Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2900 (25.3.1927)
- Date
- 1927-03-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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f Nr. 2900 Wien, Freitag Wiener Morgen-ettuns 25. Mär- 1927 Seite 7 „der provinzialen Dorfbewohner", wie er sich ausdrückt, zu erwecken. .Es handelt sich nm keine Ausstattungsrevue, sondern um - eine literarische Revue, die den Zuschauer sehr stark an den „Blauen Vogel" erinnert. Die Konference von Willi Schäffers sympathisch durchgeistigt. Eigenartige Jazzbandimitationen an zwei Flügeln durch Rudolf Nelson und Walter Josef. Man erlebt die Entivicklung des Schlagers von 1906 bis zu dem mondänsten der modernen. Schlager — „Paraguay" . . . Auf dem Weg Nach Wien zeigte Anna Pawlowna inr iiberfüllten Schumanntheater ihre Tanzkunst. Jedem Zuschauer wird der „Sterbende Schwan" ein Erlebnis bedeutet haben. Viel Worte überflüssig. Spitzenleistung machte diese Veranstaltung zu dem stärksten gesellschaftlichen Ereignis des Winters. Das war ein Höhepunkt der Nachsaison und danach ein langsamer Tod. Es ist aber ein „Sterben in Schönheit" gewesen. Das Frankfurter „Neue Theater" brachte die erfolgreiche Erstaufführung von Franz Molnars „Spiel im Sch lost", den Wienern wohlbekannt. Die Einzelleistungeil im grosteil Ganzen sehr zufriedeilstellend. Georg Lengbach i»l der gewohnten Ueberlegenheit, der grand chcvalicr par cxcellence. Sein Partner Karl Staudt naturiiotlvendig (wie bei Freuilden) in seillen Qualitäten völlig anders geartet. Der Aham des Herrn Paul Oellers ein ivenig matt, hingegen Lncie Englisch als Annie überraschend gut und besonders erwähnenswert die stark individuelle Leistung des „Lakaieil" von Hermann Kner. Der Beifall ivar wirklich stark und das Jilteresse des Publikums wird wohl bis zürn Frühjahr anhalten. Sehr spät in der Saison hatte das Frankfurter Neue Operettentheater mit Benatzkys Operette „Adieu M i m i" den ersehnten Erfolg. Lisa Rado ist eine Soubrette von nicht gewöhnlichem Format und wird ihren Weg machen. Das jüdische Publikum hatte zil Purim feine Sensation. Die Revue des Keren Kajemeth „Von Potiphar bis Patachon" war erfolgreich und die Veranstaltung voll allen Kreiseil des jüdischeil Publikums sehr gut besucht. Der Höhepunkt, ein Boxkampf zwischeil Pat und Patachon, war mit allen Fknesssen sporttechiüscher Organisation beacht, Frankfurt a. M-, im März. R. U. Aus den Theatern. B urgt-hea t-er. Morgen, Uhr, „Der Diktator". Aka de m ie t he a ter. Morgen, Uhr, „Steiße". (Mdonnement 6. Gruppe.) Opern theater. Die Beethoven-Zentenarf e i e r beiainnt morgen um 7 Uhr Mit einer Aufführung des Balletts „D on Inan" von Gluck. Hierauf folgt Beethovens „Die Ru inen v o n A th en". Kamm erspiele. -Heute um 7 Uhr Premiere der DctEv-Kvmödie „Nr.- 17" mit Hans Moser. N a i m n n d t h e a t c r. Heute entfällt wegen Boribereitung zu der morgen statMüldenden Nranffiihruna der OAar Strausscheu Operette „Die Rignette" die Moondvovstellung. Für gelöste Karten wird das Geld retourniert. ' . Theater in der . I o sefstad t.. Mittwoch, den 30..März, Premiere von HanS I. Rehfifchs Komödie „Nickel und die 3 6 Gerechten". Apollo-Theater. Heute, ^8 Uhr, Premiere der Haller-Revue. - - . Die Opernwoche. In der nächsten Woche, die im Zeichen der Beethoven-Zentenarfeier steht, gelangen folgende Werke zur Aufführung: Sonntag, den 27. d.-M. als Beettzovenfeier des Burgtheaters „Egmont"; Montag „Don Juan"; Dienstag „Der Rosenkavalier" (im Redoutensaal als zweiter historischer Opernabend anläßlich der Beethobenfeier „Dido und Aeneas" — ..La s e r v a p a d r o n a" — Rameau-Ballett): Mitbibock „W i ener Walzer" - „Puppenfee". - „Die Prinzessln von Tragant": Donnerstag und Samstag als' Galavorstellungen Beethovens „Fidelio": Freitag „Turan d o t". Ein Freilichttheater in Vöslau. In Vöslau bei Men wird ln diesem Jahre ein Freilichttheater errichtet, das anläßlich der Festwochen (5.—19. Juni), bereits benützt werden wird. Für den 10. Juni ist eine Ballettproduktion der Tanzschule Hellerau augefetzt. Da das Vöslauer DhermaWad zu einem Strandbad großen Stilles erweitert wurde und mit starker Frequenz des Badeortes zu rechnen ist, dünste sich die Freilichtbühne Alten Besuches erfreuen. Grföttz eines Wiener Architekten im Ausland. Die türkische Regierung hat die von dem Wiener Architekten Ing. Emmerich Stolzer ausgearbeiteten Projettes für den in Angora zu errichtenden Monumentalbau des Gesundhritsministeriums als Grundlage für die Ausführung angenommen. Das Budapester Mische MnNer-Ensemlbl« absolviert am 26. und 87. März inl Variete Reklame, 2. Bez., Praterstraße 34, ein nur zweitägiges Gastspiel. Es wirken unter anderem nlit Lea Weintraüb - Graf, Elsa Räbinowitz, Aranka Blind; Hermann Räbinowitz, Benzion Siaall, Hervmnn Tunis, H. Markus. Im Soloteil: Albert Feller. Manzr Räbinowitz. Vereine. Bortröge und Versammlungen. Lesel»nd Rvdehalle jüdischer Hochschüler in Wien, 0. Bezirk, Tüvkenstraße 9. Morgen Samstag, 8 Uhr abends, Convent mit Vortrag des Herrn Dr. Leo Goldhammer: Die Notweudigikeit der zionistischen LändesPolitÜ. Zionistische Frauengrüvpe, Landstraße. Ans vieWHges Verlangen wiederholt die Zionistische Fmnengruppe, Landstmße, den ü-U!hr-Tee im Achxim am Sonntag, den 27. März. Bei unserer Admiil>vstration sind folgende Spenden eingel'aulsen: - ■ i Für die Witwe eines S ta at Sa n wat t e s ad Notiz vom t6. März: E. Steiner, 18.'Bezirk, b Schilling; M. A.» gesammelt, 85 tschechische Kronen. ' Für den alten, unheilbaren Krönten, der einen Rolbsttchl benötigt: Gesammelt M. A. 50 ttfchechiische Kronen. FILM UND KINO mmm I« Abtrünnige. Die Liebe Mischen Menschen verschivtzenen Glaubens ist das Sujet eines sorgsam und geschmackvoll gearbeiteten Fi'lms, den die Wiener List o-Film-Gesellschaft im vergangenen Jahre gedroht hat und der von heute ab in' den Wiener Kinos erscheint. Alfred Kampf v. Deefy hat ein spannendes Drehbuch verfaßt (das in Kürze auch als Roman erscheint, ein Weg, der besser zu fein scheint als der umgekehrte, der so häufig praktiziert wird, daß ans einem Roman ein Drehbuch gemacht wird) und einige ausgezeichnete Wiener Darsteller haben die interessante Handlung durch ihre schanspielerische Gestaltungskraft belobt. Die Fibmifabel faßt den oben charakterisierten Grundgedanken wodern-realiftisch aus: Dr. Behringer, ein ingeniöser, durch neue Methoden der Krchsheiluug berühmt gewordener Arzt, stammt aus dem jüdischen Ghetto, hat aber der Tradition und dem Glauben feiner Vorfahren den Rücken gekehrt. Die einzige KiwdheitSerinnevung, die er bewahrt hat, ist ein goldenes Kreuzchen, das ihm Kainilla, das Töchterchen des in Behringers Heimat begüterten Sanitätsrates Baron RovenÄky geschenkt hat, der er ails Knabe noch das Leben gerettet hatte, als sic bei dem Versuch, den Judenknaiben vor Hohn und Beschimpfung zu schützen, von einem Boot in den Fluß gefallen war. Behringer bewahrt Kamilla Dankbarkeit und Liebe, und tvie er ein berühmter Mann wird, hält er um ihre Hand ait. Die verwöhnte Baronesse gibt ihm ihr Jawort, ohne um seine Abstammung zu wissen, die Behringer hinter angenommenem Namen (er ist der Sohn des Tempelbieners Rotberger) vor aller Welt verbirgt. Da wird, gerade am Verlobungstage, sein Vater ins jüdische Spi-tal gebracht; ein Krebsleiden des alten Mannes macht sofortige Operation notwendig. In Abwesenheit des ständigen Operateurs wird Dr. Behringer ersucht, die Operation vorzunehmen. Vater und Sohn erkennen einander und der „Makel" der Abstammung Behringers wird offenbar. Die nationalistischen Studenten demonstrieren gegen den jüdischen Professor (der inzwischen seinem kranken Vater zuliebe zu seinem Glauben zuvückgekehrt ist), die adölige Familie der Braut stößt ihn aus, der Bruder Kamillas verwundet ihn im Duell. An seinem Krankenlager beten aber nicht bloß die Eltern, sondern auch Kamilla, jedes nach seiner Art. Und Behringer wird gesund, mehrt seinen Ruhm in >der neuen Welt und erringt aufs neue die geliebte Frau. Dieser Handlung hat eine achtsame Regie vorzüglichen szenischen Rahmen gegeben; die jüdischen MÄieufzenen sind ebenso stilecht wie die im Hause des Byrons, im Opexationssaa! der Klinik undin. der.Aerzteversanunlung, die das .Stück einleitet.. Die Darstellung des Dr.'Behringer durch Jakob Feldh a m m e r ist von reicher Empfindung, getragen/ und seine eindringliche Mimik eviveckt in jedem Augenblick der Bild- Handlung Interesse. Kamilla ist Jo d e. Castro, ebenso schön wie natürlich in der Darstellung. Ein Kabinettstück ist d>ie jüdische Mutter von Laura Glücksmann, die eine Charakterfp-ielerm ersten Ranges ist. Die zahlreichen Episodenfiguren' sind mit trefflich charakterisierenden Darstellern besetzt, die von? der Regie gut geleitet wurden. . Der ganze Film ist ein wirklich wertvolles Erzeugt:is der Mener Filmkunst, und gerade seine jüdische Note erhöht noch das Interesse, das er erweckt. —tz. stuben, Stimmungen (entzückend, die Sehnsucht itach dem Lande weckend, ein „Abend im Moor"), das Volk in seiner Gesamtheit und in prägnanten Einzeltypen — alles Kar, plastisch, unvergleichlich geglückt in Konzeption und Belichtung. — Aber leider kommt hier kein armes Mädel aus dem Volke in die Prachlgemächer Seiner Durchlaucht, es fließt kein Champagner, matt sicht keinen Herzensbrecher mit Monokel und Bügelfalte, fein Nachtlokal öffnet seine Pforten uub nicht die' kleinste Entkleidnngsszenc, nicht eine einzige Sekunde „Nackttanz" ist gegönnt . . . Die Kinobesitzcr werden dieses Kunstwerk schlecht zensurieren. O. A. Neue For-Filme. In einer Presse-Vorführung hat die Fox^ Film-Corporation ihre neuesten Filme gezeigt: Ein grvteskes. Lirstspicl: „Der G e i 'ft des gnädig e n H c r r n" bringt gute, bewährte Humore. — Ein spannet!der Kriminalfilm: „Eine S ch r.e cke n sna ch t in Sing-Sing" läßt das in der letzten Zeit stark vernachlässigte Genre der Krimmalfilme in „modernisierter" Ausmachung, mit Weglassung des üblichen Meisterdetektivs, wieder zu Ehren kotttmen. Der Riesendiamant „Das Auge Indiens" wird aus geheimnisvolle Weise gestohlen; ein Unschuldiger tvivd auf Grund von Indizien des Diebstahls für schuldig erklärt; der Staatsanwalt ermittelt durch tatkräftiges Eingreifen den wirklichen Dieb und begründet, da der Verurteilte befreit tvird, das Liebesglück zweier Menschen. Dieses Sujet wird von der interessanten Bessie Love und von peslie Fonton eindrucksvoll dargestellt. — In dem Film „Der Hund v on Hnrv i ll e" 'sind ein herrlicher deubscher Schäferhund und ein köstlicher lleitter Dackel die Hauptakteure. Sie sind in eine Fabcil gesetzt, die im kanadischen Urwald spielt, und illustrieren ausgezeichnet die alles Menschliche überbietende Hundetreue. Mit diesett beidett vierfüßigen Stars teilt sich Virginia B. Faire in die Davstellnngslovbceren. Wunderbare Aufnahmen aus detn hohen Norden Kanadas ntachett 'beit Film besonders sehenswert, der schon dirrch seine beiden prächtigen Tiere überaus anzieht. Dar beste Film von 1926. Wie. in den vergangenen Jahren werden auch an diesein Jahresende umfangreiche Rundfragen veranstaltet, um die besten Filme festzustellen die das abgelaufcne Jahr gebracht hat. In England tft man bereits eifrig bei der Beurteilung der letzten Ernte, und die Filmkritiker der großen Blätter streiten sich über den oder die Filme, denen der Preis zuerkannt werden kann. Däbei ist es interessant, daß verschiedentlich als der beste Film des Jahres.der deutsche Film „B a r i e t c" genannt wird. Außerdem werden als die besten Film>e Chaplins „Goldrausch", weiters die amerikanischen Filme „Die große Parade^, „Der schwarze Pirat", „Stella Pgllas" genannt.. SCHOTTiNlBNS-IOgiO!., Schottenring 5 Telephon 17-4-25 Von Bteuto bis 28. MSrzs Sie Königin von Monlin Roip mit Mädy Christians Beginn : Wochentags XUS, *7,6, V48 und 3fi9 Uhr Sonn- und Feiertage '^4. V46, V*7, 3/48 und 9 Uhr 44 „Irr Kamps um das Moor/ Wie gegenwärtig der Hase läuft,. dürfte dieser französische Filnr, den die Pan-Frlm-A.-G. den Publizistett zeigte, sich nicht unverzüglich ,dre Wiener Kinobesitzep erobern. Er ist nämlich künstlerisch sehr bedeutend und wir fühlen die Pflicht, auf ihn hinzütveisen. Eine Art Schönherr-Sujet, Ort der Handlung das französische-Moor. Bauernstolz will nicht dulden, daß der TechnisMus, der Fabriksbetrieb, der: Dörflern die Scholle wegnimmt. Und Bauernaristokratentum wehrt sich gegen Blutvermischung. Aber die Handlung ist bet diesem Opus nicht die Hauptsache. Vom ersten Augenblick. fesseln Landschaftsaußnahmen von einer künstlerischen Vollkommenheit und.,wesenhaften Schönheit, wie mair sie lange nicht gesehen hat — so lange nicht, daß das von Kitsch und Sensation verderbte Publikum — fürchte ich — kein Auge dafür hat. Auf gleicher Höhe steht die Darstellung. Jose Davert in der Hauptrolle ist ein überragender Künstler. Echt bis in die Fingerspitzen ist sein Bauer Avustin, eine bezwingende Gestaltung, die mit sparsamsten Mittelst stärkste Wirkung übt. — Wege durchs Land, Dorfstraßen, Bauern- CENTRAL-KINO kl., Taborstraße 8 Telephon 42-3-41 Von beule bis 28. März: Düiclilaiiclit Tänzerin Liane Haid, Oskar Marion Musikalische Begleitung: Das neue Ufa-Konzertorchester mit Jazzband (Dirigent: Kapellmeister Karl Krall) Beginn um.6, Vs8 und. 9 Uhr —Rotentur iu?Klno Flei'schmark't T> Von heute bla 28. März: Die Königin von Monlin Bonge ' ' -' mit Mady Christians Beginn d: Vorstellungen an Wochentagen: 4,6, >/,8 u. 9 Uhr Sonn- und Feiertage: V,4, a/A V«7, V.8 und 9 Uhr Der Abtrünnige (TRADITI O N UND LIEBE) «üfti!«■«■■•€■ OlilcfttfsmoiBnm «■- Jaficol» PesldiKt<amBm<er Ab Fv«flriast, $05. Plitarz Leopoldstädter Volks-Kino, II., Roten Sterngasse Keppler-Kino, X., Kepplerplatr AB» Dlenstfasl, SO. Plfirz Rotentnrm-Kino,Fleischmarkt Stafa-Kino,VII,Maria hilferstraQe Leopeldstadter Volks-Kino, II., Roten Sterngasse Vi-! & ÜM 411