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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-22 · Heft 2897 (22.3.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2897 (22.3.1927)
Date
1927-03-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seit« 8 Wiener Morgen-ettnng SS. März 1927 M. »887 '5ien, Dienstag I WIENER MORGENZEITUNG KUPON zu dem Kreuzwort-RStael Nr. 38 —y, Wien. 22. März. Der Dölkerbundausschuß zur Vorbereitung der 'Abrüstungskonferenz hat sich gestern in Genf versammelt. Es ist die aktuellste Tagung, die man sich nur denken kann, und Obzwar auch dieser Ausschuß der Abrüstung nicht näher kommt, ja nicht einmal in das Vorgelände ihres Problem komplexes gerät, liegt doch eine starke Beruhigung darin, daß ein internationales Forum besteht, uttb daß es gerade jetzt zusanrmentritt. Genf ist wieder Zentrum der Politik und niemals noch ist die Notwendigkeit dieses Zentrums so deutlich in die Erscheinung getreten als jetzt. Mt dem Frühling ist die Kriegsgefahr gekommen und es scheint, als« ob die Völker Grund hätten, die Schneeschmelze zu fürchten. Es marschiert sich besftr für die Kriegshetzer, wenn der Wintev schwindet. Diesmal sind die albanisch Berge Gegenstand dev Träume. Die Expansionspolitik sorgt dafür, daß die wunden Punkte der Erde sich nicht aus dem .Gedächtnis verlieren und wenn es zu lange ruhig war, dann findet sich immer eine kundige Hand, die mit dem brennenden Scheit herumfuchtelt. Der Völkerbundausschuß für die Abrüstung tritt in einem Augenblick zusammen, rn dem seine Existenzberechtigung nicht zu bezweifeln ist. Italien und Jugoslawien beschuldige!, einander gegenseitig, einen Einfall in Albanien zu planen. Es ist das Land der ewigen Revolutionen von Klans, der letzte Rest der türkischen Stammesordnung in Europa; ein unglückliches Land, an dem alle Diplomaten Viertester Garnitur ihre Künste üben. Düs Volk von Berghirten ist immer Gegenständ der zärtlichsten Sorgfalt aller Jnteressenfphären- Enthustasten gewesen, die insbesondere in Italien sehr dicht gewachsen sind. Bismarck war es, der die italienische Politik in diese Richtung dirigierte; als ihm Crispi über den starken BebölkerungsÜberschuß klagte, erhielt er die Antwort: „Gchen Sie nach Albanien!" Mussolini will auf diesen Rat zurückgreisen und er hat im November 1926 mit Albanien oder vielmehr mit einer sich Regierung nennenden Körperschaft den Vertrag von. Tirana geschlossen, der nichts anderes ist als ein Kolonisationzsabkommen. Das hat in Jugoslawien verstimmt, weil es in jeder Auslieferung der Adriaküste an Italien eine direkte Bedrohung erblickt. Italien ist bereits im Lande; es hat Milikärstraßen eibaut und mit seinem Geld eine albanische Nationalbank errichtet. Die Erregung in Jugoslawien tvurde noch durch die im Bessarabien-Abkommen sich aussprechende Entente' mit Rumänien verstärkt und es ist wohl möglich, daß auch einige Komitatschiführer. an der Grenze auf die Schneeschmelze hoffen. Die Belgrader Regierung wehrt sich aufs entschiedenste gegen alle Beschuldigungen und roeist die agressiven Absichten ab. Die fascistische Presse aber führt eine Sprache, die aufs lebhafteste an die Wiener Zeitungsbegeisterung im Jahre 1914 erinnert, und verstärkt dadurch die Nervosität. . Die Situation ist also reif für eine Intervention des Völkerbundes. Er hat bereits einmal in einer ähnlichen Angelegenheit zwischen Griechenland und Bulgarien Frieden geschaffen und er wird sich diesmal beeilen müssen, da doch eine Großmacht engagiert ist. An diesem albanischen Abenteuer hängt zuviel des Bösen. Jugoslawien ist isoliert, die kleine' Entente besteht nicht einmal auf dem Papier, Rumänien ist den Italienern verpflichtet. Wenn sich nun Jugoslawien in seiner Not den Russen in die Arme wirft, so ist die weitere Entwicklung müchigerÜch der Mt.:g zur Katastrophe. Wie sie sich In diesem Augenblick gestalten müßte, wo durch die Besetzung Schanghais die englische Politik aufs ärgste irritiert ist, kann nicht eindringlich genug dargelegt werden. Ein Ausschuß des Völkerbundes hat in der Vorwoche Beschlüsse für den drohenden Kriegssall gefaßt, darunter an erster Stelle die sofortige Einberufung des Völkerbundrates. Im griechisch-bulgarischen Fall ist dies geschehen. Hoffentlich wird sich diesmal auch diese Maßregel als überflüssig erweisen und die Hoffnungen auf die Schneeschmelze zerstören. Der französische Delegierte Paul-Boncour behielt sich vor, seinerseits einen Konventiorisentwurs vorzulegen. Der italienische Delegiert« de Marinis wies darauf hin, daß Italien nach dem Kriege seine Rüstungen in größerem Ausmaß herabgesetzt habe als andere Länder, so daß es sich radikalen Abrüstungsmaßnahmen nur dann anschließen könne, wenn vorerst das Niveau, von dem man nusgehe, für alle Länder gleich sei. Der amerikanische Delegierte GiVbson erklärte die Bereitwilligkeit Amerikas zur Mitarbeit, worauf die Weiteröeratung auf morgen nachmittags vertagt wuvde. Die Erklärungen des italienischen Delegierten werden von vielen Kommissionsmitgliedern sehr pessimistisch beurteilt, da nach dieser Stellungnahme der Erfolg der Abrüstungskonferenz zweifelhaft geworden sei. Ae Surist« ln gasttz. Bukarest, 21. März. Seit mehreren Tagen finden in Jassy Übermals juben feindliche Kundgebungen stakt. Die naticmalsoziabistische Jugerw veranstvLick Umzüge in den Straßen und verprügelt alle jüdischen Passanten. Militärpatrouillen find aufgeboten worden, um weitere Unruhen zu verhindern. Wehren Sie sich rechtzeitig gegen die unheilbringenden Folgen des Aelterweidens, durch Verwendung von Sklerolsyrup nach Univ.-Prof. Dr. MIadejovsky In allen Apotheken erhältlich. Haupt-Depot: Apotheker C. BRADY, Wien, I., _ Rotenturmstraße 18._ Wahlresonn «ul> Neuwahlen in Polen. Warschau, 21. März. Die Frage der Wahlreform, welche durch die reaktionären Anträge der Rechtsparteien große Erregung, besonders bei den nationalen MinderheUen, hervorgerufen hat, ist bisher ihrer Erledigung nicht nähergekommen und es mehren sich 'bereits die parlameu.arischen Stimmen, welche eS für zweckmäßig erachten, von einer durchgreifenden Wahlreform (abgesehen von der Verminderung der Mandate) gänzlich adgusehen. Ueiberdies ttmfr im Zusammenhang mit den nach dem verfassungsmäßigen Ablauf der Mandatsdauer im Herbst fälligen Neuwahlen von verschiedenen Seiten wieder;bde Eventualität der Verlängerung der MandatZdauer der beiden Kammern des Parlamentes (Sejm und Senat) aufgerollt. U. a. gibt der Warschauer .Fßrzeglad Wiczorny", angeblich auS gut informierter Quelle, die Nachricht wieder, die Regierung werde mit Rücksicht darauf, daß das Budget für 1626 verfassungsmäßig noch vor Jahresende erledigt sein muß, was im Falle von Neuwahlen schwer möglich wäre, ferner im Hinblick darauf, daß die Zeit für die Vorbereitung der Neuwahlen zu kurz sein würde, eine Verlängerung der Mandatsdauer dcS Parlaments hTg Mai 192 8 beantragen. Ae Tiroler Landesreglerung subventioniert die Heimwehren. In einer schriftlichen Jnterpellätionsbeantwortung des Tiroler Landeshauptmannes auf die von sozialdemokratischer Seite in der letzten Landtagssitzung eingebrachte Anfrage betreffend Beziehungen der Landesregierung zur H e imatwehr und Verwendung von Landesmitteln für diese, heißt *es «. ft., daß der Tiroler SeNstschutzverband. sein« dem Schutze der Verfassung und der Aufrechterhaltung d er Ruh e und Ordnung dienende Organisation der Tiroler Landesregierung zur Verfügung gestellt habe, um sie und ihre gesetzmäßigen Hilfskräfte einerseits als technische Nothilfe bei der Abwehr von rechtswidrigen und gemeinschädlichen Angriffen auf öffentliche Einrichtungen und lebenswichtige Betriebe, andererseits als Notpolizei bei der Ausrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu unterstützen. Die Organisation diene 'daher ausgesprochen legalen und hervorragend gemeinnützigen Zielen, sie erfülle direkt öffentliche Ausgaben. Aus diesem Grunde hat die Landesregierung eS als eine Selbstverständlichkeit erachtet, dem Selbstschutz- Verband durch vorübergehende Zuweisung einer Beamtin und BestellungeinigerBertragöangestellter sowie durch einen kleinen Beitrag zu« dem Sachaufwand die Erfüllung seines AufgabenkreiseS zu ermöglichen. Re Abrüstung. Ae rasMi der dorderelte»de» SMmtnifflon kör die Mftungstonfum G l! n f, 21. März. Die dritte Tagung der vorbereitenden Abrüstungskommtsston für die Abrüst u n g s k o n f e r e n z wurde heute unter dem Vorsitz des holländischen Delegierten Ludon eröffnet. 21 Staaten wurden eingeladen. Rußland hat mit der Begründung, daß die Tagung in der Schweiz stattfindet, die Teilnahme abgelehnt. Lord Robert Ce eil legte einen Ko n v en t.i o n s-. e n t w u r f vor, der bezüglich der L a nd r ü st u n g e n die Bestimmung enthält, daß die Zahl derjenigen Streitkräfte herabgesetzt werden soll, die nach Eröffnung der Feindseligkeiten an die Front geschickt werden sollen. Die Herabsetzung der Seexüstungen soll nach der Schiffstomrage erfolgen. Ae Aeuersasstoarfriften. ' Amtlich wird verlautbart: Die Frist zur Einbringung dev Erwerb-, Einkommen- und Rentensteuerbekenntnisse endet am 81. März 1927; eine allgemeine Verlängerung dieser Frist tritt nicht ein. Nur für jene Steuerpflichtigen, welche für den Beginn des Geschäftsjahres 1926 (1926/26) eine Golderöffnungsbilanz errichten, ergibt sich nach dem Äoldbilanzengesetz eine Ausnahme; für ste wird die Bvkenntnissrist bis zwei Möchen nach rechtskräftigem Abschluß der Steuerbemessungen und eventuellen Steuerstrafuntersuchungen der Steuerbehörde verlängert. Dieselbe Frist gilt auch hinsichtlich der Einkommensteuerbekenntnisse aller Teilhaber an einer solchen Unternehmung einschließlich der stillen Gesellschafter. Bei jenen Steuerpflichtigen, für die aus welchem Grunde immer (insbesondere wegen Errichtung einer Gvlderöffnnungsbilanz für den Beginn des Geschäftsjahres 1926, beztv. 1924/25), die BekenntniSsrist für datzchr 1626 noch nicht abgelaufen ist, endet die BskentttniSfrist für daS Jahr 1926 keinesfalls vor jener für daS Jahr 1926. Individuelle Verlängerungen der Bekenntnisfrist körmen vorr den Steuerbehörden bei Vorliegen trifttger Gri'mde gewährt werden. Stücket den Wischen Wahlfonds! Süden Wiens! .Am 24. April finden die Wahlen in den Nationalrat und alle anderen öffentlichen politischen Bertretungskörper statt. Der Parteirat der österreichischen Zionisten hat den einhelligen Beschluß gefaßt, in den Wahlkampf ein zu treten, um die den Juden Oesterreichs gebührende Vertretung zu erringen. Um diesen Wahlkampf zu einem erfolgreichen zu machen, ist eS Pflicht aller Juden, sich nicht nur mit allem Eifer der Agitation zu widmen, sondern auch materiell unseren schweren Kampf zu unterstützen. Wir haben einen Wahlfonds geschaffen, zu dem beizutragen wir euch, Juden Oesterreichs, aufrufen. Die Zentrglstelle des Wahlfonds befindet sich in den Vereinigten Zionistischen Büreaus, 1. Bez., Kärntnerstratze Nr. 28. Beträge können direkt an die Kasse 'abgeführt oder an Mitglieder des Finanzkomitees, die mit Bestätigungsblocks unseres Wahlfonds quittieren, abgeliefert werden. Juden Oesterreichs, stärket rasch und ausreichend den Wahlfonds! Die Zentralwahlleitung. * Außer bei der Zentralstelle, 1. Bez., Kärntnerstratze Nr. 28, können auch bei nachfolgenden Stellen Beträge für den Wahlfonds abgeliefert, sowie Quittungsblocks Übernommen werden: 1. Bezirk, Adolf Darier, Kohlmessergafse 6. 1. Bezirk, Simon Picker, Gouzagagasse 1. 1. Bezirk, Bezirksrat Waltuch, Maria Therefienstr. 24. 2. Bezirk, „Wiener Morgenzeitung", Taborstraße 1. 2. Bezirk, Max Schiffmann, Taborstvatze 48. 2. Bezirk, Jacques Singer, Taborstraße 20 a. 2. Bezirk, Ingenieur Eugen Buchbinder, Taborstr. 14 b. 2. Bezirk, Josef Singer, Im Werd 7. 2. Bezirk, Prof. Moses Rath, Taborstraße 30 a. 6. Bezirk, Bezivksrat Moritz Kohn, Stumpergasse 29. 8. Bezirk, Heinrich Band, Daungasse '1 a. 10. Bezirk, Ing. Fiischmann, Viktor-Adler-Platz 1. 14. Bezirk, Oskar Goldschmiodt, Hohenberggasfe 22. 16. Bezirk, Leopold Sitzmann, Brunnengasse 41. Me Reklamationsfrist läuft dis Montag, de« 28. Mörz. Jeder jüdische Wahlberechtigte (Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die am 1. Jänner 1927 das 20. Lebensjahr erreicht haben) muß sich unverzüglich unter Mitnahme seiner Dokumente (Heimatsschein». Geburtsschein, Paß, Arbeitsbuch, Meldezettel usw.) in unserem Men, 2. Bez., Laborstraße 1—3, Mezzanin, rechts, 9 Nhr vormittags bis 7 Uhr abends einfinben. Die Wählerlisten können auch täglich in den Amtslokalcn der Bezirke (Magistratisches Bezirksamt) emgesehen werden. Mische WSHlerversammlungen: Heute ftndeN folgende Versammlungen statt: 2. Bez., Ausstellungsstraße 66, Josef Gabriels Restaurant „Zum Radfahrer". Redner: Gemeinderat Dr. Leopold PlaschkeS, David Nebenzahl. Beginn 8 Uhr abends. 20. Bez., Mortaraplatz 4, Cafe Anton. Schlosser. Redner: Oberbaurat Robert Stricker, Dr. Desider Friedmann. Beginn 8 Uhv abends. Me Hochschule ffit Welthandel. Die deutsche Studentenschaft bestimmt Körber zum Rück« , tritt. Die Verhandlungen, die der Rektor der Hochschule für Welthandel, Hosrat G r u n tz e l, auf Grund der jüngsten Vorkommnisse an der Hochschule für Welthandel mit der Leitung des Kreises 8 der deutschen Studentschaft gepflogen hatte, wurden vom Nektar abgebrochen, weil der vom Diplomkaufmann Körber angebotene Verzicht auf seine Funktion im Rahmen der deutschen Studentenschaft an der Hochschule für Welthandel dem Rektorat nicht die Gewähr bot, daß Störungen in Zukunft vermieden werden. Nunmehr hat die Leitung des Kreises 8 der deutschen Studentenschaft an den Rektor Hofrat Gruntzel das nachstehende Schreiben gerichtet: „Wir gestatten uns, Euer Magnifizenz mitzuteilen, daß der Leitung des Kreises 8 der deutschen Stüdentenschuft die folgende schriftliche Erklärung Körvers vorliegt: „Ich lege meine Funktionen im Rahmen der deutschen Studentenschaft an der Hochschule für Welthandel nieder und verpflichte mich, an der Hochschule keine wie immer geartete hochschulpolitische Tätigkeit Persönlich auSzuüben oder durch andere ausüben zulassen." Die Unterzeichneten Vorstände der deutschen Studentenschaft an der Universität, an der Technischen Hochschule, an der Hochschule für Bodenkultur, an der Tierärztlichen Hochschule und an der Hochschule für Welthandel ü b e r n e h m e n h l e m 11 b i e Gewähr der durch Körber eingegangenen Verpflichtung

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