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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-31 · Heft 2906 (31.3.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2906 (31.3.1927)
Date
1927-03-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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:!? r. 2906 Wien, DmrmrStag Wiener Morgenzettnng m. März 1927 33*355- Sie Stute in Der schwatzt« Reichswehr. Berlin, 30. März. Der Feme-Untersuchungsaus- ,cyuß des Reichstages begann heute mit der Untersuchung der Vorkommnisse in der Schwarzen Reichswehr. Berichterstatter D r.' L e v i (Sozialdemokrat) schilderte zunächst die Vorfälle in den oberschlesischen Kameradschaften, bei denen ein „Ka m e ra d e n g e r i ch t" im Jahre 1923 einen Leutnant Krieger wegen« Meuterei zum Tode verurteilt habe. Das Urteil sei nicht vollstreckt worden. Die ordentlichen Gerichte hätten später ein Einschreiten abgelchnt, weil die „Kamcradcngerichto" unter Kriegszustand gebildet waren und ihre Mitglieder unter die Amnestie fielen. In der Schwarzen Reichswehr habe es später ähnliche Vorkommnisse gegeben. In den Prozessen wegen dieser Anglegenheiten, namentlich im Prozeß Roßbach, hätten die Mitglieder stets erklärt, im Einverständnis mit amtlichen Stellen gehandelt zu haben. Der Berichterstatter erörtert dann Einzelheiten des Verfahrens gegen Roßbach und Genossen unter Verlesung von Stellen aus den Akten, insbesondere von Aussagen, Roßbachs über seine Unterredungen mit Reichskanzler Cuno, bei denen Roßbach die völkischen Turnerschasten und andere Verbände zum Kampfe gegen innere und äußere Feinde dem Reichskanzler zur Verfügung stellte. Eugen Rakosi freigesprochen. Aus Budapest wird berichtet: In dem Verleumvungsprozeß, den der Verein der Erwachenden Ungarn gegen den Altmeister der ungarischen Publizistik, Eugen R a k o s i, führte, wurde jetzt die Appellationsverhandlung vor der Königlichen Tafel durchgeführt. Nakosi, der im „Pesti Hirlap" am 16. Jänner 1926 unter dem Titel „Moralische Farbenblindheit" einen die Erwachenden Ungarn scharf kritisierenden Artikel veröffentlicht hat, wurde vor einigen Wochen vom Strafgerichtshof wegen Verleumdung des Vereines der Erwachenden Ungarn unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Geldstrafe von 1.6 Millionen Kronen verurteilt. Nach kurzer Beratung faßte die Königliche Tafel den Beschluß, daß das Urteil des Gerichtshofes erster Instanz annulliert und Rakosi freigesprochen wird. Rakosi verließ unter lebhaften Glückwünschen des großen Auditoriums den Verhandlungssaal. Der Kampf «m die Schachwelimeisterschasi. Aus New U o rk tvird berichtet: Capablanca Und A l j e ch i n haben vereinbart, daß sie im September in Buenos Aires den Kampf uru die Schachweltmeisterschast austragen werden. Jas MwliMr Schachturnier. Aus Lodz wird uns berichtet: Am 20. April beginnt hier das allpolnische Schachturnier, zu dem auch Einladungen an die aus Polen stammenden Meister, die im Ausland leben, ergangen sind. Die Großmeister R u b i n st e i n und Dr. Tartakower haben ihre Beteiligung bereits zugesagt. Enthüllung eines Shrobak-Ienkmols an der Universität. Gestern mittags fand in den Arkaden der Universität die Feier der Enthüllung eines Denkmals des berühmten Gynäkologen Rudolf Chrobak statt, der an der Wiener Universität gewirkt hatte. Bundesprästdewt D r. H a i n i s ch wohnte der Feier bei, als Vertreter des Unterrichtsministers erschien Sektionschef Dr. Löbenstein, und unter den Professoren und Dekanen sah man die Professoren E i s e l s b e r g, Riehl, Hans Horst Meyer, Alex. F r ä n k e I; eine große Zahl seiner Schüler hatte sich eingesunden; vom Präsidium der Akademie waren die Professoren Wettstein und Becke erschienen«, von der Familie Chrobaks seine Tochter, die Witwe des Gesandten Prof. Ludo Hartmann mit ihren Kindern und ihrer Schwester und eine große Zahl von Aerzten und Studenten. Die Festrede hielt Hofrat Professor Peham, der in großer Bewegung ein Bild seines Lehrers entwarf: Ms Schöpfer der Grundlagen seines Faches, als glänzenden Operateur, als fanatisch begeisterten Lehrer, als den humansten Arzt, dem der Mensch über.den „Fall" ging, als unermüdlichen Forscher, als Helden der Pflicht. Nachdern der Dekan der medizinischen Fakultät, Prof. M a r e s ch, gesprochen hatte, übernahm Rektor Hofrat Molisch das Denkmal in die Obhut der Universität. An die Feier schloß sich die Besichtigung des von Professor E. Hellmer ausgeführten Denkmals, eines Relief-Horträts in hellem Marmor, dessen Inschrift das einzige Wort „Chrobak" und die Jahreszahlen seiner Wirksamkeit bildet. Burgealändische zigeuner als Wählet und Wahibetechiigie. Aus Eiseuftadt wird uns berichtet: In den jetziger: Gemeinderatswahlen im Burgenlande nahmen fast alle bnrgenlündischen Zigeuner teil, welche das Wahlrecht besitzen. In Gemeinden, wo sie in kleinerer Zahl wohnen, gaben sie ihre Stimmen auf Kandidaten verschiedener Parteien ab. Eine selbständigeWahlliste haben sie jedoch in der Genreinde Sulzriegel eingereicht, aber eben wegen der Zigennerliste entfiel die Gemeinderatswahl. Die Liste der Zigeuner in Sulzriegel wies nämlich mancherlei Fehler ans. Sie sollte die gesetzlich vorgeschriebenen 20 Unterschriften sowie die Unterschriften der Wahltverber opoppaoo^ USIKHAUS 16rab#n 28 T*!11”""1! I. Magiers. > ETkOPHON Tel. M-4-22 Offiaielle Niederlage von The Graxnophone-Co. Ltd.. 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Nach der Vorher sag« ist der Wettercharatter veränderlich. Von der tschechoslowakischen Gesandtschaft wird mitgeteilt, daß Sainstag, den 2. April nur bis 10. Uhr vormittags amtiert wird. Ausreihung von achtzig Kaffeehäusern aus der RoyrungS« oder Gcnußmittelaögabe. Dem Ersucken der GenMnschaft der Kaffeesieder an den Ma rat, von den einoereikvtm 349 Kasikee- Wusern die minder leistungsfähigen 80 gänzlich von der Nahrungs- und Genutzmitttlabgabe zu befreien, wird der Magistrat Rechnung tragen. Es verbleiben sodann in ganz Wien nur noch 269 Kaffeehäuser abgabepflichtig. Die Ausreihungsbescheide gehen in den nächsten Tagen hinaus und treten rückwirkend vom, 16. März in Kraft. — Auch das Klavierpaufchale in den Kaffeehäusern wird bei den Betrieben mit einem Fass! mgsraum bis zu 120 Sitzplätzen auf die Hälfte ermäßigt. Diese Begünstigung tritt rückwirkend vom 1. März in Kraft. Besondere Ansuchen an den Magistrat sind nicht erforderlich. Tödlicher Autounfall. Am 19. d. M. nlittags wurde, wie berichtet, »der' achtjährige Schüler Hermann Bleher, Scholzgasse 6, in der Oberen Donaustraße von einem Auto nledergesw"m und einige Schritte weit geschleift. Das Kind wurde it das Leopoldstädter Kinderspital gebracht und ist nun dort an den Folgen eines Schädelgrundbruches gestorben. Nnch Zeugenaussagen trifft den Lenker des Autos kein Verschulden an dem Unfall, da das Kind unvorsichtig auf die Sttnße geeilt und direkt' in das vorbcijs.ryrende Auto hineikgerannt ist. Ein Autowlldliug. Vorgestern wurde am M^rgaretengüttel die Ü4jährige Hilfsarbeiterin Anna Halm von ciuein Auto, das der Lohnchauffeur Karl B o ch a r e k lenkte, n'edergestoßen. Sie erlitt eine Verletzung am linken Oberschenkel und wurde in das Spital gebracht. Nach Zeugenaussagen ist der Chauffeur übermäßig schnell gefahren und die polizei- Lärztliche Untersuchung ergab, daß der Mann betrunken war. Er wurde wegen Trunkenheit während der Fahrt und Schnellsahrens polizeilich mit fünf Tagen Arrest» bestraft, dem Bezirksgericht Margareten angezejgt und der Antrag auf Entziehung des Führerscheines gestellt. Diebstähle der Gerngrotz. Der 39jährige Handelsangestellte Adolf Mendelsohn wurde gestern dem Landesgericht eingeliefert, da er bei der Firma Gerngroß, bei der er als Verkäufer in Diensten stand, systematisch Seide im bisher festgestellten Gesamtwett von 1400 Schilling entwendet hat. Die Seide wurde in feiner Wohnung vorgefunden und beschlagnahmt. Eine angeschwemmtt Leich«. Be: Mannswörth an der Donau wurde gestern die Leiche eines etwa 40jährigen Mannes angeschwemntt, die initt einer Windjacke des republikanischen Schutzbundes bekleidet war. Es dürfte sich anscheinend um einen Sewstmvrd handeln. Newtons Apfelbaum. Aus London wird uns gemeldet: Hunderte von Wissenschaftlern aus aller Welt pilgern jetzt zu einem kleinen Weiler nächst Granthrm, dem mvosbedeckt n Manor a», das freisinnige Pietät in seinem ursprüm'i Vn 8uechalten hat, wo der größte Naturw-issc».-. Pr. I c»r seiner Zeit, Sir Jsaae Newton, am Wnlnacht.tag vor 285 Jahren geboren ward. Es sind jetzt nämlich 200 Jahre verstrichen, seit der große Gelehtte und Denker in Kensington gestovben ist. Zum Schauplatz der Erinnerungsfeier wurde dennoch der kleine Weiler nächst Granthrss: gewählt, da Newton hier in die auch he.-te noch bestehende Grammar School ging. Im Städtchen steht zum Gedächtnis des Gelehrten ein Denkmal, an dessen Sockel Kränze niedergelegt wurden. Bei Einbruch der Dunkelheit erstrahlte das mamorne Ebenbild im elektrischen Lichterglknz. Bei Besichtigung'des altehrwürdigen Manor Houses in Woosthorpe hörte man «me Frage., wäs mit dem Apfelbaum sei, dessen fallende Früchte Newton den Anstoß zum Aufbau seiner alle Zeiten überdauernden Gravitationslehre gegeben haben. Heute steht das Häuschen in der Obhut eines Herrn Woolerton, dev erklärte, der historische Tlpsel'baum sei bereits vor 100 Jahren abgestorben. E Lithagou. Dieses Heilmittel enthält verläßlich evpvobte zum Teil schon lange im Volle. vi-vlsach gegen Vevvauu-ngsbeschwerden erfolgreich auMvaudle heilsam«, Bestand rolle. In «den letzte»: Jahren wurde die Wirlsa-mkeit des Liilhagon sowohl aus der Mrvck cvlS auch von erfahrenem Aerzten bei L e >b e r e r 1 r a n k u n g e n bestätigt. Die Dithagon-Vredizm soll früh und aibeuds m der Menge eines KaUee'löffels mindestens zl.oe> Wochen einge 'oimneu werten E Zur Garderobe des eleganten Herrn darf der Dol-Ka» HaNschnh »wir DappeVsohl'M issiche Inserat seUe 7) nicht fehlen. Mische Belt Sk Mehrheit her Ärafoner inltauMMtaK gegen Vemoktaiische Dahlen. Wie wiederholt berichtet wurde, wird d««h den Menannten Pilsudski-Erlaß die Wahlordnung in den jüdischen Geineindeir Kongreßpolens in erhöhtein Maße demokvatisiert. Dieser Erlaß erstreckt sich jedoch nicht auf die jüdischen Gemeinden in Galizien, in denen zum größten Teil noch das alte reaktionäre Drei-Kurien-Ä)stenr besteht. Bor etwa eineinhalb Jahren wandte sich die polnische Regierung an die Vorstände der galtzischen Jndengemettüwn mit der Aufforderung, eine in demokrattschem Sinne dnrchzuführende Wahlreform selbständig vorzunehmen und ihre Statuten in diesenc Sinne zu SndeM. Dieser Aufforderung haben die wenigsten Gemeinden entsprochen und auch die Krakauer Kultusgemeinde hat sich bisher.der Erfüllung dieser Aufforderung entzogen. Auf Drängen der Minoritätsparteien in der Kulttrsgemeinde tvurde wohl ein Wahlreformausschuß eingesetzt, der jedoch die Erledigung der Reform geflissentlich verschleppt hat. Da die polnische Regienmg nunmehr daruit drohte, auch für Galizien die denwkratische Wahlreform für 6ie jüdischen Gemeinden zu dekretieren, brachte die Mehrheit des Krakauer Kultusrates in der letzten Sitzung einen Antrag ein, wonach an den Vizepremier Bartel und dem Bildungsminister Dobrucki eine Depesche gerichtet werden möge, in welcher die Regierung ersucht wird, vor Erlassung der betteffenden Wahlreformve«ttnmng die Ansichten und Vorschläge der jüdische« Gemeinden in Klevn- Polen einzuholen. Dieser auf die Durchkreuzung des demokratischen Wahlreformplanes abzielende Antrag hat begreiflicherweise auf Seite der Zionisten die größte Entrüstung und heftigste Opposition hervorgerufen. Es kam zu stürmischen Au'seinandersetzungen im Krakauer Kultusrat, in deren Verlauf der Agudah-Vertreter, Senator Deutsche^ welcher gleich den Zionisten den Antrag bekämpft hatte, von Rednern der Mehrheit in einer Weise angegriffen rmnde, daß er unter Protest die Sitzung verließ und sein M a n dart als Kultusrat mit der Bemerkung nieder legte, doK er auf die „Ehre", diesem Kultusrat a^zügehörei^ gerne verzichte. Der Antrag wurde schließlich mit einer aus den Stimmen der sogenannten Extrem-Orthodoxen und her Extrenr-Assimilanten entstandenen Majorität angenommen. Da die Opposition nicht gewillt ist, diesen reaktionäverr Putsch ruhig hinzunehmen, dürfte der Avischenfall einer Krise im Krakauer KultuSL-rrt Wre». Mualmoedhetze in GtiechenimÄ. Aus Saloniki meldet I. T. LHie in dar Achoea. 1925/26, war vie Stadt Floriua auch « diese« Jahrs der Schauplatz einer gefährlichen Ritualmordhetze. Mei gttechWe Kinder im Alter von fünf und sieben Jäh«« wUrVe« dgrmWt. Agitatoren streuten das Gerücht aus, die Kinder femt vvn den Juden zu rituellen Zwecken getötet ttvrden. DieMenge wallte durch die Straßen und rief: ^Tötet die Inden!" Der Polizeipräfekt forderte de» RabvAner «Uß Nie Kinder den Eltern zurückgegeben. Die Stümmmg War MsShttW Der griechische Metropolit interveniert« zugunsirn &&&, Militär sperrte das jüdische Viertel gegen de« tyütsüen PSvel ab. Schließlich wurden die vermißten Kinder u«ve r s<hr t-Aqt-fgesunden. Eine Untersuchung gegen die Hetzer wurde «eingeleitet. Eine Spende mathematischer «Mcher Mt dk Jetnsalemet UnWetsttSt. Die Warschauer Gesellschaft der „Freunde der hckaÄiMn Universität in Jerusalem" erhielt dieser Tage von der Tochter des bekannten Mathematikers I. N. Lichtenjeld eine «ms desstm Nachlaß stammende wertvolle Sammlung von Büchern «ndManuskripten mathematischen Inhalts sin hebräischer Sprache. Die Spenderin war die erste Frau des berühmten jüdische» Dichters I. L. P e r e z. Dje Sammlung wurde LweÄS pn die Jerusalemer Universität abgesandt. Auszeichnung eines jüdißchey PostdireAors in Ungarn. Das ungarische Amtsblatt verzeichnet: die Mit. i nng, daß der in den Ruhestand versetzte Postdirettor Dr. ocanz Vas in Anerkennung feiner hervorragenden bürgerlichen Verdienste mit dem Signum laudis ausgez i hnet wurde. Doktor Vas ist Jude und nimnrt am öffentlichen jüdischen Leben in Budapest seit jeher regen Anteil. .Er ist auch .iier der Förderer der Pro-Palästina-Arbeit. Der neue Senat des Collegio Raüdinieo in Italien. In Rom fand vor kurzem die Wahl des neuen Senats des Collegio Rabbinico in Florenz statt. An Stelle des scheidenden Präsidenten, Advokatnr P i c i fi c i, wurde Professor Alberto Olivetti in Florenz, zum SchristMrer Professor Amedeo Orefici und zum Schatzmeister Advokat Nello Cassin gewählt. Die „Purisiration" der jiddischen Sprache. In Kiew erscheint seit kurzem unter dem Titel „Die i bische Sprach" eine neue Zeitschttst, die hauptsäch i ’) der jiddischen Spr achforschung, Otthographie, Terminologie ussv. gewidmet i t. Das von der Kulturliga herausgeaeveno Blatt will lrauptsächlich Journalisten, Korrespondenten, Uebersetzern und Beamten, deren Umgangssprache jiddisch ist, als WegioeGr dienen und eine „Purifika't m" der jiddischen Volkssprache fördern. U SOHN DES MOSES MAUTNER DER NEUE ROMAN DER »WIENER MOR

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