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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-27 · Heft 2902 (27.3.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2902 (27.3.1927)
Date
1927-03-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Gelt« 6 Wien, Sonntag Wie«« Mvrgenzettmrs 27. März 1927 Nr. 8908 VVVVOVOVVVOVVOVOOVVSVSVVSVVVVVOVOOVOQO W e r a l l e mvgliche« dnrchzemacht hat und trotz großer dtättscher Ent- Lehrungen keine Gewichtsabnahme erzielen konnte, versuche Dr. Hoffbaners Entfett«»«-, tqbkette«, die vor allem keine Aenderung der gewohnten Lebensweise verlangen und ln kürzester Zeit Gewichtsverminderung bewirken. — Depot- Apotheke $« Bayer, Wo Hz eile Nr. IS savvsoossvsv«vs«a»sa»sao«««««««aaa«««»si „Dimineatza" teilt mit: Eine Gruppe Studenten, di« in dem Bukarester Restaurant .Käripazi" gekneipt hatte, veranstaltete spät nachts einen antisemitischen Exzeß, üfößtflel eine Grn,PPe jiibifd)or "Passanten und schlug auf sie «in, so daß mehrere bluteten. Die Polizei nahm einige Studenten fest, entließ sie aber nach Ausnahme der Personalien sofort. , fas Urteil gegen Theodor Fritsch bestötigt. Bier Monate Gefängnis wegen Verleumdung. Haindurg, 25. März. (F. T. A.) Das H a n s e a t i* s^he Oberlandes gericht beschäftigte sich gestern mit dem! Revisionsbegehren des Leipziger Antisemiten Theodor Fritsch gegen das Urteil des Hamburger Landgerichts vom 22. Oktober 1926, das auf vier Monate Gefängnis rvegen fortgesetzter übler Nachrede gegen Herrn Max Marburg lautete. Fritsch hatte in den in seiner Zeitschrift „Der Hammer" erschieneueu Aufsätzen „Der heimliche Kaiser", „Wer ist an der Niederlatze schuld?", sowie in einer Broschüre und in Handzetteln behauptet, das Hamburger Haus Marburg hätte ink Kriege und bei Abschluß der Friedensvertrage gegen die Interessen Deutschlands gehandelt. In den vier bisher stpttgefundenen Prozessen war Fritsch nicht in der Lage, amch nur den Schatten eines Beweises fiir seine Behauptungen zu erbringen, er redete sich darauf hinaaus, er wollte nicht Max Marburg als Person, sondern die internationale jüdische Finanz treffen. Nach siebenstündiger Behandlung hat das Hanseatische Oberbandesgericht die von dem Angeklagten Theodor Fritzsch gegen das Urteil des Landes gerechtes vom 22. Oktober eingelegte Revision verworfen und damit dieses Urteil, das bekanntlich für Fritzsch tvegen Beleidigung Max Marburgs eine Gefängnisstrafe von vier Monaten und eine GeDstrafe von 1000 «Mark verhängt hatte, bestätigt. Danrrt hat auch das Urteil RechMrast «langt. Ae Kormumlstenverhastungeu io Warschau. Warschau, 25. März. Die politische Polizei sst einer großangelegten kornmunrstischen Organisation aus dre Spur glommen, deren Absicht es tvar, am 1. Mai durch Berkmrdigung des Generalstreiks in ganz Polen loszUschlügen. Es wurden über 150 Hausdurchsuchungen vorgenommen, wobei umfangreiches belastendes Material vorgefunden wurde. 80 Personen wu rden verhaftet. In Zelazna-Straße wurde eine kommunistische Geheimdrukkerei allfgedeckt, die sich in vollem Betrieb befand. Die gegenwärtig im Zuge befindliche Aktion gegen die Kommunisten ist die größte'Säuberungsaktion, dre in Polen bisher gegen umstürzlerische Organisationen eingeleitet wurde, und-soll den kommunistischen Treibereien in Polen auf längere Zeit ein Ende bererkn. Sas „WerkMg des Herrn". In Finnland wird zurzeit ein sensationell« Prozeß verhandelt. Die Hauptrolle spielt die aus dem nördlichen Finnland gebürtige, jetzt 29jährige Maria Mkerblom, ern ungebildetes, ab« ungewöhnlich begabtes Mädchen. Sie ist in den letzten zehn Jahren als „Prophetin" aufgetreten, die es verstand, eine solche Macht zu gewinnen, daß sich ihre Anhänger in religiöser Verblendung zu ein« ganzen Reihe von Verbrechen verleiten ließen. Die „Prophetin" wird mit vielen anderen ihrer Gefolgschaft des Merneides, Mordversuches «nd Diebstahls angeklagt. Maria MeMom stammt aus sehr dürftigen Verhältnissen. Als Kind war sie schwächlich und krank und lag deshalb zeitweise im Krankenhaus. Hi« stellten sich zuM religiöse Halluzinationen ein. Sie begann in einer Art Halbschlafzustand lange Reden zu hatten. Sie setzte sich dann im Bett aufrecht, «hob bk Ättme und sprach leicht urtt» fließend üb« religiöse Dinge. Die Zuhörer glaubten bald, daß sie es mit einem „Werkzeug des Herrn" z« tun hätten. Späterhin legte sich Maria diesen Tttel selbst zu. Nachdem sie im südlichen Finnland imm« mehr Anhäng«, darunter einige Pfarrer, für sich gewonnen hatte, begab sie sich 1919 wird« nach dem Nochen, wo die einfache Landbevölkerung sie als groß« Prophetin feierte. In Gamla Karlovy hatte sie ihr Hauptquartier, umgchen von einer treuen Anhängerschaft. Bon Helfingfors hatte sie auch einen Vertranten mitgenommen, den Förster Bartiovaara. Barttovaara wurde Stütze und Hilfe der Prophetin, die, ungebildet und unwissend tvie sie ist, jemand brauchte sstr die Abfassung von Schriftstücken usw. In Gamla Karlehy wurde für sie ein „Palast" gebaut, eine ziemlich große Billa aus Holz. D« Förster Bartiovaara hatte die Anhänger dazu verleitet, all ihr Eigentum «ln em-.a« T^eersadrick zu placieren, die ihm gehörte. Es wurden deshalb große Darlehen auf die Bauernhöfe ausgenommen. Die Spekulation schlug ab« fehl. Die Banken wachen mißtrauisch und schritten schließlich zur Zwangsversteigerung der verpfändete» Höfe. 15 Bauernfamilien wurden dadurch an den Bettelstab gebracht. Die Sekte verzog sich daraufhin nach Helfingfors. Plötzlich kommt hier ein neu« schiverer Schlag: die „Prophetin" wirb bei einem Ladendiebstahl «tappt. Ein großer Prozeß folgt. Die ganze Sekte begeht Meinet d. Das Urteil lautet trotzdem auf acht Monate Gefängnis. Maria glückt es über, in ein Krankenhaus zu kommen, von wo sie bald flicht. Nun gcht man zu Mordplänen über. Ein Polizeikommissar, der als „Feind" angesehen wird, soll „verschwinden". Es wich ihm aufgelauert. Bi« Schüsse verletzen ihn schwer, aber nicht tödlich. Die Schuldigen Weichen ergriffen, und gleichzeitig wich auch wieder Maria Merblom verhaftet. Die Anklage gegen sie erstreckt sich unter anderem auf 46 Meineids verbrechen. Biele ihrer Anhänger sitzen bereits im Zuchthaus. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, hat aber bereits eine Reche weiterer haarsträubender Einzelheiten dieses Kulturbildes festgestellt. Je Pinedos Weltflug. Nom, 26. März. Fliegeroberst de Pineöv ist auf feinem Flug von Buenos Mres nach New York in Georgetown, Brrtisch-Guyana eingetrofsen. ' Muß der Herr zahlen? Ein Problem, das mit dem Selbständigwerden der fimgen Damen immer aktueller wird, ist die schwerwiegende Frage: „Muß der Herr bezahlen, wenn er mit einer jungen Dame auSgoht, oder bezahlt sie für sich selbst?" Auch in den Bereinigten Staaten hat diese ,/soziale Frage" eine heftige Erörterung heroovgerusen. Einige Frauenvereinigungen, in denen die „weiblichen Rechte" eifrig verteidigt werden, stellten die Forderung auf, daß die Frau von heute sich nicht mehrfreihalteu kaffen darf, sondern daß es ihr« Ehre und Selbständigkeit entspricht, für sich selbst zu zahlen. Diese Anschauung hat in weiten Kreisen der Damenwelt eine starte Gegnerschaft hervorgerufen. In New Dorter und Chicago«r Blättern melden sich immer mehr Frauen zu Wort, die an der alten Sitte sesthalten wollen und allerlei Gründe für ihre Beibehaltung anführen. So erklärte eine Verfa-mnAurvg von mehreren hundert Chicago« Mädchen: „Die Männer verdienen mehr als wir, und deshalb müssen ste auch bezahlen. Außerdem müssen wir für ujtfete Kleidung sorgen, und die ist so teuer, daß wir damit schon genügend zu den Kosten eines gemeinsamen Ausganges beittagen." Bon einer anderen Seite wird die Frage in einer Er-. klärung beleuchtet, in der es heißt: „Wenn die Frau zu unabhängig auftrsit und dem Manne überhaupt keine Rechte wehr ernräuimt, dann gcht damit alle Romantik und Ritterlich teil verloren. Notwendig ist nur ein Feldzug gegen die Frauen und Mädchen, die die Männer ausbeuten. Diele junge Damen nehmen den Geldbeutel der Herren, mit denen sie wusgehen, zu stark in Anspruch- und das muß verhindert werden. Das braucht sich der Mann auch nicht gefallen zu lassen. Im allgemeinen aber find die Herren stolz darauf, für ihre Damen zu bezahlen, und daran soll nichts geändert werden." Testament rugmistea d« Saasen. Mvster Sigori, ei« reicher indischer Bankier, hat in feinem Testament die Summe von 400.00V Dollar dazu bosttmmr, daß eine Anzahl von Asylen evrichiet wird, in denen mittellose Wander« übernachten dürfen, ohne etwas zu bezahlen. Das ist an und für sich nicht sonderbar, obgleich es ebne ungewöhnliche Großzügig-leit des humanen Erblassers zu beweisen scheint. Aber ... das Testament verlangt weiter, daß in diesen Asylen Wanzen nicht nur geduldet, sondern sogar gezüchtet werden. Die Jnsass-en dieser Unterkurvftshauser müssen sich verpflichten, sich von den zudringlichen Insekten widerstandslos beißen zu lassen, und kein einziges dieser Tiere zu töten. Dafür soll jeder Mensch, der dort übernachtet, pro Nacht zwei Dollar erhalten: wird ihm nachgewiesen, baß er eine Wanze getötet hat, so mutz er die zwei Dollar wieder zuvückgeben und wird außerdem aus dem Asyl verwiesen. Diese Wanzenfreund-schaft legt den Gedanken nahe, daß der verstorbene Bankier in der Zeit seines ErdendaseinS so viel dieser Tiere um» gebracht hat, daß er für seine ewige Ruhe fürchten müßte, wenn er seine Sünden nicht durch diese Stiftung wieder gutgemacht hätte. Es soll im übrigen bereits mehr als zweihundert solcher Asyle in Indien geben, das, wie man sieht, noch immer „das Land der Wunder" -ist. «rorxAr«xrvoosc>osooO0ooo«» \ Am 13. Aurin 1927, 10 Uhr vor* l!| mittaas, Zimmer 4 des Exeku* i] i tlonsgerichtes Wien, aelanaon die : In eine Konkursmasse gehörigen j: 5 MM M» «»0» Hauser § S1 welche in Wien in ausgezeichneter Lage sich befinden >! <! und einen zirka 4.000 m* großen Hof besitzen, zur jj > jji öffentlichen Versteigerung. Der Friedenszins betragt 1,1 n| K 87.560. — Reflektanten, die sich bis 5. April 1927 jij «| melden, können die angeführten Realitäten zu sehr ijji Ji günstigem Preise und kulanten Zahlungsbedingungen y i| auch freihändig erwerben. X jj| Nähere Anfragen bei "« Jj| ]| Herrn Dr. Leo Goldhämmer, Rechtsanwalt,![! jj| In Wien, 1., Stubenring 12!j<| Soooooooooooooooooooooooooooooooooooocl Ätebitfiilfe für beit jüdischen Mittelstand. Zur vierte» ordentlichen Generalversammlung der Kredittasso für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien. Rach vierjährigem Bestände hielt die durch ihre segensreiche Wirksamkeit im Interesse des jüdischen K^ingewerbe- und Kleinhandelsstandes bekannte Krsditkasse in Wien (Z. Bezirk, Praterstraße 9) ihre vierte ordentliche Generalversammlung ab. Den Vorsitz führte der Obmann des Vorstandes, Herr Oberrabbiner Dr. H. P. Ehajes. Von seiten der American Joint Reconstruction Foundation, ber die Kreditkasse ihre Existenz verdankt, langte ein BegvüßuugstÄegraMm an die GeneraliversaMmlung ein. Aus dem von Direktor M, Henisch erstatteten Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr ist zu ersehen, >daß trotz der schweren wirtschaftvichen Krisis, die zu besonderer Vorsicht mahnte, die Tätigkeit der Kredittasse und ihre Krediihiffe für den hart bettosfenen jüdischen Mittelstand keine Einschränkung erfahren hat. So wurden z. B. von den 1020 eingererchteu Kreditansuchen 9S3 Gesuche positiv beschieden, von denen im Berichtsjahre?öß Darlehen zur Auszahlung gelangten. Die Gesamtsumme dieser sbüssig gemachten Darlehen beträgt 361.77b Schilling, d. i. beinahe soviel wie im Vorjahre. Hinsichtlich d« Höhe der Einzeildarlshen wurde auch in diesem Jahre im allgemeinen die bisherige Maximalgrenze von 500 S. (84 Prozent aller Darlehenssalle) eingehalten und nur in wenigen besonders berücksichtigungswerten Fällen höhere Darlehen bewilligt. Nach Berrvfskategorien der Darleheitsnehmer gesondert, ,entfallen 038 Darlehen oder 71.6 Prozent auif Kleinlaufleute, 122 Darlehen oder 16.2 Prozent auf Handwerker, 75 Darlehen oder 10 ProMt auf kleinindustrielle Betriebe und 17 Darleheir oder 2.2 Prozent auf freie Berufe. In welchem Maße die einzelnen Branchen und Berufe hiebei beteiligt sind, geht aus der detaillierten Zusammenstellung hervor, die wir am Schlüsse des Berichtes in extenso folgen lassen. Die Davlehensrückzahlungen im abgelaufene» Jahre betragen zusammen 353.039 Schilling, also nur um ein Geringes weniger als die Gesamtsumme der in der gleichen Periode ausbezahlten Darlehen. Der Davlchensstand am Jahresende beträgt zirka 189.000 Schilling. Im allgemeinen waren die Kreditnehmer auch in diesem wirtschaftlich unsäglich schweren Jahre bemüht, ihren Verpflichtungen pünktlich nachzukommen, ' wenn auch die Rückzahlungen diesmal in kleineren Raten und 'in kurzen Zeitabständen erfolgten. Der Verbilligung des Geldmarktes trug der Vorstand durch wiederholte Herabsetzung des Darlehenszinsfußes Rechnung. Diesem Umstande ist es auch zuguschrerbeu, daß die heurige Bilanz mit einem bedeutend kleineren Reingewinn als im Vorjahre aibschließt. Demgemäß beschloß auch die Generalversammlung, diesmal von der Verteilung einer Dividende an die Besitzer der Geschäftsanteile abz>,sehen und den gesamten ' Gewinnsaldo vorzutragen. Dem Vorstand sowie dem Aussichtsrat wurde einstimmig /die Entlastung «teilt und der Beamtenschaft der Kredittasse der Dank ausgesprochen. In einer besonderen Entschließung .wurde dem Vorstandsmibgliede Herrn Dr. Siegfried Kantor ’för seine ganz uneigennützige Rechtshilfe an die Kreditkasse der Dank votiert. Me Evgünzungswahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl der turnusmäßig ausgeschiedeuen Bovstandsmitglieder Herrn Dr. Siegfried Kantor und Herrn Ing. Robert Stricker und der Au'ssichtsräte Herrn Dr. Kurt Epler, Naßatelier HEILIG & EL, l., Kärnfnerstraße 9 Telephon 78-1-86 Telephon 78-1-86 A: B* C: MONATLICH S 50*- MONATLICH S 60*- MONATLICH S 80'- * 1 Frühjahrsanzug 1 Modehose 1 Fröhjahrsanzug 1 Frühiahrsrock 1 Frühjahrsanzug 2 Hosen 1 Sommeranzug 1 Frühjahrsrock 1 Sommeranzug 1 Winterpaletot 1 Sommeranzug 1 Winterpaletot 1 Herbstrock 1 Herbstanzug 1 Modehose 1 Smokinganzug 1 Modehose ABONNEMENT-DAUER ZWEI JAHRE 1 Sportanzug 1 Ueberrock Kleider bleiben Eigentum des AbQnnanten. — Bügeln, Reparaturen kostenlos inklusive Abholung und Zustellung. — Garantiert beste englische Stoffe und erstklassige HaBarbelt. 11098481

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