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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-23 · Heft 2898 (23.3.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2898 (23.3.1927)
Date
1927-03-23
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2808 Wien, Mittwoch dWRUMmifaiflmii 4Vf>WW JrCvJ0vwJwlWlT»^ 2tz^MSr--VS7 JUDE ANS KREUZ! ROMAN von KURT MÜNZER Cops^ght lW by R. LawitVwh^, Wien - I^iprir „Weißt du «roch»?" sagte sie. Sie >var frei, leicht, sie sprach v»e eine Uralte, der das Leben bildhafte Erinnerung geworden ist, auch die Liebe ein Schatten, ein wesenloses Ech»; ans Trauer ist? Lächeln und Wkgel geworden. „Eininäl ttlßte ich dichDit warst ein Kind. Wir saßen ans. dunkler Treppe. Liebst du mich, fragte ich dich. Und bu sagtest: ich iveiß nicht, Fräulein... Dann floh ich. Irl Zürich gingen wir abends mn See. Die Stern« blitztet!, der Föhn schnob, die Bäume dufteten. Wir sprachen Rüg, aber ich siebte dich nur. ,Kleiner Gott' nannte ich dich und bekrönte dich. Mexander Gottlob .war da. und Mi na Miljewic und Trajan Cadirff. Sit wanderteil um beit See, der M-mw schien, Musik ivar im Garten.. Aber dich küßte di« schöne Olga von Schestow, ttnd ich lag nt nrement Penssyttsstübchett ttnd weinte um dich." „Ser doch' still,Chaje," flüsterte Abel. „Wir reden wie .Abgeschieden«. iFst das! alles nicht erst gestern getveseit?" ' „Gestern? Ach nein. So viel liegt dazwischen. Nicht nur Tränen, sondern auch Lachen und Arbeit, viel Arbeit und Ringen nnt Sohnsücht und Dtch-Wtederfinden. Werden torr HiLMde Äeiben?/Mrchte dich nicht, ich liebe 'dich nicht mehr. DlG war in dew anderen Leben. Jetzt siird wir Ge-, schwrster". ,^Liebe, große, klug« Schwester, jetzt lnnft ich gehen." ,/Oliva läßt dich grüßett. Sie schrieb aus Leysin." Oliva Len hatte sich, im Herbst, auf einer Bmck in Clärens^ in die Brust geschossen. Jetzt lag sie in der Sonne von Leysin und sollte geheilt werten. Chaje hatte sie. im Oktober besucht. Nun sagte sie, ans MAS Frage : „Nein,- sie glaubt nicht an Genesung, aber sie wird genesen!"* „Und dann?" ,/Vielleicht ist sic weise geworden in der Sonne und wird einsehen, dcrßdas Leben/ wves arm ist, am' tiefsten ist,'daß Gott am liebsten in die verlassenen Herzen ein- „Seltstvn! Die Gliickkichen, die nichts vont Leben haben, lieben cs. Und die Unglücklichen, die doch am Sinn des Lebens stehn, die das ganze besitzen,' werfen es: weg, leiden mr ihm." ' "'„Das ist ein Reichtum, Wel, dieser Besitz des Lebens,' den man aus Erden schlecht Umsetzen kann. Es ist keine gangbare Münze. Man ist ein Reicher, der int Golde verhungert." „Sollten iww die einzig Meisen sein?" ,Diu, Abel? Du siehst mir nach Hunger und Durst aus. Mas willst du?" Ir flüsterte: lächelnd: '■ „Das Leben, Chäjc." - ' ' ' . „0!" ries sie,- lachte, schlug bae Hände zusämuren. ,Und er - hat: 4$ M' Fülle. ,D'n alstrstn§Blvser Krösus'. " - " Er grtvg. ' . :; :' .. „Ansbald,. Mel. Mrgen?" „Vielleicht, ryenre Chase.: Aus Wiedersehen." .Aber sie sah chn erst, wieder, als er nichts mehr davon wußte, daß ihre rejue Hand seinen entsühnteti Leib berührte.. Er kam nicht, wieder, und nach drei Tagen suchte ihn Chase im. Cafe. Dort; war er ohne Mitteilung aus geblieben. Es war der 5. November des -Jahves dreiundzlvanzig. Sie.-suhü:' M-'den-' 'Elbertt. In der Hirtcnstraße warmr die Adlerfchen Fenster erhellt, sie rief, und Gerson öffnete "ihr. Die Kerze' 'in seiner)'Hand zitterte, und er'konnte nicht sprechen, er zeigte in die Sttl.be, Uw. Mirjam über eine Reisetasche Jebeugt stand und in sie 'hineinstarrte, so gramvoll und Verfällen, als' sähe sie dort unsäglich Furchtbares, ver- : steint, gebannt von dem Bilde, das dort sie entsetzte. Und.laugsäm erfuhr Chaje,.' was vorgegangen. Abel war M zU^i Tagen fort, war'nur zu den Eltern gekomnten, .flüchtigen Mschted zu nehmen; er reiste nach Bayern, an die thürmgensche Grenze,!vo seit Tagen entfesselte Hör- ., den wilder Hasser, die Gegend durchzogen Und auf Judett fahndeten. Die Negierung half nicht und schützte nicht; sie hielt das Militär zurück. Sturmtrupps, Hittecgarden streiften, durch die Dörfer, griffen/Inden aus, und nicht menschliche Regung, trur Feigheit hntderte den eigenhändigen Mord ' Man führte'die Männer NuS dm Dörfern in Wälder, band sie <m Bäume, fließ sie im Stich. Män betäubte Greife mit Schlägen und. ließ-sie in Gräben liegen, aus Stoppelsatdern>. für Wetter,- Frost, Tier. Wt Waffen drmrgen die rasenden Haufen in die schutzlosen Häuser, plünderten, trugen sort/licHm Mißhandelte, Mißbrauchte zurück. Schvekkm. Und' Furcht ging von diesen, Horden aus; nicht der vorher treueste Nachbar tvagte, um Gnade zu bitten für sie, wagte, Hilfe zu leisten. Noch Jude sonderte 'sich vom Juden ab. Die fliehen loollten, hielt man getvaltsanr fest, man »nartetc auf einen Befehl, der die Ausübenden verant- ' »'ortmtgslos tnachte, einett Befehl, zu schlichten, anfzuhän- Ins jüdische Maus das jüdische GMatt («. Fortsttzup») gen, zu brandsihatzen, zu vergewaltigen. Man besetzte die Bahnhöfe und stich mit Kolben Juden zurück, peitschte sic in ihre Hütten hinein und belagerte die beschämende Festung. Zugleich tmtrdenin Münchetr Zeitüngsgebäude zerstört, Battknoten atts der Druckerei geraubt, Minister überfallen, Mgeordnctc verschleppt. Wer Jude war, ivas. zu nt Juden Bezug hatte., tvar vogelfrei. Der Passant wurde blutig geschlagen, jüdische Frauen in Bränkeller eingesperrt, Fenster zertrümmert, ttnd Unrat in Wort und Ding fiel den Juden' in die Stachen, ans die Tische und Betten. MS Abel Adler davon hörte, wallte auf, was in tfym Blut und Seele war. Er gehörte dorthin, wo die Brüder litten, kämpften tzntd starben, - Es war Verbrechen an ihnen, an sich,, gesichert .in der festen StM zu bleiben und'den Hilflosen'den 'Beistand: noch des. Wortes, des Beispiels' zu versagen. Seine ganze brüderliche Liebe flamurte,' und er stand in einem Feuer, das er sich verzehren fühlte, er mußte es löschen, wollte er nicht verkohlet!. Nein, 'er war ttüht kalt, nicht cinpfindungslos, nicht abgestorben; es gab lein Gestern, alles war hettt, war .Augenblick, fein ganzes Leben floh zufannnen ttt diesem brennenden Gefühl des Daseins.' Er hatte nur geschlafen, um jetzt zu wachen Kräften selig zü erwachen. In einem Glücksgefü'hl ohnegleichen: ich lebe, ich wirke, ich liebe! fuhr, er in den /Bezirk des Pogroms. Ant Abend des 5. November reisten Gerfvn uitd Mirjum Adler ihm nach. Und Chaje, tote sie ging und stand, schloß sich ihnen an. Er hatte den Eltern flüchtig das Reise-, ziel getzannt. In der Nacht ging ein langsamer, Zug dahin ab, und am Morgen würden sie dort sein. Die Attrtter war von einer Ahnung. erfaßt,. die sie ihrem Krude nacht rieb. Sic hätte den Verstand verloren,"'wenn. man sie zurückgehalten ' hätte. In all dem Jahren war sie ruhig geblieben, so oft und lange auch keine Nrshricht vorn Sohn gekmttven war. Und diesesnml zitterte jeder Tropfen VlM in ihr. Die drei Menschen setzten sich in den Zug und glitten sMeiit in die Ewigkeit dieser Nacht. So groß war die Herzensangst der Mutter, daß die anderen sie teilten, als könnten sie sie ihr erleichtern. Sie glaubten nicht an Unglück, aber ÄRrjant, wortlos die ganze diacht, starrte schon jetzt ans das Bild, das der Tag ihr enthüllen mußte. 9Lachts, Kot elf, schon weit hinter Berlin, stieß die- Mutter Mtzlich rchstm Schrei aus wtb reckte die Arme, ttttb in chvenr Wck tvar Wahnsimt. Sie lMte den Sender ihres Kindes gchört. Es lebte noch immer in ihrem Leibc, vom Schlage ihres Herzens, und sie begann ztt beten, das .eine möge nicht stille stehen ohne das andere. (Förtsetzun^ folgt.) oovovoooovovovOvvoovovvvoooovvvvvvovvoj r wiener iemscier 9t nm Samstag, 26. März 1927 — Sefiensäte Mitwirkend: Vtvö 6s sattätliiat Clab, Bntfapttst >!.BfiscBclietiSen«a Tikna. . . Kapelle J. W. Ganglberger . Beginn 8 Uhr Tanzbeginn li Öhr Karten im Vorverkauf 3 SchflHng Vorverkaufsstellen : Buchhandlung R. Löwit, I„ Rotenturmstraße 22; Sekretariat des Sportklub Hakoah, L, Wippiiägerstraße 24 (Caf6 Altes Rathaus); Kartenbüro Aida, IL, Taborstraße 5; Spotthaus Lazar, IX., LlechtensteStistr. 6. Im Vereinsheim, IX., Liechtensteinstr. 20, täglich von 7—10 Uhr abends/ 0O®OOOO0SOOOOOOOQO<tOfl>OOO<IOOO<X!MK>QOOOOfM OOOOOOOOÖOQQQQOPPOQOfcOQCOOCXXXXOCOOOPOCXXX>QQQOOOOQOOQOOOOOOÖQOOOQOQOOQQQOQOOOQO L PfeJs: Eins BiölkJttek von MMM II. Preis: Ein« ßratter^se nach Palästina i. Preis: Fünf Dunam Land in Palästina und wstiere 47 Preise .Ausschneiden- ZHr.39 j 8 1 4 jmaa SB!5! 1 i 6 :.7 i CO Ml : <M T-l L. m I 13 j 1 14 iHi 15 : I IBiieh : 17 m j 22 m \ .25 ■ ■ r 129 | 30 | 34 1 38 '!» BEZEXCHKTCNG »ER WORTEN Wagrecht: 1 Jüd. Stamm, 3. Kleid, 5 Täuschung, 8 Latein. Vorwort, 9 Weibl, Vorname, 12 Binde- : wort, 13 Sohn Nbahs, 15 Fürwort, 16 Luft (französ.), 17 Synon. f. Reihe, 19 Bezeichnung f. eine rlausabteilung, 21 Vorwort, 22 Türk. Titel, 23a Umlaut, 24 Chem. Formel für Iridium, 26 Jüdischer Monat, 28 Flächenraum, 31 Stadt in Ungarn, 34 Lebensbund, 35 Vorwort, 37 Raubvogel, 38 Vorwort, 39 Kleiner Wejßfisch, 41 Vorwort, 42 Nicht voll, 43 Altes Schriftzeichen, 44 Die dritte Stufe in der Musik. S e n k rech t: 1 Männt Vor-' name, 2 Abk. für „Jüd.. Telegraphen- Agentur", 3 Wiese, 4 Fluß in Deutschland, 6 Jüd. König, 7 Russischer Schriftsteller, 10 Französ. Artikel,- 11 Warenmenge (Abkürzung), 14 . Weiblicher Vorname, 16 Flächenmaß (französ. Schreibart), 17 Jüd. Frauen- . name, 18 Gleich. 19 Synon. für Tür (Mehrzahl),, 20 Güte .Eigenschaft, 23 Latein. Vorwort, 25 Teil des Bogens, 27 Mineral, 29 Wirklich, 30 Umlaut, 32 Aegypt. Sonnengott, 33 Körperteile, 35 Italien. Artikel, 36 Abkürzung für. »Nachbemerkung", 39 Gattung, 40 Mineral. Name: j Adresse :... i.. -Ausschneiden AviSO! Beachten Sie unser« Rätselbriefkasten am Montag! Erlriäruna2 Ab 13. Febraar erscheint täglich in der „Wiener Morgenzeitimg«eki Kreuzworträtsel. Die Msgrgmme sind au szu sch neiden und mit Tinte öder TintenbleiauszufOUeit «ad zn sammeln. Am Schlosse unserer Serie sind dann die gesammelten .Lösungen samt den in jeder Nnmmer beflndlicheu Rätselkupons an die „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitupg^ einzusenden. Jeder Muhender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosang, deren noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter* in welchen unsere Rätsel erschieöen s&d, können jederzeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden NB. Der Beischluß des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt eefotdetUdu 2353530048485348234823485348484848485300012353482323485353235348235348004800235323534853532348 5332484848234853485348004853532353235348485348532348480053232353534848484848534853485301532353

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