Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2906 (31.3.1927)
- Date
- 1927-03-31
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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flv. 290ft Wien, DvnnerStnft Wiener Msrse«Mw«S 31. März 1087 -Seite 7 =? KRIEG GEGEN CHAJE TCJRTELTAÜB Von SCHALOM ASCH Autorisierte üebersetzung aus dem Jiddischen von SIEGFRIED SCHMITZ Copyright 1927 by E. Löwit Vorlag, Wien — Loipsig Der^ Pfarrer und der Doktor fuhren in di« stützung des polnischen Handels" einen ausführlichen Bericht über Chase Turteltaub vor, die mit allen internationalen jüdischen Finanziers der Welt in Verbindung steht, um ihren Handel mit Heringen und Petroleum zu betreiben, der den gut katholischen polnischen Bauern das Blut aussaugen soll, und daß das Vaterland durch die Jüdin Chase Turteltaub an den Rand des Unterganges gebracht wird; daher iverde die Bank um ausreichenden Kredit für die neubegründete Gesellschaft ersucht, die den polnischen Handel den jüdischen Händen cittrciffcit und dem internationalen jüdischen Kapital den Todesstoß versetzen soll. Die Bank bewilligte den Kredit. In den polnischen Zeitungen erschienen lange Aufsätze über die große Gefahr, die der polnischen Nation durch die Heringsjüdin Chase Turteltaub droht, die Mit Rothschild in Verbindung steht; die Artikel schlossen Mit eindringlichen Mahnungen an die Oefsentlichkeit, sich gegen Chaje Turteltaub zur Wehr zu setzen. Der Stadtpfarver predigte jeden Sonntag über diesen Gegenstand den Bauern, die zur Kirche kamen, und drohte ihnen mit der Hölle und ihren Teufeln, mit Dürre und Hungersnot, wenn sie bei Chaje Turteltaub einkausen würben, dagegen versprach er das Himmelreich und Vergebung aller Sünden, den Segen des heiligen Vaters und die Fürsprache aller Heiligen, wenn die Bauern Petroleum und Heringe bei der „Polnischchristlichen (Gesellschaft" kaufen würden. Chaje Turteltaub aber, die im Mittelpunkt der Ereignisse stand, tat nichts. Sie fuhr nicht in die nächste größere Stadt, denn sie hatte niemanden, zu dein sie hätte fahren können. Wenn sie am YlLend ihre zwei Chederkinder zusamnten mit dem Vater vor der Gemarah sitzen UUd lernen sah, da war all' ihre Sorge um ihr, Heringmid Petroleumgeschäft verflogen. Sie sah mit Stolz auf ihre zwei Kinder und sprach zu sich: „Gott wird mich nicht verlassen, schon um ihretwillen nicht." Und wenn auf der Gasse einer von den Juden auf sie Aitrat und sie fragte, ob sie von den „schwarzen Wolken" wüßte, die sich über ihrem Haupte zusammenzogen, da antwortete Chaje Turteltaub: : „Ich habe keine Angst. Ich habe starke Hilfe bei Tisch; ich Hab' doch Kinder zu ernähren, die in dim Cheder -gehen.. IV. Der Tag, an dein der Laden der „Polnisch-christlichen Gesellschaft für Heringe und Petroleum" eröffnet wurde, wurde in der Stadt mit festlichem Gepräge'begangen. Die Glocken läuteten vom - frühen Morgen an riefen zur Kirche/ Dort hielt der Pfarrer einen feierlichen ' Gottesdienst ab und flehte zu Gott um „Sieg für Polen gegen seinen Feind Chaje Turteltaub". Dann bewegte sich ein Zug mit Kirchenfahnen und Heiligenbildern zu dem Herilig- und Petroleumgeschäft, das sich EINE SAMMLUNG SIPPURIM JÜDISCHER LEGENDER ist soeben ln neuer Bearbeitung; und künstlerischer Ausstattung; erschienen. i Ein Jahrtausend jüdischer Volksdichtung, Sage, Märchen und Legende aus dem sonnigen Spanien, dem märchenfrohen Orient, den gesegneten Ufern des Rheins, aus Böhmen, Mähren und der Slowakei, aus den engen Ghetti Polens und Rußlands werden in sorgsamster Auswahl vorgeführt Reichhaltigkeit des Inhaltes Anziehende Abwechslung des Stoffes gestalten dieses Standardwerk, das hohen literarischen und künstlerischen Wert repräsentiert, zu einem beliebten Volksbuche für Jang; and Alt! (4. Fortsetzung.) gegenüber dem Sübtu der Chaje Turteltaub befand. Der Laden der „Polnisch-christlichen Gesellschaft für Heringe und Petroleum" war mit Fahnen in polnischen Farben geschmückt, das große Ladenschild stellte die Mutter Gottes und Jesus aus dem Himnrelsthron dar, die mit dem Finger auf einen Hering und eine Petroleumkanne deuteten, tväs . darauf hinwies, daß nur hier Heringe und Petroleum gekauft werden sollten. Der Pfarrer besprengte den Laden mit Weihwasser und alle polnischen Einwohner knieten nieder Und beteten um Sieg für Polen. | Und auf der anderen Seite, genau gegenüber der i Zeremonie, stand Chaje Turteltaub vor ihrem kleinen Laden, das Tuch mit den zwei bartähnlichen Spitzen , auf dein Kopf, die blechharte Schürze umgebunden, die Arme' verschränkt, und dachte: „Ich Hab' Kinder zu ernähren, die in den Cheder gehen." Im neuen Laden saßen der erste Präsident, der Mite Ehrenpräsident, der erste Direktor und' der zweite Direktor, der erste und der zweite Ehrensekretär auf Stühlen und warteten auf den ersten Kunden. Der erste Kunde, der den polnisch-christlichen Laden betrat, »var Mänka, ,chasl Mensch"; den nicht gerade vornehmen Beinamen, den ihr die Stadt verliehen hatte, trug Manka nicht ohne jeden Grund. Sie war festlich gepudert und trug ihre Galafrisur sowie bas tief ausgeschnittene Kleid — so kam sie Mi Heringe Und einen Viertelliter Petroleum zu kaufen. Wozu sie Petroleum braitchte, war Unerfindlich, denn sie besaß keim Wohnung. Sie war eben gekommen ein gutes Werk zu tun. ,^Jch kaufe ‘ immer in christlichen Geschäften. Ich bin selbst eine gute Katholikin und gehr nur zu Katholiken. . Jeder zu den Seinen," sagte sie dem Vorstand, der sie feierlich empfing. Bei solchen! Anlaß ließ sich nicht viel einwenden, obwohl jeder der Herren wußte, daß Manka in ihrem Beruf diesen Grundsatz' nicht sehr konsequent vertrat, da sie keinen großen Unterschied'zwischen Jude und.Christ Machte... „So soll es auch sein, das ist echtes christliches Gemüt,"der Pfarrer, der Doktor und die anderen Herren drückten Manka dankbar die Hand. (Fortsetzung folgt.) Halbschühe schwarz Box prima nahmeotjenahi Dieselben in braun 32 Jpr” Riitselbrleskalten. Wulf bicve Anfragen: Das Ersatzrätsel für Rätsel Nr. 22 erscheint a>m kommenden Dienstag. M. 23., Cernautj: Die Frist zur Einsenduidg der Lösungen wird in den nächsten Tagen verlautbart werden. Die beiden gewünschten Nummern halben wir Ihnen gesendet. — Rosl H., Wien, 9. Bezüglich Rmscl Nr. 30: stehe tmiferen letzten .Briefkasten vom Montag,; Rätsel Nr. 21: die Künstlerin ist die berühmte Qpernsängevin Bnorden et); die angc,fragten Bezeichnungen sind richtig; Rätsel Nr. 23: Senkrecht 8 haben Sie Unrecht, dagegen ist 14 wagrecht richr-ig; Rätsel 24: Wügp recht 31 iist eiere Ortölbezeichnnng; Rätsel Nr. 36: ist ein bekannter Fvaueuname. — Ing. Aschermann, Klabno: Ist richtig „Bsol". — I. Eschna, Sofia: Sie tun uns unrecht. Es ist dies ein Vorgang, wie ihn alle Zeitungen bei einzelnen schweren Worten einhcrlten. Der arächste Rätlse-lbnesKajsten erscheint amr Mon>tag, den 3. April, und wird eine vollständige Richtigste'!» bung aller Druckfehler und Auslassungen enthalten. xxxxxxxxxx»oooooooooooooo(xx>oooocooooooooopooooqcqoccoocoqqqoqococooocoooosooo 1 Prefs::Eine Bflpttok von 300 Bämlsn 0. Preis: EIm GraMse nach Palästina H. Rrefsc POnf Oman Land In Palästina and weitere 47 Preise Ausschneiden ■ [ BEZEICHNUNG BEB WORTE: j Wagrecht: 1 Artikel, 3 Männl. i Vorname, 4 Abk. für ,,Jüd.Telegraphen- I Agentur“, 6 Türk. Titel, 7 Französ. I Schriftsteller, 9 Artikel, 11 Vogel> 14 [ Reise, 15 Europäische Hauptstadt, 16 j Farbenreiche Papageienart, 19 Engl, j Bier. j Senkrecht: 1 Behälter, 2 j Küchengerät, 3 Farbe, 5 Meer, 6 Bej hörde, 3 Erzengel, 10 Bibi. Person,; 12 Für (lat.), 13 Bezeichnung eines i Königs in einem Gedicht von Goethe, j 17 Abk. für „Summa“, 18 Französ. j Artikel. S Name I Adresse BUCHHANDLUNa UND VERLAG B ■ R.LOWIT WIEN, I FLEISCHMARKT Nr. 1 ROTENTURMSTRASSE 22 Ausschneiden E—' || > — — l . - ]l FrlrlMnmax Ab 13. Februar erscheint täglich in der„Wisne^Morgenzcttung«sin Kreuzworträtsel, « pje Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei ausznfäflen und zu sammeln. Am Sdtlusae unserer Serie sW dann die gesarnme11en Lösungen samt den in jeder Nnmmer befindlichen Rät sei kupn ns an die jRätsriredaktion der Wiener Morgenzeitungeinzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden1Verlosung, deren genauer Zeitpuajt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter, in welchen nhsere Rätsel erschienen sind, können Jederzeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden Der Beischhtfi des auf Seite 2 beRmttfe^ea Kupons ist unbedingt erforderlich. 18292