Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2900 (25.3.1927)
- Date
- 1927-03-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 2900 Wien, Freitag Erster Vieier MM tareie Jakkali IX“. Morgen Samstag, den 26. März 1927 —. Schauturnen Mitwirkend: VlvS is Htlitlkal Club. Budapest Festrede: Dr. Otto Abeies Kapelle J. W. Ganglberger Beginn 8 (ihr Tanzbeginn 11 Uhr Karten im Vorverkauf 3 Schilling Vorverkaufsstellen: Buchhandlung R. Löwit,!., Rotenturmstraße 22; Sekretariat des Sportklub Hakoah, I., Wipplinger straße 24 (Caf6 Altes Rathaus); Kartenbüro Aida, II., Taborstraße 5; Sporthaus Lazar, IX., Llechtensteinstr. 6. Im Vereinsheim, IX., Llechtensteinstr. 20, täglich von 7—10 Uhr abendsttaeeeafMraeooaeeqeieeftooeeooeoooeeooooeot Letzte Nachrichten. Ae Senker Abrüftungskonierenz amüsiert sich. Genf, 24. März. In der Heutigen Sitzung der Aürüstuiigskomrnission erregten die Ausführungen deS chinesischen Delegierten große Heiterkeit. Er erklärte, daß China bereit sei, aus eine vollständige Wrüstung aller Staaten oer Welt einzugehen. Er märe damit einverstanden, daß alle Wasser der ganzen Welt in eine Ofen geworfen und zu Denkmälern zusamm eng es chmo'lze n werden. Der tschechoslowakische Gesandte V a v e r k a machte den Vorschlag, die Kommission solle die Grundsätze feststellen, von denen sich die Staaten unter Berücksichtigung ihrer nationalen Sicherheit leiten lassen sollen, wenn sie später die Mindestziffern festsetzen, die für ihre Rüstungen notwendig sind. Der schwedische Gesandte Hennings machte den Vorschlag, das Präsidium möge eine vergleichende ZusammenMlung der beiden vorliegenden Konventionsentwürse Englands und Frankreichs machen, damit man die übereinstimmenden und die in Widerspruch bestlndlichen Punkte klar überblicken könne. Die Debatte wurde hierauf auf morgen vertagt. Amerikanische Waffeulieserungen «am Nicaragua. Washinggton, 24. Mörz. Das Staatsdepartement gibt bekannt, daß die Regierung von Nikaragua durch Vermittlung des Washingtoner Kriegsdepartements 3000 Gewehre, 200 Maschinengewehre und drei Millionen Patronen kaufte, um die Liberalen zu bekämpfen. PaMinasragen im englischen Unterhaus. London,, 24. Mürz. (I. T. A.) In der Sitzung des Unterhauses fragte Colonel Wedgwood den Kolonienminister, wann ungefähr die Arbeiten für den Bau des neuen Hafens in Haifa beginnen werden, und vb im Hinblick auf die im Lande hevrschenk Arbeitslosigkeit der Beginn der Arbeiten beschleunigt werken könnte.' Er fragte auch. o>b ein detaillierter Kostenanschlag für den, Hafenbau existiert. Minister Amery erwiderte, er werde Sorge dafür tragen, daß mit den' Hafenbauapbeüen sobald wie möglich begonnen werde. Da die Vorlbereltung detaillierter Pläne Zeit beansprucht, könne ein endgültiges Datum für den Beginn der Arbeiten n-icht festgesetzt werden. Die Anlage des Hafens wird ungefähr eine Million Pfund kosten; die genaue Summe werde aber erst dann genannt werden können, wenn die d-etaiAierten Pläne vor liegen. Colonel Wedgwood erkundigte sich weiter über die geplanten N agierungsba u ten, wann werde mit dem Bau -begonnen werden, und würden die den Arbciiern gezahlten Löhne dem Lebensniveau der Juden angepaßt? Minister Amery erwiderte: Es werden jetzt, Pläne für den Dan neuer Negierungshäuser in Jerusalem vorbereitet, hoffentlich wird der Beginn der Ballführung n-icht mehr lange auf sich warten lassen. Ich werde dom Fragesteller eine Abschrift betreffend die in den letzten acht Jahren bereits errichteten Negierungsgobäutze zustellen. Was die Lohnhöhe für die beim Bau d-sr RegieMNgsgebäude beschäftigten Arbeiter betrifft, so variiert diese je nach dem Orte und der Klasse der beschäftigten Arbeiter. Colonel Wedgwood: Ich nehme an. daß es erwünscht sei, bei dieser Aufführung dieser Gebäude die Tausende unbeschäftigten jüdischen Arbeiter zu berücksichtigen. Amery: Ganz gewiß in Orten, wo jüdische Arbeiter sind. Colonel Wedgwood fragte dann weiter, ob Schritte unternommen worden sind, daß die sestens der Anglo-Pevsian Oil Company anzul-egendeir unterirdischen Röhrenleitungen für PetroleumtranSporte von Klanikin aus und die Petroleumröhren der International Oil Combine von Mosul aus nach dom Hafen von Haifa statt nach Alexandrette geführt wewen, uni) ob pie Admiralität beveitö in dieser Angelegenheit befragt worden sei. Minister Amery erwiderte, dieser PuM werde zur Erörterung gelangen, wenn die beteiligten Gesellschaften soweit sind, daß die Führung von unterirdischen Röhren zum Mittelmoer in Erwäguitg gezogen »verden kann. D'e Neicr-ung dleibt in Fühlung mit der Mmivalität. Wiener Morgenzettnng 26. März 1927 Me0 JÜDISCHE WEIT «nssiellnng „Me Wische Frau" in Park,. Vorigen Sonntag wurde in Paris in den Salons des Ministeriums für öffentliche Arbeiten die Ansstellung des Vereines der jüdischen Frauen in Frankreich in Anwesenheit eines zahlreichen eleganten Publikums eröffnet. Die Honneurs machten die Vorsihettde des Vereines jüdischer Fva-uen und bekannte Zionistm Mine. Dbonne Netter, Frl. Prof. Schach, die Damen Filderman, Ztlatoholska, Crem er, Stourdze u. a. m. — Im großen Salon sind die Verkaufsstände umergebracht. Die allgemeine Aufmerksamkeit erregt die Palästina-Abteilung, wo Fräulein Prof. Schach palästinensisches Kunstgewerbe aus der Bezaiel-Hochschule, einzigartigen Buchschmuck nsw. zeigt. Das Rei.norttäg« n-is dieser Abteilung wird dem „Marmovsk-.Hain" zugeführt. Die anderen Abteilungen enthalten verschiedenartige Kunstgewetbeerzeugnissc jüdischer Frauen und Mädchen in Frankreich, die das Erträgnis der Arbeiten Palästinazwecken gewidmet haben. Sine traurige Statistik. Die Zeitschrift von Hias-Emigdirekt „Die jüdische Emigration" bringt eine Statistik über die in den Jahren 1920 bis 1925 aus Eliö Island zurückgefchickten Emigranten. Danach hat sich der Prozentsatz dor deportierten jüdischen Wanderer: im Verlauf der genannten Periode vevachtfacht. 1921 wurden 6,8 Einwanderer pro Tausend zurückgeschickt; 1922 schon 22,2 pro Tausend; 1928 27,1, 1924 38.8. 1926 aber schon 79,1 pro Tausend der Einwanderer. Hauptursache war das Fehlen zurerchenter Dokumente, aber auch der Gesundheitszustand war Vielfach Gvund für Zurückweisung. Unter den aus sanitären Ursachen Zurückgefchickten stellten d i e Juden den größten Prozentsatz; einen viel kleineren Prozentsatz aber stellten sie unter den aus moralischen Ursachen oder wogen Analphabetismus Zurückgeschickten. Aus sanitären Ursachen wurden z. B. 1926 3,0 pro Tausend der jüdischen Emigranten, wegen Analphabetismus 0,4, aus wirtschaftlichen Ursachen 6,3 pro Tausend znrückgeschickt. Jüdische Emigrat oyskonsereuz in Baris. Aus Berlin wird uns berichtet: Nachdem die Konvention von Hias in New Hork das zwischen Hias und Emigdirekt einerseits und.der Jewish Colonisation Association (Jca) andererseits Unterzeichnete Abkommen betreffend eine gemeinsame Arbeit auf dem Gebiete der jüdischen Wanderung gebilligt hat, hat die neue Gesellschaft „Hias-Jca-Emigdirekt" für den 5. April 1927 eine Tagung des Großen Rates nach Paris einberufen. Der Rat wird in dieser Tagung das Arbeitsprogramm der neuen Gesellschaft in den Auswanderungs- und Einwandenmgsländern für das Jahr 1927 aufstellen. Der Rat setzt sich aus,10 Vertretern von Hias-Emigdirekt und 10 Vertretern der Jca zusammen. Ansmobung der dritte» Stadtmmrer in Fernsalem. .Die neuesten Ausgrabungen der dritten Stadtmauer von Jerusalem, welche von der Hebräischen Universität und der Jewish Palestine Exploration Society gemeinsam durchgeführt werden, haben zur Entdeckung eines Teiles der Mauer geführt, der aus zwei Schichten großer Steinblöcke besteht. Die untere Schichte besteht aus schön behauenen Steinen, ähnlich denjenigen, die bei der westlichen Tempelmauer verwendet wurden, während das obere Lager aus großen unbehauenen Steinblöckcn zusammengesetzt ist. Es wird angenommen, daß das untere Steinlager auf-die Zeit des Königs Agrippa zurückgeht, der die Mauer errichtete; die obere Steinschichte wurde im Kriege gegen die Römer hinzugefügt. , Es wurden auch: die Ueberpeste eines anderen Turmes neben der Mauer entdeckt. Eino der Steinkugeln, die von den Katapulten der Römer während der Belagerung von Jerusalem ausgcschossen wurden, ist während der Ausgrabungen ausgesunden worden. Sin gubiliiumrllev ssir den Rationalfonds. Die amerikanische Zentrale des Jüdischen Nationalfonds hat, wie uns aus Newhork berichtet wird, anläßlich deS 25jährigen Jubiläums des Jüdischen Nationalfonds zwei Preise von je 100 Dollar für ein Jubiläumslied für den Jüdischen Nationalfonds in jiddischer, beziehungsweise englischer Sprache ausgeschrieben. Es wird dabei vorausgesetzt, daß ein Jübiläumslied in hebräischer Sprache in Palästina selbst geschaffen werden wird. Die Manuskripte sind unter Beobachtung der bet Preisausschreiben üblichen Formalitäten bis 11. April an das amerikanische Nationalskndsvureau, 114 Fisch Avenue, Newtzork, einzusenden. Bon den Bedingungen seien hervvrgchoben: 1. die Besttmmung, daß von dem Konkurs die Beamten des Nationalfonds und der Organisationen, die mit dem Nationalfonds verbunden sind, ausgeschlossen sind; 2. kommen nur Origtualarvetten, die bisher nirgends im Druck erschienen, iv Betracht. Es handelt sich nur um den Text, die Vertonung des preisgekrönten Textes wird da? amerikanische Nattonalfondsbureau selbst veranlassen. Loais Marshall Shrendovor der hedrRschen Literatur. Me uns aus Newhork berichtet wird, hat der Senat des jüdisch-theologischen Seminars von Newhork, das den Rang einer theologischen Hochschule 'besitzt, unter Vorsitz seines Präsidenten Dr. Chrns Adler Louis Marshall in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste in der Verbreitung jüdischer Bildung unb Vertiefung der jüdischen Erziehung einhellig den Titel „Doktor der hebräisichcn Literatur honoris causa" verliehen. Eine Karaiten-Abordnung beim polnische« Mdmtgrmintfter. Eine Abordnung der in der ostgalizifchein Stadt H a l >i c z lebenden Karaiten -Gerne i nde erschien beim polnischen. D!>ldnngs minister und ersuchte um Vorschüsse, durch welche ihnen die Evfüllunig chver religiösen Bedürfnisse, insbesondere der Neuibau rihves Tempels in Halicz, ermöglicht werden soll. Dieser Tempel ist bereits mehr als 200 Jähre alt und beherbergt historisch und kulturell sehr inrenessante Objekte, so u. a. eine Bibel, die der polnische König Söbieski, den Kanaiten zum Geschenk gemacht hat. Der Minister versprach, 'der Bitte der Kevrasten zu willfahren Sie Mihwiktschast in der Bndapesirr Sieougengemeinve Aus Budapest wird uns beriichteit: Die di-ktwwrische Politik des Präsidenten der hiesigen Neologengemeinde hat unter den Gemeindeinitgliedern solche Erregung hervorgerufen,!taß sich eine sehr starke oppositionelle Partei gcMdet hat, die auf den Sturz IdcS gegenwärtigen Regi>NleS hinarbeitet. Letzten Sonntag fand rm alten Paivlamem eine Massenversammlung der Opposition statt, in welcher der Vovsitzende Gemeinderat Dr. Josef Hegedüs ge>gen die Mißwirtschajft und die Dikta-tur des Lederer-Regimes schürfen Protest erhob. Es sei höchlste Zeit, daß die Budapester Kultusgenremde den Händ>en einer Clique entrissen und der Gesamtheit der Gemeindemstglielter wiedergegelbön werde. Die Politik der Lebere-r-GrupPe ha'be es auch znwegegebracht, daß sich die Budapester Glsm-einde bis heute im schärfsten Gegensatz zur gesamten Inden,schaft des Landes 'befindet. In gleichem Sinne sprach Gemeimdevat Siginnnd Zola, der erklärte, d>aß dre gegenwärtige Leitung der Gemeinde mit den Gemeindegeldern eine unverantwortliche Wirtschaft führe. Der Schlußredner Dr. Alexander Nevesz richte>te an lten Präsidenten Dr. Lederer die öffentliche lAufforderung, nachzuw eisen, ob es unrichtig sei, daß er aus der Gemeinde,kasse die Kosten für Repräsentationszwecke behob, welche Beträge er der Kasse entnommen habe und wozu sie verwendet wurden. Sein Antrag, die Geldgebarung der Kn l tu sg e m e i nde durch eine aus Mitgliedern aller Parteien bestehende Kommission überprüfen zu lassen, wurde angenommen. Schließlich wurde beschlossen, in nächster Zeit eine neue Versammlung einzubevwfen, in, welcher die Foricerung nach DemoLratistevung der KulftrSgememde zur DiHkussioir gestellt werden wird. 80. GeLurlstag des Mailänder Rabbiners. Die jüdischen Gemeinden Italiens feietten in diesen Tagen den 80. Geburtstag des Rabbiners von Mailand, Professors Fano, der sert 50 Jahren das Rabbineramt in Mailand bekleidet. Prof. Loevlnson Direktor des Stlwtsarchivs in Parma. Das italienische Amtsblatt veröffenMcht die Ernennung des langjährigen WteUlungschefs am Kömgl. italienischen Staatsarchiv in Rom, Prof. Dr. Loevinson, zum Direktor des Königl. Staatsarchivs in Parma, Dr. Loeviüsoir,' ein anerkannter Gelehrter, arbeitet gegenwärtig an einem große,n Werk Wer die Geschichte der Juden in Rom, das unter dem Atel „Noma Jsvaelitica" erscheinen wird. 3VV in Rußland deportierte Jungzionisten dürfen nach Palästina auswandern, Vor kurzem meldeten verschiedene Zeitungen, so auch der Warschauer „Haint" daß in Rußland 300 verhafteten und deportierten Angc^örigen iungzionistischer Organisationen, wie z. B. Zionisten-Sozraliften Haschomer Hazair ufw. die Erlaubnis gegeben wurde nach ssjalästtna auszuwandern. Nach den Ermittlungen, Me der Jta-Vertreter anstellte, beruht diese Jnfvrnmtion auf Wahrheit. Es handelt sich nur noch darum, die not- »vendlgen Fonds zu beschaffen, um den 300 Zionisten die Möglichkeit zur Reise nach Palästina zu geben. Das Sommersemester der Hebräischen Universität. Die Hebräische Universität in Jerusalem kündigt an, daß das Sommersemester im Institut für jüdische Wissenschaften, in der Schule für orieiriwliische Wissenschaften und am mathematischen Ji'Mut am 26. ApM 1927 beginnt.! Die Einbürgerungen in Tel Awlw. Vom Nissan 5686 bis Adar II 6687 haben sich in Tel Awiw durch Vermittlung des dortigen EinwanderungsburemiS 3909 Familien einbiirgern lassen. Beütz Haam in Boskvwitz. In B v s k o w i tz (Mähren) wurde vor einigen Tagen das neueroaute Beth Haam feierlich eröffnet. Der Vizepräsident der Kultusgemeinde Herr Viktor Weiß konnte in feiltet* Eröffnungsrede die Delegierten der verschiedenen Vereine lind Körperschaften begrüßen. Nach der Ansprache des Rabbiners Reich hielt der Initiator dieses jüdischen Volksheims Herr Karl Brüll sein Referat über die Aufgaben und Ziele des Beth Haain, die hauptsächlich darin bestehen, daß der Jugend Gelegenheit gegeben werde, sich geistig, körperlich und kulturell zu entwickeln. Die Festrede hielt Prof. Rabinowiez, worauf dann die Vertreter 'der einzelnen Körperschaften, und zwar Herr Felix Ungar ftir den Makkäbt, Fräulein Aiartha R a b i n o w i e z für den zionistischen Mädchen- Verein Judith, für die jüdisch'' w»« Herr Julius Frisch und H Namen der Gtdeonia Begrüß der Msingung der Tiliwah err Hermann D r e x l e x im ungsansprachen hielten. Mit wurde die Feier geschlossen. 2