Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-04-02 · Heft 2908 (2.4.1927) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2908 (2.4.1927)
Date
1927-04-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2981996--29592-3017735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SSK 4 ©$eit, Samstag Wiener Morgenzettmrg 2. AM MM ßkr. A08 Der Prozeß um das abgehackte Nein. Weitere zeugenemvernahmea. Kt Beginn der gestrigen Verhandlung stellten die. Verteidiger verschiedene Anträge ans Einvernahme von Zeugen, denen ähnliche Unfälle mit einem Beil zugestoßen sind. Ms erster Zeuge wurde sodann der Direktor der Versicherungsgesellschaft Anglo-Danubian Lloyd, Korn, einvernommen. Er sagte aus, Emil Marek habe sich vorerst um den Abschluß einer Kreditgarantie bemüht, um bei der Londoner Finanzgruppe das erforderliche Kapital für sein Burgenlandprojekt erlangen zu können. Bei der Unterredung habe Frau Marek das große Wort geführt. Er habe den Eindruck gehabt, daß die cingehölten 'Informationell über Marek ausreichend waren. Der Filialleiter S w o b o d a der Kantionsabteilung des Anglo-Danubian bezeugte, daß der Beamte L az<a nfk y die beste Auskunft über Marek gebracht habe. Verteidiger Dr. Teirich beantragt, den Fleischhauer Rudolf Ecker vorzuladen, der ihm »nitgeteilt habe, er habe sich durch erneu Axthieb ins Bein z>oxi Verletzungen beigebracht, die zweite offenbar schon in bewußtlosem Zustand. In dem Briefe heißt es: „Zum Glück bin ich nicht versichert, sonst würde ich heute noch im Zuchthaus sitzen." (Heiterkeit.) Der Prokurist Möller, der Leiter der Uufallsabteilnng des Anglo-Danubian Lloyd, sagt aus, daß ihm die horrende Summe von 28 Milliarden anfänglich sehr bedenklich vorgekominen sei. Den Versicherungsvertrag habe ec jedoch erst abgeschlossen, als die R ü ck v e r s i ch e r u n g s g e s e l l s ch a f t sich damit einverstanden erklärt habe. Nach dem Einlanger: des Telegramms von dem Unfall habe er sich sofort in das Mödlinger Spital begeben und den diensthabende»: Aozt Dr. Fries über seine Meinung befragt. Dr. Fries sagte: „Es ist kaum glaublich, daß ein Unfall vorliegt. Es wird Sache der Psychiater sein, den Mann auf seinen Geisteszustand zu untersuchen. Das ist mein Eindruck." Später habe der Arzt diese Aeußerung zurückgezogen, well er keine 'Privatinformationen geben dürfe- Bei seinem Besuche im Spital traf er Marek im Bette liegend mit einer Zigarette rm Mund an. Er sagte: „Nicht wahr. BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB&B Ottomane - Matratzen Auch Teilzahlung! Pa“"‘ *eSl$£ik£S£'M M.Weifz,Wien, II., Darwingasse 39^ IBBBBBBBBBBBBBBBBBBflBBflBBflBBBiiflBiBBflBBfiB die Sache wird jetzt aber schnell erledigt?" „Ich", sagt der Zeuge, „habe erwidert, daß wir erjt auszahlen, bis der Heilungsprozeß beendet ist." „Wenigstens einen Beitrag für die Heilungskosten geben Sie bald," erwiderte darauf - Marek. Dann fuhr ich in die Billa Mareks, wo nur Fräulein Löwen stein und deren Bräutigam Herr K-onopat anwesend waren. Sie brachten einen RiesenholMotz, oer ganz verstaubt war. Mir fiel das sofort aus und. ich sagte, dies könne nicht der richtige sein. Daraufhin brachten sie mir vom Boden die beiden richtiger: Holzklötze, und ich probierte in allen möglichen Stellungen Axthiebe und fand es für unmöglich, daß >man sich dabei den Unterschenkel abhacken könne. Daraufhin habe ich beim Bezirksgericht Mödling die Anzeige erstattet und das bekannte Gutachten der Professoren Hab erd a und Wcrkgartner eingeholt. Ans Befragen des Staatsanwaltes sagte der Zeuge, daß er auf dem Holzklotz keine Blutspuren »vaHrgenommeu habe und daß Fräulein Löwenstein chm erzählte, sie habe das Blut weg gewaschen. Der Direktor der Ersten allgemeinen Unfall- und Schadenversicherung Ernst Weissenstein sagte in seinem Gutachten, daß bei einer derart exorbitant hohen Versicherungssumme von 28 Milliarden unbedingt größere Vorsichtsmaßnahmen von der Versicherungsgesellschaft hätten angewendet werden müssen. Die Rente muß so bemessen sein, daß der vom Unfall Betroffene kein verlorener Mann ist, nicht aber, daß er wie im n a denen Falle ein Grotzrentner wird. Abnormal ist auch, daß man auf so kleine Ratenzahlungen einging. Von allen Gesichtspunkten betrachtet, muß gesagt tverden, daß der Abschluß der Bc«csichernng Mareks alles nur nicht normal gewesen .it. In der Nachmittagsverhandlung wurde die Hausbesorgerin No wo tu y einvernommeu, He gleich nach dem Unfall gerufen wurde. Sie sagt konform »vie Frau Marek aus. Ebenso sagte Frau Anna Löwenftein, die Mutter der Frau Marek, ans. Es wurden sodann die Zeugen Dworschak, Josef Meier, Jakob Boschanek und Julius Forst einvernommeu, die bei der Möd linger Rettungsgesellschaft tätig sind und die den Verletzten ins Spital gebracht hatten. Der Zeuge Ko na - put, der Bräutigam der verhafteten Paula Löwenstein, gab cm, er habe über Auftrag Mareks die Hacke gekauft und schleifen lassen und ihm schon einige Tage vorher bei der Bearbeitung deS Holzklotzes geholfen. Während des Unfalles hat er nicht im Hause gewellt. Es wurden sodann noch zlvei Schwestern des Mödlinger Spitals einvernommen, die aussagten, daß Marek, , bei der Einlieferung sehr gefaßt, ' während seine Frau sehr aufgeregt war. Der nächste Zeuge, Professor Dr. Bischof, hat als Sachverständiger an einer Kommission teilgerwmmen, die eine Zeugin namens Trapper inr Spital einvernommen hat. Frau Tropper wurde nämlich wiederholt von: Untersuchungsrichter verhört, konnte aber wegen ihres leidenden Zustandes ihre Tlussagen nie zu Ende bringen. Deshalb hat Verteidiger Dr. S i l b e r k n o p f eine Kommission zusanrmengestellt, der der-Notar Dannenberger und Dr. Danek fowics Professor Bischof und er selbst angehörten, um auf eigene Faust nrit Frau Tropper ein Protokoll auszuuchmen. Die Frau kanr währeird des Unfalles bei der Villa Mareks vorbei mü> hörte dessen Wehrnfc. Sic ist bald nach dieser Protokollaufnahme gestorben. Der Vorsitzende verlas nun dieses Protokoll, aus dem hervorgeht, daß Frau Tropper aus ihrem Spaziergang Marek beim Holzbearbeiten beobachtet habe und aus dem Zimmer lautes Fv'eulachen hörte. Auf dein Rückweg habe sie plötzlich einen markerschütternden Schrei gehört und gleich daraus Marek zu Boden fallen gesehen. Zwischen den norncalen Hackenschlägen beim Holzhacken und 'dem unglücklichen Schlage sei gar keine Panse gewesen. Sie habe bestimmt nur einen einzigen Schlag gehört, der ganz anders als die vorhergegangenen klang. Professor Bischof sagte aus, daß die Frau die Aussagen auf ihrem Sterbelager bei ganz klarem Berst a n d e gemacht habe. Sie sei wohl Morphinistin gewesen, doch habe nach seiner Ansicht ihr Erinnerungsvermögen darunter gar nicht gelitten. Darauf wurde ein Protokoll des NntersuchnngSrichters mit derselben Frau verlesen, in dem sie erklärte, sich an die Einzelheiten nicht genau erinnern zu können, weil sie gerade um diese Zeit von einer Wespe gestochen wurde. Die Aussage konnte nicht zu Ende gebracht werden, weil detr Arzt eine weitere Vernehmung untersagte. "Hugo 'Trapper, der Gatte der verstorbenen 'Frau, gab an, daß ihnr "seine "Frau bei Tisch dieselben Angabe:: über ihre Wahrnehmungen gemacht habe. Die Zug in Frau Czokai sagte aus, sie sei Um die kritische Zeit mit ihren Kindern in der Nähe dev Märekschm Villa 'spazieren gegangen, habe plötzlich entern Schr e'i gehört und'den "Mann nut den: 'Vollbart umallen gesehen. Mehr wisse sie' nicht. — In später Abendstunde ivurde die Verharrdlung abgebrochen. BerMimgskataftrovhe in einem Wshnbause. Ein Todesopfer, vier Verunglückte. Gestern nachmittags spürte der Hausbesorger des .Hauses Viktorgasse 12 auf der Wieden einen intensittm Leuchtgasgeruch, den er, da die Ursache desselben nicht festgestellt werden konnte, in: Wachzimmer der städtischvn Gaswerke auzcigte. Aber auch ihnen gelang es nicht, einen Fehler in der Gasleitung festzustellen. Durch, einen Zufall sah man dabei, daß in einer Parterrewohnung des gegenüberliegenden Hauses die Jalousien herundergelassen waren. Da auf Klopfen und Läute»: nicht geöffnet ivurde, brach man die Tür gewaltsam auf und faitb die 68jährige Witwe Augustine Riedl und ihre Tochter Melanie ohne Lebenszeichen in dM Betten liegen. Auch in der angrenzenden Wohnung fand mm:, die Wohmrngsilchaberin, die 70jährige Private Wilhelnrine Kellner und ihre 17jährige Bedienevin Josesine Schall er, sowie die Kaüfmannsgattin Marie Kraus stark benommen. Der Arzt der sofort verständigten Rettungsgesiellschaft ftclftfe G0000cxxxx)0000000000000000c30000000000c Zentralstelle jüdischer Kaufleute, Gewerbetreibender und Industrieller in Wien, als ständige Delegation in der jüdischen Landespartei Oesterreichs Aufruf I am Sonntag, den 3- April 1927, pünktlich an alle jüdischen Kaufleute Gewerbetreibende und Industrielle in Wien, zu der \prii 1927, pünktlich 9 Uhr vormittags Im Wiener Bürger-Cafe, II., Praterstraße 11, stattfindenden wahiervcrsammliing TAGESORDNUNG: Stellungnahme der jüdischen Kaufleute, Gewerbetreibenden und Industriellen zu den bevorstehenden Wahlen. REFERENTEN: A.M.Ehrlich, Präsident des Gremiums österr. Handelsvertreter, Oberbaurat lng. Robert Stricke und Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes. Jüdische KaMleute, Gewerbetreibende und ändusirlellef Erscheinet vollzählig, um unsere wirtschaftliche Not und den Ruin des Kaufmannstandes kundzutun u. unseren Mandataren unsere Forderungen darzulegen. XXXXXXXXX)OOOOOCX}OCXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX) fest, daß bei Frau Riedl der Tod bereits ein getreten war. Dir bei ihrer Tochter Mielanie ang^- stevten Wiederbelebungsversuche waren nach geraumer Zeit von Erfolg begleitet. Sie wurde in das Spital gebracht, wo sie jedoch noch nicht «invernommen werden konnte. Die drei chweren Verunglückten: konnten nach ärztlicher Behandlung im Hanse belassen werden. Die Unterstichnng ergab, daß in beiden Wohnungen überhaupt keine Gasrohre gelegt sind, soinit das Gas von außen, beziehungsweise durch die Mauer in die Wohnungen eingedr»mgen sein muß. Da auch im Keller des Hauses ein intensiver Gasgeruch forschte, dessen Ursache auch rricht festgestellt werde»: komche, wurde die sofortige Absperrung der Gasleitung im gefährdete»: Häuserblock verfügt, da es sich zweifellos um eine GaSausströmung aus einer defekt gewordenen Straßenleitung handelt. Rausende Ringkämpfer Große AMMenen im Zirkus Avolfi. In: Zrrl'UZ AdoLfi kam es gsstern abends beiden Ringlkämpf-eii g*u großen Krawallen. Als erstes Paar war Solar (Wien.) gegen M r na (Tschechoslowakei) angetreten. Das Ringen artete n-ach kurzer Dauer tat eine wüste Rauferei am^ bei der schließlich unter >furchr.barem Gejohle des Publikums Mrna seinen Gegner aufhob un»r> über die Brüstung des Kampfplatzes hinon-swavf. >Solar blieb 'bat! ei trüge Minu ten regungslos liegen. Ein Teil des PMikumS stürmte davcmfhin in den Kampfring, Polizei mußte etngveifen und die Ordnung wieder Herstellen. Auf Verlangen deS Publikums mußte Mrna sofort abtreteu. Solar wurde ärztlich untersucht, «das Ergebnis dieser Untersuchung ist noch nicht bekannt. Die Aufregung 'des Pnblikuins konnte nur schwer beischwichtitzt werden. Große Betrügereien einer Wiener Konseltonr> Händlers. Ende Dezember vorigen Jahres wurden von mehreren Wiener Firmen gegen die Konfekttonslvarenfirnta William Heckler, Weihburggaffe 11, mehrere Anzeigen wegen Verdachtes der betrügerischen Krida bei der Wirtschaftspolizei erstattet. Die Ueberprüftmg der Anzeigen und die Geschäfts gebarung.der Firma evgcO, daß Heckler sein Geschäft im August 1926 fast ohne Betriebskapital l eröffnet hatte. Vorher hatte er in Gablitz bei Purkersdorf ein großes Gut besessen, dessen Wert rrach eirrer gerichtlichen Schätzung mit 70.000 Schilling veranschlagt war, auf dem aber eine Hypothek der Retzer Sparkasse vor: etwa 44.000 Schilling lastete. Der Kaufpreis, um der: Heckler das Gut erstanden hatte, betrug 54.000 Schilling,-jedoch hatte er den Kaufpreis nicht bezahlt. Seine»: Gläubigern gegenüber gab der neue Gutsbesitzer den Wert seines Besitztums mit 120.000 Schilling an und nahm Warenkredite bis zu 30.000 Schilling in Anspruch, die er neuerdings auf dem Gut intabulieren ließ. Außerdem bezog ev auch Ware»: auf Kredit um ungefähr dieselbe Summe, für die das Gut gewissermaßien als Sicherstellung dienen sollte. Einer: große»: Teil der auf diese Weise den Gläubigern herausgelockten Waren versetzte er sofort in verschiedene»: Pfandleihanstalten. Da er überdies die Garmttiv für einen Ausgleich seiner 31jährige»: Gattin Grete übernorruirer: hatte, geriet er in »»raterielle Schwrerigkeite»:, und schon kurze Zeit »:ach Eröffinnrg des Untemehmens in der Weihbnrggaffe, das den Name»» ,Magaz:n de Mode" führt, ivurde er von Klagen und Exekutionen verfolgt. Trotzdem kaufte er weiter auf Kredit und so stiegen die Verbindlichkeitei: der Firma immer: höher, so daß er sich schließlich geztvmrgen sah, das Ausgleichsverfahren cmznmclde»». Die Ucberschuldrlng des Unterrrehinens betrug nahezu 300.000 Schilling, dener: an Aktiver: beinahe "nichts gegerrübersteht. > Inr Lause der polizeiliche»: Erhebrmgen!ck:rde festgestellt, daß Heckler :»nd seine Gattin nach Eröfftnmg des Ausgleichsverfahrens hinter dem Rücken des AusgleichA* Verwalters Waren versetzt hatten. Im BeAaufe von nicht ganz zwei Jahre»: hat das Ehepaa bereits jetzt zUiN drittenmal das Ausgleich Verfahren mtgeineldet... HMer und feine 'Gattin führte»: eine au"ßero rdentlich ve^- schwer: derische L e b e n s tv e i s e, seine Frau war ständige Besuch erin von Bars u»:d eine leiderffchaftliche Liebhaberin der modernen Tänze, so daß sie 'ühttatt, »vo getanzt! wurde, zu sehen war. Willian: Heckler »vurde gestern weger: Verbrechens des Betruges und der betrügerischen Krida dein Landesgericht eingeliefert. Gegen seine Gattin Grete wurde aus denffelber: Grimde eine Anzeige an die StaatsaiUvaltschast erstattet. Bezugspreise der „Wiener Morgenzeitung": Monatlich Wien und Oesterreich.8 5 — Tschechoslowakische Republik.ÖK 22— Jugoslawien. Dinar 60'— Polen.Zloty 6— Deutschland.Goldmark 4'— Frankreich, Belgien.Frcs 35 — Italien.Lire 20»- Rumänien. Lei 170 — Bulgarien. Lewa 100— Amerika. Dollar 1— Schweiz und das übrige Ausland.. . Frcs H-— Oesterr. Postsparkassenkonto 150.693.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.