Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2911 (5.4.1927)
- Date
- 1927-04-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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reite Wie«, Dienstag Wiener MorgenzeLtmrg 5. April 192? Nv. 8SN Nicht f Ae Mische Liste 8« den Ratlmnckmt: Wie». Mdoit <r. A» u. »eziry Robert Stricker, Oberbaurat, Wien. Dr. Desider Friedwaun, Rechtsanwalt, Wien.-. Dr. Leo. Goldhammter, Rechtsamvalt, Wie». Meier Henisch, Privatbeamter, ien. z» allen lldrigen sechs Mencr Wallirrellen lalltet die Milche Lifte, dir zugleich auch Wahltkels-MdaMlifte. ist. wie Mit: Dr. DeMer Friedmann, Rechtsanwalt, WM- Dr. Max Bernhardt, Rechtsanwalt, äBteit-p* Karl Schwarz, Kaufmann, Graz. v ' Dr> Lndlvig Rvsenheck, Rechtsanwalt, W8^- >8n de» Grmeinderat; 1. Bq«: Dr. MsBer-Friedmann, WechtÄVüvalt, Wtzu. Dh Astred' Sötw.y, Arzt, Wien. """ 2. Bezirk: i Dr. ÄeopM Pl'aschkes, Rechtsanwalt, WW> .*■" Dr. Desider Fried mann, Rechtsanwalt, WieA Robert Stricker, Oberbaurat, Wien. Dr. Leo Gold Hammer, Rechtsanwalt, Wlötk. Franka Ritter mann. Private, Wien. Viktor Bauminger, Kaufmann, Wien. Meier Henisch, Privatbeamter, Men. 9. Bezirk: Dr. Leo Gold Hammer, Rechtsanwalt, WM. Dr. Desider Friedmann, Rechtsanwalt, WiM. Sabo Schmerler, Privatbeancker, Men. Hugo Rechnitzer, Prokurist, Men. Dr. Alfred Löwy, Arzt, Wien. Elba Finke-lstein. Private, Men. 29. Bezirk: Rodert Stricker, Oberbaurat, Wien. Wilhelm Pethyau, Fleischhauer, Wien. Frau Perl Modlinger, Private, Wien. Sie antisemitische Knheitslifte komtzlettiert sich. Bon den Hakenkreuzlern gibt es bekmmtlich in Oesterreich zwei Spielarten: die tzitkergruppe urrd die Schulzleute. Das Gros der Anhänger beider Parteien rekrutiert sich aus Schülern mittlerer und höherer Lehranstalten, die noch kein Wahlrecht besitzen. Ueber den Anschluß der wahlberechtigten Reste dieser beiden Parteien an den großdeutsch-christlichsozück-Hornik-Liberalen Mock werden gegenwärtig Verhandlungen gepflogen. Für alle Fälle haben beide Gruppen noch rchch vor Torschluß ans SaMstag eigene Kandidatenlisten emgereicht. Die Httlerleute haben die Listenbezeichnung „Völkisch-sozialer Block" gewählt und kauditieren angeblich in Gemeinschaft mit einem „Bu nd der Freien". (Was und wer ist das?) in Wien, Riederöflerreich Und Kärnten. Die Schulzgruppe wählte dagegen den Titel „Völkische Einheitsliste". In ienigen Ländern haben bereits beide Gruppen der Hakenkreuzler ihren Anschluß an die Einheitsliste Seipel-R'iehl- Kink vollzogen. In Wien wird noch, wie das christlichsoziale Reuigkeits-Weltblatt" meldet, wegen des Eintritts der Hakenkreuzler in diese Einheitsfront verhandelt. Man würde im gegebenen Falle den Hitlerianerir und Schulzleuten auch eine entsprechende Vertretung auf den Kandidatenlistkn <finräumen. Dann wäre die antisemitische Einheitsfront komplett. Nachdem die Israeliten von der Facon des Herrn Oskar Berl sich mit der Kandidatur des Dr. Riehl in der Leopoldstadt abgesundcn haben, glaubt man ihnen auch noch die Pogromhetze? der beiden nationalsozialistischen Gruppen zumuten zu können. Die Rechnung kann schon stimmen. , ■ ' ' Das Endergebnis der Wahlen in SalMrrg liegt nunmehr vor. Es achtelten bei einer Verminderung der Landtagssitze von 28 auf 26 die Christkichsozialen 13, die Sozialdemokraten 9, die Großdeutscheu und Nationalsozialisten 3, der Landbund 1 Mandat. Die Verringerung der Landtagsmandate geht auf Kosten der Christlichsozialen und Sozialdemokraten, Cdie je 1 Mandat einbüßten. Gegenüber den Nationalratswahlen des Jahrds 1923 verlieren die Christlichsozialen rund 6000 Stimmen, die Sozialdemokraten gewinnen ungefähr ebensoviel. Wurde man die für die Einheitsfront erreichbaren Stimmen zusammenzählen, so erhieltie sie bei den Nationalratswahlen 4, die Sozialdemokraten 2 Mandate, tvährend bei den Wahlen im Jahre 1923 die Christlichsozialen 4 nnd die Sozialdemokraten 1 Mandat bekamen. Ler Verband jüdischer Kaufleute. Industrieller twb Gewerbetreibender slir die Mische Lifte. Vorgestern vormittag hat, wie angekündigr, inst Bürgercafe in der Praterstraße eine Versammlung des Verbandes jüdischer Kaufleute, Industrieller und Gewerbetreibender stattgesunden. Die Versamnvlung war sehr zahlreich besucht und wurde von dem Präsidenten des Vereines österreichischer Hände isctzntretcr, Herrn A. M. Ehrlich, geleitet. Das GitzMum österreichischer Handelsvertreter, reisender Kaufleute und Kommissionäre war durch Abordnungen Vertreter. Es wurde folgende Resolution einstimmig beschlossen: „3)te Versammlung beschließt, nur für die offiziellen Kandidaten der jüdischen Liste wie ein Mann zu stimmen nnd fordert alle jüdischen Wähler und Wählerinnen auf, nur die jüdische Liste zu wählen, da nur die jüdischen Mandatare auf jeden: Gebiet und für jeden Stand unsere Rechte und Interessen bei den gesetzlichen Körperschaften wahern, vertreten, fördern Md erkämpfen können." * Die Geschäftsstelle des neugegründeten Verbandes der jüdischen Kaufleute, Gewerbetreibender und Industrieller befirLet sich in Men, 2. Bez., Rembvandtstraße 16, Telephon 45-K-34, wohin auch AmneDungen zu richten und ÄnMnfte erhältlich sind. Stto Bauer berichtigt. ffih erhalren die folgende Zuschrift: ,KS ist rmwahr, daß ich in einer Versammlung aas der Weden, die Mittwoch stattfand, als Hcmptrekmer erzählte, daß stch Dr. Svipcll bemüht habe, die Zionisten M gewinnen, der Plan sich jedoch zerschlagen habe, da Nie MaudaiSwünfche der Zivowiffton nicht evfMr werden ionMon. Wahr ist vielmehr, baß ich niemrälz sine solche Erklävung akysgebon habe. Wahr ist, daß ich in der Vevsammluirg aus der Wiede» erklärte, tatz Dr. Seipel auch die Monisten für die Einheitsfront gar gewinnen wünifchte. die Zionisten jedoch darauf nicht eingegangen seien. Dr. Otto Bauer." » Die hier berichtigir Aaußevung ist uns von einem zuverlässigen Gewährsmann milgsteKt worden, dessen Schilderung des Vorfalles anzuzweiifeln wir leinen Grund haben, umso- ' mehr, als sie ums auch aus Vorhalt wiederholt wurde. Uebrigens hat ums Herr Dr. Bauer auch eine zweite Berichtigung geschickt, in der er Zugibt, daß er ,-von einem eventuellen, Eintritt der Zionisten in die Einheitsfront spracht. Illdische Studenten und SMentinnr«! Am 24. April finden die Wahlen in den y*::_>.tafröt und Gemeind erat statt. Ihr dürfet nicht untätig abseits stehen, wenn es' üm die Ehre und Sicherheit Eures Dolles geht. Ihr müsset akttv in die Wahlarbeit eingreifen, dein: auch Eure Interessen stehen auf dem Spiele. Ein Gesetzesantrag ist in Vorbereitung, der unter Betonung des gro.ßd eutschen Charakters der Universität einen Großteil der jüdischen Studenten an den Hochschulen rechtlos macht. Ihr seht, es geht irar Eure Zukunft! Auf zur Arbeit für die „Jüdische Listet Mit jüdischem Gruß LandeMerband zionistischer Hochschüler. ■* Donnerstag, am 7. April, um' 8 Uhr abetcks, findet in der „Jüdischen Lese- und Redehalte", 9. Bez., Türkenstraße 9, eine jüdische Studentenversammlung statt. Referenten: Oberbaurat Robert Stricker und Dr. Leo GoldhamMer. Indische Stutzer erscheinet, zahlreich! Sie Gefahr eines Aerzteftreik« ia Lefterreich. Das Mimatum der Aerzteorganifation, Wer dessen BorgieMchte bereits berichtet wurde, läuft Samstag 'ab. Ein Communique der w'rrtschafMchen Organlifation der Aevzte Mens teilt mit, daß die Aerzteschast gllaubt, schon zu lange Mgewartet zu haben und nunmehr ihren Forderungen den stärksten Nachdruck verleihen wird. Die Aerzteschaft spricht die Hoffnung aus, daß man von maßgebender Seite den Ernst der Situation begreifen und sie nicht nötigen werbe, p gewerkschaftlichen Ab- Wehrmaßnahmen p grelifeu. Doch saien die BarLereitungen dazu in vollem Gange. Sonntag habe sich in den Rämnen der Äergteovganifation ein Widcrstandsko-mit«« o rg a tt i * fiert und weitgehende Beschlüsse gefaßt. Sollte es Samstag zu einem Aerztestrett kommen, hen pnächist die Spitalsambulatorien gefchiojijen und die Tätigkeit der Kran Le nkasfen lahmgelegt werden. Falls /die Fordemngen der Aeyztelschaft auch dann noch nächt erfüllt jverden, so find weitere Verschärfungen in Aussicht genommen. Ein ärztlicher BereitschaftS» dienst Aeibt auch während des Streiks aufrecht. E Mt 97 Prozent RegelmMgkett M 199 Prozent Sicherheit. wurden die KLnlen per Pvmjfchen LllriftverlchrS^A. „Aevoilot", Wien. 1. Bez., Degctthafifftvcche 7. Tel. 71-0^4, mit GmWrewWuggengen beflagon. I 3 VlLdiLir KiPom zu dem Ersatx-Kreuzwort-Ratsel llra Nr. 22 M Praktischer Antisemitismus. Ern Wiener jüld^rscher Schriftfe her. dessenNaiM «nd Abrefse amS bekannt ist, erschien gestern mit der Zuwei,fnngSkavde seiner Stellenvermittlung bei der Kiruna Kavl Schwidernoch, graphische KurHawstalr, Buch- und Kunftdvuckerei, 6. Bezirk, Maviahilferstva-ße 101. Man fragte ihn, ob er Jude fen, und als er dies bejahte, wurde erklärt, daß man «ihn wegen se-iner Zuyehöriigkeit zum Judentum wicht awsivehmen könne. Uelber Ersuchen des stellenlosen' SchviftisehevS wrrrde diese Begründurng onch an-k feiner -AuweksunMarte vermerkt. Prftsidrnt Masarhks PalWnareise. Das Programm des Aufenthaltes. Mß Jerusalem wird uns gemeldet: Für den Aus» enthalt des Prälstdenten der tschecholMvakischen Republik, Doktor Mafaryk, in Palästina, der, wie bereits bevichtLt, am 7. April von Kairo nach Jerusalem ab re ist, ist das Programm bereits in großen Zügen festgestellt. In Jerusalem wird der Präsident, der inkognito reift, weshalb kein offizieller Empfang statkfindet, von Instituten nur die jüd-sche National- und Universitätsbibliothek besichtigen. Aus seiner Reise durch das Land'wird Dr. Masaryk von Haifa aus die vornehMich von Ischechoslowabischen Juden besiedelte landwirtschaftliche Kooperative Beth-Alpha besuchen und von dort aus bei Beth San — der von den letzten Kämpfen Sauls her bekannten Stadt, die jetzt von ainerilanilfcher Seite ausgegraben wird — über^ die neue Jordanbrücke auf das östliche Jordanufer fahren, wo er die laMvirdschastliche D a g a n i a h des Keren Hajessod besuchen wird. In Nazareth wird der Präsident Mernachten und am nächsten Tage die von der zionistischen Frauenorganifation unterhalltene Mäidchenlehvfävm in Nahal al und das Dorf Nahaläl besichtigen. Der tschecholslowabvsche Konsul in Jerusalem, Dr. Fri tz, wird den Präsidenten durch das Land begleiten. In Nahalal werden sich ihm die Mtglieder der Zionistischen Exekutive ^und die'Leiter des Kewn Hajeff>nd und des Jüdischen Nationalfonds vorstellen. Bsr dm Aadttatswchle» in MMna. Bon Dr. Fritz LÄvenstein, Jerusalem. J»t der Geschichte der ersten Wahlen'zu dou Stadträten in Palästina ist ein neues Kapitel beendet worden. Die Eintragung in die Wählerlisten,. nach Kurien getrennt, ist beendet und die Regierung kann sich zu dem Ergebnis bogWckwünschen, das sie von vorneheroin planmäßig verfolgt hat und das darin bestand, jüdische Mehrheiten, mit aller» Mitteln hinianzuhalten. Es soll hier noch einmal an all die Tatsachen erstmeÄ werden, die diese Tendenz unwiderleglich beweisen. Die Juden waren von dorneherein in einer ungünstigen Position, da viele von ihnen nicht pa'läftinenstsche Staatsbürger.sind, sei eS, weil sie noch nicht die erforderlichen zwei Jahre im Lande sind, sei es, weil das schlechte Gesetz sie abschreckt oder endlich aus mangelndem nationalem Gefühl. Damit tvar zahlenmäßig für die Juden schon viel verloren. Dann kam das Wahlgesetz sÄvst, mit dem verhältnismäßig hohen Mindsstalter für aktives und Passives Wahlrecht und mit dem hohen Zensus; vor allem aber wirkten die nachträglichen Maßnahmen, die allein daraus abgestellt waren, die etwa noch best ch enden jüdlischen Chancen zu vernichten: die Zusammensetzung der örtlichen Wahlkom- Missionen, die Privilegierung der Araber in der Mtstadt von Jerusalem, die Ausschaltung der neuen jüdischen Viertel Jerusalems und die Entrechtung der Bewchner Del Awiws bei den Jaffaer Wahlen. Den würdigen Wschluß dieser Maßnahmen bildete die Ernennung einer obersten Wahlkommisfion, bestehend aus zwei Engländern und zehn Arabern, ohne ein jüdisches Mitglied! Man muß beinahe sagen, daß ein Teil dieser Maßnahmen auch genügt hätte und daß die Regierung pviel deS Gute» getmr hat. Me Wahlen selbst werden Werail spätestens bis Ende April beendet sein. In Jerusalem werden auf Grund der Eintragungen in die Wahllisten zu wühlen sein: 5 Mohammedaner, 4 Juden und 3 Christen, also ein Drittel Juden, während die Inden etwa zwei Drittel der Bevölkerurrg sind. Man spricht von rreuen Versuchen, auf die Regierung einzuwirken, droht mit eventueller Wahlenthaltung. Aber es ist klar, daß eS jetzt nichts mchr fruchtet und die Regierung nicht von Hrer^ Politik abgehen witt», die sie so zievbowußt verfolgt hat. Der Eindruck bleibt jedenfalls, daß die Politik des Jischmv in der ganzen Angelegeich eit etrvas schwächlich war, aber es ist zwecklos, dies nachträglich feftWstellen.