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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-31 · Heft 2906 (31.3.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2906 (31.3.1927)
Date
1927-03-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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PS3R91 Wiener Morgenzeitung 31. März 1927 Sk. 2906 Haeatelier HEILIG * C», l., KamhiersiraBe 9 Alioniiementf-Prospekie Telephon 78-1-86 MONATLICH S 50 - MONATLICH 5 60*- 1 Frühjahrsanzug 1 Modehose! Frühjahrsanzug 1 Frühjahrsrock 1 Sommeranzug 1 Frühjahrsrock 1 Sommeranzug 1 Winterpaletot 1 Herbstrock 1 Herbstanzug 1 Modehose ABONNEMENT-DAUER ZWEI IAHRE Kleider bleiben Eigentum des Abonnenten, kostenlos inklusive Abholung und Zustellung. lisch« Stoffe und erstklassige HaBarbeit. Telephon 78-1-86 MONATLICH S 80 - 1 Frühjahrsanzug 2 Hosen 1 Sommeranzug 1 Winterpalelot 1 Smokinganzug 1 Modehose 1 Sportanzug 1 Ueberrock - Bügeln. Reparaturen Garantiert beste eng- Teile 6 Men, Donnerstag Niihne und Knust. „Mstw Johanna Angrlka." Reue Wiener Bühne. Man klammert sich an die Exposition, sagt rasch atcv über den knat-?n stimmungsvollen Prolog, über die .anglichen ersten L n. Sie sind dem jungen Autor Hermann Heinz Ortner gelungen und man würdigt sie als Talentprobe. Aber das gesamte übrige voluminöse Bilderbuch vom Herrscherglück und tragischen Ende der Päpstin Johanna Ängelica muß man unwillig ablehnen und wird sehr böse; wie die Kleinen in der Kinderstube, wenn sie Abzugsbildchcn, die ihnen mißlangen, unter den Spieltisch wersen, das Naschen rümpfend und mit den Beinchen strampelnd. — Ortner wird es schon schärferen Augen überlassen müssen, die Päpstin Jo^mna und ihre Zeit zu sehen, kräftigeren Händen, ihr Schicksal dramatisch zu gestalten, hellerem, kultivierterem Geiste, das Weib zu erkennen, welches die Stimme von unten (die Liebe eines Mönches) ans der Klosterzelle führte und die Stimme von oben (die Vision einer Heiligen) auf den Thron des Papstes trug. Du sagst dir immer wieder: ein junger Schriftsteller hat sich an einen großen Bvrwurf gewagt, hat ernste Studien getrieben,, wollte rund um eine tragische Heldin ein historisches Gemälde entwerfen und du suchst krampfhaft nach Lichtpunkten, drückst beide Augen zu, um etwa die Jntrigantengestalt des Gauklers Talvi oder die rassige Fürstin Marozia „gar nicht übel" zu finden. Aber alles Wohlwollen reicht nicht hin, das Aburteil zu verschweigen. In dieser dialogisierten Historie geht viel vor und geschieht nichts. Und was das Bühnenbild berichtet, wird durch den Text zunichte gemacht. Von Szene zu Szene verstärkt sich der Wunsch, das Opus wäre Pantomime geblieben und man hätte das Buch gestrichen. Vielleicht kann dann der Abend (mit entsprechender Besetzung und ausgiebigen Musik- sowie Tangzutaten) ein zweiter „Mirakel"-Erfolg werden. Paul Mederow, der „Faust"-Bearbeiter, nahm sich als Spielleiter des Werkes an, Franz H o w a n i e tz schuf Bühnenbilder, K. A. Wille Kostüme, die schwere Menge von Akteuren ward aufgeboten — alles war heiß bemüht, Armut des Werkes, Armut des Fundus, der szenischen und darstellerischen Mittel zu verdecken. Maria Fein als Johanna schlug wiederholt Funken aus taubem Stein. Es blieben Funken. Das Temperament der trefflichen Annie R os a r taugt nicht für die Fürstin Marozia, die heiße, dämonische Römerin (eher für deren Köchin), Franz Scharw.enka spricht den Kardinal Benedikt mit doppelfetter Stimme und Betonung. Im großen Aufgebot der Darsteller stechen der Gaukler Werner Hammers, der Mönch Nikedon Heinrich Heilingers angenehm hervor, andere, zahlreiche Darsteller minder angenehm. Zur Bühnenmusik Walter Kleins enthüllen die Tanzschülerinnen der Trude Kraus sich und das perfide neunte römische Jahrhundert, teils aus Anlaß einer orgiastifchen Bacchusnacht, teils im sündigen Wirbel einer Kneiperei. — Der Autor wurde mit kräftig m Äüfmunterungsbeifall wiederholt vor die Rampe gerufen. O. A. Verwenden a n ------ Sie nur ^1|(AF -252. altbewährte Suppen-Würfel -WA Ottomane - Matratzen Auch Teilzahlung! p'“"' H. Wettz, Wien, ll„ Darwingasse 39 »ßi miHmnniiniHiMmiainnnun Beethoven-Festkonzerte. Eine der schönsten Veranstaltungen' des Musttsestes war die Ausführung „Gotische Mehrstimmigf e i t" in der ehemaligen Hofkapelle. Unter der feinfühligen Leitung des Innsbrucker Universitätsprofessors Dr. Rudolf Ficker, unter Mitwirkung der Sängerkncibcn und des Opernsängers Maikl, der dieser fremdartigen Musik gegenüber keinen leichten Stand hatte, erstanden die geistlichen und weltlichen Tonwerke des 13. bis 15. Jahrhunderts, in deren geheimnisvollen Klanghevbheiten, in deren gleichsam jungfräulich keuscher Polyphonie und kernig ursprünglicher Melodik das Halbdunkel der alten gotischen Dome zum Klange wird. Eine versunkene hohe Kultur aus einer Zeit, tvelche der Laie jeder Tonkunst bar wähnt, tat sich da dem ergriffenen Höret auf, eine Kultur, welche in der Linearität der Moderne bisweilen oberflächlich nachgeahmt wird, aber niemals erreicht werden kann. Wundervoll diese Liedknnst des 14. Jahrhunderts in Madrigalen und Balladen oder die ein halbes Jahrtausend alte Marienmotette von Gemblaco mit ihrem fast mystisch wirkenden „Introitus" . für Bläser. Diese Musik wirkte in ihrer Unberührtheit beinahe stärker als die „Werke des 18. Jahrhunderts", welche in einem anderen historischen Konzert in Mt künstlerische Borwelt Beethovens cinführten. Eine vom Kapellmeister Robert Heger vorzüglich einstudierte Orchestersuite von Johann Joseph Fux, dem Hofkapellmeister Kaiser Karl VI., zeigt — schon damals — in ihren Tänzen die bekannten musikalischen Zügd österreichischen Frohsinnes. Mit „Divertimentis", serenadenartigen, aus kurzen Sätzchen zusammengesetzten zyklischen Gebilden waren Albrechtsberger, Haydn und Mozart vertreten. Lauter melodiereiche Bläsermusik, sinnenfrohc Kunst des Wiener Bodens, welche das Milieu verdeutlichte, welches Beethoven in Wien antraf. In diesem Milieu hatte auch G. M. Monn eine große Rolle gespielt, einer der wichtigsten Vorklnssiker, dessen Cellokonzert von C a s a l S — besonders im Adagio — meisterhaft gespielt wurde. Eine Klaviersonate von PH. E. Bach, welche Paul Weingarten geschmackvoll vortrug, weist im starken Nusdrucksgehalt des ersten Satzes fast schon Beethovensche Züge auf. Damit auch Beethovens Bonner-Zeit nicht fehle, war Gottlob Reefe, Beethovens erster wirklicher Lehrer in seiner traurigen Bonner Zeit, mit galanten, von Maria G erhärt gesungenen Liedern vertreten. Erwähnen nur schließlich noch Alice Ehlers, w-elche sich in Stücken von Bach und H ä ndel als Meisterin'des Cembalo bewährte. ' Und dann kam Beethoven selbst a.n zwei Kammermusikabenden zu Gehör. Violin- und Cellosonaten seiner reifsten Zeit und das große B-Dur-Klaviertrio op. 97 wurden von Ignatz Fried m a n n, Bronislav Hubermann und Pablo Casals wiedergegeben. Von drei ganz großen Künstlern! Also würde, daraus folgen, daß einer den anderen ausstechen wollte. Aber diesmal war das Gegenteil der Fall. Jeder wollte zugunsten der beiden anderen bescheiden zurücktreten und so war das Trio auf lange Strecken förmlich in das matte Zwielicht eines unentschiedenen „Mezzoforte" getaucht. Nicht zum Vorteile der Wiedergabe! - flb. Aus Den Äeaiern. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Der Diktator" (Theatergemeinde Serie A, >veiß>. Operntheater. Morgen,.hall) 8 Uhr, „Turandot". Deutsches B o l k s th, e a t ’c v. Samslag österreichische Uraufführung von Alfred Reumanns Schauspiel in sieden Bildern „Der P a tr i ot". Modernes Theater. Heute abends 8 Uhr Erstaufführung des Schauspiels „Hinter M<ruern" von Henri Nathansen. Tanzschule He'Ierau. In den Wiener Kammerspielen findet am Sonntag, den 3. April, um 11 Uhr vormittags eine rythrnisch-gymm^ische Auffü'br ng der Schute Hellerau-Laxenburg statt. Ausübende: K n er und Erwachsene. Einleitender Vortrag gehalten von Frau Professor B aer-Frisze l. Häroay-Orchester. Sonntag, den 3. April, 10 Uhr vormittags VoUprobe. Die Haarlocke Beetzens. Aus Fünfkirchen nnrd gemeldet: Der hiesige Gesangverein ist, wie bereit) früher berichtet wurde, im Besitz einer Haarlocke BeeL.'iDen.'s, die ein Freund des Tondichters, Anton Sauter, vom Kopf Beethovens nach dcsstn Hinscheiüen abgeschnitten hatte. Nun hat ein amerikanischer Milliardär dem Verein für die Locke 10.000 Dollar angeboten. Der Gesangverein soll beschlossen haben, dieses Angebot anzunehmen r.n'r für den Erlös der Reliquie in Fünfkirchen einen Musikpalast zu erbauen. Eine Europa-Tournee des MoSk u r lildifch-n TH al rs. Wie aus Moskau berichtet wird, beschloß die Leitung des Moskauer jiddischen Theaters, >im Oktober d. I. nLch occococooooooooooccooooooocoocooooococ Bukowinaer Zentralverband in Wien. Aufruf an alle Bukowinaer zu der am Sonntag, den 3. April 1927, pünktlich um 9 Uhr vormittags, im Wiener Bürger-Caf6,1L, Praterstraße 11, 8tattflndenden Wählerversammlung TAGESORDNUNG: Stellungnahme der Bukowinaer Wähler zu den bevorstehenden Wahlen. REFERENTEN: A. M. Ehrlich, Präsident des Bukowinaer Zentralverbandes. Oberbaurat Ing. Robert Stricker. Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes. Bukowinaer! Erscheint in Massen, um unsere Forderungen für die entrechteten Heimatsloseu und gegen den wirtschaftlichen Ruin unseren Mandataren vorzulegeo. QOQCKXXXX?CQO(XXXXXX>OOQOOQOOOOOOOCXXXXX) den Oktober-Feierlichkeiten zum Andenken lau die Reirjiuttmt, mit dem gesamten Ünsemv'e eine Tournee in cie größeren Städte Europas, dann auch nach A.neriin zu absolvieren. Für diese Kunstreise wird eine Anzahl neuer Theaterstücke bereits einstudiert. Unter diesen befindet sich auch das neue Stück von Lippe Re'.nik „Der Ansstuni", ferner Molieres „Bourgeois und Adel", bearbeitet von Granowsky. Die staatliche Akademie für Kunst i.tt) Wij/n schast gibt demnächst ein großes Buch über „Granvwsly und das Moskauer jüdische Sta.etsthcater" in russischer und jiddischer Sprache, ferner ein von A. Deutsch verfaßtes Buch „GranonSiy und seine Koinöe muten" heraus. Bereine, Vorträge und Versammlungen. MISruchi, Wien. AnilätzUch CcS SSjährig-en Msrachi-Hubilämns findet SamZt<Dg, dien 2. April, 8 Uhr cvbcnd-ö. im Nestcnivarr: Barsch«,?, 2. Bez., Große Schififgassc 3, ein Festchnnkei: statt. — Mädchengruppe 6—8, 8. Bez., Beirimpbatz 1a. Heute. 8 Uhr a/ben-ds, Vortrag Sophie Löwenherz: „Pf.ichtcu der jüdischen Frau". — Z. M. V. „Mirjam", 2. Dez., Mscrstr. 37. Sonntag Ha3b:>ags<ruZ'flng, Zufanunaulbml'ft 9 Uhr Schol.ru> ring-Uhr, Äblfathrt präzise A10 Uhr„ Nückku,.nft 1 Uhr: Man« tag Vortrag Professor Dr. Glanz: „Die Bibel"; Montag, den 11. April: Beachovon-Förer. Dre Artiflenprttsung der Internationalen Artistenorzanl» sat:on findet Samstag'um 3 Uhr nachmittags im Jichann Strauß-Theater statt. Der Kartenverkauf bat an den Kasten dieser Bühne mn am Schalter der Internationalen Attistenorganise.t:on, 2. Bez., Praterstraße 43, begonnen. Vorträge in den Gemeindetempeln. Bei dem am Samstag stattsindenden Morgengottesdienst (Beginn 3 Uhr 30 Minuten) werden int zirkr 9 Uhc 15 exeg.t'.jhe B ertrage gehalten: 18. Bez., Schwenhauerstraße 39 <R:bviner Dr. D. Feuchtwang), 21. Bez., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). — Samstag, 3 Uhr "acb- „iittags Jugcndg r etoienffc in den Gemeinde- und B i \*- Synagogen. Sie christliche Volksbank. L«n Rohen zu vier Wochen strengen Arrests verurteilt. — Minister a. D. Czapp sreigefprochen. Die Verhandlung gegen die leitenden Funktionär der verkrachten arischen Nordisch-Österreichischen Bank, Minister a. D. Czapp und Generalkonsul a. D. van Royen, wurde gestern zu Ende geführt. Der als Zeuge geladene General a. D. Hussarek, ehemals Berwaltungsrat der Bank, machte von seinem Rechte, sich der Zeugenaussage zu entschlagen, Gebrauch, weil ihm durch eine Zeugenaussage Schaden hätte erwachsen können. Der ehemalige Generaldirektor der Bank, Otto Wald egg, der im Jahre 1925. wegen fahrlässiger. Krida und Veruntreuung zu zwei Jach-ren schweren Kerkers verurteilt worden war, bezeichnete van Royen als den eigentlichen Schuldigen, der ohne Wissen der übrigen Funktionäre die überaus kostspieligen Investitionen in das Bankgebäude.machte. Ueber den 5M-Millionenscheck befragt, welchen van Royen am 28. Dezember 1923 in die Bank eingelegt und am 2. Jänner 1924 jedoch wieder zurückgenomrnen hat, sagte der Zeuge, dieser Scheck sei nicht gÄeckt gewesen und habe nur zur Vortäuschung der Liquidität der Bank gedient. Der Zeuge Ejnar Lind gab an, -Waldegg habe immer die Aktivität der Bank vorgetäuscht und den übrigen.Funktionären keinem Einblick in die Gebarung gewährt. Direktor Gustav M e j c r gab an, daß auch ihm der Einblick in die Geschäftsbücher verlvehrt wurde. Die Bank habe Einlagen auch zu einem Zeitpunkt angenommen, als bereits die Schwierigkeiten nicht mehr zu überwinden waren. Nach Beendigung des Zeugenverhörs und nach den Schlußvorträgen zog sich der Gerichtshof zu einer längeren Beratung zurück und fällte in den späten Nachmjttagsstunden das Urteil. Ban Royen wurde des Vergehens der fahrlässigen Krida schuldig erkannt und unter Anwendung des außerordentlichen Milderungsrechtes zu vier Wochen strengen Arrest, verschärft durch einen Fasttag vierzehntägig, verurteilt. Den Schuldspruch begründete Oberlandesgerichtsrat Dr. Dürr mit dem unverhältnismäßig hohen Aufwand für die Banführung im Bankgebäude und mit der verspäteten Anmeldung des Ausgleichsverfahrens trotz Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit. Der zweite Angeklagte, Minister a. D. Czapp, wurde zur Gänze frei gesprochen, weil er, obwohl in Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit, dennoch nach den Zeugenaussagen die Ueberzeugung haben konnte, daß das Unternehmen flottgemacht werden könne, zumal er als gewesener General kausmänni-ch nicht geschult ist. Tftr Staatsanwalt meldete wegen des Freispruches Czapps die Nichtigkeitsbeschwerde und Ivegen dcS Strafausmaßes für van Royen die Berufung an. Ebenso meldete van Royen die Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an>Die Geschädigten wurden aus den Zivilrechtsweg verwiesen.

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