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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-25 · Heft 2900 (25.3.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2900 (25.3.1927)
Date
1927-03-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seide 6 Wien, Freitny Wiener Mergenzettang 36. März 1927 Skr. SSVV mos ANS KREUZ! ROMAN VON KURT MÜNZER Copyright IM7 by B. LSwit Vertag, Wie» — Ltipaig „Die Tür!" schrie die Mutter. Und die Söhne eilten, Türen und Fenster zu sichern, schoben Schränke und Kommode davor, schon geübt auf Verteidigung gegen Ueberfall. Mer Abel, plötzlich erfüllt vom gesammelten Drang, der ihn trieb, schob sie von der Haustk. fort und riß den Riegel zurück. Schon fiel ein Kolben schlag gegen die Pforte. „Laßt mich!" schrie er. „Sie sollen hören und fühlen!" Und das Glück seiner Bestimmung, die Seligkeit der Birufüng hoben ihn aus, daß ihm lvar, er schtvebe, er überrage alle, und Liebe erfüllte ihn mit Sturm, der ihn sprengte. Ta umklammerte ihn die schöne Tochter und riß ihn zurück und stammelt«. Er glaubte, zu fallen, auf Erde zurückzustürzen, und entwand sich ihr und riß die Tür auf —. Dort standen sie. Fünfzig Menschen, Frauen darunter. Gewehre, Dreschflegel, Mistgabeln, Knüppel, Fackeln, Seile. Fünfzig Gesichter wie ein einziges schreckliches Fratzengesicht, ein einziges ungeheures Auge, das fraß, Maul, das geiferte. „Freunde!" schrie der Jude „Freunde!" Ein welterftUlen.es Geheul antwortete ihm, ein Schrei, dessen Inhalt er schon nicht mehr erfaßte — denn er war schon ergriffen, von furchtbarer Pranke niedergeschlagen, und der letzte Hauch eines G^ankeris: sie schonen das Haus — ich — ich —. Aber die Gncü>e beraubte ihn des Bewußtseins: ich... Die Horde hatte ihn verschlungen, ein Dreschslegel traf seine Schulter, zerschmetterte sie, und Schmerz, der nicht mehr Schmerz war, entseelte ihn. Füße in Stieseln waren über ihm, Gewehrkolben stießen ihn: auf! hoch! marsch! Aber er blieb liegen, stumm. Da hoben sie ihn an. den Armen, zogen ihn, schleiften ihn in ihrer singenden heulenden Mitte die Straße hinauf. Wohin? Zu welchem Ziel? Keiner wußte es. Sie hatten eine Beute, und süßer Rausch trieb sie mit dem Gewinn des'FeLzugs, der Jagd — Mensch auf Mensch — in die Welt hinein. Ihre Trun- (47. Fortsetzung.) kenheit mußte wandern, lausen, springen. Ein Zug schrecklicher Bacchanten und Korybanten, so wälzten sie sich die nächtliche Chaussee hinauf, ins Land hinein, während Nebel sank und Frost sich verdichtete. Sie schleiften den Juden mit sich, und Steine waren barmherziger als Mensch: sie taten ihm unwissentlich weh. Ein Bach rauschte in der Tiefe, als sänge er ein Lied zum Schlafen und der Wald, der die Rasenden aufnahm, säuselte und flüsterte, welke Blätter raschelten, cs war wie Stimme der Natur, die sich erbarmen wollte und ohn- . mächtig in Gestalt gebannt war. Wieder ging der Weg ins Freie, der Nebel hob sich, da der Frost ihn aufzehtte, die Nacht klärte sich, bleich lag die Straße da, Felder dämmerten in Stille, und auf den: Hügel, den die Straße erklomm, ragte ein Kreuz. Ern großes leeres Kreuz reckte seine schmerz ichen Arme hilferufend in die Nacht, ein in Holz gebanntes, stuimn flehendes Geschöpf, von Schweigen und Einsamkeit schauerlich abgesondert. Plötzlich gellte die Stimme einer Frau. „Ans Kreuz mit dem Juden!" Me stockten. Die ihn schleiften, ließen ihn sinken, diesen Juden, an dem sie ihren Haß austobten, an ihm, der Verkörperung seines Volkes war, Symbol der Judenheit. Aber schon im nächsten Augenblick gruben Männer am Kreuz stamm, trugen andere den Juden hinauf, und es entstand Lärm, Drängen, Zerren und Schreien, indes die Nacht sich aufhellte, als sollte weithin die Welt dem Schauspiel Folie sein. Schon lag das Kreuz. Mer Nägel und Hammer waren nicht da. Da banden sie ihn. Die Hände lenke an das Querholz und die Füße übereinander am Schaft. Und als er so lag, schlug er. die Augen auf. Der Schmerz in der zerschmetterten Schulter weckte ihn, der Schmerz der zertretmen blutenden Eingeweide, der geschundenen, geschleiften Füße und des sich stauenden Blutes in den Armm. (Schluß, folgt.) Bühne und Kunst. Lotttofter. In der „Buffo-Oper" „Die schöne Helena" setzt Rainer SimonS als Regisseur und Neubear>beiter jenen Wog fort, wülchen er im „Orpheus m der Un:erwelt betreten hat. Er mischt Operette und Revue durchvlnander, bringt diesmal sin Kreuzworträtsel, cme Kartenpartie und ein Srranldbad auf die Bühne uns ersetzt die .Höllengirls des .Orpheus" durch StrandgrrlS. Hüllenlosigkeit ist Trumpf: Ein Lebendes Mld, ein beliebtes Requisit der Volksopern-Jnszemerungeu. zeigt Dt« drei rivalisierenden Gärtmnen in Evakostüm. Dazu gibt es alte und älteste Kalauer, die so schlecht sind, daß Agamemnon mit Recht sagen kann: „Griechenland verdummt, tvir finö schon die reinsten Trotteln." Der Zerrspiegel, in welchem Osfenbach alles parodier!, wird hier schon fast zu einer witzlosem Parodie auf Offe-nbach selbst. Dazu fehlte 'rer musikalischen Wiedergabe unter Leitung von Kapellmeister Oskar I a s ch a. der übrigens die Partitur durch zwei noch unbekannte Offenibach-Schlager. eine Art Cancan und ein Chansort, bereichert hatte, der rechte rhythmische E.'ain. Die Musik geriet nicht ius Muffieren und mit Kalauern allein ist Offonbach heute nicht mehr bei-zutonrmen. Frau R u tz k a spielte trotz Etonkopf und Monokel eine brave, büvgerLich bescheidene Helena, Herr Brand als Agamemnon paradierte in Stahlhelm und Schnurrbart a la Kaiser Wilhelm, Herr Arnold als Menelans war ein armes HascheÄ. Drastisch war Frau M a ch a als Klhtämnesiva, Herr Bandler als Großaugur und Herr Pfann als Paris enttäuschte schon in der äußeren Erscheinung. Da? anspruchslose Publikum spendete stüvmlischen Beifall. f[li\ „Der Sude in der Musik." Em Lorttag Pros. Juliujz Wolftohns. Im Rahmen der von der zioniftischm Bezirkssektion Landstraße veranstalteten Kulturabende hielt der bekannt Pianist und Musilforscher Prof. Julilusz Wolfsohn einen sehr bemerkenswerten Vortrag über d.^n Anteil der Juden an der Tonkunst der letzten hundert Jahre. Die Ansicht, daß die Juden als schaffende Künstler minderwertig sind, sei unrichtig. Wenn man nicht die Juden der gesamten übrigen Kulturwelt gegenüberstellt, sondern nach Nationalitäten differenziert, ergibt sich, daß zum Exempel in der Tonkunst das jüdische Volk zahlreichere schöpferische Kräfte hervorgebracht hat als manches andere Volk, insbesondere das englische, serbische oder etwa schwedische. Zu seinem Thema übergehend, sprach Wolssohn zunächst über Gustav Mahler als das größte tonschöpferische Genie unter den Juden. Es sei ein Glück, daß die tiefen Welt- und Menschheitsprobleme, die seinen Werken zugrunde liegen, sie davor schützen, ,Mode" zu werden. Durch den gedanklichen Inhalt, aber auch durch die vielfachen Anklänge an chassidische Melodien sei der jüdische Charakter von Mahlers Werken gekennzeichnet. „Er ist der ewige Jude in der Musik." Wolfsohn charakterisierte dann die Bedeutung Felix Mendelssohn-Bartholdis, Meyerbeers, Bizets, Halevys, Goldmarks, Offenbachs, Rubinsteins und anderer jüdischer Tonkünstler des letzten Jahrhunderts j und kam näher aus Goldfaden zu sprechen. Auch die jun-? gen und jüngsten jüdischen Komponisten, insbesondere Arj nold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold und Richard j Mandel wurden nach Eigenart und Bedeutung gewürdigt, j Sehr interessant war, ivas Wolfsohn über die Stelj lung der Juden in der nachschaffenden Tons k u n st zu sagen wußte. Es sei ein Verdienst jüdischer j Künstler, daß das überwuchernde Virtuosentum, welches! in der Paganini-Zeit bis zur „Flagiolett-Kuns.pfeiferei" j ausartete, durch die wahrhaftige nachschafsende Kunst er- .! setzt wurde. Dieses „Anti-Paganini-Tum" ist durch das! Wirken des jüdischen Dr.igestirns Rubinstein-Joachim-! Dawidow gekennzeichnet. Neben diesen Königen wußte j Wolfsohn sehr fein über eine Reihe von Fürsten der rer produzierenden Tonkunst zu sprechen, wobei er insbeson- \ dere Alfred Grünfelds gedachte. In seinen inhaltsreichen [ Ausführungen zeichnete Wolfsohn ferner die Porträts der überragenden jüdischen Dirigenten, Musikpädagogen, Musikforscher und Musikkritiker und gab schließlich dem Bedauern Ausdruck, daß mit Ausnahme russisch-jüdischer Künstler das Interesse der schaffenden und nachschaffemden jüdischen Musiker dem Problem der jüdischen Musik gegenüber sehr gering ist, weit geringer als das hervorragender nichtjüdischer Tonkünstler. An diesen inhaltsreichen, mit Sorgfalt gearbeiteten Vortrag schlossen sich musikalische Darbietungen, gut gewählte Proben jüdischer Tonkunst, vermittelt durch Helene Bondi (Klavier), Leonid Birsen (Geige) und Blado S ch rein er (Cellost. Bau Relsou dir Patacho». Ei» Frantjurter Brief. Frankfurt scheint tatsächlich die Synthese zwischen Berlin und Wien darzustellen. Auf jeden Fall wird das Wochenprogramm der Amüsements von beiden Städten gleichmäßig gut bestritten. Dabei gelingt es (mit einiger Anstrengung) eine gewisse lokale Note zu wahren, was bei der ungeheuer steigenden Anziehungskraft Berlins allein schon als Erfolg gelten kann. Rudolf Nelson versuchte mit seiner Revue „20 Jahre Nelson" mit wechselndem Erfolg die Frankfurter zuni Spätinsbettgehen zu erziehen. Jedenfalls ein sehr großes Wagnis, in Nachtvorstellungen das Interesse ooooooooooooooooooocxxxxxxxxxxxooooooooocxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxaoooooooooooor^^ L Preis; Elna Bibliothek von 300 Bänden II, Preis; Eies itartisrelse naeli Palästina IIL Preis: Fünf Denan Land In Palästina Kreuzworträtsel- '-Ausschneiden SVr. 41 i 10 11 12 I 17 | ' |! 18 20 - 80 i 81 Name: ewifMeewuseM Adresse:. Ausschneiden AviSo! Beacfrten Sie unsem RätsplMefkaeten am M n nr♦» «r,■» BEZEICHNUNG DER WORTE: Wa.g.recht: 4 Fußbekleidung, 5 Chem. Formel für Iridium, 6 Spielkarte, 7 Ort in Niederösterreich, 10 Vorstand eines Klosters, 13 Weibl. Vorname, 14 BQrge, 16 Vorname mehrerer Zaren, 17 Reinigung, 18 Teil des Waldes. 21 Schreibmaterial, 23 Herrscher, 26 Oriech. Oöttin, 28 Gewässer, 29 Fremdsprach. Artikel, 30 Chem. Formel für Tantal, 32 Unbeleuchtet, dunkel. Senkrecht: 1 Losungswort, 2 Paradies, 3 Wandelstern, 4 Chem. Formel für Silizium, 4a Fürwort, 7 Französ. Artikel, 8 Was auf die Frage folgt, 9 Abkürzung für eine Gesellschaftsform, 10 Spielkarte, 11 Wüsteneinwohner, 12 Chemische Formel ür Thallium, 15 Hirtengott, 19 Edel geboren, 2<> Zum Hinaufsteigen, 21 Chem. Formel für Kalium, 22 Doppelselbstlaut, 24 Fürwort, 25 Französ. Fürwort, 27 Teil des Schiffes, 29 Wenn (engl.), 3I 'FlftcHenmaß.; v-; •••••««# ••«'«MM««*»«'*»****» ErklMnuifff Ab 13. Februar erscheint täglich in4*r»WienerMorgMeitnnfl^ein Kreuzworirfttsel. '"Hi., -v-'.LfiB-rVi Oie Diagramme sind auszuschneidenund mit Tinte omi1fjntepblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammel||tt j-ttsungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rfttselkupons an die ^Rfitselrcdaktfon;^ddrWteoerMorgenzeltung" einzusenden. Jeder Einsender kann an der Öffentlich stattfindenden-Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Mütter» in welchen unsere Rätsel erschienen sind, können jederzeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden NB. Der Bei schloß des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich«

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