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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-27 · Heft 2902 (27.3.1927) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2902 (27.3.1927)
Date
1927-03-27
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3S0L Wien, Sonntag Wiener Morgenzettnng 27. März 1SL'. Seite ft CflpytlfM 1«T by R LMrit V«kg, Wi«a - L«rip*tß KRIEG GEGEN CHRJE TURTELTRUB Von SCHRLOM RSCH Autorisierte öebersefczung aus dem Jiddischen von SIEGFRIED SCHMITZ Dann stöhnt sie die halbe Nacht auf ihrem Bett: ,Hch weist nicht, wovon tut mir eigentlich die Hüfte so weh?" Und Baruch-Ioel, der im anderen Bett schläft, bas mit einer spanischen Wand umstellt ist, kann auch nicht schufen Er hört Chase stöhnen und stöhnt auch, dann fragt er: „Was fehlt dir-" Sie antwortet: „Ach, gar Wer ihren Namen nicht kannte und sich bloß «ach den Kleidern hätte richten müssen, die sie trug, wäre sich nicht im klaren darüber gewesen, wes Geschlecht Chase Tnrteltaub sei. Ihr Kleider hatten den ursprünglichen Schnitt verloren und man wußte nicht, ob sie für eittm Mann oder für eine Frau gemacht waren; selbst das Kopftuch, welches schon so mit ihrem Gesicht verwachsen itxtt, daß es ein Teil davon zu sein schien, unterstrich nicht ihre Weiblichkeit. Die zwei Enden des Kopftuches, welche aus dem Knoten unter ihrem Kinn hervorwnchsen, sahen aus wie Mvei struppige Bartspitzen. Diese Kopstnchspitzen steckten ihre „92ofen" ist alles, womit sich Chase Turteltaub beschäftigte. Nahm sie aus den: Heringsast einen Hering heraus, so waren die Enden des Kopftuches früher in der Heringlake als ihre Hände. Goß sie Petroleum ein, so tauchten die Kopftuchenden in die Petroleumkanne und sogar ixt die Schüssel Klösse, die Chase Turteltaub, aus einem Sack Salz sitzend, hastig zwischen zwei Kunden hrmmterschlang, beugtett sich die Kopftucheichen hinein und versuchten, ob die Klösse genug gesalzen seiest. Doch nicht nur ihre srrsprüngliche Farbe usrd ihren ursprünglichen Schnitt hatten Chase Dutteltaubs Kleider verloren, sonderst auch ihren ursprünglichen Stoff. Es ließ sich nicht genau feststellen, ob die Kleider aus Zeug geschneidert oder aus Blech oder einem anderen Metall gelötet warm. Die breiten Rücke, svelche sie übereinarcker trug, waren steif und die breite Schürze darüber glänzte vosr der Salzkruste, die sich darauf angesetzt hatte, und war so dicht mit tzernngsschuppen besetzt, daß Chase Drrteltaub wie ein riesiger Hering aussah, den stttm aus einem Heringfaß gezogen hatte. Solchermaßen verbringt Chase TurteltaUb ihr Lebest zwischen Petroleum und Heringen, ein trübes Leben — dafür aber wird für sie im Himmelsparadies ein goldener Stuhl vorbereitet, wohlgemerkt eist goldener Stuhl, nicht bloß ein goldener Schemel zu Füßen ihres Manstes Baruch-- Joel. Chase Tnrteltaub schöpft aus ihrem Petroleum- und Heringsladest nicht nur ihren ärmlichen Unterhalt auf die- . fer Welt, sondern häuft, auch unermeßliche Schätze in jener Welt auf. Ihr Mann Baruch-Ioel sitzt tagelang in der chassidischen Klaus' und lernt. Und währessd Chase Dnrteltaub die Angelegenheiten dieser Welt besorgt, sorgt zugleich Baruch-Ioel für die andere Welt. Aber das tut Baruch-Ioel nicht allein; desm Chase Turteltaub läßt zwei Knaben im Cheder beim bestest Melamed der Stadt lernen, ein ersvachsener Sohn ist ein hervorragender Talmudist und ein Schwiegersohn hat bereits ein Rabbisterdiplom ist der Tasche. Da ist leicht zu begreifen, welche Schätze und Reichtümer solche fünf „Auserlesene" aufhäusen könnest — vom goldenen Stuhl im Himmelsparadies ist nichts tveiter zu sagen, der ist sicher, aber Gott selbst Stritt* ihn Chase Tnrteltaub entgegentragest; vielleicht fällt ihr sogar ein Platz in der Frauenschul' drüben zn, in der Nähe der heiligen Erzmutter. Was braucht eine jüdische Frau mehr? Das ärmliche Stückchen Brot auf dieser Welt und den goldenen Schemel auf der assdeven. Dies alles aber komssrt von dem kleinen Petrvleumustd Heringladen. Er gibt freilich die gassze Woche genug zu tun usrd Chase Turteltaub spürt ihn ordentlich. Die Salzlake zerfrißt ihr die Haut im Gesicht usrd auf den Händen und in der Nacht bvesrnen sie tote Feuer. Sie behandelt sie ssrit Salben, die beißen. Bon Zeit zu Zeit müssen von der Bahn ein paar Säcke oder ein Faß Petroleum geholt sverden und da gilt es, die paar Groschen Zufuhrgelb zu erspaven; darum spannt sich Chase Tnrteltaub zusammen snit einem Jsmgen von der Straße an einen Handsvagen und schleppt selbst - das Faß Petroleum oder die paar Säcke Salz heim „Soll ich asrfstchen, eine» Sturz wftnaiett «td-die-ihis auslegen „Ist nicht nötig, e§ nM» vvrLSmgcherr," «Mvottet Chase nnd hört auf zu stöhnen, damit ihr Baruch-Ioel fernen Kummer habe. Wenn der Winter koMmt, brennt der Frost auf den ewig feuchten Hästden, die Chase TurtÄtmck b«6> bis Heringsfaß steckt, bald in die Naphthatonne; inmser wacher kommt Salz darauf, die Haut schält sich sind springt, das ssackte Fleisch brennt vom Salz. Doch Sver hat Zeit, sich darum zu kümmern? Chase Turteltaub hat kleine Kinder zu ernähren. Dann smd svann muß sie ei« Heringfaß aus dem Keller rollen; da kann Chase TurteltaUb twch nicht ihrm Baruch-Ioel dazu mfen — er würde sein Studium nssterbrechm und was ist denn ihr ganzes Geschäft Svert im Vergleich zu einem Wort seines Studiums? Eines, ,Sechser^' für ehten Träger hinauszuwerfen, fällt ihr nicht im Traum ein, sie ist doch nicht Rothschild! ,Hab' ich denn nicht Kiscker isst Cheder, für die ich Schulgeld zahlen snuß?" Und Chase Turtellaub stensmt Arm und Brust ass usrd rollt selbst das Heringfaß aus beut Keller in den Laden. Bei Nacht stöhsrt sie dann: ,-Jch weiß sricht, wovon tut mir eigersMH die Herfette so wch^ toovqeysMg «U aranwgwaoej X}00000000^XXX>OOOOOOOC)cxxxxxmnnoooog300CX»QQnnnngyvyTnngsnnr«eMnnnnngy¥y»x?OOPOOOOtj (fl L Preis: Elm Motfrek ms SCO EM« H. Preis: Elm Ontisreite rnefi Pslistlm ttt. Preis: Fünf Dvnan Land h Palästina md «eiten 47 Preise Unser Kreuzworträtsel-Preisausschreiben ■ — Ausschneiden Mitteilungen aus dem Publikum. Der Ausschuß der Volksbibliothek „Zion“ gratuliert seinem Ausschußmitglied, Frl. Mary Fisch, herzlichst zur heute stattfindenden Vermahlung mit Herrn Abraham Singer. »»MMWV»MMNMIIVMVMWBWWVBVVWWBSB»MMUWM»«BI Dolly Schreyer Hermann Stern Wien H. Wien 111. empfehlen sich als Verlobte Wien, im Mare 1927 Möbelfabrik J. SPIRA Fein. «° Wien, VII., Asdsnnlereg, 1—2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl-Schweighof er gasse) IIWIBMällUHinim ooeoceeeooeeeoeaeoeoooooeeeoaaqeeooooQt SIEGM. 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Bier, 9 Für- 3 so wie 38 wagrecht, 4 Dem Wind abgekehrte Seite wart, 11 Insel (französ.), 13 Rechet (lat), 14 Tanzschritt, 5 Jüd, Prophet, 6 Musiknote, 8 Zahl, 9 Französ. Dichter 16 Musiknote, 18 Schuh (engl.), 19 Frucht, 21 Bibi. Person, 10 Strickmaterial, 12 Gefrierprodukt des Wassers, 13 Eie- 23 Teil des Wagens, 24 Abk. für „Nummer“, 25 Chem. ment, 14 Ludolfsche Zahl, 15 Chem. Formel für Zinn, Formel für Brom, 27 Bodensenkung, 29 Eingemachte 17 Bibi. Gestalt, 18 Austral. Ihsel, 19 Französ, Hafenstadt, Früchte, 30 Feiner Schotter, 31 Nicht voll, 32 Europäische 20 Flacher Landstrich, 22 Insel im Mittelmeer» 23 Abessin. Währung, 33 Musiknote, 35 Fürwort. 37 Chem. Formel für Herrschertitel, 24 Zeitbestimmung, 26 Gattin des Kronos, Natrium, 38 Orlech. Buchstabe, 39 Fisch, 41 Gewicht, 44 28 Bibi. Gestalt, 34 Rindermagen, 36 Ureinwohner Amerikas Stadt in Italien, 45 Schlittenart, 47 Wintersportgerät, 48 38 JÜd. König, 40 Gewinstschein, 42 Chem. Formel für Ort in Niederösterreich, 49 Fluß in Polen, 51 Eingang, Osmium, 43 Chem. Formel für Nickel, 44 Raubvogel, 4b 52 Artikel, 54 Oetrlnk, 55 Oeometr. Begriff, 57 Musikal. Reinigungsmittel, 48 Altes Gewicht, 50 Fluß in Afrika, 51 Ausdruck. Getränk, 53 Schwur, 54 Fürwor*. 56 Bindewort. Avtso t QeaChten Sie unserri Rätselbriefkasten am Montag^ 76016337732^64715369762366773

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