesen, wenn sie auf einen so harten Gegenstand wie Stahl! ausgefallen wäre. Die Erklärung dafür, daß nicht die ganze Haut durchschlagen wurde, ist darin zu suchen, daß die Hacke an den Enden abgebogen ist. Auf die Frage, ob es möglich sei, daß der HolzNotz die Wunden verursacht habe, erklärte Professor UrLanek, daß dies ausgeschlossen sei, Werl der Block zu leicht sei und zu nahe am Boden lag, so daß die Energie zu gering war. Sodann wurde Dozent Dr. Werkgartner unter Eid vernommen, der über Auftrag der Versicherungsgesellschaft als Erster das Bein untersucht und gemeinsam mit Professor H a b c r d a ein Gutachten dahin abgegeben hat, daß ein Unfall gänzlich ausgeschlossen sei. Dr. Werkgartner sagte aus, er habe das Gutachten nur deshalb abgegeben, weil ihm gesagt wurde, daß noch keine gerichtliche Anzeige erstattet wurde. Sobald dies aber geschah, habe er sich von selbst zurückgezogen. Cr sei sofort beim Anblick des Fußes, der ihm über Gestattung des Mödlinger Bezirksrichters ausgefolgt wurde und den er im Beisein des Professors Haberda und des Dr. Paul ausgepackt habe, zur Ansicht gekommen, daß ein Unfall gänzlich ausgeschlossen sei. Der nächste Zeuge, Dr. Medak, der die Frau Tropper, die vor ihrem Tode eine entlastende Aussage zu Protokoll gegeben hat, behandelte, erklärte vor Gericht, daß er an der Frau schwere Störungen der Gchirnfunktionen und ein Nachlassen des Erinnerungsvermögens wahrgenommcn habe. Dieser Befund steht in Widerspruch zu dem Gutachten des Gcrichtspsychiaters Professor Bischofs, das die volle Zurechnungsfähigkeit der Frau konstatierte. Die Zeugin Anna W e tz e k mrd der Zeuge Leopold Bauer, die eine Gastwirtschaft in Vöfendorf betreiben, sollten darirüer befragt werden, ob M r a z sich geäußert habe, er wisse etwas über die Manipulationen an dem Fuß, die von den Aerzten im Mödlinger Spital vorgenommen wurden. Die Zeugen geben an, daß Mraz tatsächlich derartige Aeußerungen in ihrem Gasthaus gemacht habe. Sodann wurden nochmals die Sachverständigen Professor Meixner und Professor Maresch vernommen, die weitere Auskünfte auf Fragen der Verteidigung gaben. Verteidiger Kraszna stellte den Antrag, fünf von Hm namentlich angeführte Personen als Zeugen zu laden, die darüber Auskunft geben können, daß sie selbst Unfälle erlitten haben, bei denen sie auf einend Hieb mehrere Wunden dabontrugen. Bemerkenswert sei insbesondere die Geschichte eines Zimmermanns, der, auf einem Gerüst stehend, sich den Fuß glatt durchgeschlagen hat, so daß das Bein von dem Gerüst fiel. Der Staatsanwalt sprach sich gegen diese Anträge aus. Hierauf wurde die Verhandlung auf heute vertagt. iw: Pension Vogel iw fflerano Pension von Lsire 30*— aufwärts. Herrlicher Osteraufenthalt. für Pessadi wird um rechtzeitige öorbestellung gebeten. reo Arthur Fuchs rehabilitiert. Die Gtt»ts«uvaltfchaft tritt von dem Verfahren zurück. Oie die Korrespondenz Fliegauf ans bent Landesgericht meldet, ist die Staatsanwaltschaft von dem Bevfahren gegen Artur Fuchs, der am! 17. April v. I. nach mehrtägiger Verhandlung von einenr Schöffensenate unter Vorsitz des Hvfrates Dr. Dörr zu vier Monaten schwerem Kerker verurteilt worden \mt, zurückgetreten. Der Oberste Gerichtshof hatte das Urteil der ersten Instanz aüfgeh oben, weil in diesem nicht deutlich festgestellt worden war, ob Artur Fuchs bloß Botengänge verrichtet hat oder ob er cm den Handlnngm des Alexander Weisj. aktiv teilgenontmen habe. Die Aufhebung des Urteils durch den Kassationshof veranlaßte die Staatsanwaltschaft zu weiteren Erhebungen in der Prozeßsache. Nach der Ergebnissen dieser Erhebungen war ein strikter Beweis für die Mittäterschaft des Fuchs nicht mehr möglich Das Verfahr«: gegen ihn Mußte daher zur Gänze eingestellt werden. 81» fünftausend Jahre altes Grab. Aus Kairo wird berichtet: Eins neue, aufsehener-regenl» archäologische Entdeckung muß denen von Mr. Cecil F-irth hinzugefügt werden, der in Sakkara für die archäologische Abteilung der ägyptischen Regierung Ausgrabungen wrnimmt. Es sind noch keine (Hnjelljieiteu bekannt, aber sicher ist, daß ein fünftausend Jahre altes Grab der dritten Dynastie austzegvaben wurde, das in vieler Beziehung einzig dasteht. DaS Grabmal ist oben abgerundet und steht auf einem Teil der großen Grenzmauer, der die Stufeirpyrainide «umgibt, die beiläufig eine SD&tte im Umkreis mißt. Westlich an ihr ist eine große Stiege, die in den Felsen hineinführt. Zuerst hielt man es für das Grab Jmhoteps, des Architekten König Z o s e r S, der die Stufenpyramrde erbaute. Die Aegyptor ehrte,: Jmhotep als einer: großen Gelehrten ihres VoMS. Man schrieb ihn: die Entdeckung der Medizin, deS Rechtes. hMe aller Wissenschaften zu. Dort Eingang bildet ein dunkler Gang in: Felsen, der hirnter verfallenen Mauersfiicken verborgen ist. Dieser Gang zweigt nach verschiedenen Richtungen ab; eine Stiege führt: durch einen Torgang hinunter in eine Reihe Von unterirdischen Räume», die, mit Kalkstein ausgemauert, die ,Fa" (Seele) der Grabinhiabers darstellerr Zwei Räume waren einst schr kunstvoll mit blauen Kacheln, ähnlich den blaugekachelten Räumen der Stufenpyvamide, aber noch prunkvoller, ausgestattet. Einer dieser Räume hat drei blinde Türen oder Nischen, jede geschmückt mit 'einem Porträt König Zosers. in verschiedenen Gewändern und Stellungen. Jeder Muskel ist dabei deutlich zu erkennen. Diese Arbeit »st in sehr seichtem Relief und im kunstvollsten Stil der Zeit ausgeführt. Wem: auch die Figuren nur einen Millünecer. vorstrhen, kann man doch rede Einzelheit deutlich erkennen. Die ot? düsen Raum anschließenden Gemächer sind bis jetzt noch unev« forscht. In einem der Gänge fand man zwölf herrliche Wabastpvwrinkrüge, durchschnittlich 91 Zentimeter hoch. Es ist sicherlich eines der beachtenswertesten und älteste,: Gräber des archäischen oder Borpyramiden-Zeitalters, das je entdeckt Wurde. _ Am besten sind doch die Ceschka-höte VII., KBfserstraSo irr WIEN IX., Alserstrafio Nr. ft Frauenrecht in Aegypten Das ägyptische Anstiz ministe rinnt hat, wie Unser Korrespondent in Jerusalem berichtet, einen Gesetzentwurf über die Besserung der Rechtslage der mohammedanischen' Frau ansgearbeitet. Das tteite Gesetz verbietet ohne besondere richterliche Einwilligung die Schließimg von Mehrehen. Der Richter ist vorher verpflichtet, die Vermögensverhältnisse des Ehemannes auf seine Fähigkeit, mehrere Frauen zu erhalten, zu überprüfen. , Das gegenwärtige nrohamrnedanische Eherecht gibt dem Ehemann das Recht z'u einer mündlichen Scheidungserklärnny, die keiner richterlichen oder sonstigen Bestätigung bedarf, während der Frau in diesen Angelegenheiten kerne Meinungsäußerung zusteht. Durch das treue Gesetz sollen die Frauen sowohl in dieser Beziehung wie in den Fragen der Berntögensverwattung und Vermögensanseinanderfetzung besser gestellt werden. Int Falle einer Scheidung sollen Knaben bis Anw neunten urü> Mädchen bis zum elften Lebensjahre bei der Mutter verbleiben. Laube werden durch Radio-Apparate Aus Agram Mrd berichtet: Ungeheures Aufsehen erregen Experimente, die in der hiesigen Taubstuntmenanstatt vorgenommen wurden, deren Erfolge auf die Teilnehmer geradezu erschütternde Wirkung übten. Mittels eines Lampenapparates „Super" 7 wurden tauben Zögttllgelt der Anstatt, darunter solchen, die mit verschiedenen lingen der Anstalt, darunter solchen, die mit verschiedenerr schweren Erkrankungen der Gehörgänge behaftet warejll und solchen, di« vollständig taub sind, mit gewöhrilichen Komm« in die jüdischen Versammlungeni Höret eure Führer! Es kommt auf Jede Stimme an!

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