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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-27 · Heft 2902 (27.3.1927) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2902 (27.3.1927)
Date
1927-03-27
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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Geile 12 Wien, Sonntag Wiener Morgenzettnng 27. März 1927 «t. svos Sühne und Kunst. Gesprochener Film mit Moser- „Rr. 17" in den Kammerspielen. Aus einem Kmoleimvarrd-ausschnitt lacht ei.ne lustige Vagabundenvisage, die Hans Moser zugehört, und Eva Fiebig HMt ergötzlich die Mannequindrehungen eines weiblichen Filillstars nach, der vor dem Filmspiel in Großausnahme gezeigt wird. Dann wird bei schrecklich wenig Beleuchtung ein Detektivfilm gesprochen, der „Nr. 17" heißt und eine mit „Schlagern" und Schlägen so reich behängte Handlung hat, daß es unmöglich ist, ihren Inhalt nachznerzählen. Eine Zeitlang denkt man an Parodie, aber es ist Ernst, blutig blutloser Ernst; er wird von Peter L o r r e, Eva Fiebig, Olga D i o r a, Paul B e r h o ev e n, Theodor G r i e g und Hans Z e s ch - B a l l o t geradezu hingebungsvoll gespielt. In diesem gesprochnen Film, als dessen Autor ein sicherer I e s fe r s o n - Fanjaon zeichnet, ist Hans Moser, der erwähnte Vagabund, Eine Art „Schießer" aus der Shaw-Komödie, ein Mensch, der in der Welt des Verbrechens lebt, obwohl sein Wesen, absolute Gewaltlosigkeit ist. Moser gibt dieses gewaltlose Wesen bezwingend; jeder Ton, den er spricht, jede seiner Gesten besagt, wie peinlich es ihin ist, mit Gewalt, mit Verbrechen, mit Leichen, mit menschlicher Verwirrung und Verirrung jeder Art zu tun zu haben. In eine Kriminalaffäre gestellt, ist dieser Vagabund Ben, den Moser darstellt, ihr schreiendstes Widerspiel. Diese absolute Komkk> wie sie Moser hier handhabt, die seinen Bem in allen Details durchdringt, erweckt menschliches Lachen und hebt in den Augenblicken, da er auf der dunklen Bühne steht, den Filmtisch über Spiel und Illusion zu den lichtesten Höhen der Menschheit. Der stürmische Erfolg des Abends war Hans Moser. S. S. Re neue Haller-Revue. Apollotheater. TÄ: De2Ki^r.HcrllerMevuie'„An und au s", dÄe gestson m SBfren UobnkvÄtL, ifarub'fefjit starten Be-fall. Mich Riecht. Weam schon *b&e uatgehvuve Sfc&eit, Äe in diesem Rveis-esvwisixk der MassvmruMavfthe van Tänzemninsn^ Girls, S-icvÄston, in diesen ^Ät «hunWanchsrenden Vevw-andl'uinyon der Dühnenlti'Der steckt M bewunideun ist,, st, kann man diesmal auch noch feststelleni, k:<aß' deL Kommerz, dsr nrLtüÄich bei solchen U-n-tlSrweihmunyen te-n, Hempchpaut hat, künstlerische Bestvebunyen nicht von vornhevom emchgogewüvait, ja, ihnen streckenweise alles, was CfU± und 'teator ist, unitovtcm mochte. Der Maler Ludwig Kainev, vom „Svmpäiioiis>srnruis" her beLanmch, schuf die Ansstvichung, und einzelne der BWer sowie die gesamäe E-mÄleidmqg der Männer und Damen (t»e der letzrevon, soweiilt sie vorhanden ist) war kein Mi-ger Spaß. Aber das Ergebnis ist dafür denavt, daß auch der Geschmack ve-rwöhnber Augen befriedig ist. Die Szene „Das Batch ler Marquise Pompal-ur", oinwge (nicht Äbe) BÄder aus dem Zyklus »Das deutsche Lied" könnisn sich sehen lassen. In dieser Flucht der Gbvlpavadvn, Solotänze, Barieitiesze-. ne«, PofseNspaffe und vichfl-ige-n Einaktern gibt ss ferner wirklich humorvolle Späsie, die auch an sich, aus irem Revue-Koloß hertausgehoÜ, bestehen würdenwie eitwa das lerEure Lustspiel „Der ve-rhangnisvolle Brief", an dem das Publikum mÄwiwkt, der lustige Modeskotch „An und aus", nach bem der Mend!^benannt ist, undder mjit stüvmiischer He-Äerkeich aufgenonrrrpone Ulk „Hinter den Kulissen des Rnndsmrks". I« der großen Konikurveinz der Tänzerinnen 'scheine uns der schönen La' Jana die PaLme zu gebühren. Ihr Charme halt Geist,' ihre Oca^ie schimmert unter hundert graziösen Tan-; zerinnen hervor und überstrahlt sie.. Aber auch Ruth Z a ck e ydie Ka-rirnska vom Dasimo de Paris (nicht minder ihr.Pari» ner Rrlber), sind Sterne erster Größe. Und die Ti-ller- G r r I s find , wieder da. Wenn sie aus der Sikbevtreppe mich twtw vergfeichlicher Exaktheit, die sich mit unverglleichlicher Amnuit zu verbinden weiß, ihre Tänze vorsühren, gerät tvs Pulblirkum m Helles Entzücken. Die Darsteller der Revue vepräs'onil'ieven sich in den vielen Rollen, die sie zu spielen haben, weit besser als <wn Amt Conferenciers, das sie abwechselnd vorwaLen. In dieser AHteven Eigenschaft kommt der Wiener Geschmack bä diesen Berliner Humoristen nicht auf die Rechnungaber sie sind ansonsten vortreWiche Komiker, die Herren Max Ehrlich, Curt Fuß.und Kurch Lilie.«. Und Trude Hesterberg ist eine fdjr witzige, deigagiert« Sou-bveire. Auge und Ohr sind von Frauenfchvnheiit und Schlagerwe^en, Uusstatitungsg-lanz und Jazzbandlärm einfach klein gekriegt und es gehören sporige stählte Nerven dazu, am tiesen Abend hmchzuhaLiien. A. Au» den Matern. Burgtheater. Morgen, y,8 Uhr, ,>L e o ni e". (Kheatergemeinde Serie F.) A.kad.e.ryietheater. Dienstag, )^6 Uhr, ,Komt-esse M.i tz i". Operntheater. Morgen, 7 Uhr, „Don Juan". Dienstag „Der Rosenbavalier*. Kamm erspiele. Sonntag, den 10. April (11 Uhr vormittags) findet eine Tanzmatinee Gertrud Krwu.S statt. ' R e go u.te n f a a l. Dienstag Be.'t,ovLN-Z:ntenarfeter. Historischer Abend. Zur Aufführung gelangt „Di'o und Aeneäs". Hierauf „Die Magd als Herrin" und „Dre Freier der Tänzerin" (Rameau). Stadttheater. Dora Dubh verabschiedet sich im Rahmen der Revue „Men lacht wieder" Donn:r^t:g, den 81. d. M. Freitag, den 1. April debütiert die amerikarii.che Tänzerin Gipsy Roumaje. Theater ander Wien. Heut:, 11 Uhr Vvrm'.t ags, findet die Beethoven-Huttigungsfttei: stet", an der Prafejär Hugo GotteSrmmu, Professor Guido Peters und daS Symphonieorchester unter Leitung von Professor Martin Spörr Mitwirken werden. Neue Wiener Bühne. Dienstag Uraufführung von Hermann Heinz Ortners „Päpstin Johanna Angelica" mit Maria Fein in der Titelrolle. Für Theodor Weiß, das bekannte ehemalige Mitglied des Deutschen Bolkstheaters, findet im Theater an der Me» Sonntag, den 10. April, 3 Uhr nachmittags, eine Jubiläumsfestvorstelluna anläßlich seines 70. Geburtstmes und 50jährigen Schauspielerjubkkäums unter Mitmkrljung hervorragender Künstler statt. Dre Juden im franzSfischen Drama. L. A. M. I o n e s veröffentlicht im „Daily Telegraph" einen Artikelüber das Drama in Frankreich und schreibt, daß die meisten franzifischen Theater von Juden geleitet werden, die Mehr« zakst der Schauspieler und drei Viertel der. Dramatiker Juden sind. Die Revolution von 1781, die die Menschenrechte verkündete, erösfnete der französischen Judenheit den Zutritt zum geistigen Wettbewerb. Meherbeer. Halevy, Osfenbach und später Saint Saens — aEe Juden — bezeichnen den Beginn des jüdischen Einflusses auf das französische Theater. Heute sind die Juden Porto Mich:, Henry Bernstein, Tristan Bernard, mit ihrer Aufrichtigkeit und ihrem Talent die führenden französischen Dram Liker. Es kommen noch Edmond See, Femard Noziere, Francis de Eroisset, Alfred de Sadoir, Henri Kistenmaekers, Romain Eoulus, Henri de Rothschild. Dre Ervauer der neuen Mettopolttan Oper. Me uns arrs N e w h o r k berichipt wird, sind in der Konkurrenz um den Bau des neuen Metropolitan Opera House, das das größte und elegantest ausgest trte Thmter eer Welt werden soll, die jüdischen Architekt n Benjamin Morris und Joseph Urban als Sieger hervorgeganzen. D«r Direttionsrat hat die Genannten nunmehr mit d°r Bauausführung betraut.! Oie neuen Schlager! [ unserer BOcherschwemme! | Upton Sinclair: g. Der Sumpf Hundert Prozent Jimmie higgins Man nennt mich Zimmermann Samuel, der Suchende Der Liebe Pilgerfahrt Der Industriebaron , König Kohle Die Metropole Die Wechsler Nach der Sintflut , Maxim Gorki: g Foma Gordejew 8 Drei Menschen 8 Eine Beichte 8 Verlorene Leute und 8 andere Erzählungen 8 Die Holzflößer und 8 andere Erzählungen 8 Märchen der Wirklich- ■ keit ■ Wie ein Mensch ge- 8 boren ward J| Der Spitzel 8 ■j 5 Bändo in Kassette ] Broschiert S 2.—, ged. 3 b 8 20.—. 8 3.— pro 8 a n d. 8 ■ Einzelbände: . 8 8 Der Industriebaron Die Metropole § 8 König Kohle Die Wechsler * ■ Nach der Sintflut b ■ & 8 in Pappe geb. je 8 4.—, in Haibieder geb. Je S 5.—. IL LÖWIT, WlIH. I. Rotentnrmstrafie zz ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■>■■■■■■ »«eine, SoritSge und Versammlungen. Zionistische Sektion 6—8, 8. Bezirk, Bennoplatz 1a. Dienstag, 8 Uihr aibends, Bortrag: Dr. Fritz Löhner-Beda: „Der Fluch des Journalismus, Judentum und Presse." — Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, Uhr, im K'lu'bsaale der ,Hakoah", 1. Bezirk, Wipplingerstraße 24-86, Vortrag: Otto Lang: „Das Judentum, vom Standpunkte der neuzeitlichen Mssenschaft." Eintritt frei. — Verein „Erez Israel", 2. Bezirk, Zirkusgasse 33. Heute, 10 Uhr vormittags, Ausflug (Stadtbahn-Haltestelle Schwederrplatz) — Hitachduth-Jugend, 2. Bezirk, Glockengasse 30. Morgen. Uhr abends, Beginn des Mandolinenkurses. 8 Uhr: Dr. F. Finkelstein: Seminar für jiddische Literatur. — Z. B. „Mirjam 2". Sitz: 8. Bezirk, Alsevstraße 57. Morgen Montag, den 28. d., 8 Uhr abends, Bortrag: Profesior Dr. H. Glanz: „Moses Heß." Durch Mitglieder eingeWrte Mädchen heißen wir willkommen! Nähere Anfragen bei der Leiterin des Vereines, Telephon 28-8-56. — Zionistische Jugendorganisation Prater. Heute, 9 Uhr, Büchsenleerung. Material bei K. K.-Kommiffär Feuchtbaum. 148 Uhr abends große Puriinakademie unter Mihwrrkung prominenter Kunstkräfte. — Zionistische Bezlrkssektion Wieden-Margareten. Montag, 8 Uhr abends, Terrasiencase, 5. Bezirk, Margaretenplatz, Bortrag: Dr. Leo Goldhammer: „Jud Süß-Oppercheimer." Gäste willkommen! — Wiener Bet-Hamidrasch, 2. Bezirk, Tempelgasie 3. Heute, 5 Uhr, Lektor Dr. S. Gelb haus: „Mechilta." 6 Uhr, Lektor Dr. S. Rubin: „Midrasch." Jüdisches Zenttum der Sozialen Hilfsgemeinschaft Anitta Müller, 2. Bezirk, Untere Augartenstratze 35. Sonntag, den 27. d., 7 Uhr abends: Feierlicher Abschluß des Zyklus Jüdische Dichter: „Theodor Herz'l a.ks Schriftsteller" mit folgendem Programm: Persönliches von Theodor Herzl (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang), Vortrag (Dr. Martha Hosmann), ferner musikalisch-deklamatorische Akademie. — Montag, den 28. d., 7 Uhr abends, im Rahmen der Elternabende: Lichtbilder-Vortrag Dr. Isidor K 'l a b e r: Ueber die entsprechende Ernährung unserer Kinder. Eintritt frei. Gäste, herzlich wilttommen! — Dienstag, den 29. d., von 8 bis 9 Uhr abends, beginnt der Französische Kurs für Vorgeschrittene. Anmeldungen werden noch entgegengenommeii. Sertchtssaal. -Äsche Auiiase Ifit Sie 8hre einer Frau. Ein Kaufmann erfuhr, während seine Frau aus Sommerfrische weilte, von einem, Liebe^?verhä t is der Gattin. Das Sttr^ei'mädche der itttlte die Liebeskorres onde. z Hin- : ter einem weiblichen Decknamen wurde schließlich, der: Polrzeibeamte Heinrich T. ermittelt. Der Kaufmann brachte nun gegen seine Frau die Trennungsk'age ein. De Ehe war nach jüdischem Ritus geschlossen, für welch: Ehen, die Vorschrift besteht, daß der ehebrecheri'chen G.tttin der Sche> dungsbrief sofort überreicht werden kann, wenn sic des Ehebruches überwiesen ist. Bor dem Zivi'landes erichte erklärte der Beamte fest und entschieden, mit der Frau nur freundschaftlich verkehrt zu haben und bekräfttste diese Aussage mit einem Eid. Hingegen bezeugte das Stubenmädchen, die Frau habe ihr nicht nur Einzelheiten der vorgefal.enen Intimitäten geschildert, sondern sie habe auch Wahrnehmungen gemacht, die zweifellos den Ehebruch bestätigten. Gegen diese beiden Zeugen wurde nun das Strafverfahren wegen Verdachtes der falschen Zeugenaussage eingeleitet und schließlich gegen den Polizeibeamten die Anklage erhoben. Vor einem Schösfensenat veran wartete sich der Polizeibeamte mit Ehrennotwehr. Vor die Wahl gestellt, entweder die Frau pveiszllgeben, oder sich selbst zur Rettung ihrer Ehre der Gefahr eines Strafverfahrens auszusetzen, habe er den Weg beschritten, den die Ehre vorschreibt, das Gesetz jckoch verpönt. Der Gerichtshof verurteilte den Polizeibeamten bedingt wegen falscher Zeugenaussage zu drei Monaten strengen Arrests, mit Nachsicht der Rechtsfolgen. In der Begründung des Urteils sagte der Vorsitzende, der Angek'agtt habe ans achtenswerten 3^weggründen g:handett nn') dem Gericht erschiene es deshalb zu grausam, den im Polizeidienste sehr belobten Angeklagten wegen dieser Verirrung um die Existenz zu bringen, und dadurch auch seine Frau und sein Kind zu ruinieren. Marek vor Serlcht. Bor einem Schöjfensenat unter Vorsitz des Hofrates Dr. Ganzwohl beginnt morgen im großen Schwnrgerichtssaal des Landesgerichtes der Sensationsprozeß gegen den Techniker Emil Marek aus Mödling und feine . Mitbeschuldigten wegen. Versicherungsbetruges und Verleumdung. Außer Marek sind noch seine Gattin Martha, deren Schwester Paula Löwen stein we en Betruges, Verleumdung und Berleitllng zur falschen Zeugenaussage, der ehemalige Spitalsdiener Karl Mrüz wegen Verleumdung und falscher Zeugenaussage und dessen Frau Maria wegen falscher Zeugenaussage angeklagt. Emil Marek chatte sich, wie bekannt,, bei der Allgenreinen.Bersiche^ rungs A.-G. Anglo-Danubian-Lloyd für Todes'all auf 100.000 Dollar und für den Fall bleibender Invalidität ans 400.000 Dollar versichert. Die Jahresprämie betrug 6000 Schilling. Bereits nach zwei Tagen ereignete sich der Unglücksfall, der Marek in den Besitz ^r Milliardenprämie setzen sollte. Marek hatte sich nämlich bei der Bearbeitung einer Holzpuppe mit einer Axt das linke Bein völlig abgehackt. Die Gerichtsärzte Prof. Haberda und Professor Werkgarten, erklärten,in ihrem Gutachten einen Unsall für ausgeschlossen, da auch alle Anzeichen" für Selbstverstümmelung sprachen. Im Laufe der Untersuchung suchte Marek seine Frau und deren Schwester, den S'italdiener Mraz und dessen Frau zu einer falschen Zeugenaussage zu verleiten; gegen Zusicherung von 10.000 Schil i g sollten diese anssagen, daß zwei Aerzte das amputierte -Bein im Spital entstellt hätten, um die Versichemngs-Gesellschaft ihrer Versicherung zu entheben. Die intecelsanle Verhandlung ist für sechs.Tage anberaumt. Bereits seit längerer Zeit sind'sämtliche Eintrittskarten vergriffen. Eine GericktSverhandlüng im Diana bad. Gestern 2 Uhr nachmittags wahrend der alsgemeinen Badezeit, erschien erne Gerichtskommisfion im Dianrbad, um in einer gegen den Kontrollor des Dianabades Johann Hagemann wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit anhängigen Klage zunächst einen Lokalaugenfchein in der grogen Schwimmhalle vorzunchment . Anschließend an. den Lokalaugenschetn wurde im großen Sitzungssaal der VerwaltnngSdirettion im Bade die Verhandlung durchgefü)rt und das Urteil gefällt. Es handelte sich um folgenden Fall: Am 9. Dezember v. I. hatte der 20jährige Handelsangesteckte Fritz Schönberger, als er in der Schwimmhalle des . BädeS vom Sprungbrett mit beiden Händen an dem Körper anliegend ins Wasier sprang, einen schweren Unfall dadurch erlitten, daß er heftig mit dem Kopf auf-den Grund deS Bafiins anstieß. Außer leichten äußeren Verletzungen erlitt er noch eine leichte Gch.irnerfchütterung. Nach Angabe des Schönberger soll der UnftiU daraüjf zuruckzu führen sein, daß der Wasserstand im Schwimmbassin zur kritischen Zeit gegenüäer dem normalen Wasserstand von 8.30 Meter ein geringerer roar. Es wurde da'h«r gegen den Badekommissär die erwähnte Anklage erhoben. In einer früheren Vechandlung vor dem Bezirksrichter Dr. JeUinek beim Strafbezirksgericht 1 hatte der Beschuldigte jedes Verschulden in Abrede gestellt und erktärr, daß an dem Unfall ei« Selbstverschulden Schönbergers Schuld trage, der, trotzdem er kein geübter Schwimmer sei, mit an dem Körper anliegenden Händen den Kopfprung gemacht habe. Es wurde die erste Verhandlung zur Voruah.ne eines Lokalaugenschetnes vertagt, der gestern im Bade durch-- gefliy t wurde. In Aywesenhs't zahlreicher Badegäste wurden vom Badepersonal mehrere Probesprünge ausgeführt. Bei den Sprüngen kamen die Springer nicht auf den Boden des Baffms. Der Wesferstand wurde als nirmal mit 3.3)Met;r Tiefe fespgestel't. Der Sa:hvrrfländlge, Ingenieur Wilhelm Dan ko hi er, gab in seinem Gutachten an, daß mtt an dem Körper anliegenden Händen ein Sprimg immer ein gewisses Risiko mit sich b.inge und der Schoinrmer eine große Techn' ' auftveiscn niü.s' Der Richter ttprach dendÄngerkag'lcn;:?t eer"B gründuir^ rdaß ein Selbst« verschulden des Schönberger vorae.ca.n war. i

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