Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2911 (5.4.1927)
- Date
- 1927-04-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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9lt; MN ©fett* Dknriaks WieneE MsrgettS«tt«nS S: Aprlk *997 GM»S Der Sohn des Moses Mautner Ifn Wiener Roman von Leopold Hlohler» Q»t>yW&fct!»t fc? tfe fcS-wU T%ri»«k Wlea — tjeU».!)» Gchtverer tvnk der Katupf um die GM^eruaubr, das „Fräulein" gewesen. — „Zu »vas e Gauvernant'?" hatte Herr Hermann gefragt; mtö Fmtt Sali erwiderte r „Die Kinder sollen französisch tctucu/* — „Was brauchen sie französisch? Hast du französisch geredi? Hab' ich französisch geredt? Wer hot überhaupt in Niklschpovg" — das Mautnersche Ehepaar ftmmuie ans Nikolöburg — „französisch gcredt?!" — „tzernmim t Du willst die Kinder um dreißig Jahr' zNrückerziehen! Heut' iS e andere Zeit!" — „Haßt e andere Zeit! G schlechtere Zeit!" Sv stritteir beide Gatten nur ihre Kinder; jedoch der Streit war fruchtbar: Das Korn, wanmr diese beiden havten Mlihlsteine aneinander rieben >— geriet. 3. Kapitel. Ich wende mich von den Mtan ab irnd kehre zur Jugend zurück, zu Gustav. — Drei Monate war er bereits in der Volksschule. Dia Ausweise wurden verteilt. Der Herr Lehrer hielt ein weißes Blatt in der Har cd und reichte es Gustav mit den Morten: „Brav, Mautner! Lauter Einser hast du, brav!" Gustav nahm den Ausweis und ging mit niedergeschlagenen Mrgen — U-ie beschämt — zu seinem Platz' zurück. — Nach Verteilung der Austveise wurden die Kirrder entlassen und Gustav lief, so rasch er nur kouubr, nach Hause. Herr Hermann und Frau Sali saßen im Speisezimmer ihrer Wohnung um einen runden Tisch, der in der Milte des Zimmers stand. Herr Hermann las eine Zeitung, die österreichische Wochenschrift, vielmehr er las seiner Frau vor, denn »venu ihm ein. Artikel gefiel — und fast alle Artikel der Wochenschriften gefielen ihm —, las er gerne vor. Er hatte den Zwicker auf der Nase und las mit bewegter Stimme von der Schlechtigkeit der Antisemiten und der Reinheit der Juden. Frau Sali saß ihrem Manu gegenüber, an der anderen Seite des Tisches und stopfte an einem braunen Strumpfe. „Alles stoßt er durch!" — dachte sie tadelnd. — „Ich versteh' nicht, wie e K'md "o vre' Stump, zerreißen kann!" „Hörst du, Sali?" rief indes Herr Hermann uitb blickte von der Wochenschrift zu seiner Frau hinüber. „Hörst du, Sali! Bloch hat e große Gewure! Was sagst du dazu?" — „Sehr gut, Hermann, sehr schön!" sagte Frau Sali, obgleich sie kein Wort vernommen hatte. — Herr Hermann befeuchtete nun den. Zeigefinger seiner linken Hand, deS Umblätterns wogen, da — wurde die Glastüre, die Berbindungsttire zwischen Küche und Speisezimmer aufgerissen und Gustav stürmte herein. Hoch schivenkte er ein weißes Blatt. „Vater! Mutter! Ich Hab' den Ausweis bekommen! Lauter Einser!" Herr Hermann legte die Wochenschrift auf den Tisch. Frau Sali tat das gleiche mit dem bräunet: Strumpf und dann betrachten die Eltern einander und schmunzelten. Indes war Gustav zur Mutter gestürmt und hatte sie umarmt: „Mutter ich bin so froh!" Frau Sali zog den Buben auf ihren Schoß, streichelte seine schivarzen Locken. „Schön ist das, Gustileben! Schön, daß du uns so e Freud nrachst!" Herr Hermamr nmßte zurrächst seine Rührung überwinden; dann ging er um den Tisch herunr, gab dem! Bube»: einen leichten Klapps, was eine Auszeichnung bedeutete und sprach: „Schön, Gustr! Schön. Wenn du nur..." Eine Wolke zog über seine Stirne. „Wenn du nur so im Ghumesch lernen nröchtest!" Der alte Herr karrnte kein uneingeschränktes Lob. Er heftete zur Ernüchterung — „damit sie nix zu übermütig ivern," wie er sagte — jeder Anerkennung euren kleinen Tadel au. Die Mutter aber lebte im reinsten Glücke. Sie küßte ihren Jüngsten und sprach zärtlich: „Und jetzt, mein Kind, darfft du in den Hof hinunter und spielen! Und weil du so e schönen Ausweis gebracht hast, kriegst von mir.. sie entnahm ihrem alten, ziemlich abgenützten Portemonnaie — im Hause Mautner wurde alles lange getragen — ein Bierkreuzerstück. „So. Da hast du. Llber nix gleich vernaschen!" Gustav nahm, lief aus dem Zimmer und über die Stiege in den Hausflur. Dort stand er eine Weile und horchte! rrach Schritterr, ob die Mutter rrächkäme? Damr schlich er leise aus die Gasse und in den Greislerladen. Herr Magerer, der Besitzer des Ladens, war Hausbesorger und — Greisler. Er las, so wie oben der Hausherr, gleichfalls eine Zettung.?lber er las nicht vor, denn seine Frau bediente im Laden und ferrrer las er nicht bis Wochenschrift, sondern das Deutsche Volksblatt. Es war kein großer Unterschied; nur wahr es im Deutschen Volksblatte umgekehrt: Dort waren die Juden die Schlechten und die Anttsemiten die Reinen. „Was kriegt denn der Hansherrn-Gusti?" fragte Frau Magerer. Gustav wendete das Vierkreuzerstück verlegen in seiner Hand und überlegte. Endlich entschloß er sich und rief: „Zwah Kreuzer Saure!" Da fiel ihm das Verbot seiner Mutter ein, mrd weil er ein folgsames And war, erwarb er für den Rest des Vierkreuzevstückes „Kugeln". Mit diesen Schätzen, de» ,,Sauren" und de» „Kugeln" lies er i» den Hof. Oben im Speisezimmer hatten Herr und Frau Mautner eine Weile den Frieden am Tische betrachtet: Die Wochenschrift und den braune»: Strumpf; dann gingen sie z>U»n Fenster und saheu nachdenklich hinaus. Der alte Herr sch in die schmale Gasse hinunter; (8, MifttzUNtz) «her Frau Sali blickte Mittzr in Rtz ftrrw Zukunft hinaus u«t» träumte vorn Ghiimasium und der Hochschule mrd werter und weiter. Das Herz ging ihr über und sie faßte ihren Marrr: zärtlich beim Arn: und sprach leise: „Hermann! Wirst de sehen, der wird studieren! Wenigstens ahner vorr unsere Söhn'!" — „Schön wär's, Sali. Mer ich fttrcht': sS wird uns mit ihn: aach so gehen, wie nnt die andern. Später wird er uix lerrren wollen m:d ma wirb ihn aach ins Geschäft nehmen Msseu!" — „Hermann! Der nicht! Er hat der: Kopp dazu. Der wird studieren!" — „Glaubst tot »oirklich?" — „Ob ich glaub'! Urrd schau' Hermarrn: wir müsse»: glauben. Jetzt ham mr ja keilten mehr, aus fctcit mr hossei: fönucrt. Er is der Jüngste: unser? letzte Hoffnung!" — „Ja," sagte Herr Hermarm. (Fortsetzung folgt.) LrLELOKARGSkrL KL« sieh die ÄUersbeschweTdes» durch Oebrauch von Sklsrolsyrup nach Univ.-Prof. Dr. Mladejovsky. DnH, Rock schreibt: „Ich habe Sklerolsyrup verwendetunt* stets se 'r gute Erfolge erzielt. Wenn Ich Sklerolsyrup zur Verfügung habe, lasse ich jedwedes andere Präparat beiseite., In allen Apotheken erhältlich. Hauptdepot »Apotheker C. BRADY, Wien,LtRotenturmstr.H Wolßswitisdiimßt. las wirtschaftliche Wahlvrogramm der „kinheitsfrant". Eine Rede Sr. Seipel» im gndusttiellenverbaud. In der gestern stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung des H a u p t v e r b a n d e s der I n d ust r i e O e st c r r e i ch s ergriff auch Bundeskanzler Doktor Seipel das Wort. Das Thema, das er sich für seinen Vortrag gewählt hatte, hieß: „Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Mittelpunkt des Wirtschaftsprogrammes." Etwas weniger gewunden ausgedrückt sollte die Rede des Bundeskanzlers wohl das wirtschaftliche Programm der christlichsozialen Partei und der mit ihr in der R.gierung koalierten großdeutschen Reststimmler samt den '<* die Wahlliste einbezogenen hakenkreuzlerischen Adnexen, also der sogenannten Einheitsfront bilden. Die Rede des Bundeskanzlers hat in dieser programmatischen Hinsicht schwer enttäuscht, wenigstens denjenigen, .der ein positives wirtschaftliches Wahlprogramm erwartete. Für denjenigen, der die programmatische Leere österreichischer Wahlkämpfe kennt, war sie nur eine Bestätigung dafür, daß die regierenden Parteien ein positives wirtschaftliches P r o g r a m m nicht besitzen. Der Bundeskanzler ging von der Arbeitslosigkeit als Folge der Deslatiorrspolitik aus und wandte sich den Wogen zu, die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit führen können. Als solche führte er zunächst die V e r h i nderung neuer Arbeitslosigkeit an, ferner die Schaffung neuer A r b e i t s g e l e g e n h e i t e u, was beides nur durch Hebung unseres volkswirtschaftlichen Realeinkommens zu erreichen ist. Was die Schaffung neuer Arbeitsplätze anlangt, so vevwics Dr. Seipel auf das I nvest i t i o n s b e g ü n st i g u u g s g e s e tz, das die Modernisierung der Betriebe angeblich gefördert hat, auf die Begünstigungen im Ware n u m s a tz st eue rg e s e tz, auf die Erleichterung der Körperschaft sst e u e r und auf die Förderung des Exportes nach R u [■ la n d. „Mancherlei" — fuhr Dr. Seipel fort — „ist auch in Vorbereitung begriffen, allerdings in einer Vorbereitung, deren Dauer nicht so sehr vom Datum des Wahltages, als von der sachlichen U e b e r p r ü s u n g schwieriger Materien bestimmt ist. So hat das von Herrn Artur Krupp initiierte H o t e l >g r ü n d u n g s p r o j e k t als Teil einer großzügigen Ausgestaltung des Fremd e n v e r k e h r e s unser Interesse gefunden; so haben wir der Ausgestaltung des Schutzes unseres Inland s Marktes' besondere Beachtung geschenkt. Noch woitergehend, werden wir Anregungen zu prüfen haben, die auf eine Ausgestaltung unseres Jnd u st r i e n e tz e s, aus die Hebung unserer w i r t s ch a f tl i ch e n Autarkie hinzielen. Dem bewährten Beispiele mancher Staaten folgend, werden wir zu untersuchen haben, ob nicht St e u e r- und Abgabeerlelchter u n g e n heimische Unternehmerkreise zur Schaffung mancher Produktionsphase ermutigen könnten, die derzeit noch im eigenen Produktionsapparat fehlen, und ob nicht aus diesem Gebiete der produktiven Arbeitslosen fürsorge noch mancher Erfolg beschieden sein könnte. Ganz ähnliche Rücksichten müssen hinsichtlich der Steigerung unserer l a r: d w i r t s ch t l i ch e n Produktion gelten. Nur eine Landwirtschaft, die ficf I. Preis; Else BlblioM von 300 Binden!>. Preis: Eine ßratisreise nach Palästina III. Preis: Fünf Dunam Land in Palästina nnd weitere 47 Preise Kreuzworträtsel-Preisausschreiben Ausschneiden •:- Erfahrätsel für Nr. 22 1 1! 2 i31 F 5 6 J 7 | i i 8 9 i 10 I! m 11 ,12 W 13 14 15 i in 16 . i! 17 ü 18 □ 19 | 20 W W! » 21 : 22 i L, 23 | i 24 m 25 1 1 i 1 26 27 » L 28 | 29 i « W 30 | . 31 32 33 I ■ 34 35 m 36 37! ■ 38 . W 39 40 1 i 4i W ü 42 43 j 44! 45 46 47! 1! j . 48 i.! 1 Bedeutung der Werte: Stm-uchart, 9 Aiuifigeild, Wagrecht: 1 Zeichen, 4 10 Eins (errgl.), 11 Bindewort, 13 Titel, 1b HeAivg (lat. AWürzung), 16 Kopfbedeckung (Mehrzahl), 18 Chem. Formel für Natrium, 16 Lebensgemoinschast, 21 Chem. Eilsment, 23 Siiidifruchd 25 Religion, 26 Sellen, 28 Studenteniwohnun^ 3V Nährmutter, 33 Stra-ußenart, 34 wie 1 wagrecht, 36 Sym. für rein, 37 Mbtürzung für fno looo, 38 Mienenspiel, 39 Mphalbechsnachibarn, 40 Mederschilag, 42 Löistmg: 43 Tochter des Kaisers Aiuignstus, 4b Deutsche FunkstaÄvn, 47 Voll? (gviech.), 46 WeM. Gesta-ll aus „®ort Carlos". SenLrecht: 1 Kleidungsstück, 2 Engl. Bier, 3 Jtal. Ar- Mel, 4 AbWrziung für eine Gchelkschastssicma, 5 Lust (engl.), 6 Hauptstadt in Portuig.-Tlisriba, 8 Waster (sranz.), 9 Teil des Baumes, 10 Chem.- Formel für Osminm, 12 Europäische Währung, 14 Ehern. Formel für Tantal, 16 Diorsutter, 17 Aggreigoizustand des Wassers, 30 Mohnnrm. Einwohner Indiens, 02 Göttersitz, 34 Fürwort, 25 Ghem. Formel für Jrüdium, 27 Der erste Mensch, 38 Wildes Tier, 29 Getrübter Vokal, 31 Seerose» 32 Oper von Verdi, 34 Sagenhafter reicher König, 35 Vorname einer belnnntcn Filmifchar'.s^ielerin, 41 Letzte Buch staben von „Konsuln", 42 Tonstück für zwei Instrumente 44 Geliebte des Zeus, 46 Jüd. Nionat. Unser R ä t s e l b r i e f k a ft c u Mangel erst morgen. crstbeint wegen Raum Name: Adresse: Ausschneiden