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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-27 · Heft 2902 (27.3.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2902 (27.3.1927)
Date
1927-03-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2001' men, Sonntag Wiener MoegenzettMtg 87. MLr» 1VS7 Sette » Li«« «M«r««H«I >« HVLEWtk nee bv die weltberühmten noe bv Paläsfina-Nazzoth hergestellt unter streng ritueller Aufsicht des „ChlefcRabbl“ von Erez Israel, Sr« Ehrw. Herrn A. 1. Kook, Jerusalem und 8r. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Josef Chaim Sonnenfeld, Jerusalem Qepackt in hygienischen Kartons zu V» kg netto. Original Palästina Weine ans den Seilereien Bisoiton Lezlon Generalrepräsentanz für ganz Oesterreich: Kothan Brodeizlsfl, Wiest, II. fteopoldiflasse 43, Telephon Ihr. 46-1-90 rillaOen: II., Chl«»clcensl«aae Jt* — 1M^ Vni AsasNartfaBmsSsrauD« SS Zionisten! Erfüllet Eure Pflicht und kaufet zu Pessach nur Mazzoth aus Erez Israel! Set schweizerische Sandra. Stt Mdkemlrv« Mix Kiralmomt. Zeit einigen Tagen wird in Basel der große Kriminalpcozeß gegen den Buchbindergohilsirn Max Kaufmann, den Schwerer Lawdru, verhandelt. Das Material, das die Polizei und andere gerichtliche Untersuchungsbehürden im Laufe von mehr a-ls einem Jahre gegen den Angeklagten gesammelt hatten, .'ouchs zn einem Wktentzün>del von vielen hundert Seiten an. Die Zahl der Zeugen, die zum Teil schon vernommen worden sind oder deren Einvernahme noch tzevorstcht, ist außerordentlich groß. In Basel, aber auch in allen anderen Städten der Schweiz gM sich gewaltiges Interesse für den Prozeß und dessen Ausgang kund. lieber die Vorgeschichte, die diesem Kriminalprozeß zugrundeliegt, wurde seinerzeit berichtet. Max Kaufmann ist, in des Wortes Luchstäblichstem Sinne, ein Jünger des französischen Blaubarts Landru. Bei den Einvernahmen in der Untersuchungshaft gab er zu, die Berichte über die Verbrechen Landrus in den Zeitungen gelesen und bereits damals den Entschluß gefaßt zu haben, cs diesem Verbrecher nachzumachen. Er befolgte das Beispiel seines Vorbildes derart genau, daß er ebenso, wie seinerzeit Landru, iiiöcr die Namen dieser Opfer Aufzeichnungen in seinem Notizbuch gemacht hat. Es ist eine seltsame Fügung des Schicksals, daß dieses Notizbuch, das im Falle Landrus einen der wichtigsten Stützpunkte der Anklage gebildet, auch in der Verbrecherlaufbahn Kaufmanns eine für ihn unheilvolle Rolle spielen sollte. Max Kaufmann wurde seinerzeit aus Anzeige eines Kindermädchens verhaftet, dem er seine Ersparnisse entlockt hatte. Die Betrogene gab damals an, daß Max Kaufmann ihr die Ehe versprochen und sich dann erbötig gemacht hatte, ihr bei einem Onkel, der eine Villa in einem Walde unweit von Zürich besitzen soll, einen guten Posten zu verschaffen. Er werde sie dann von dort in einigen Monaten abholen und heiraten. Dem Mädchen kam die Geschichte mit dem Onkel nicht recht glaubwürdig vor; sie erstattete schließlich gegen Max Kaufmann die Anzeige. Kurz vorher waren nun vier Mädchen aus Zürich spurlos verschwunden, zmei Kindermädchen und zwei Hausgehilfinnen. In einem Falle konnte bald erwiesen werden, daß der Buchtzr ndergeh ilfe zum Bekanntenkreis der Vermißten gehört hatte. Es tauchte freilich sofort der Verdacht ans, daß die Unglückliche von Max Kaufmann ermordet worden sei. Alle Indizien sprachen gegen ihn und schließlich mußte er zugeben, das Mädchen in einen SVald gelockt, ausgeraubt und ermordet zu haben. Nun liefen bei der Polizei in Basel massenhaft Abgängigkeitsanzeigen ein, die junge Mädchen betrafen. Die Polizei hatte nicht weniger als achtunddreitzig solche Fälle zu prüfen. In zwei Fällen konnte mit voller Bestimmtheit Max Kaufmann das Verbrechen nachgewiesen werden. Es erscheint jedoch nicht ausgeschlosien, daß die Zahl feiner Opfer viel größer gewesen ist. Jedenfalls hatte Kaufmann noch sieben Braute, die jetzt als Zeuginnen bei der Verhandlung aufmarschiert sind; allen hatte er das gleiche Märchen von dem Onkel mit der Villa mitten im Walde erzählt. Diese sieben Mädchen verdanken ihr Leben nur Zufällen, die sie daran hinderten, auf den Vorschlag Kaufmanns einzugehen. Den meisten hatte sich Kaufmann als Ingenieur vorgestellt und die Ehe versprochen. Nach kurzer Bekanntschaft rückte er dann mit dem Märchen vom Onkel hervor. Um das Vertrauen der Mädchen zu gewinnen, spielte er den Grandseigneur, führte die Mädchen in Bars und Kaffeehäuser, erkundigte sich um ihre PrivatvevhAtnisse und cs gelang ihm »»eist, die Opfer zu bewegen, ihm ihre Erfiparnisie anzuvertrauen. Die sieben Bräute legten dem Gerichte auch die le ide n sch ast-l ich sie n Liebesbriefe Max Kaufmanns vor. Auch die Mutter des Verbrechers wurde vernommen. Es war eine rührende Szene, als dieser mehrfache Mörder, der während der ganzen Untersuchungshaft einen unglaublichen Zhn'snrus an den Tag gelegt hat, beim Anblick seiner Mutter zu schluchzen begann und ausrief: „Jetzt bin ich verloren!" Die alte Frau erzählte vor dem Gerichte, daß rhr Sohn bereits in frühester Jugend eine Anzahl von Diebstühlen l»egangen habe, so daß die Eltern ihn schließlich aus dem Hause weisen mußten. Die Einvernahme weiterer Zeugen dürfte einige Tage , in Anspruch nehmen. Dem Urteil sieht man mit großer Spannung en!o"ron. Zohesurieile für Fememorde. Dir „Kontrolle" ver ReichMchr. Berlin, 26. Mürz. Im WilmS-Prozeß wurden die Angeklagten F n h r m a n n, K l a p P r o t h und U m h o f o r wegen gemeinschaftlichen Mordes und der Angeklagte Oberleutnant Schulz wegxn Anstiftung zum Morde zum Tode verurteilt. Die Angeklagten von Poser, Stantien. uu'o Bidzinsky tvurden freigesprochrn. Das Gericht empfiehlt die Verurteilten der Begnadigung. In der Urteilsbegründung kommt folgender bemerkenswerter Passus vor: „Die Angeklagten haben die scheußliche Tat getan, aber nach Ansicht des Gerichtes nicht aus eigennützigen Gründen, sondern um eine gute Sache durchzn- ■< e (•, c n. Es fuitu ihnen also der gute Glaube nicht abge- "»-»chm inerdeu. Die Angeklagten haben auch eine gewisse Entschuldigung für ihre Tat vorgebracht. Die Re i ch ** wehr, die. die Arbeitskommanden aufgestellt hat, die unter aNen Umständen geheimgehalten werden mußten, hat den Arbeitskommandcn selbst die schwierige Aufgabe, wie diese Geheimhaltung durchzuführen sei, überlassen. Es hätte also von der Reichswehr eine schärfere Kontrolle ausgeübt werden sollen." Mn Arzt als Mörder und WechielfSlicher. Der tyi'üA» geg.u i)«n De. um...atzen Bongrat in Lyon. Dieser Tage beginnt in Lyon eine Gerichtsverhandlung, der die ganze Stadt mit Sparmung ent^egensieht. Es handelt sich um einen zufä.lig aufgedeckten Raubmord, den der bekannte Spezialist für Hautkrankheiten, Pierre Bougrat, am Inkassanten einer größeren Firma, Jacques Rum e b e, in seinem eigenen Laboratorium verübt l hat. Uebcr den aufsehenerregenden Fall haben wir seinerzeit berichtet. Der Angeklagte, Sohn eines Ly. ner Professors, hatte seine Mittel- und Hochschulstudien kurz vor dem Ausbruche des Krieges mit Auszeichnung beendet. Im Kri'ge zeichnete er sich als Fe.darzt durch großen Mut aus, trug sechs V.rwundungen davon und wurde mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet. Nach Kciegsschiuß lijsich Bongrat in seiner Vaterstadt ni.der, verh:imt.Äe sich mit der Tochter des Arztes Avierinos uitb erweiterte seine ohnehin ansehnliche Klientel durch die Patienten seines Schwiegervaters, der sich ins Privatleben zurückgezogen hatte. Ein Kind wurde dem jungen Paare geboren und die Zukunft schien sich wolkenlos anzulassen. Plötzlich trat jedoch im Wesen des Arztes eine scharfe Veränderung ein. Er wurde finster und ungehalten in seinem Heime, ging eine verdächtige Lickschaft ein und verbrachte seine freie Zeit in wüsten Orgien mit sehr gemischter Gesellschaft. Die Ehescheidung li:ß nicht lange auf sich warten, und als Bongrat nach Abreise seiner Familie allein blick, gab er seinen dunklen TriOen freien Lauf. Großzügig im Bösen wie ehemals im Guten, verpraßte er sein beträchtliches Einkommen mit den neuen Zechbrüdern und stand bald vor dem droh.nden Ruin. In diese Periode fiel sein erstes Verbrechen: Bougrat fälschte einen Wechsel. In dieser Sache fand am 11. Juni 1925 in seiner Wohnung eine polizeiliche Durchsuchung statt, die keine greifbaren Resultate ergab. Hingegen lenkte ein eigvn-- artiger Leichengeruchim Empfangszimmer des Arztes die Aufmerksamkeit der Polizeiageuten auf sich. Mit Genehmigung der Gerichtsbehörden wurde eine erneute Hausdurchsuchung vorgenommen, und diesmal stieß die Polizei, von dem schrecklichen Gerüche geführt, auf eine mit Tapeten verklebte Tür, die ans dem Laboratorium in di: anliegende Dachkammer führte. Die Türe tmitbc aufgerissen und vor den Agenten lag die stark verwest Leiche eines Mannes. Es waren die irdischen Ueb-rreste des am , 14. März 1925 verschwundenen Inkassanten Rumcke, der kurz vorher wegen V.runtreuung von 8500 Francs, die er einkassiert, aber nicht abgeliefert hatte, von seiner Firma in contumacia geklagt worden war. Nun wurde Bougrat verhaftet. Im Laufe der Untersuchung wies er jeden Mordverdacht mit Entrüstung von sich und behauptete, Rumebe habe sich in seinem Empfangszimmer mit Oxyzyanür vergift.t, nachdem er, des inkassierten Geldes von einem Unbekannten beraubt, in tiefer Verzweiflung zu ihm, Bougrat, seinem Schulkollegen und intimen Fr unde, gestürzt war. Um unliebsamen Zusammenstößen mit den Sicherheitsbehörden aus dem W?ge zu gehen, habe Bougrat die Leiche Rumebes auf die boschriebene Weise versteckt. Der Selbstmord sei übrigens in den Stunden erfolgt, während denen Bougrat, um seinem Freunde zu helfen, auf Geldsuch: in W Stadt gegangen war. Diese Erklärungen wurden durch d'e Aussage der Witwe Rnmebes, ihr Gatte habe an 18.000 Francs in Barem besessen und es daher nicht nötig gehabt, sich wegen d:r angeblich verschwundenen 8500 Francs das Leben zu nehmen, in schlagender Weis: Lügen gestraft. Der Proz ß dürfte acht Ta>-»" in Anspruch nehmen und verspricht, zu einer Sensation zu werde». Henry Fords Prozeß geht Wetter. Der Milliardär will auskncifcn. Die vom „Berliner Lokalanzeiger" verbreitete Mitteilung, daß die von Rechtsanwalt Aaron Sapiro-Chicago gegen Henry Ford angestrengte Beleidigungs- und Schadenersatzklage mit der Freisprechung Fords geendigt hat, ist unwahr. Der Prozeß ist noch lange nicht beendet, man rechnet mit einer vierwöchigen Dauer. In den amerikanischen Gerichtskreisen wird als sicher behauptet, daß Senator Reed, Fords Hauptanwalt, entschlossen sei, sein Verteidigerami niederzulegen, wenn Richter Raymond es zulassen wird, die Rolle Fords im internationalen Antisemitismus zu beleuchten. Senator Reed, der voraussichtlich bei der nächsten Präsidentenwahl sich um die Nominierung als demokratischer Kandidat neben dem Gouverneur Smith von New Jork bewerben wird, kann es nicht wünschen, in einem Prozeß zu fungieren, bei dem er in die Lage käme, Angriffe, die gegen die jüdische Bevölkerung Amerikas als ganze gemacht werden, zu vertreten. Andererseits strengt sich die Partei Sapiros an, eine ausführliche Auseinandersetzung überFord als einen der Führer des internationalen Antisemitismus herbeizuführen. Sensationell gestaltete sich das Zeugenverhör in den letzten zwei Tagen. Es wurde der publizistische Berater HenryFords, der Redakteur des „Dearborn Independent" Camerön, vernommen, der bekundete, die in der Zeitung erschienenen Artikel über eine internationale jüdische Verschwörung seien nicht auf Initiative von Henry Ford erschienen. Auf die Frage, welche jüdischen Bankiers dem vom „Dearborn Independent" behaupteten internationalen Finanzring angehören, erwiderte Cameron, er könne sich der Namen nicht entsinnen. Als der Anwalt Sapiros, Gallagher, darzulegen versuchte, daß Henry Fords antisemitische Kampagne den Hintergrund zu den Angriffen auf Sapiro abgegeben hat und daß in dem Organ Fords eine Reihe anderer amerikanischer Inden in ähnlicher Weise geschmäht worden seien, ersuchte Senator Reed, der Anwalt Henry Fords, den Richter, die allgemeine Erörterung der jüdischen Frage nicht zuzulassen. Richter Raymond entschied in diesem Sinne und gab deutlich zu erkennen, er wolle den Fall Sapiro—Ford als Einzelfall behandelt wissen und werde eine Erörterung der jüdischen Frage nicht zulassen. Die endgültige Entscheidung nach dieser Richtung steht aber noch aus. Fortdauernde antisemitische Exzesse in Rumänien. Bukarest, 24. März. (I. T. A.) Die Tageszeitung „Adeverul" meldet: Dem Ministerpräsidenten, dem Minister des Jmlern, dem ODerlommissär für Bessarabien General N ifchca nu und dem Generalstaatsamvalt von Jassy ging die folgende Klage zu: „Wir Unterzeichneten Einwohner und Bürger der Stadt Belce haben die Ehr«, Ihnen mitzuteilen, daß in der Nacht vom 16. zum 17. Mürz 1927 die jüdischen Passagiere, Bürger der Stadt Belce, die sich im Zuge Jassy—-Belce befanden, grausam von Individuen, die sich C »giften nennen, gemartert worden sind. Man hat den jüdischen Passagieren die Köpfe eingeschlagen und die Schwertzl Uten den au) den.Kupees und den Gängen hinausgeworfen. Man schonte weder Greise, noch Frauen und Kinder. Alle wurden mörderisch geschlagen und zwischen den Stationen Skirmpia und Paleschti aus dem fahrenden Zuge geschleudert. Das Zugspersonal verhielt sich nicht allein passiv, sondern nahm an den Mißhandlungen teil. Die gesamte Bevölkerung der Stadt Belce letzt in Panik. Sie beruft sich auf die Gesetze des Landes und die Erklärungen der Regierung und fordert, daß Maßnahmen ergriffen weiten, daß der Bürger Leben und Eigentum geschützt werde." Unterzeichnet sind 1b angesehene Bürger der StM. „Adeverul" fügt hinzu: Diese „ruhmreichen Date«" wurdea von Studenten unter Führung des bekannten Huligans Zar« ca nu (Heid von Ungheni und Pirliz) vollbracht. Es wundest uns nicht, daß das Zugspersonal mithalf; hat doch die Behörde von Jassy die Huligans protegiert. Gleichzeitig hält Herr -ogs im Parlament Toleran-redev mit Bezug auf die Mvtzechekten.

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