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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-30 · Heft 2905 (30.3.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2905 (30.3.1927)
Date
1927-03-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2905 Wien, Mittwoch 80. März 1SS7 -Seite 7 KRIEG GEGEN Von SCHALOM ASCH Autorisierte üebersetzung aus dem Jiddischen von SIEGFRIED SCHMITZ Copyright 1927 by B. L5wit Verlag, Wien — ItAptlg Seligl, der Eiserchändler, schleppte zusammen mit emem Bauern eine lange Eisenstange aus dem Laden imi> Halls seinem Kunden, sie aus dem Wagen Au heben. Unter der Last deS Eisens lächelte. Seligls Spitzbärtchen iunterwürfig hervor und bat die „edlei: Herren" um Entschuldigung, dafür, daß er ihnen den Weg verstellte. Die Herren blieben stechen, ihre Gesichter Und ihre Nacken waren blutunterlaufen; zu gleicher Zeit begannen sie beide auf den Juden loszuschreien: ^Sichst dir nicht, JuV, Mer, dir geht-? Wie kannst bin dich unterstehen?" Der Jude und der Baüer ließen die Eisenstange! fallen, sie dröhnte hallend nieder Und eine Staubwolke erhob sich. Der Jude zog irnaüfhörlich seinen Hut Md bat UM .Entschuldigung. Der Bauer küßte den Herren ddn Rvck- Herv Piesoski zog sein buntes Taschentuch, staubte sich sorgfältig ab, verjagte den Fliegenschwarm um seinen frisch pomadisierten Kopf, erwies auch der Nase seines Hundes diesen Liebesdienst imb' begann: „Ich muß dir sagen, bester Herr, meine christliche Geduld platzt, wenn icksehe, wie die Juden ganz Holen okkupiert haben." „Mir, mein Lester Herr, ist sie schon längst geplatzt," erwiderte Herr Schwischinski... Doch erst recht platzte ihre Geduld, wem: sie zUM Heringladen der Chaje Turteltanb kamen und die Bckuerntvagen davor stehen sehen. „Da sehen Sie nur, Herr Assessor. — der Laden ist voll von Bauern, von unseren Bauern. Da kommt so ein Fremdier und nimmt uns die Bauern weg, verkauft ihnen Petroleum, Heringe, Salz und saugt den armen Landleutew das. Blut aus. Unser Polen ist das, unsere Heringe —. Und da kommt ein Freunder und stiehlt uns alles." „Und tvir, zwei polnische EdellÄrte, stehen da, Müssen das mit ansehen und schweigen." „Ich habe schon längst gesagt — wir Müssen Uns organisieren. Wir Müsset: etwas tun. Wir dürfe:: das nicht dulden. Das Vaterland ist in Gefahr^" „Möchten der hochmögende Herr nicht sagen, lvas man da tun. kann?" , . . ... „Was man tun kann?" — antwortete Herr Schwischinski — „Herr Assessor sehen doch die Jüdin bia; meinen Harr Assessor, das sei eine gewöhnliche Heringjüdm? O nein! Sie ist ein Agent Rothschilds. Die ganze „Mle" steht hinter ihr. Das internationale Finanzkapital Mit Rothschild an der Spitze finanziert ihr Hering- Und Petroleumgeschäft ... ja, ja, so ist es.. . ich weiß es, habe es selbst in den polnischen Blättern! gelesen... Dem polnischen Bauer säugen sie das Blut aus... und das, was die Juden tun, müssen wir auch tun. Wir müssen zusammenhalten Und uns zu einer polnischen, kacholischen „Spolka"*) organisieren. Wir müssen der Jüdin die Bauern wegnehmen. Wir werden Heringe und Petroleum den polnischen, christlichen Bauern verkaufen, mit polnischem! Maß Und Gewicht, nicht 'mit jüdischent." „Was? Der hochmögende Herr will Heringe und Petroleum verkaufen?" — fragte Herr Piesoski höchlich erstaunt. „Ja. Für Polen will ich alles tun, UM 'das Vaterland vor denk jüdischen Finanzkapital zu retten. Würden es''Herr Assessor nicht für Polen tun?" flP. gewiß. Für Polen will ich alles tnn,'selbst Heringe Und Petroleun: Verkäufen." „Ehrenwort!" „Ehrenwort!" „So spricht ein Pole, für Polens Ruhm! — für das ^aterlaick" „Mt Hering Und Petroleum!" „Lass' mich dich küssen, Bruder!" „Einen Kuß. Bruder!" Diebeiden Herren sielen einander Um den Hals und küßten einander heftig. III. Herr Schwischinski Und Herr Piesoski gingen die Stadt ab Und sammelten Unterschriften vom Pfarrer, vom Arzt Und von anderen angesehenen polnischen Bürgern; danjn schrieben sie einen Brief in die nächste größere Stadt an big „Ge-: sellschaft zum Kampf gegen den jüdischen Handel" Und 'schlugen . vor, eS möge in dem Städtchen ein polnisch-christliches Hering- Und PetroleruNgeschäft eröffnet Werden. Darauf kam ein Agitator und berief enp: Versammlung in die Wohnung des dlrztes. Und in dieser Berscttnimlnng wurde der Krieg gegen Chaje Turteltanb beschlossen. Daß gerade Chaje TNrteltaubs Hering- und Petroleumladen der Versammlung so in die Augen stach, hatte fernen Gründ darin, iveil Herr Schwischinski die VersaMnckUng davon Kn überzeugen wußte, daß hinter der Jüdin Chaje Turteltanb Rothschild stehe. Und durch die Person der. Chaje Turtellaub sollte „der gesamten internationalen jüdischen Finanz" der Todesstoß versetzt werden. So kam man nun denn zue Erkenntnis, das Wichtigste sei der Kampf gegen die Heringjüdin, weshalb ein polni^ck'-christlicher' Lad'"N irh Pe- •) Genossenschaft. (4. Fortsetzung.) troleuM und Heringen eröffnet werden müsse. Und die beiden hochMSgenden Herren, Herr Schwischinski und der HerrAsefsor, übernahmen es, für „Polens Ruhm" selbst im 'Laden zu stehen und Heringe und Petroleum zu verkan.n Mle Anwesenden bewunderten den Mut der beiden Herren, beglückwünschten. sie und feierten sie als Helden. Die Damen klatschtet: ihnen Bravo und die Herren riefen: „Sie leben hoch!" Herr Schwischinski und der Herr Assessor dankten für diese Ovationen mit vollendeter Verbeugung, in der so viel ritterlicher Mut lag, als gingen sie geradävetzs in die Schlacht. Der Pfarrer wurde der erste Ehrenpräsident der neNbegründeten „Polnisch-christlichen Gesellschaft für Heringe Und Petroleum", der Doktor der zweite Ehrenpräsident. Der Apotheker wurde der erste Präsident, der Ratsschreiber der zweite Präsident. Herr Schwischinski wurde der erste Direktor, Herr Piesoski der zweite Direktor. So wurde eine lange Reihe von Titeln verliehen, alle wurden Präsidenten, Direktoren, Sekretäre bis hinab zum letzten Schustergehilfen. .Me christlichen Bewohner dev Städt erhielten von der Ge-, sellschaft Titel. Bühne und Kunst. Beethoveu-Lefttlmzerte. Die ersten zwei Konzerte waren des feierlichen Anlasses und der hohen Kultur der alten Musikstadt Wien durchaus würdig. Die Eröffnung des Beethovensestes erfolgte mit der „Kantate aus den Tod Kaiser Josephs II.", einem wenig bekannten Jugendwerk aus Beethovens Bonner Zeit. Es weist noch aus manche Vorbilder wie auf Händel, Gluck und Haydn hin, die Arien sind in der Tonsprache noch nicht ganz persönlich, doch in den feierlichen Rezitationen und in der beredten seelisch tiefen Klage des „Largo" spürt man bereits Beethovens Meisterhand. „Es ist alles und durchaus Beethoven", rief Brahms aus, als er das Werk kennen lernte, in welchem sich bereits das wundervolle Oboethema aus dem zweiten „Fidelio"-Finale: „O Gott, welch' ein Augenblick" findet. Nach der Trauerkantatein welcher die Damen Förstel und Rutsch ka, die Herren Gallos und Mayr die Soli sangen, huldigte das Inland und das Ausland durch seine diplomatischen Vertreter dem Genius Beethovens, und sodann Rang das Konzert mit der Chorphantasie op. 80 aus, in welcher Franz Schmidt mit Ausdrucksgewalt den Klavierpart spielte. Felix Weingartner, Sinfonieorchester und Singverein leisteten Vorzügliches. Tags darauf erklang mittags die „Missa solemnis" unter Direktor Schalks, des Unermüdlichen, Leitung. Sehr schön sang, der Opcrnchor — schon lange nicht war die Beethovensche Polyphonie im Klange so transparent erschienen — ausgezeichnet sangen die Solisten, die Damen Schumann und A n d a y, die Herren Gal l o s und Mayr, wundervoll spielte Meister R o s e das Biolinsolo. Die Sachverständigen aus der ganzen Welt, welche dem Konzerte beiwohnten, waren voll des Lobes über Philharmoniker und Opernchor, über die sinnliche Wärme, den hohen Schwung und die künstlerische Ausgeglichenheit der Darbietungen. flb. Aus de» Nestern. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Leonie". Akadcnrietheater. Morgen, Halo 8 Uhr, „Mar i k a". Bürgertheater. Morgen und übermorgen gelangt das Lebensbild „Beethoven" von E. O. Rade k, mit Musik von Beethoven, mit Karl Kneidinger in der Titelrolle zur Aufführung. Operntheater. Aus Anlaß der Beethoven-Zentenarfeier findet morgen, 7 Uhr, als Tbeatre pare eine Galavorstellung des neu inszenierten „Frdelio" statt. (Leonore: Lehmann, Florestan: Piccaver). Kammer spiele. Erika Glätzner gastiert zum erstenmal am'6. April in dem Lustspiel „Modellhaus CreVeite" von Leo Walter Stein. Der Verein für neue Musik veranstaltet anläßlich der Beethovenzentenarfeier Donnerstag, den 31. März, '4 Uhr nachmittags im mittleren Konzerthaussaal ein Kammerkonzert. Programm: PM: Bläsertrio (Uraufführung); Beethoven: Lieder; Berg: Kammerkonzert (Erstaufführung). Ausführende: Maria Olszewska, Eduard Steuermann. Rudolf Kolisch, Bläser der Staatsoper. Dirigent: Dr.- Anton Webern. Einzige Tanzmatinee Gertrud Kraus. In den Kammerspielen findet die einzige Tanzmatinee C^rtrud Kraus, Sonntag, den 10. April 11 Uhr vormittags mit vollständig neuem Programm statt. Der Kartenverkauf an den Kassen der Kammerspiele und im Zionistischen Bureau (1. Bez., Kärntnerstraße 28) 'hat bereits begonnen. Jubiläum des Dheatevkritikers Dr. Mukdoni. In den Newporker jüdischen literarischen Kreisen wird dieser Tage der 50. Geburtstag des bekannten jiddischen Theaterkritikers Dr.' Alexander Kappel, der unter dem Namen Dr. A. Mukdoni sich in Amerika einen guten Namen gemacht bar, gefeiert. Aus diesem Anlaß wird dem Jubilar die Herausgabe einer Sammlung seiner bedeutendsten Kritiken und > Anregungen für die jüdische Bühne in Amerika gewidmet werden. »ooooooooöoooooooo6ooooooroooo«%xx»ooog»oooQcc%xx%3osQso3g%>3c^ I. Preis: Eins BISlisM von 3CG’BMn II. Preis: Eine SraMse nach Palästina Dl. Preis: Fünf Denan Land in Palästina M und weitere 47 Preise j , —^_ Kreuzworträtsel - Preisausschreiben Ausschneiden! 14 14a SVr. 46 BEZEICHNUNG DER WOBTE: Wagrecht: 2 Tanzschritt, 5 Schachmeister, 6 Synonym für Dichter, 7 Vorwort mit Artikel, 8 Takelung, 9 Flächenmaß (Abk.), 10 Schlange, 11 Zeitbestimmung, 12 Franzos. Fürwort, 13 Jüd. Prophet, 14 so wie 5 senkrecht, 15 Farbe, 16 Bibi. Person, 17 Fluß in Polen. Senkrecht: 1 Stadt in Galizien, 2 Griech. Hafenstadt, 3 Staat in Europa, 4 Asiatische Hauptstadt, 5 Aegypt. Sonnengott, 6a Franzos. Fürwort, 12 Chemische Formel für Magnesium, 14a Schmerzensausruf. Name: •««•■Mat »«•«•■« m«auu«»mu» Adresse: — ''.....Ausschnefden AviSO 8 Beachten Sie unsern nächsten Rätselbriefkasten am Donnerstag! »»«WM»W«WW»WMOW>UWM>MMaMW«»WMW»WWUW«UWV>UW«WWW»»WAWW>WUW»>»O>MM»W«W»»>»WMM»WWW«D»W»W»W«W»»>»W«>»»>>>» i — >» ■ I i —vmm—»«WM—»»—mmmmmmmmm Erklärung t Ab 13. Februar erscheint t L in der „Wiener Morgenzeitung" ein Kreuzworträtsel. Die Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rätselkupons an die „Rätselredaktion der Wiener einzusenden, jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Diktier» in «reichen unsere Rätsel erschienen si zeit gegen Einsendung des Betrages ln Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden viv. Der Beischluß auf Seite 2 beRndßcfcen.Kupons ist unbedingt erforderlich.

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