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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-06 · Heft 2912 (6.4.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2912 (6.4.1927)
Date
1927-04-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Lette Gien, Mittwoch Wiener Morgeir-ettrms g. April mn «*. MM 9(1« "W W frcifce Vertretungskösper und in den Bezirken Mariahilf, Neubau, Josesstadt, Währing und Döbling nur für die Bczirksve rtratumg cülein Wnhlvorschläge erfikttet. Um NaLionalmtSMMtdatc Lrwcrberr sich vm fechtsten Wächter eis zehn, in den übrigen Wahlkreisen je neun Parteien. Für den Grrrreindcrat mrd die DezirksvertreVMiMl ^vten insgesamt acht Parteien in dm WcWtvnpf. Riehl, der Wisches KapNal sucht. Wir habm kürzlich tun possierlichen Konflikt der nnnä-- nsichcn Pogromkommandanten Euza und JliescU geschildert, tie einarrder in osscncr Kaunnersitzung Vorwürfen, das; sie ruS geschäftlicher'. Grürrden eine sehr schrrfe Urrterscheidung Mscherr der: Juden als Ganzes und dm jndischm Privatserfonm machen. Der Antiserrritisrnus ist ein Mittel, UM Geld zu verdienen, und War auf zweierlei Art: Man macht sich einm Na,mn und man kann bei Jrrd-en erpressen. Solche Cuzas wachsen in jedem Land und aruch irr Oesterreich ist schon manches bekanrtt gewvttren, was die antisemitische Wettanschäuwrg in ihre« merkantilen Ausrrützüng zeigt. Der Gattermui)er, der für ein jüdisches Bankgeschäft Anreißerdieufte besorgte, gehört in dieses Kapitel. Mer auch Walter Riehl, der Stern in der christlichGAßdeutschen Einheitsliste, trnrd von der „Wiener Allgemeinen Zeitung" als vollständig reif für Cüzas Freundschaft hingenmlt. Er hat, wie dieses Matt mitteill, durch einm Journalisten — es dürfte dies der Herr Pöffel sein — jüdisches Kapital für eine Zeitmrgsgründnng zu interessieren gesucht. Er habe sich sogar höchstpersönlich an das Telephon bemüht, um einm leibhaftigen Juden von der Reellität des Planes zu iDerzmgm. Dieser Riehl gehört zu Cuza; jetzt ist er bei Seipel. Vielleicht wird er noch Au Oskar Berl Z. KATZ Atelier für feinste Herrenkleider - Lager In- und ausländischer Stoffe WIEN Vit, Marfahilferstraße 96, Mezzanin - Tel. 37700 Gegründet 1905 - Teilzahlungen ohne Preisaufschlag Das Dorotheum. Trotz der beruhige,üren Nachrichtm, die noch am Montag cmsgegebm worden waren, habm auch gestern ziemlich starke Abhebungen der Einleger im Dorotheum, sowohl in der Hauptanstalt als muh in den Zweiganstalten, ftattgesunden. Es dürften gestern während der Geschästsstunden zirka fünf Millionen Schilling zur Nüchahlung verlangt worden sein. Die Rückzahlungen vollzogen sich anstandslos, ohne jede Stockung. Montag hatte der erste Präsident des Dvrotheums, der frühere Finanzminister Segur, eine Besprechung mit dem Finanzminister Dr. Kienböck, sodMN mit dem Präsideirten der Nationalbank Dr. Reisch; für dm Fall, als die Kassenbestände des Dorotheums, dem m,s dm Pfändereinlösungen täglich nicht unansehnliche Bannittel zufließen, nicht ausreichen sollten, dürfte wahrscheinlich von auswärts Beihilfe geleistet werden. Die Geschäftsleitung des Dorotheums' hat gestern an die Ms Rückzahlung wartenden Einleger, welche sich insbesondere vor der Hauptanstalt in der Dorotheergasse in langen Reihen angestellt hatten, folgmdes Flugblatt verteilen lassen: „An die Spareinleger des Dorotheums! Jede Beunruhigung ist unnötig! Jede Einlage, auch bis zum höchsten Betrage, wird auf Verlangen sofort ausbetzahlt! Die Beamten, an welche dienstlich die größten Anforderungen gestellt rverden, arbeiten bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit! Ermöglichen Sie die glatte Abwicklung der Auszahlung durch Ruhe und Besonnen-- Heit! Nur'so wird es möglich sein, alten 'Anforderungen klaglos gerecht zu werden!" Nachmittags nahm der Andrang zu dm Schaltern ab. Generaldirektor Hofrat H a l l a m a hat gestern über seinen Wunsch einm Urlaub angetreteu. Die Geschäfte des Dorotheums führt in seiner Vertretung Regierung? rat Hofer. Das Kuratorium hat in -seiner gestrigen Sitzung sestysstellt, daß die erforderlichen Geldbeträge zur Verfügung stehen, und hat Vorsorge getroffen, daß auch m Hinkunft keinerlei Störung in den Auszahlungen eintritt. Es wird daher jede RlückAaHl'Migsanforderung restlos befriedigt werden köniren. We MaffeMMetzuns der Angestellte« des DorWeriniL Im Dorotheum faird gestern abends eine massenhaft besuchte Versammlung der Angestellten des Dorotheums statt. Der Vorsitzende, OberkomMissär Hofer, erstattete der Versammlung einm ausführlichen Bericht über die Situation, in welche das Dorotheum geraten ist und sagte Unter andereM: Schon m einer der letzten Versammlungen wurde über 'Verlustgeschäfte berichtet, die leider im Dorps t h e um vor ge kommen sind. Wir habm damals gefordert, das; von diesen internen Vorgängen im DorotcheNm! nichts in'die Oeffentlichkeit hinausgetragen werde. Leider ist dennoch über die Verlustgeschäfte berichtet worden taib bk Folge dieser Veröffentlichungen war, daß seit zwei Tagen ein Run auf unser Institut stattfindet. Wrrj wollen eine restlose Untersuchung über die Vorfälle, die zu diesen Verlustgeschäften geführt habm Und wob, len, daß die Schuld tragenden an diesm Geschäftm zUr Verantwortung gezogen werden. Der Verlust ist bereits beinahe vollkommen ab gedeckt. ' Der Obmann deS ArbeiterbetriebSrateS, Sekretär Rudol'f, beschäftigt sich mit den Informatoren veS in einen, Montagblatte erschienenen Artikels und sagt: Wenn es gelingt^ diese Leute zu eruieren, so werden wir wissen, Was wir zu tun haben. Es ist ein Ding der Unmöglich keit, daß vertrauliche Angelegenheiten des Jnsti» tnteS hiuauSgetragen werden. J Nach einer lebhaften Debatte tvUrde einhellig Me Resvr lution a,genommen, in der n. a. die maßgebenden Faktoren ausgefordcrt werden, ei,re strenge, vor niemand Halt machnde Untersuchung einzuleiten, die sich auch auf etwaige Informatoren DeS bezeichneten Blattes zu erstrecken hat, und alle an Viesen Vorfällen schuldig erscheinendem Personen unnachsichtlich zur Beranttvortung zieht. > RNselbrielkaste». 'Rätsel Nr. 19: Auf viele Ansragm 'teilen wir mit, daß die Filmschauspielerin (16 senkr.) Kallina heißt und unter dm römischen Fasinachtsspieleil (20 smkr.) Carri genreint ist. Rät sel Nr. 24: 31 wagrecht ist eins Ortsbezeichnung. Rätsel Nr. 25: 24 tvagrecht bedeutet Niederschlag. Rätsel Nr. 43: 18 wagrecht bleibt ein Buchstabe aus. Hienrit fmd unsere Veröffentlichungen bezüglich unserer ersten Preiskreuzworträtselkonkurrenz abgeschlossi,. Die näheren Mitteilungen über die Einsendungen! derLüfungen iverden wir in den nächsten Tagen ttcröffTon. kommen. Ar Hakenkreuzlügeu gegen Minifterialdirettvr Badt. Ane Erklärung des preußische« Muifterpräfideutt« 1« Reichstag. Berlin, 4. April. (I. T. A.) In einer der letzten NerchstagHtzungen hatte der völkische Abgeordnete Dr. Fr ick den „Zionisten und Marxisten" Dr. Badt, Ministerialdirektor und preußischen Bevollmächtigten beim Reichsrat, angegriffen und ihm vorgeworfen, er habe sich im Kriege >om Frontdienst gedrückt und hätte in der Etappe in Galizien wahrscheinlich nrit alten Hosen geschnorrt. Wie nun der amtliche preußische Pressedienst mitterlt, gab der preußische Ministerpräsident Brau n zu Beginn der nächsten Reichstagssitzung die folgende Erklärung ab: „In der 292. Sitzung des Reichstags vom 21. März 1927 hat der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Frick über einen Vertreter der preußischen Staatsregierung, dm stellvertretenden hauptamtlichen Bevollmächtigten Preußms im Reichsrat, Ministerialdirektor Ln.' Badt, folgendes gesagt: „Dieser Mann, der vielleicht noch während des Kriegs in Galizien irgendwo mit alten Hosen geschnorrt hat, maßt sich an, über einen deutschen Frontkämpfer zu urteilen^.," Demgegenüber stelle ich fest, daß Herr Mnifterial- Lürektor Dr. Badt, der. — seit 1908 im preußischen Staatsdienst — bereits vor dem Kriege die beiden juristischen Staatsprüfungen mit Prädikat bestanden hat, schon im August 1914 an der Front verwundet und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeWnet wordm ist, das er mit nachfolgendem Schreiben 'rhalten hat: Drnarville, 24. November 1914. ,Mem lieber Herr Badt! Anbei übersende ich Ihnen das Eiserne Kreuz 2. Klasst, welches Ihnen? Se. Majestät für besondere Aihmead-Bartteit i» Konkurs. Der QrKM-faLar des Einbruches in die Wiener ungarische •' '' GasanLtschast. Wie Londoner Matter melden, sicht der bei uns aus dm Zeiten des Umsturzes bekannte englische Journalist uamms Ellis Ashmead-Bartlett wieder im Vordergnmde des Interesses, eines Interesses allerdings, das die Finanzangelegenheiten dieses Mannes in einem eigmtümlichm Lichte erscheinen läßt. Letzten Mittwoch fand im Londoner Bankruptcy Court für Zahlung sunfähige die Verhandlung gegen den als „Journalisten und Kriegskorrespondenten" bezeichiretm Mr.Ashmead statt. Seine Passiven stellen sich auf 11.118 und seine Aktivm auf ganze 181 Pfund Sterling. Der Official Receiver, der das Amt eines dlnsgleichsverioaltevs irrnehat, machte, die Mitteilung, daß Mr. AHmead bis zuur Jahre 1916 als Kriegsberichterstatter mit einem Jahresgehält von 2000 Pfund Sterling tätig war. Später half er bei der Organisierung einer Gegenrevolution gegen die Bolschewiken in Ungarn und mx insbesondere der Leiter des Einbruchs in die Wiener ungarische Gesandtschaft. Für diese Dienste erhielt er gewisse Geldbeträge, die er in galizischen Petroleumaktim und anderm Effektm anlegte. Im Jahre 1923 verkaufte er einen großen Teil seines Aktienbesitzes und benützte dm Erlös zur Begleichung seiner Schulden bis zur Höhe von 8000 oder 9000 Pfund Sterling. Im Mai vorigen Jahres mußte Mr. Ashmead auf sein Abgeordnetenmandat für Hammersmith infolge des gegen ihrr eröfsneten Konkursverfah^ re ns verzichten, denn vor und seit dem Jahre 1921 wurde er von allerlei Geldverleihern ausgebeutet. Er gab zu, daß er sehr große Beträge im Kartenspiel irrd» auf dem Turf verloren habe. Diese Beträge dürften sich auf ungefähr 1000 Pfund Sterlins, stellen. Vom Betrage der Passiven fallen 10.565 Pfurw Sterling auf sogenannte kleine Taschenschuldm und deren angehäufte Zinsen. und Zinseszmscn. Der Gerichtshof wird seine Entscheidung' im Laufe der irächsten Woche verr'mwen. Umsicht, Unerschrockenheit und Kaltblütigkeit beim Melde reiten . im heftigen feindlichen Feuer v am 22. und 23. August 1914 verliehen hat. Die Herren, die Unteroffiziere, die Mannschaften der Kolonne und ich beglückwünschen Sie hierzu von Herzen.' Ihr ganz ergebener, gez. Roman Schmidt, Hauptmann d. R., Kolonnenführer 276." Auch in den späteren Kriegsjahren ist er gerade von seinen militärischen Vorgesetzten stets in ganz hervorragender Weise qualifiziert worden. Wenn demgemäß der Herr Mgeordnete D r. F r i ck in einer Etappe Galiziens einen Mann namens Badt kcnnengclernt hat, der mit Hosen schnorrte, dann ist dieser Mann mit dem preußischen Bevollmächtigten im Reichsrat, Ministerialdirektor Dr. Badt nicht identisch. Ick) muß daher seine Verunglimpfung dieses Bevollmächtigten Preußens zum Reichsrat, Herrn Ministerialdlrektors Dr. Badt, m-i t Entschiedenheit z u r ü ck w e i s e n." Diese Erklärung des Ministerpräsidenten löste bei einem Teil der Reichstagsabgeordneten erregte Zwischenrufe gegen den Abgeordn?!en Frick aus. In parlamentarischen Kreisen wird die gehässige Verunglimpfung Badts, die sich der Abgeordnete Frick zuschulden kommen ließ, besonders deshalb scharf verurteilt, weil er selbst höherer bayerischer Beamter ist — der bayerische Oberamtmann hat die Stellung des preußischen Landrats — und weil er, wie sich aus seinem selbstgeschriebenen Lebenslauf im Reichstagshandbuch ergibt, anscheinend am Kriege überhaupt nicht teilgenommen hat, jedenfalls nicht an der Front war. Lberkantor M. 9- Kauft»«»« gestorben. Der auch als Opernsänger bekannte OberLantor der hiesigen israelittschen Knltusgemeinde, M. B. Kau fma n n, ist gestern nachmcittags in seiner Wohnung von einem plötzlichen Tode hingerafft worden. Kaufmann mar durch und durch musikalisch und dabei einer der lieöensnnirdigsten und gütigsten Menschen, wohltätig und hilfsbereit, grundgebildet und belesen, gesellschaftlich ein gerne gesehener Gast. Im Herbst hätte er sein 60. Lebensjahr vollendet. Kaufmann entstammte einer angesehenen jüdischen Fannlie in Rußland. Der Vater Retz. ihn: eine gute Erziehung angedeihen, starb aber, als Kaufmann niach ein Kind war. Da der Sohn früh musilllliKhe Ba-- gabung zeigte, kam er an das Konservatorium nach Lemberg und mit gründlicher musikalischer Bildung vor beiläufig 24 Jahren nach Wien. Hier vollendete er am Klmservatorium seine Studien mit solchem Erfolg, daß er den Mahlerpreis erhielt. Ursprünglich widmete fick Kaufmann der Bühnenlaufbahn. Als lyrischer Tenor wirkte er mit großem Erfolg an den Operrttheatern in Dresden, Königsberg in Preußen, und namentlich am Prager deutschen Lan'oestheater feierte er Triunrphe. Auch gesellschaftlich hätte sich Kaufmann in Prag eine angesehene Stellung geschaffen. Auf den tüchtigen Künstler wurde die Prager Knltusgemeinde aufnrerksam. Sie berief ihn an die Synagoge in der Geistgasse und Kaufnrann entsagte endgültig der BühnenlalcVahn. Im nächsten . Jahr berief ihn die Wiener Kultusgerneinde. Sieben Jahre wirkte er an dein Gemeindetempel in Ottakring und kam dann als Oberkantor an den Stadttenlpel in der Seitenftettengasse. Sein grundgütiges Herz ließ ihn bei jedem Anlaß seine hohe Kunst in den Dienst der Wohltätigkeit stellen. Kaufmann war ein edler Mensch, er lebte nur seiner Mutter, derer: vor zivei Jahren erfolgter Tod ihn: den bittersten Schmerz bereitete. Bier Schwestern war er die die einzige Stütze im Leben.

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