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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-03 · Heft 2909 (3.4.1927) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2909 (3.4.1927)
Date
1927-04-03
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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tfr. 2809 Wien, Sonntag Vierter ÄttovgEtrzvrtimg ». APribdSS? @eitc*Ö UTERATETRBEILAGE DER .KIEKER MORGETsTZEITtTN G‘ Reife«' Meer und Verse. Am Sam dreier Weltteile. (Gmil Lmbwig: „Am Mittelmeer" simt 2-1 M- Mdustgstäfclnß 1927. Ernst Rowohlt-Berkag, Berlin, 5. bis 13. Tausend.) In einem geistreichen Reisebnch Emil L udwügs, das mmmehr schon in zweiter Auflage vorliegt, werden drei Kontinente in leichter Spiegelung sichtbar, belebt von jenem Mittelmeer, das „mit d>en starken Wasserreichen der Welt zwar verbunden, doch nur mittels schmaler Kanäle..., ein Meer und doch, kein Meer" ist. Anmutig zeichnet Emil Ludwigs Feder jenes „überraschendste Leben" am Saum dieses Meeres, führt uns von der Seeräuberstadt Genua nach Sizilien, nach Tunis' und Aegypten, nach Konstanttnopcl, in Gegenwart und Vergangenheit Kloinasieils, in das neue Palästina und> daZ verjüngte Griechenland. Immer und überall versteht es dieser geistvolle Nachgestalter, :u:s das eigenste Leben der Stätten fühlen zu lassen, an die er uns führt. Folgst fru ihm im Basar von Tunis zum Stand des Essenzenhändlers, so fühlst du geradezu körperlich den Halbrausch in den dich die Wohlgerüche. aller Blüten schläfern; und erkennst jene ferne unbegreifliche Weisheit des Morgenlandes, die ganz zu erschließen dir Europäer versagt ist: denn „sie habet: alte Seelen, wir haben höchsten jungen Geist". Jenen Geist zu begreifet:, ist Ludivig in diesem Reisebnch immer aufs neue aus. Und schildert er Aegypten, so sucht er Geist und Sin:: dieser Kultur, von der uns nur die Archäologen einreden, daß sie uns Krgrei.se; in Wirklichkeit aber ist sie uns viel z:: 'fremd, als daß wir jene alten Kolosse, Monumente und Schriftzeichein anders den>: als grotesk empfinden würden. U:id trenn neben einer timgestürztcn Ramfes-Statuv nicht writ von Sakkara eine Tafel in vier Sprachen besagt: „Man bittet de:: König nicht zu besteigen", so sagt dies alles aus, was anszusagen ist von der grotesken Drvlerie, mit der Europa die in die Gegenwart hineinragende Urzeit Aegyptens geistig erfassen tvill. Denn" Europas Herrschaft ist die Maschine. Mit ihr herrscht auch heute England über Aegypten, der: technischer: Traum Napoleons verwirklichend, jenes größten technischen Herrschergeistes, den Europa hervorgebracht hat. Diese technische Herrschaft schildert Ludwigs Beschreibung der Staudämme von Assuan und ihres sparsam methodischen Wirkens ganz meisterhaft. Am Saum vor: Asien stand immer Europas Sehnsucht und blickte in unergrüMiche Fernen. Alexander der Große und Friedrich- Barbarossa, die beide im Kydnos- Fürsse ihr Ende fanden, warm: die stärksten Träger dieser Schnsuchtsgedanken, „Gläubige und! Machtwvlligc- Feldherrn -und Pilger des Geistes". Da Ludwig von seinem Weg durch diese Stätten berichtet, weht uns ein Atem jener klingenden und rauschenden Träume, der Sehnsucht Europas, das unermeßliche Asien zu erfassen, wieder an. Und dann führt Ludwigs Buch zu dem umpathetischi-unrcligiöfcn neuen Judentum in Palästina, das sejn uraltes religiöses Pathos in das Pathos einer neuen Zeit, die Arbeit umgeivarrdelt hat. Und der Kreis schließt sich der dievielfältigen Phasen der europäischen «Erschließung fremder Länder bezeichnet: die Sehnsüchte von Eroberung und Pilgerschaft vereinigen sich zu einer neuer: Wikklichkeit, die schassende Arbeit heißt. Solcherlei läßt Ludwigs Mittelmeer-Buch fiihlen, denn es ist ein kluges Buch und ein gutes. S. S. „Syrien «nd fern Libanon." (Mn Reisebericht von Dr. L. Haefeli. Luzern mü> Leipzig, Verlag Raber u. Cie., 1926.) Der anspruchslose und bescheidene Titel deckt ein gutes Buch Es ist ein stattlicher, gut ausgestatteter und reich illustrierter Band, der mehr enthält als einen Reisebericht. Es ist eine flotte und trotz aller Gelehrsamkeit anziehende Schilderung eines Landes, dessen Ethnographie und politische Lage für den Zionisten von stärkstem Interesse ist. Geht doch die historische und geologische Verwandtschaft Syriens mit dem alten jüdischen Land aus jeder Zeile der Haefelischen Darstellung hervor, die die jüdische Literatur ebenso berücksichtigt, wie das Bedürfnis des Lesers nach Bardecker-Mitteilungen. Das Buch schließt sich offenbar sinngemäß an ein kurz vorher erschienenes Buch desselben Orientwanderers „Ein Jahr im Heiligen Land" an. Der Verfasser unterstützt seine Erzählung durch selbstgezeichnete Und sehr instruktive Croquis, mit denen man settre Reise verfolgen kann. Die Route ging von Palästina (Haifa) nach Osten, bog dann über den Barmuk längs der Bahn nach Norden bis Damaskus, von dort zum Meer nach Beirut und dann entlang der Küste, zu dem vielberühmtei: vou Ernst Renan untersuchten Inschristeufelseu, wieder nach Damaskus uni* schließlich zum Genezareth-See wieder nach Palästina. Der Verfasser vermeidet mäy Tunlichkeit jede Politik, trotzdem aber bemüht er sich, dem jüdischen PMstinaiverk seinen Respekt zu zeigen und cs als eine Tatsache zu würdigen. Selbstverständlich sieht er als Geistlicher mit christlichen Angeln, aber er ist mich Sohn der Schweiz, und das zeigt er immer wieder. Bo:: besondere::: Reiz ist seine Schilderung der Zedernwälder auf auf dem Libanon. Hier geht dem sonst nüchternen Beschauer die ganze Größe der jüdischen Geschichte auf. Auffallend ist nur die mehr als kühle Stellung zu dem Ritualmordroahnsinn, auf den Haefeli gelegentlich des Besuches im Franziskauerkloster zu Damaskus zu rede:: kommt, tvo sich 1840 die furchtbaren Massakers ereigneten, den«:: erst Montefiores energisches Einschreiten ein Ende setzen konnte. In diesem Kloster ist das Grab des Kapuzinerpaters Thomas aus Sardinien, der bei ein ein Bersehgang ermordet worden sein soll. Die Tat ivurde den Juden in die Schuhe geschoben, und die Grabplatte spricht die Schändlichkeit unverblümt aus, und auch Haefeli, der katholische Priester, meint, daß, der Ritualmord eine problematische Größe bleibt. Nein, er ist nicht problematisch-, sondern eine freche, von Europa importierte Lüge. Man hat lange zu tun, um sich nach dieser absolut unnötigen Exkursion wieder zum Weiterlesen zu zwingen. Aber es ist doch anzumerken, wie viel Aberglauben es gibt undwie sehr er selbst sonst klare Augen umnebelt. -l. Die große Komödiantin. „De,r Lebc nSabe nd Sarah Bernhar-dcks<h..dargestellt von Lysiane Sarah Bernhardt, MMinverlag, Heidelberg. Die große französische .Tragödin gehört zu jenen Mimen, welchen auch die Nachwelt Kränze flicht. Ihre Kunst, ihr Komödiantentum — das Wort bedeutet keine Verkleinerung —, ihr Unternehmungsgeist, und der Heroismus, mit dein sie als Greisin nach Amputation eines Fußes weiterhin die - Bühne betrat,' haben während ihrer Lebenszeit Europa und Amerika inAtem gehalten. Wahrhaftig eine große Frau und, wie . sie der Dichter Restand nannte, die ,Königin der Haltung und die Fürstin der Geste". Die Literatur über Sarah Bernhardt, die bekannt- -lich die Tochter einer holländischen Jüdin war (aber im Kloster erzogen wurde), hat jetzt durch die soeben erschienenen Memoire:: ihrer Enkelin Lysiane Sarah Bernhardt eine wiklkominene Bereicherung erfahren. Man entnimmt diesen: sehr schön ausgestatteten, mit zahlreichen Eine klare übersichtlich« GESCHICHTE DER KUNST blutet die Entwicklungsgeschichte des Stils von | Robert West i in felgenden Bänden t U Italienische Renaissance i m Nordische Reformation»- j kunst m I Ganzleinen-Bände in i vornehmerAuBstattg f Barock TI Rokoko und Empire h ä 3 Schilling pro Band I I BUCHHANDLUNG R. LÖWIT, WIEN, I. ROTENTURMSTRASSE Nr. 22 :wch unbekannter: Bildern, der großen SarahgeschruMtM Buche interessante Berichte über ihre Persönlichst, ihren Charakter und iibcr das Martyrium, welches die u-ngewöhuliche Frau mit einer Standhaftigkeit sondergbchen litt. Unter furchtbaren Schmerzen, die ihr das erkrankte Knie verursachte, spielte sie drei Jahre lang Komödie. Kein Arzt konnte ihr helfen und im 71. Lebensjahr entschloß sie sich, die Amputation vornehmen zu lassen!. Bewundernswert die Vitalität der Greisin, ivelche nach dieser Operation noch Theater spielte und große Tourneen unternahin, darunter ihre sechste sehr anstrengende Amerikareise, bis sie in: 79. Lebensjahre der Urämie erlag. Interessantes wird über die sonstigen künstle rischen Neigungen Sarahs veröffentlicht. Sie hat sich bekarttttlich auch als BiWhauerin betätigt und für ihre Grckppe „Sturm" sogar den ersten Preis errungen. Auch hat sie — ein echter Einfalt der Sarah Bernhardt — für sich ein gewaltiges Grabmal mit vier Figuren entloorsen, dcks, wie alles, was sie anpackte, ins Große ging. Ms sie den Drang fühlte, sich als Dichterin zu betätigen, schrieb sie gleich zwei Romane und vierzig Novellen. Knvz - vor ihren: Tode, in: August 1922, schloß sie einen Kontrakt mit einer amerikanischen Filmgesellschaft. Sie sollte eins: Wahrsagerin auf dem Montmartc spielen. Halbtot, nur für kurze Intervalle fähig, das Bett zu verlassen und zu agieren, kan: sie dieser Verpflichtung so lange nach, bis es nicht n:ehr weiterging. Sie war stets auf die äußstre Wirkung bedacht, hatte ihre Starallüren, verwandte einen großen Teil ihrer seltenen Energie auf die „Aufmachu:^". Aber sie war doch nicht bloß die einzige Tragödin Sarah Bernhardt, sondern auch eine Heldennatur. Dieses lebensvoll geschriebene Buch der Enkelin bezeugt es. — s. VON! BÜCHERN, DICHTERN UND VERLEGERN. Drei Novellen drs jungen Hugo von (Das Märchen der 672. Nacht —' Reit^rgeschichte —. Erlebnis des Marschalls von Bafsompierre) W Alfred Kubin mit einer Reihe'von Zeichnungen verse'hen, die den Inhalt aufs glänzendste illustrieren. Das Werl erschein: in einer numerierten Ausgabe von 640 Exemplaren nach einem Einvandentiourf von Walter Ticmann Ende März im Insel-Verlag, Leipzig. " Jakob Wassermann kündigt beim Verlag S. Fischer Berlin das bedeutende Erstlingswerk eines jungen deutschen Romanciers Hans A u f r i ch t - R u d a an. Das Buch führt den Titel „Die Verhandlung gegen la Ronciere". Sein Erscheinen wird für die ersten Apriltage ungelündigt. Lennr und Gandhi. Rene Fülöp-Miller, der Verfaffer Ides erfolgreichen "Werkes „Geist und Gefickt des Bol- 'slchewismus" hat ein neues, großes Werk, „Lenin und Gandhi" vollendet, das auf 320 Seiten Text, gestützt auf ein überaus seltenes und reichhaltiges Bildermateriak, die erste vollständige 'Lenin-Biographie. mit den sensationellen 'Memoiren von 'Lenins Witwe und Lenins eigenen «aufsehenerregenden Bekenntnissen und Briefen bringt. Ferner enthält das Buch das erschütternde Lebensbild des großen "indischen Weisen und Staatsmannes mit der bisher völlig unbekannten Selbstviograpkie Gandhis. Das Werk erscheint schon in den nächsten Tagen ':m Amalthea- Verkag, Wien und Zürich. - Ein neues Buch für 20.000 Dollar. Ein soeben erschienenes Buch, das 20.000 Dollar kostet, ist gewiß eineeinzigartige Erschonm.ng ans doin Büchermarkt. Dieser ungchenre Preis wird alber für jedes ver-kmiKche Exemplar einer in New Port bet* legten Ausgabe des Werkes „Die sielben. Pfeiler der Weisheit" von dem cng!li>s!che-n Obersten P. E. Lawrence gefordert. Lawrence, dom man den Namen des „-ungekrünten Königs von Aralbien" beilegte, hat seine-Montener unter den Jflamstämmon während des großen Krieges in enreni Buch geischi-ldert, dessen allgemeine Verbreitung er verhindern wollte. Das Werk erschien zunächst in Oxsord nur in einer Auflage von vier Exemplaren und dann in einer Zweiten Auflage von 100 Exemplaren. Stücke dieser Ansgaboir werden helltte mit 2000 bis 4000 Mark bezahlt. Die amerikanische Ausgabe soll aber rmr verhindern, daß das Werk in den Bereinigten Staaten nachgedruckt wird. Der eingige Weg, um sich das ameri-kanischv Urhoberrecht für ein ireues Buch in einglilscher Sprache zn sichern, ist der,, das Buch in Anrerika zu dvi:cken>. Lawrence läßt daher sein Wevk ii: Amerika in einer Ibusga'be von 22 E xe,m p la reu erscheinen, von deneln nur 10 verkäuflich sind, und für diese hat er Preis von 20.000 Dollar pro Stück fellgaseht, neu von dem Ka-ns abz-usch recken. LVCHERElNE-IDE. Schulritt Dr. Hawel: Der kleine Brockhaus in: LichtK!Ü>- uuterricht. Verlag F. A. Brockhaus, LeiWig. Harry Säckler: ,König Mchmodoi" (Draina, jiddisch). 'Verlag „Nehemia", New Aovk. B. Segel: Welt-Kricg, Welt-Novolution, Welt-Verschwörung, Welt-Oberregiernug. Philo-Verlag, G. m. b. H., Berlin A. Reubeni: Al jarden-jericho (Gedicht, lhebräisch), 5687, Jemsalen: (Beth-Hakerem). Dr. Hugo Wsinberger und Dr. Antou Walitschek: Poli-Mrecht, sein Wese», iGrundlageu und seine gesetzliche Ernssl'.ng. Kommission-., .'lag Ed. Bepers Nachf., Wien. Die Tagrbiichrr des Emiu Pascha. Hemusgegöben von Dr. Frang Stuhknunm (Gand 4), 1027. Verlag von Georg Westermann, Braunschwei g-Berki n-G mri nschwe ig.

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