Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2906 (31.3.1927)
- Date
- 1927-03-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 2906 Wien, Donnerstag Wiener Mor lenzettung 31. März 1927 Seite 8 Tagesbericht. Sie %ttitmfeiet in Tel Atviw. Äon C. Sirkcs (Tel Awiw). Drei Z^ge nnd vier Nächte dauerte diesmal das freuö:gc Fest, schlug eine Bresche in die sorgenvolle Gegenwart und holte die Lebensfreude hervor, die sich zu einem Freudentaumel aller, ohne Unterschied des Alters und Standes, steigerte. Aus den Kolonien, aus Jerusalem und Haifa kamen dichtgefüllte Züge an, füllten die Strafen mit Menschcngelvimmel, Trubel und Lärm. Das Bedürfnis, Feste zu feiern, den Alltag mit Glanz und Fröhlichkeit zu verbrämen, die Fähigkeit zürn Humor rmd Scherz kamerr selten bei dem alten, schwergeprüfte»: Volke so zum Ausdruck, wie in diesen erlebnisreichen Tagerr. Am Donnerstag abends begann es mit dem Vorlesen der Mcgilath-Ester, dem ein Fackelzug folgte, von sämtlichen Jugendorgauinrtionen veranstall-t. An der Svitze des unübersehbaren Zuges schritten mit launiger Würde Esther, der König, Human und der -«smnte Hofstaat in glitzernden Larven durch die Straßen Nachher wurde in *>*» A>!ästeilungsubikationen, die man für den Mununönschanz lnmt ausgestattet hatte, bis in den grauen Morgen geranzt. Masken, Masken, Masken. Araber, Beduinen, Mektapilgerer, Prinzessinnen und Prinzen. Charlie Chornin mit dem berühmten Stückchen, der „Dieb von Bagdad", Apachen, moderne Revuegestalten, politische Karikaturen, unter denen das Neuvermählte Paar Weizmam:-Marshall sich besonderer Beliebtheit erfreute. Am Freitag, dem eigentlichen Purinrtag, sah man schon am frühen Tag überall kostümierte, singende Kinderscharen. Palästina ist ja vorwiegend das Land der Kinder. Hier wurde die Kinderfürsorge zum obersten Gesetz erhoben. In den Kolonien, Städten, in den ärmsten und dürftigsten Verhältnissen tverden für sie die schwersten Opfer getragen. Das Kind kennt keine Entbehrungen, keine Mängel. Das Purimfest schob natürlich die.Kinder wiederum in den Vordergrund. Einzeln und in Gruppen, von Kindergärtnerinnen begleitet, zogen sie singend und tanzend durch die Straßen. Das helle Glück, welches von ihnen ausging, bestrahlte auch die Erwachsenen, wohin man nur hinsah, begegnete man fröhlichen Gesichtern. Die Heiterkeit wirkte ansteckend, zog immer weitere Kreise, bald prangten auch die Gasosbuden im flatternden Papierschmuck, der Mann hinter dem Ladentisch trug eine lustige Larve, der Milchmann schmückte seinen Esel, die Gemüsefrau, der Schuhputzer, der Brotmann, der Zeitungsausträger besorgten ihre Obliegenheiten geschminkt, verkleidet. Alis den hcllerleuchteten Fenstern am Abend tönte von überall Musik und Gesang, auf den Straßen wurde unermüdlich die ganze Nacht hindurch Hora getanzt, desgleichen am Schabath. Und am Abend wiederum Maslenfeste, in jedem Lokal Tanz und Musik, die Straßen voll von Schalllustigen und Masken. Oesters trug mau nur eine kleine Larve am Gesicht oder eine Papiermütze am Kopfe, billig, anspruchslos, man scherzte, lachte, jagte einander nach. Die Lustigkeit kannte feine Grenzen mehr. Die Feststimmung erreichte am Sonntag ihren Höhepunkt. Herrlichstes Frühlingswetter, die Stratzen wimmelnd von Merischen und kostümierten Kinderscharen, die zum Ausstellungsplatz strömten, wo ein Kinderfest veranstaltet wurde. Dort waren schon gegen 10 Uhr vormittags die Säle und der große Garten dicht mit kleinen, allerliebst aussehenden Fsaak Newton. Zum 20V. Tollestage. Auch heute :wch, zwei volle Jahrhunderte nach seinem Tode, steht er da, als die bedeutendste und vollendetste Gestalt deH Naturforschers: eine p/ewallige Synthese von unendlicher Weite menschlichen Sehens und tiefen: analytischen Sinn. In ihm offenbarte sich die Natur in ihrer geheimsten Gesetzmäßigkeit und tiefsten Harmonie. Die kleinsten, kaum bemerkbaren Erscheinungen offenbarten sich ihm in ihren tief verborgenen Zusammenhängen, Erscheinung reihte sich an Erscheinung, um sich zu einem einheitlichen Bau zusammenzuschließen. Der harmlos auf die Erve fallende Apfel wurde durch ihn in Beziehung zu den komplizierten Bewegungen der Himmelskörper gebracht und die geringfügigen Beziehungen zwischen, unbeständigen Größen zu'" einer Differentialrechnung ausgestaltet. Wie ein gewaltiger Niese steht er da, der geniale Bezwinger der Natur, alle Zeitgenossen, Bor- und Nachfahren west überragend. Mag das mächtig. Gebäude, das von ihm errichtet wurde, in der letzte:: Zeit auch manche Erschütterung erfahren haben, kein Naturforscher, mit Ausnahme vielleicht eines Einstein kann sich mit diesem Titanei: messen. Als Newton im kleinen Dorfe Woolsthorve in der englischen Grafschaft Lincolr: zur Welt kam (1643), war er, da seine Geburt um einifle Monate zu ruh Erfolgte, so schwach, daß tvenig Hoffnung bestand, U)u am Leben zu erhalten, und so klein, daß man ihn, wie seine Mutter zu sagen Pflegte, leicht in einem Quartkrug hätte verstecket: können. Und dieses schwache Gefäß erwies sich als äußerst haltbar: 85 Jahre lang barg es den unsterblichen' Geist des Fürsten der Naturwissenschaften. Mit 11 Jahren kam er zur Schule in der ^-uachbarten Stadt Grantham. Wie er selbst zu erzählen Pflegte, wer tr weder sieikia noch «»fmevffcmi nnd galt über ein Jahr noo 'w -,V2 KUNERÜL &MI fjlfjrÄ’i'l; f «II! lä-Pltt! Verbürgt reines Fett aus Kokos« missen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G., Wien« Atzgersdorf, gepreßt und die Fr« zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht, des Herrn Bezirksrab« biners 8. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng* gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei* tung der Speisen verwendet werden. Masken besät. Das Karussel, das „Riesenrad", der Springbrunnen, das Jazzbandorchester, der Kiosk, in dem man Trompeten, Papierschleifen, Konfetti und allerlei lustiges Zeug verteilte, tvaren umlagert von den singenden, tanzenden kleinen Scharen, die sich vor Freude gar nicht fassen koimten. Nnd dazwischen glückstrahlende Eltern, Erziehcrinr'.e::, Freunde, Photographen, Filmoperateure, Araberinnen, die hie und da auch ihre Kinder verkleidet hatten, mit aufgehobenem Gesichtsschleier, in den weit geöffneten Augen maßloses Staunen, naive Verzückung. Ein ivundervolles, buntes Bild, von dem man sich nur schwer trennen komrte. Und nachmittags der Maskenumzug. Mit Musik und Horatänzen eingeleitet, bewegten sich die zahlreichen Maskcngrüppen langsam durch die überfüllten Straßen/ Voran die Erzeugnisse des Landes (Tozcreth Haarez), die landwirtschaftliche Schule „Mikweh Israel" mit Kuh und Geflügel. Landwirte aus den Kolonien im grünen Schmuck der Bodenfrüchte, Kamele mit Sandlörben und Orangenkisien, eine riesengroße Puppe, aus Seidenstoff, n. und Handarbeiten - proben zusammengestellt, Möbelmuster ' ustv, dazwischen Hochzeitsgruppcn, blumcngeschmückte Radfahrertruppen, Sportvereinigungen, Handwerker-Abordnungen, verkleidete Araber, eine schauspielernde Wandertruppe, das befreite Rußland mit Gefängnisgitterr:, Ketten und roter Armee, ein williges, verhutzeltes Männlein, streng militärisch ausgerüstet, mit einer großen Tafel: „Jabotinskys Traum" und ER SOHN OES MOSES MAUTNER DER NEUE ROMAN DER „WIENER MORGENZEITUNG" noch vieles am«er". dann Autos, Autos, Autos, umrahmt von unendlichen Massen. Alle Feilster, Terasson, Balkons it::s t io fuuficn Dächer tvaren überfüllt. In der Menge ragte»: in g: oß-'c Fülle rote Fez und Turbans der Araber, die aus und '-c•:.••• herbeigeströmt waren, arabische Frauen und Kinder. Der Trubel ließ die trennenden Grenzen fallen, Gegen fätzr vc:nnrnmen, es feierten alle, ausn.ahmslos, durch die Lebensfreude versöhnt, verbrüdert. Der unendliche Menschenstrom wogte, drängte, man wurde getrngrn, vorwärts geschoben, kenn gar nicht zur Besinnung vor Uebermut, Lachen imb Lustigkeit. Ein Fa:ben-.'ewimmel, dem die Augen kaum ftandhalten konnten. Erst mit anbrechender Dunkelheit begvrEN sich die Menjchenniasseu zu verziehen. Tin großes Volksfest beendete die unvergeßliche Feier. Und seltsam: In den icker Nächten und drei Tagen, ir: den«; alles, was lebte und sich nur bewege:, konnte, sich aiis den Straßen aufhielt» wurde in den leerstehende»: Häusern lein ew.ziger Diebstahl verübt, lebte Schlägerei, kein Unfall kam trotz dem lebensgefährlichen Andrang zur Anzeige. Das große Aufgebot der Polizei konnte ungehindert an den Spterrn teilnehmen, oh,re auch nur ein einziges Mal di-mMch M'««cee<fen zu müssen. 3m Ludendorff emhM die jüdische Welt' herrtchaft. Mathilde von Kemnitz die zwette Frau Erich Ludendorffs, hielt vorgestern in Berlin bei einer Versammlung des Tannenberg-Bliw >es einen Beinah (Hko „Rasse-Erbgut^. Frau von Kenmitz ist von Beruf Necve,!- ärztin und so sah auch ihr Vortrag aus, der neues tmffen* fchaftliches Material zur Begründung der jüdischen Gefahr erbracht hat. Aus dem Vortrag der Dame, zn 'deren Füßen der große Gatte saß, erfährt man, warum der Weltkrieg gerade in: Jahre 1914 begann. Msuda hatte seit langem mit aller Kraft gerade auf dieses Jahr hingearbeitet, das de»: Beginn seiner Weltherrschaft bringen sollte. Beweis: das Wort „Weltkrieg" ergckt in hebräischen Buchstaben die Zahl 1914, deren Quersumme wiederum 16 ist, was nach alttestamentarischein Geheimzeichen den Gottesnamen „Jehova" bedeutet. Nun ist das nächste Iah: mit der Quersumme 15 das Jahr 1932 und deshalb versuchen die dunklen Mächte, zu denen auch das eingeweihte Freimaurertum und die Jesuiten gehören, mit allen Mitteln (auch der Vö lkerbund ist ein solches Mittel) die Weltherrschaft tvenigstens zu diesem Zeitpunkt zu erreiche»:. Und »renn man bisher der harmlosen Ueberzeugung tvar, daß die amerikanische Umbenennung des deutschen Schiffes „Vaterland" in „Leviathan" ein Zufall war, so weiß man nun, nach Frau Ludendorffs lichtvollen Ausführungen, daß auch dieses scheinbar kleine Zeichen das Werk des bösen Zerstörers ist, denn „Leviathan" ist der Fisch, mit dem Jehova erst nach Ausrichtung der Weltherrschaft wieder darf. > Es ist für die Sicherheit des deutschen Volkes gut, daß so erleuchtete Geister zur Stelle sind, denen keine Einzelheit der ruchlosen jüdische»: Anschläge.entgeht. Jetzt bleibt nur noch übrig auf das Jahr 1932 zu warten. Aber wir fürchten, daß dies kein besonderes Resultat* zeitigen wird, weil Frau Ludendorff mit ihrer Kenntnis der Geheinllehren sich ein wenig blamiert hat. Das Mort'Weltkrieg in hebräischen Buchstaben ergibt nicht 1914, sondern 428. Da- »nit tvürde sich alles weitere erledigen, weim nicht hinter dieser Unrichtigkeit wieder eine abgrundtiefe Bosheit Alljudas verborgen sein sollte. Was wir freilch nicht wissen können. tttmmm als einer oor tuwegaülefte»! in seiner Klasse. Ei»:es Tages aber, tätlich beleidigt durch der: ersten Schüler seiner Klasse, faßte er de»: Entschluß, durch geistige Ueberlegenheit an den: betreffenden Knaben Rache zu nehmen, weil ein Kampf auf physischem Gebiete ganz aussichtslos gewesen wäre. Durch Fleiß u»:d Geschick erreichte er sehr schnell sein Ziel: er war und blieb von da an der Erste in der Schule. Neben den Schulstudien beschäftigte er sich vornehmlich mit der Mechanik, in der er bald eine gewisse Handfertigkeit erlangte; er zeichnete auch mit Vorliebe und schrieb vielfach Gedichte, von denen er noch als Greis mit kirchlicher Selbstgefälligkeit zu erzählen pflegte; wiewohl er in seine»: reiferen Jahren eine große Abneigung gegen jegliche Poesie bekurckete. Nach Absolvierung der Schule wurde der 14jährige N e w t o»» von seiner Mutter, sein Vater war noch vor feiner Geburt gestorben, nach Hause gebracht, damit er sie in der Landwirtschaft unterstütze. Der Ju»:ge fühlte sich aber zr: seinen Büchern und Modelle»: hingezogen. So sah mai: ihn oft „sinnend mit verschränkte»: Armen durch die Felder wandern, während die Herde, die ihn: anvrrtraut wurde, seitab sich verlor, die Wiese zertrat und das Getreide ver»:ichtete". Hier traf ihn einmal sein Onkel, ein Geistlicher aus der Nachbarschaft, mit einem geometrischer: Buch hinter der Hecke. Dieser Anblick bestirnntte das Schicksal Newton s. Der Onkel belvvg seine Mutter, der: Jungen. studiere»: zn lassen, da er doch zu nichts anderen: -äuge»: würde. Er in das Trinity-Collegium in Cambridge geschickt. Im Jahre 1060 bezog er hier die Universität und widmete sich vollständig fehlen Studien. Er lenkte auf sich gleich die Aufmerksarukeit seiner Lehrer, erhielt (1665) den Grad des Bakkalaureus der freien Künste nnd wurde zwei Jahre später zum Professor der Mathematik an der Universität Cambridge ernannt. Diese Stelle bekleidete n 26 Jahre lang, bis er (1695) Münzmeister in L-Mdon wurde. In dieser Stellung verblieb er bis zu seinem Tod?. , Leider. weiß man zu wenig vor: seiner Jugend, um sagen zu könne»:, auf welche Weise sich seine geistige Kraft so schnell, und ohne fremde Hilfe so wundervoll enttvickeln konnte. Denn alle seine großen Entdeckungen wurden von ihm, wenigstens in den Grundzügen, bereits in seiner Jugend gemacht. Im Jahre 1669, das heißt in seinem. 27. Jahre war er bereits im Besitze der wichtigsten Entdeckungen, die er später über das Licht, über die Gravitation nnd über die Differentialrechnung der Öffentlichkeit bekanntgegeben hatte. Die Entdeckung der allgemeinen Gravitation und ihre Bedeutung verdient hier besonders erwähnt zu werden, »veil wir in ihr vielleicht die bedeutendste Entdeckung vor uns haben, die dem menschlichen Geiste auf dem weiten Gebiet der Wissenschaften bisher gelungen ist. Sie enthält das Gesetz, nach welchem sämtliche Bewegu»:gen auf unserer Erde und in unserem ganzen Sonnensystem vor sich gehen. Nachdem der Uebergang vom „geozentrischen Weltsystem" zun: „heliozentrischen" durch Kopernikus vollzogen worden war u»:d sich die Ansicht durchgesetzt hatte, daß die Sonne und nicht d»e Erde im Zentrmn unserer Planetenwelte»: sich befinde, gelang es Kepler, nachzuweise»:, daß die Planeten keine Kreisbogen um die Sonne beschreibe»:, sondern Ellipsenbogen, wobei die Sonne in einem ihrer Brennpunkte sich befindet. Kepler stellte ferner seine berühmten drei Gesetze auf, nach welchen die Planetenbewegungen vor sich gehen. Dadurch gewann erst die Astronomie eine nmthematische Unterlage und einen exakten wissenschaftlichen Gehalt. Es fehlte aber :wch die Ursache dieser Gesetze, nämlich des obersten Gesetzes, von dem jene drei nur als Folge sich erwi-sen. Und dieses oberste Gesetz wurde durch Newton geliefert. In seinem berühmter: Werke „Philosophiae naturalis prlncipia mathenratica" tvi's er nach, daß die Fällkräfte auf der Erde und die Kräfte, die alle Planeten an die Sonne, den Mond an die Erde, die SatelKen an die einzelnen Planeten usw. ketten, die gleiche»: si»»d, u»:d sprach' das Gesetz aus: alle Körper ziehen einander mit eurer Kraft