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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-22 · Heft 2897 (22.3.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2897 (22.3.1927)
Date
1927-03-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2807 Wie«, Dien-tag Wiener Morgen-ettrms 22. Mär- 1227 Seite ft racsaawr JUDE ANS KREUZ! ROMAN VON KURT MÜNZER Copyright 1947 by L- Lfi'irit Verltg, Wleo — ta«ip«lg. „Da sich ich," sprach der junge Abel KU! dein Schläfer. „Ich habe für Witlven auf dein Hof gespielt uitb dem Mörder die Hand geküßt und den Betrunkenen in mein Bett gelegt. Und wie ist mir? — Leer bin ich und kalt und arm. Hatte ich so wenig Liebe, daß sie aufgebvaucht ist von drei guten Taten? Ist die Liebe beleidigt, daß ich sie ohne Ansehen der Person suchte, daß ich sie wohl übte, ab«: nicht mich ihr hingab? Da steh ich, zum Bettler an mir selbst gelvorden, ein Schenkender ohne Inhalt. Jede Gabe ein Unrecht am Beschenkten^" Er fetzte sich ans Fenster, eS zog hindurch, Stern« flimmerten durch den Dunst der Stadt. So faß er die lange Nacht, und die Liebe, die er übte, wärmte sein Herz nicht. Er hütete sich, zu denken, und er schloß sich zu ''gegen die Ströme, die von außen, vom All auf ihn zuflnteten. Denn nichts, was ist, ist ohne Beziehung zu uns. Und noch von den fremden Sternen oben im Aether kam Enchfindung zu ihm. Aber er wollte nichts wissen. Er ivar in eine Einsamkeit gebannt, die ungebrochen zu halten, sein letzter Stolz, daeinzige! Glück war. Noch die Mutter stand' außerhalb, die Freundeshand rührte nur an die Hand, die Km ihn gezogen war, keine irdische Liebe konnte den Unglücklichen erreiche::. Erft gegen Mittag erwachte sein Gast. Die Wirtin «mg die Hände und sagte: „Glauben Sie, Herr Adler, das dankt Ihnen wer? Der Mensch ist schlimmer als das Vieh. Wenn Sie einen Hund mitnehmen, dagegen sag ich nichts, der beschützt Sie tzunr Dank. .Aber so ein Kerl bestiehlt Me nur." Ms der Bursche in Hosen und Rock war — er vertzhmähte, sich zu waschen —, sah er zum erstenmal seinen Wirt mit nüchternen Augen. Er stieß einen Fluch aus, drehte sich um und spuckte aufs Belt. „Pfui Deibel!" sagte er heißer, ,,'n Judenbett! Det is dufte. Und da Hab ick, Maxe Judenfresser, drin jelejen! Und wat, sagense, he! Wat Habens« woll mit mir jemacht, wie ick da jepennt Hab? Man kennt Euch! Pfui Deibel! Mn ich ne Nutte? Me komm ick mir vor!" Abel wandte sich ab, ans Fenster, Er hatte kein Wort. Wenn die Tat versagt, ist die RH>e noch ohnmächtiger. Die Tür fiel krachend ins Schloß. Ehe Abel in das Cafe ging, vier 'Stunden, zu spielen, saß er bei Chaje Genachow, die in der Bleibtreustraße praktizierte. 'Ä Chaim Genachow hatte :n der 'Grenadierstraße gute Geschäfte gemacht. Jetzt wohnte er im Grunewald in einer weißen Villa, hatte in der Gavage , einen Venzwagen und kommandierte vier Hausangestellte. Seine Frau hatte den Scheitel abgelegt — sie war noch nicht einmal filnfzig — und ging blondgefärbt. Sie hatte eine Gesellschafterin, die ihr Tischsitten und reines Deutsch beibrachte, und es sandelt große Abende bei Genachows statt. Herr Genachow hatte zusammen mit einem waschechten Baron eine Zeitschrift aufgemacht, die hieß „Der Geschmack". Sie erschien jede Woche, auch im Englischen, hatte Bogen voll Inserate aus aller-Welt,, konnte fabelhafte Honorare zahlen und hatte als Mitarbeiter erste! Literaten, die jüngsten tvie die ältesten; Schauspielerinnen plauderten darin aus Leben und Kunst, FUmdivas von Reisen, Sänger von Üben-. teuer::. Zarenköche gaben Rezept« preis. Operettenhelden berichteten über die Mode. Boxer, Herrenchauffeure diktierten Aphorismen, Kokotten plauderten aus - der Schule, Dichter über, ihre neuen Dramen. Es war die Zeitschrift der großen uiid kleinen Welt, und da alles an ihr mitarbeitete, ging auch alles bei Genachows ein und aus. An dm großen Gesellschastsabenden standen die Autos vor der Hagenstraße bis zum Hasensprung in der Königsallee, um nach Mitternacht die angeregten Gäste heimzufühven. Es gab Hausmusiken bei Genachows, große amerikanische Sänger ließen sich bei ihnen hören, che sie in der Philharmonie sangen. Rebb Chaim, vom Schneider des Exkvonprinzen angezogen — Madame Genachow kaufte in Paris, beherrschte Berlin. Er besaß zwei Zeitungen, amerikanische Bankiers rechneten mit ihm; «r war in einem Metallkonzern und einer Schiffahrtslinie, :md seine Gattin sammelte moderne Bilder und Skulpturen. Im Moment verhandelte er wegen Ankauf eines Landhauses in Saitta Märgherita. Die Elten: hatten dev Tochter Chaje verziehen, als sie mit dem Doktortitel nach Berlin znrückkehrte Und sich als praktische Aerztin niederließ. Mer die Tochter dankte. Es bestand eine äußerliche Beziehung, ohne daß Chaje auch (44. Fortsetzung.) nur ans den Gesellschaften der Elteru zu treffen war. Bisweilen hielt der Benzwagen vor ihren: Hause, und der Chauffeur kam fragen, ob Fräulein Doktor u::t der Frau Mama wohl zum Shopping nach der Tauentzienstraße fahre:: ni3chte. Chaje möchte nicht. Fra:: 'Genachow 'drückte das irisch: Leinentüchlein an die erhöhten Augen und sagte zu Fräulein von Prittwitz, ihrer Gesellschaftsdame: „Sferreistt ss wer nich das Herz, meine Tochter?" Fräulein von Prittwitz verbesserte kalt: „Mine Tochter zerreist mir das Herz!" Madame Genachow sprach ängstlich nach: „Meine Tochter zerreist wer das Herz." Mer den richtigen, einwandfreien Tonfall bekenn si« noch immer nicht ganz heraus... „Sie sind pogromreif," sagte Chaje zu Abel. „Nicht, weil sie übermütig werden und sinnlosen Reichtum sammeln, sondern weil sie vom Judentum abfallen. Jude, der es verleugnet, ist deS Todes wert. Wenn es nur noch jüdische Juden gäbe, dann gäbe es keim Judenfrage mehr." (eebad Grado iv2 bei Trias! iv- PENSION GOLDBERGER Streng rituelle SRüche / ßigener Schochei mit SRebolea von drei orthodoxenStabbinem J Mäßige Streite / yeäffiM vom /. SHat bis 7. September/ Kniet StafaieM des Sftomburger Vereines fär rituelle SpeisthSuetr. '■■■" ... Besitzer A. Qoldberger Mel schwieg. Er war jetzt immer Ml, fast stumm. Ms täte alles ihm weh — ärer als wäre er ganz unempfindlich. Seine Augen waren so klar, so durchsichtig bis hinab ins Unergründliche, wie man sie bei Wahnsinniger: findet. Aber Chaje sah nur das Jenseitige in diesem Blick. War dieser Mann noch bei ihr, noch hier? Wohin war er abgeschieden? „Wenn du mich ansiehst, Abel," sagte die junge Frau, „möchte ich hinknien." Er tvehrte ab. Sein Lächeln kan: so rveit her, als suchte es erst Beziehung zu dieser Welt. Erst jetzt antwortete er: „Des Todes wert, Chaje... Das sollst dn nicht sagen. Auch der gemeine Jude, dev Abtrünnige, der Dieb, der Mö^er: auch sie sind geschaffen!" Sie verstand ihn nicht. Seine Hand haltend, sie, eine Frau, war sie ins Persönliche gebannt, in ihrer beider menschliche Atmosphäre. In dieser kleinen Stunde Alleinseins mit ihm gab es nichts jenseits dieser Stunde und Stube. (Fortsetzung folgt.) exxxxrokxxroovocKXXKXSoos«)aocxxxxvv(KXxxrv«XKWAxxKxxr«KXxxx»oexxx)ooo«XKxx2QOcxxro l. Preis: Elm BMflnk vot 300 BSntfm 0. Preis: Elm Oritlsreiie nach Palästina RI. Preis: Fünf Bmaie Land In Palästina and weitere 47 Preise a SB LS Kreuzworträtsel-Preisausschreiben Ausschneiden —*- Sfyr. 38 j 1! 2 j'.8, .! 8;n 9 4 mm5!6 -7 \ io i i i l! 11. I; 89 j «na 12 13 m 14 . i j H 15 16 |17 m 18 1 19 20 [' 21 .1 ■ 22 V 23 m 24 " m 25 ' ' 1 26. ■ 2V 28 29 . 1 80 31 W 32 38 W 34 35 ■ 36 | u 87 __ 38 i i i 40 i i BEZEICHNUNG DER WORTE: Wagrecht: 1 Planet, 5 Gesangstück, 9 Wiener Burgschauspieler, 12 Chem. Formel für Iridium, 14 Deutscher Lyriker, Abkürzung für eine Warenmenge, 16 Französ. Artikel. (Mehrzahl), 18 Türk. Titel, 19 Raubfisch, 20 Kartenfigur, 22. Vogel, 23 Stadt in Bulgarien, an der Maritzä, 24 Verrückter, 25 Kartenspiel, 27 Körnerfrucht, 29 Teil eines Bühnenstückes, 30 Musikstück für zwei Instrumente, 32 Getränk, 33. Italien* Musiknotd, 34 Teil eines Saiteninstruments, 36 wie 33 wagrecht, 37 Eine ins Komische gezogene Dicntungsart, 39 Drama v. Ib$en, 40 Weibl. Vorname. Senkrecht: 2 Flächenmaß, 3 Wild, 4 Küchengerät, 5 Weiblicher Vorname (abgekürzt), 6 Inselbewohner, 7 Fürwort, 8 Gewicht, 10 Volksausdruck für häßlich, übel, 11 Gesangstück, 13 I?aaks Frau, 15 Erzengel, 17 Zweite parlamentarische Kammer, 19 Orientalische Frauenwohnung, 21 Farbe, 22 Selten, 25 Gewürz, 26 Männl. Vorname, 28 Bezeichnung für einen berühmten Künstler, 30 Weibl.Vorname, 31 Wüst, leer, 34 Vergnügungstätte, 35 Fluß in Afrika, 37 Fluß in Italien, 38 Fremdsprach. Artikel. j Name: Adresse: -Ausschneiden - AviSO! geauten Sie unsern Rätselbriefkasten am Montag! Erklärung: Ab 13. Februar erscheint t äglich in der „WienerMorgenzeitucg“ein Kreuzworträtsel. Die Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rät sei kupo ns an die „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung“ einzusenden, Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekarmtgegCben wird, teilnehmen, Blätter, in welchen unsere Rätsel erschienen sind, können Jederzeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogeu werden Na Der Beischluß des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich. <XXXXXKXXXXKXXXXXXXXXXXXXXXXXX>SOOOOQOOOOOQOOQOOOOOOTOOQOOOOQQOOOOOOOOCOOOOOOOQ Heute, Dienstag, den 23. März 1927, um 8 Uhr abends, findet in Josef JÜDISCHE LJ™Ji Gabriels Restauration „Zum Radfahrer“, Wien, II., Ausstellungsstraße 86, ein statt. Es werden referieren? Jüdisch« Wählerinnen und Wähler, erscheinet In Nassen I Gemeinderat Dr. Leon. Plaschkes u. David Nebenzahl OCXKKXXmOOOOCmOOOOPCXKlOOQOCKXKRCKXlOOOQCXmOOOOOOOtxmOOOOOOQOOCXXJOQOOOOOQOOCXl m nnnoiaoiatniQaapmraaiGE KLUB RADIKALER ZIONISTEN, WIEN Mittwoch, den 23. März 1927, um halb 9 Uhr abends, im Cafd Atlashof, I., Aspernplatz (Klublokal: Eingang . Wiesingerstraße um die Ecke) Klubversammlung TAGESORDNUNG: Jüdische Wahlkampagne u. Zionismus REFERENT: S. KANTOR Freie Aussprache. Gäste willkommen. 967535192^795^64

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