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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-03 · Heft 2909 (3.4.1927) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2909 (3.4.1927)
Date
1927-04-03
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2909 Wien, Sonntag Wiener Morgenzettnug 3. April 1937 VKeW 2M» fiel und seither b«ic Polizei bei ihren Leichenbegäng- 'üffcn aus rücken muß. Sie werfen ihnen vor, in ihren Synagogen gehe es wie in Kaschemmen zu — ich aber sah nach niemals eine Kaschemme, in der ein solcher Lärm mrd ein solches Chaos geherrscht hätte, wie in der Sla Kebira, der Großen Synagoge von Tunis, noch nie sah ich, d-aß Gäste eines Wirtshauses ihre Stühle auf den Schanktisch stellten, hier, in der Sla, saß man aus dem Podium kreuz und quer und brüllte fromme Worte. Die Tuairsi (Subjekt) hingegen verachte,: die Grani (Objekt), weil diese sich assimiliert haben, sich nicht schämen, Soldaten zu sein, sondern sich außerdem einreden lassen, es sei ehrenvoller, sich „Mario" zu nennen, wenn man Mordechai heißt, und vor allem, weil es weniger livornesische als tunesische Juden gibt, und doch die Livvrneseü siegen, da die Zeit für sie arbeitet. Des Tuansi Tochter will keinen Zuckerhut auf dein Kopfe tragen utid zeigt die Hofen nur, wenn sie in ihren kurzen Röcken mrd mit gekreuzten Beinen in der Straßenbahn sitzt; des Tuansi Sohn trägt zwar noch den Fez, aber er legt ihn ab, wenn er Fußball spielt oder Charleston tanzt. Die Zeit nimmt ihren Lauf. Und während draußen die Araber, einst Herren des Reiches, Genrüst verkaufen, zündet der alte tunesische Jude hinter dem Portieus des Scipio Aemiliatms resigniert feine Sabbatkerze an. // Magen- und Darmkeiden werden durch eine einfache Venecin-Trinkikur erfolgreich bekämpft. Der Sohn des Moses Mautner Ein Wiener Romen von Leopold Hichlen. Copyright 1927 by B. L&wlt Vorlag, Wien — Loijnlg 1. Kapitel, Herr Moses Mautner war ein reicher Kaufmann und dmnoch — oder vielleicht deshalb? denn mit dein Besitz wächst das Verlangen — gönnte er sich iveder Rast noch Ruhe und arbeitete den ganzen lieben Tag. Nur zuweilen, nach besonders geglückten Geschästeu, ließ er sich ein wenig gehen und lebte dann der Familie. So war es auch an einem schönen Septenchermorgen. Herr Mautner — er ivar ProdukteichLndler — hatte den Tag. vorher ein g'ntes Geschäft abgeschlossen und sprach schmunzelnd zu seiner Frau: „Sali! Heut' bleib' ich zu Hans und nach dem Frühstück geh' ich mit die Kinder in den Prater! Ich sag' dir Sali: An die trockenen Hänt — Mbo — ist noch zu verdienen! Ich Hab die Haut' gestern gut; verkauft!" — s 1 '! ]' * Frau Sali saß Ln tiefen Gedanken. Sie dachte an ihren jüngsten Sohn, der heute das erstemal in die Schule sollte. „Ich '!weiß nicht, Hermann!" Sie nannte ihren Mann immer Hermann, denn „Moses" klang der etwas assimilierten Frau zu grell. „Ich weiß nicht, Hernmnn," begann sie und blickte ihren Mann ratlos an, „was ich machen soll? Gufti fürcht' sich vor der Schul'. Er Witt nicht in die Schul'!" „Warum?" — „Weiß ich?" — „Wo JN3GOC»tnmQQOOOQÖCeXit!OGÖGGCra»CG0O^^ l Preis: Eise Blbliothsis von 300 Binden il. Preis: Eins Oratisreise nach Palistina Hi, Preis: Fünf Ounam Land In Palistina and weitere 47 Preise «pso Unser mm 3 M Kreuzworträtsel-Preisaussclireilieii lWAWWNB --Ausschneiden- SVr. 50 rssEssssanmsEm 18 BWMWSr Name: Adresse: .....—... ....Ausschneiden.- BESEIGHITOIfG DW WORTE s 1 Agregatzustand des Wassers, 4 Kaffee- Wagrecht _ _ satz, 7 Vor- und Zuname eines Führers der zionistischen Bewegung, 14 Japan. Münze, 15 Heilig (fremdrpr.), 16 Fluß in Polen, 19 Deutscher Kurort, 21 Oedichtsform, 22 OetrUt k, 24 Einschnitt, schmale Furche, 25 Türk, Richter, 26 Franz. Physiker, gest. 1853, 28 Mit(ital.), 29 Uferstraße, 3t Freund (französ.), 33 Voru. Zuname eines französ. Scbri,(stelle«, 40 Klostervorstand, 41 Göttin der Moigenröte, Senkrecht: 1 Nahrungsmittel, 2 Vorwort mit Abk. für eine Himmelsrichtung, 4 Italien. Musiknote, 5 Deutscher Dichter, 6 Abk. für ein Längenmaß, 7 Ital. Kolonie, 8 Chem. Form?! f. Helium, 9 Weibl. Vorname, 10 Weib!. Vorname, 11 Stadt in Rußland (auch Pelzart), 12 Chem. Formel für Natrium, 13 Teil von Frankreich, 16 Italien. Musiknote. 17 Zu (lat-), 16 Erdteil. 20 Fluß in der Steiermark. 23 ital. männl. Vorname, 27 Chem. Formel für Osmium, 30Vorwoit, 32 Alttömische Bezeichnung für 1100, 34 Chemische Formel für Tantal, 35 Fluß in Sibirien, 36 Abk. für „laut", 37 Chem, Formel für Eisen, 38 Griech, Buchstabe, 39 Spielkarte, Artikel, 3 Das Ersatzräteei für Nummer 22 erscheint am Dienstag l Ab 13. Februar erscheint täglich in der „Wiener Morgenzeitung“ ein Kreuzworträtsel, i i -n Tr‘ Die Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tlntenbiei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Ratselkupons an die „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeituug* einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekamitgegeb-an wird, teilnehmen. Blätter, in welchen unsere Rätsel erschienen sind, können jeder* zeit gegen Einsendung des Betrages i« Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden NB. Der Beischluß des auf Seite 2 befindlichen Kupons Ist unbedingt erforderlich. hast SAt ihn ZnMetSen Lrssttt?" — ,Lkr bie GrdVeqgerschul'." — ,Ln die ErdLergerschul'?" — „Ja. Also — mir paßt sie auch nicht; ckber was hätt' ich tout sollen? Die anderen Schulen sind zu weit!" — „Wavtun paßt sie dir nicht?" — „Weit er das ahnzige 'Judenkind fein toicd. Lauter Schkozim senn dort!" — „Das is nicht gut. jJch wer dir was sagen, Sali: Laß ihn überhaupt »roch Kn Haus! Wird er die zweite Klass' auch zu Haus Machen!" — „Nein, Hernmnn. — Jetzt Hab' ich 'ihn schon angeineldt; jetzt soll er nur in die Schul' gehen! Oder mahnst die? Soll Ma ihn doch ttc c andere Schul' ciuschrerben lassen? Hm!?" Herr Hermarrn war über die Äblehrmng seines Rates ein ivemg verstimmt Und erwiderte kurz: „Sali! Du' wie du glaubst!" — „Wso kann nm mit 'dir reden?" ries Frau Sali ärgerlich. „Nein," bestätigte Herr Herinamr, ,Kenn mir nnrst du keine Schuld geben. Tu' rme du glaubst." — Hermann! Es is halber achte! Was soll ich tim? Das Kind muß in die Schul'!" — Herr Hermann strich seinen grauen Vollbart. Seht Charakter lag schon im Barte. Widerspenstig strebten die Barthaave nach allen Seiten, als wollteir siesagen: Nur keinen Zwang! Wir wachsen nach unserem .Belieben! „Nn, Hermann?" wiederholte 'Frau Sali. „Tn' wie du glaubst," ries Herr Hermann. „Mir wirst du keine Schuld geben" Frau Sali seufzte und deckte nach kurzer UebeA-eglMg den Knopf der Tischglocke. Das Dienstmädchen kam herein Und Frau Sali ftagte: „Ist der Gusti schon aiM-- zogen?" — „Ja, Gnä Frau." — „Hat ex schon geftühstückt?"— „Auch." — „Packen Sie ihm' noch eine Buttersemmel ein, Mizzi, Und sagen Sie dem Fräulein, sie soll sich fertig nmchen, sie .wird' den Gusti in dis Schul' führen Ueverhaupt soll er gleich hereinkorUmerr zu Uns/' — Es währte nicht lange Lkstd in das SpeisdMntW, wo Herr und Frau Mautner saßen, kam ein Bürschchen herein: Schwarze Haare, dunkelbraune Augen. Die^: 'Gestalt schmächtig und dünn, die 'Nae 'gÄiogen und Ms' Mxfttr voll Angst. „Stehen tut er da, wie wenn er.nicht bis zwah zählen könnt'!" begrüßte Herr Hermann seinen Jüngsten, „Und sonst is er der größte Gcrssenjung?!" Da begann Mrstav zu weinew „Warum weinst du?" — ,/Jch will nicht in die Schul'. Ich furcht' mi!" — „Dummer Bubi" sagte die Mutter, „vor was fürchst du dich?" Sie zog bew Aeinert Studenten auf ihren Schoß uwd trocknete chm die Tränen. „Mutter," rief er fragend. .— ^Was ittetat Kind?^' ^—• „HaU'n darf mich niemand?" — „Aber! Wer soll Wh fjcnten?" „Die Buben." „Was Mt dir ein." Herr Hermann wurde gerührt, schämte sich der MH* >rung nick» sprach darum! rauh: „Jetzt is genug mit dietDnnrnLheiten! Gehen so viele Kinderin die Schul'! Warum! du nicht? — Marsch!" — Da kam aus dem Nebenzimmer die Gouvernante, das Fräulein. Int Hanse Mautner waren alle Gouvernanten nanrenlos und hießen: Das Fräulein. Das Fräulein nahm Gustav bei der Hand, Mhrte ihn cchs dem Hause, und nach zehn Minuten standen Äeride vor dem Schulgebäude. Oberhalb des Tores war eine Inschrift: „Lastet die Kleinen zu mir kommen..Das Fräulein las die Inschrift mit Interesse, blickte Gustav.an und sagte tröstend: „Fürcht' dich nicht, Gusti! Da drin wird dir nichts geschehen." — Im Hausflur des SchulgÄckndes staUd der Schrrldrenier und das Fräulein fragte: „Ich bitt Herr.. Wo ist die zweite Klasse?" — „A oder B?" - -„Die «lasst." ~ „Deh is im erschien Stock." Dev SchuMiener bemerkte das Zittern des Jungen und fwgte gutmütig: „Warum fürcht' si dmn der Klahne a so?" -- „Er ist hÄcte das erstemal in der Schule." — „Das erschtemohl? Und Mt in die zweite Klass'!?" — „Er hat nämlich die erste Klasst zu Haust gemacht." — „AHnhatz!" Gustav hatte indes den uniformierten Schnldiener respektvoll betrachtet; er hielt -ihn mindestens für einen Geneml. „Mo Gusti," sprach das Fräulein, das ehrfürchtige Stalmen ihres Zöglings unterbrechend, „jetzt geh' schön hinauf und um zehn lchr hol' ich dich irieder ab." Zögernd ließ Gustav die Hand des .Fräuleins los mid folgte dem General, der freuirdlich herablasstnd winkte: „Jh geh-eh auffr, Klahner! Kumm nrit." — Bor der Türe eines Saales blieb der SchUll>rener stehen: „So! Da geh'eini." Gustav öffnete die Türe und blickte von der Schwelle neugierig in den Saal. Es ivaren etwa vierzig Buben in dem Saale und foium hatten sie Gustav erblickt, als sie, wie auf Verabredung, zu johlen begannen: „Jüdelach, Jübelach hepp, hepp, heptz, Jüdelach macht das Schireruefleisch fett!" Wie gelähmt blieb daö Judenkiud bei dar Tüve stehen und starrte mit weit aufgerisstnen Augeu. Die Buben Tvieder holten den BerS und so lange, bis der „Auspasstr"> meldete: „Jung is! Der Alte kimmrt!" Es wurde still. Der Lehrer kanr, sah erstaunt mis das bei der Türe! stehende blasst Kind und sagte: „Setz' dich! Warum sttz't du dich nicht?" Er schob ihr: in die erste Bank. Dort saß nun das Judenkind und kämpft« gegen die Tränen. — — . „Lasset die Kleinen zu mir kommen:..Du lieber Herr Jesusi Warst bn etu Gott? Warst du ein Mensch? Ich weiß es nicht. Ich glaub' nicht an dich, denn ich bin ein Jude. Aber ein wenig fcmte ich heitte Lehre und die war gut und milde, beim sie kam aus entern nmmnt Her* zen. was aus deiner Lehre geworden ist! (Fortsetzung fokgt^ -

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