Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2909 (3.4.1927)
- Date
- 1927-04-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Sonntag Wiener Morgerrzettmig 3. April 1927 Nr. 2NV Hunderttausend jüdische Wühler! Me müffen für die Wische Lifte stimmen! mmm S WIENER MORGENZEIT UN G zu dem Kreuzwort-R ät sei Nr. 50 Bas Wische Programm. -V, Wien, 3. April. dacwnalrat und Ginneinderat sind mrs. Gestern war des Tages Feier. Die hohen Räte sind nun Kandidaten und vor Torschluß sagten sie einander noch gründlich die Mer- I mmg, zogen alle Register der Entrüstung und leerten das Schinipflexikon. Am rneistei: wurde das inhaltsvolle Wrtchen Jud abstrapeziert und' es fugte sich mit gewohnter Geschmeidigkeit in die Llkustik. Aus Jud ist ja alles abg-estellt Jud ist das Zeicheu, in dein sic kärnpsen und siegen wollen. Von Jud leben sie alle, diese Volksboten, die vier Jahre lang bewiese:: haben, daß sie selbst keinen eignen Gedanken haben, und daß sie stets nur so stimmen, lvie es ihnen der Hauptverband der Industrie und die Gewerkschaft vorschreibt. Sie waren brav und stimmten ab. illur: soll der Wähler sich wieder für sie entscheiden und er hat gcjradei noch drei Wochen Zeit, sich inmitten des verwirrenden Lärms zurechtzufinden. Daß sich das Volk nach Parteien ordnet, liegt int Zuge einer gesunden Entwicklung. Jeder einzelne lrtirfj Stellung nehmen und sich mit Gleichgesinnten verbinden. Das fordert die Gemeinschaft, zu der er gehört, imb der Staat, die Zusammenfassung aller. Die Einsamgcher, die mit äußerster Verachtimg von Parteiwesen und Parteizwang reden, nwgerr ja vielleicht in ihrer 'Brust das beste und einzigste Heilmittel für alle Schäden tragen. Aber sie verzichten daraus, es werbend wirken zu lassen. Das technische Mittel, durch reine Jdeenemanatior: die Menschen zu beeinflussen, ist noch nicht gefunden und es gibt nur den Kampf der Parteien in Versammlungen und Presse. Die Entartung des Wahlimnpses freilich, wie sie in Oesterreich sich zeigt, ist tief bedauerlich. Äe wird unr so krasser, je mehr es cur geistigen politischen Argumenten fehlt und sie kondensiert sich um das Wörtchen Jud. Der Zustand, in dem sich der Staat heute befntdet, diese, durch Zollrnauern abgeschlossene Klassenkanrpfarena, ist von den Mehrheitsparteien erzeugt u:ü> von der Opposition gebilligt worden. Me Sünden dieser sogenannten Sanierung, der Verfassungs- und Verwattungsresorm, sind von allen mit' gleicher Schuld und in solidarischer Haftung begangen worden .Alle Gesetze haben sie gemeinsam' beschlossen und es entspricht einerseits ihrer Feigheit, andrerseits^ » ihrer Wahrheitsliebe, wenn sie jetzt alle Mängel nicht selbst veranttvorten, sondern auf den Juden schieben. ^Deun etwas anderes ist doch dieser Aufmarsch der Antimarxisten nicht, als eine nicht einmal :nehr rochierte antisemitische Front, und etwas anderes ist das Verhalten der Sozialdemokratie nicht, die noch in der letzten Sitzung des Nationalrates die - jüdische:: Grundbesitzer herausstreicht und die christlichen Minister vor den jüdischen Börsenspekulanten ivarnt. Die beiden großen Parteien wollen eben den J:ü>en belasten und sie legen sich keine Reserve aus. Ihr Verhältnis zum Staat'.ist negativ. Die Sozialdemokraten streben zu Deutschland, die Chriftlichsozialen zu Ungarn. Sie haben alle keine innere Bezielfimg zur österreichischen Republik, sie lassen sie verdorren und treibe:: einander und die Bevölkerung immejr tiefer in die Psychose des Hasses. Einig fmb sie nur in dem Bestreben, den jüdischen Steuerzahler auszuschalten, seine Forderungen zu negieren und ihn :cur als Melkkuh gelten zu lassen. Werktätige Antisemiten zählt die soz:alde:nokrat:sche Lifte nacheinander aus, werktätige und programrnatische Antisemiten die Einheitsliste, die noch außerdem den Riehl enthält, den sie als unerträglichste Provokation gerade in der: Judenbezirk setzt, ein Akt, den man auch von einer programmatisch antisemitischer: Partei, wie es die christlichsoziale ist, nicht hinnehmen kann. Schon die Tatsache ist eine Pogromdrohung tttti) der Rieht hat ja an uns geschrieben, daß er seine (Hesinmmg nicht geändert hat. Diese dreieinhalb Jahre Nationalrat und Gewe-inderat haben allen jüdischen Wählern die Augen geöffnet. Jüdische Mbeit stützt diesen Staat, jiidische Arbeit hat seine Verbindungen nach außen wieder hergesteltt, jüdische Arbeit zeichnet sich iu der wissenschaftlichen Forschung, im geistigen ^eben des Staates. Die Juden sind die einzigen, die nichts vom Staat verlangen, >vas nicht aus dem geltenden Gesetz sich ergibt. Die jüdische Bevölkerung steht rückhaltslos und ohne Bedingu:^ zrw Republik, sie fühlt, wie jede Verhetzung nicht bloß sie, sorürern den innerer: Friedeu überhaupt bedroht. Sie will mit allen, die guten Willens sind, an dev Konsolidierung rrrrd dem Ausbau der Wirtschaft Mitarbeiten^ und sie will sich incht von der Verantwortung fernhalten lassen. Das ist das Programm der jüdischer: Bevölkerung, dev jüdischen Liste und der hunderttausend jüdischen Wühler. Acht Parteien bewerbe« ßch «w Mandate. Heut endete der Termin für die Einreichung der Kandidatenliste:: fiir die Nationalratsivahlen. Die Anmeldungen sind ziemlich reichlich ausgefallen. Nach einer beiläufige:: Zählung werden die Wiener Wälster die Ausivcchl unter acht Parteilistei: haben. Es kanditieven: Die Sozialdemokraten, die ChrisLchsozialen, Großdeutschen mrd HormkleUte mit ihrer antisemitischen Einheitsliste, der Städtebmrd des Hofrates Ramsauer inller der Listeubezeich- :nmg „Landbu:ü>", die von de:: antisenntischen Einheitsftontlern abgclehntcn kleinen Stmnmtischgesellschaften Unter der Bezeichnung „demokratische Liste"; die Inden Wiens, die keine Ursache hatten, mit den von den Antisenrrten refüsierten Jsraeliter: eine Wahlgemeinschaft zu bilden, mit der jüdischen Liste, die Kommunisten und schließlich die Nationalsozialisten, wahrscheinlich mit zivei gesonderten Listen, hie Hitler, da Schulz. In Niederösterreich hat die Einheitsliste ober dem Wienerwald den ehemaligen Ackerbanimnister Mrchinger als Listenführer aufgestellt. Erst an sechster Stelle taucht ein Großdentscher auf. Unter dem Wicnerwald ist Ex-F:nanz:nin:ster Kollmann Listenerster. An zweiter Stelle steht Handelsnnnister Dr. Schür f f. Ober dem Wienerioald ist der Nationalratspräsident Miklas an der Spitze, an der vierte:: Stelle der Großdeutsche Zarboch. Unter dem Mannhartsberg kandidiert der niederösterreichische LcrndcPlMchia mann Dr. Buresch an erster Stelle, erst die sechste Stelle wurde den: Großdeutschen Dr. Wagner eingeräumt. Auffallend ist, daß Dr. Buresch ans den Einheitslisten für den niederösterreichischen ^Landtag nicht mehr vorkommt. Es scheint also, daß er das Schicksal des sozialdemokratischen Landeshauptmam: stellvertreters C h r i st o p h geteilt hat, der ebenfalls von seiner Partei ausgeschifft wurde. Eine „Wische WWervrrsamml«»g". Der „Abend" nennt sonst das Wort „jüdisch" Nur, wenn er verlemnden will. Gestern kmtdigte er unter diesem Titel die Versammlung eines „Wahlkomitees werktätiger Juden" an, das aus „Entrüstu:ig" über die Ausstellung des Hakenkreuzlers Riehl iu der Leopold stadt jüdische Stimnren für die Sozialdemokraten angeln will. Lllso, die Parte: des zugestandenen Antisemitismus, des Sever, der die Juden ans treibt, des Seitz, der die Aus- .Jmjamgett bestätigt, des Speiser, der keine Juden in der roten.Gemeinde.anstellt, des Heimatsrechts-Richter, der seinen Judenhaß offen bekennt, des Tandler, der jüdische Institutionen planmäßig vernichtet, des Austerlitz, der die Judenschaft öffentlich verhöhnt usw., usw.. schickt ihre NAZZES rma Spezialmarke Schreiber die dünnste in altrenommierter Qualität! Nur eebt mit der Stampiglie auf Jedem Paket. Hauptalederlage: II., HammeP-PflrgStallg. 1 Gegründet M Sendlinge unter Decknamen zu den Juden. Referenten sind, der sozialdenwkratische Parteisekretär Moriz Arl-f beitel, der seinen ehrlichen Namen (Mosejs Her sch Donnerkeil) und der sozialdemokratische — Kultusvorsteher Geston Moriz, der seine wahre Ueberzeugung versteckt. Dieser Moriz, Vertreter der sozialdemokratischen Partei int jüdischen Kultusvorstand, erklärte vdr kurzem öfftnt- 6ch: „Ich gebe unumwunden zu, daß die österreichische sozialdemokratische Partei antisemitisch ist!" Und der will die Jude:: ins sozialdemokratische Lager locken, statt wahrheitsgemäß zju verkünden. Jamben weder die schwarzen,. :wch die roten Antisemiten, fanden: als wirksamen Schutz gegen Seipel, Waber und Riehl ihre jüdische Liste zu Wahlen! Zur besonderer: Charakteristik des „Abend" aber verdient doch festgehalten zu werden, daß er von der Bernaderung der Zionisten als Einheitsfrontler nicht abzukriegei: ist und sie sogar in Verbindung mit Riehl bringt. Dev „Abend" läßt gestern seinen tzauspoeten die siegenden (Verse' schmieren--: „Der Antisemit im 4. Wahlkreis Pogromist und Zionist Werden glänzend sich vertrage::; Wem: das Geld der Dolmetsch ist, Gibt es keine schweren .Fragen." Sin Lebensbild. Im Jahre 1919 war er zionistischer Wahlleiter in der Brigittenau, 1920 zionistischer Versammlungsredner in ganz Wien, 1924 bereits aus der zionistischen Organisation ausgeschlossen, daher 1-925 Vertreter einer Ortsgruppe des Verbandes sozialdemokratischer Gewerbetreibender. In: Jahre 1926 beteuerte er wiederholt, er sei trotz allem begeisterter Zionist und werde wieder zionistisch arbeiten, bis er in der sozialdemokratischen Partei zu Vermögen gelangt sei; also bot er sich 1927 der sozialdemokratischen Bezirksorganisation Leopoldstadt als Wahlhelfer gegen die Zionisten an und riet jüngst in einer Vertrauensmännerversammlung, gegen die jüdische Liste nur mit dem lügnerischen Schlagwort der Aussichtslosigkeit zu agitieren und in den letzten Tagen vor der Wahl ztr verbreiten, daß die jüdische Liste zugunsten der Sozialdemokratie zurückgetreten sei. Wir können nicht verhindern, daß Sozialdemokraten diesen Mann in ihren Reihen dulden. Um die zionistische Organisation vor seiner Wiederkehr zu bewahren, nennen wir seinen Namen: Dr. Fritz Spitzer, Sohn braver jüdischer Eltern und — Rechtsanwalt. Mische WWrrverfaMmlMgM. Für heute vormittags sind fünf Versammlungen angesetzt, und zwar um 9 Uhr vormittags im Wiener B ü r g e r c a f e, 2. Bez., Praterstraße 11, Redner: Tl. M. Ehrlich, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes; um 10 Uhr vormittags im Cafe A st o r, 2. Bez., Praterstraße 60, Referenten: D r. Rybatschewski, D r. G o l d h a m m e r und'Dr. Georg Weiner; um 10 Uhr vormittags in Schmidts Restaurant neben Polizeikommissariat Prater, Referenten: Jehuda Schmidt, Dr. E. M. Zweig und Dr. Israel Taubes; -um 10 Uhr vormittags im Erze l s i o r - K i n o, 2. Bez., Daborstraße 77, Redner: Dr. Leopold Plaschkes und David Neben zahl; um 7 Uhr abends im Beth-Hamidrasch, 2. Bez., Stuwerstraße 46, Referenten: Ehnne Dörfler, Kultusrat Viktor Bauminger. Morgen, 8 Uhr abends, Volksbibliothek Zion, 2. Bez., Glockengasse 30, Redner: Bezirksrat Plaschkes, David Nebenzahl, Gemeinderat Dr. Leopold Plaschk e s; 8 Uhr abends, Volksküche, 2. Bez., Krummbaumgasse 8, Redner: Dr. Dagobert Rybatschewski, Pr. Israel Taubes und Dx. Heinrich Glanz;. 8 Uhr .abends, Jsa-Kino, 2. Bez., Taborstraße 1—3, Redner: Sicgmund Haber, Dr. Israel Wald manu und Dr. Josef L ö w e n h e r z. Dienstag, 8 Uhr abends, Froß-Büffing-Saal (Restauration Krippcl), 20. Pez., Wallensteinstraße 72, Redner: K l u m e k, Dr. Joses Löwen Herz und Dr. Israel W a l d m a n n. Am Donnerstag den 7. Asoril sprechen die Herren Oberbaurat Stricker, Dr. Felix und Bczirksrat Kohn im Restaurant „'Zur goldenen Glocke", 7. Bez., Neubaugasse 5. Beginn halb 8 Uhr.. — Am 9. April findet eine Versammlung im Schützenhaus (8. Bez., Albertgasse 43) statt. Es werden sprechen: Gemeinderat Dr. Plaschkes, Dr. Desider F r i e d m a n n und Dr. Max Bernhardt. — Sonntag den 10. April um halb 10 Uhr vormittag Versammlung im Cafe Kosmos (8. Bez., vormittags Versammlung» im Cafe Kosmos (8. Bez., zirksrat K o h n und D r. B e r n h a r d t. Re Wiederaufnahme der öfterreichischtschechischen Havdelsvrrhandiungen. Prag, 2. April. In der Anllvortnote der tschechoslowakischen Regierung an die österreichische Negierung lvird die Bereitwilligkeit zur Wiederaufnahme der Handelsvertragsverhandlungen kundgegeben. Die österreichische Delegation trifft Montag in Prag ein. Sollte man bis zum 15. April in den prinzipiellen Fragen einig werden, so ist es nicht ausgeschlossen, daß die mit 15. April terminierte Kündigungsfrist doch noch erstreckt wird. t w Pension Vogel -w- Ulerano Pension von üfre 30 — aufwärts. Herrlicher Osteraufenthalt. für Pessach wird um rechtzeitige Vorbestellung gebeten.