Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2894 (19.3.1927)
- Date
- 1927-03-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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®eite 6 Wien, Samstag re, MSrz 1937 «f. 3894 f^nnt StofoettAefttttta JUDE ANS KREUZ! RONAN VON KURT MUN2ER Gl. doryitzMHH UopytigfeV *#ST 1>7 B> Ldwit Terl**, Wi*a — L*ipslg. Scharen zogen mit Fahne«, Geheul unc Fluch durch die Stadt, und hinter ihnen blieb Leere, Oede. der Schmer des Schreckens zurück. Frost sauste um die Ecken Licht ans Bogenlampen gefror. Mle Häu'er waren erloschen, binde Fenster starrten gespenstisch in das Grauen der verlassenen Stadt. Zern, dumpf, unterirdisch hallte der Lärm der Marschiereitden. Dann, an Mauern entlang die we'enlo'en Schotten tzeimflüchtender. Ein Auto, wie spähendes feiges Untier, schob sich ängstlich um die Ecke und sauste Plötzlich davon in die leere Tiefe einer Straße. Die Kirchenuhr zählte gelassen Stunde für Stunde. Um nichts schneller ging die Zeit, kein Augenblick Entsetzen, Schmerz, Angst durste dem Menschen erspart wer'.cn. Er schmeckt nicht mehr die Süße des Daseins, wenn nicht einmal die Bitterkeit der Leben? angst seinen Gaumen austrocknet... Dann scholl, ganz ak seits, Milktärschritt. Eine Kolonne zog durch die Stadt, verspätet, zurückgehalten, zum Schein von Pflicht und Schutz. Und als auch dieser Tritt verklang, war die unendliche Stadt nur noch Schweigen, Verlassenheit, Trauer und Gram. Am Kurfürstendamm, da, wo er stiller wird, die Bars und Cafies aushören und der Reichtum den Lärm des gemeinen Lebens dämpft, steht ein Eckhaus in ausschweifendem Barock. Me Wohnungen dieses Palastes bestehn aus Sälen mit spiegelndem Parkett, getäfelten Erkern, Winter- gärten, marmornen Baderäumen. Eine von ihnen ist .besonders prächtig. Man merkt ihr an, zuerst kam ein Innenarchitekt über die Zimmer und baute sie im letzten, expressionistisch gefärbten Stil aus, zurückhaltend möblierend, Raum auf Raum stimmend. Aber dann — man sieht es beim Betreten — zog die große Halbweltlerin ein, und mit dem Geld, das sie mittags beim Aufstehen aus dem Kamin fand, mit den Schecks, die sie einlöste, ging sie hin und kaufte, was ihr gefiel. Auf Auktionen von Schloßinventar alte Schranke, Porzellan, Gobelins, riesige Kandelaber. Sie drang iw sich austöfende Hausbestände und holte sich Teppiche aus Aübusson und Smyrna, Prunkstücke der Manufakturen, Krönungssessel, englische Solas, französische B.ulemöbel, ein Louis XVI.-Bett, Renaissancestoffe. Sie betrat die Galanterieläden der Tauentzienmtb Leipziger Straße und wählte mcherne Skulpturen, Bronzen, orienta'ischen Firlefanz, .Negertanzmasken, Wachspüppchen, Wiener Werk-, stätten-Kissen, Plunder für die Vitrinen neben den köstlichen Miniaturen, die schon darin lagen. Der Krieg, das heißt die Welt war verloren. Es galt, sie anders als mit Gas und Granate zw gewinnen. Di: Jndustri ewurde auszeböten. Der deutsche Film sollte die Me therrschaft erobern. Aber man traute dm Irenen Kräften nicht, man holte sich Athleten aus Italien. Schönheiten aus Amerika, Regisseure aus Skandinavien, reiste an dd. Riviera, nach Spitzbergen, Spanien, Südfeeärvl mit einem Heer sott Beteiligten. Eigene Dampfer, Autos, Kumrwanen. Man baute — mit Millionen — Babylon hn märkischen Sand, Troja, Pyramiden, Kathedralen, dir Akropolis, das römische Forum, Urwälder und Doshiwara. Man stampft«, die Millionen aus der Erde. M" Amerikanerin bewohnte ftchs dieser Räunre uiü> vier ein Attache eines Balkanstaales. Man vertrug sich gut, er zahlte die Gesamtmiete, er war ein glücklicher Hazardenr und brachte der blonden Schönheit Perlen und alten Schmuck, was beides sie liebte. Dafür war ihr Louis-Bett groß genug für ihn, sogar für mehr. Es ging hoch her in dieser Mkottenwohnung. Bedienung versah eine alte Jüdin, die Mutter der Besitzerin. Sie schlief in der großen Küche, stand um sechs Uhr morgens auf, um die Salons zu reinigen. Das dauerte bis gegen Mittag, ehe Wein'achm, Asche, Speisereste, Obstschalen, die Packungen der Konfitüren beseitigt waren. Es gab so viel Ueberbleibsel, daß die Schränke der Jüdin in der Küche davon schwollen. Um zwölf, um eins stand die Amerikanerin auf. Sie arbeitete nur nachmittags oder nachts. Sie fühlte sich wie Königin in Deutsch and. »Am Nachmittag also konnte die Alte Schlaf-, Toilette-, Badezimmer reinigen. Dann die Telefons an die Lieseranten, an die Wein- und Delikatesienhändler. die Traiteure, B'umengeschäfte, Koneidoreien. Abends Gäste. Ein D'ener aus der Gesandtschaft trat auf. Me Zofe vertrat die Herrin. Juda Weinberger und Frau Dora geb. Langer zeiget* die Geburt eines klüftigen Mädchens an Magdeburg, Weadar 5687, TischlerkrugstraBe 1 Beim Attache probierte man ein Spie.chen. Me ^e.cher waren offen und die Jalousien herabgela'sen. Frühl'ngs uft strich sacht herein. Me bei en Windspie'e der Amerikanerin standen und schnupperten in den Hauch der Straße. Der dicke Kater in gelb und schvarz strich murrend an den Wänden entlang. Der Kakadu auf seiner Stange sch ief, schreckte ans, krächzte, sch ief wieder ein. Gegen Mitternacht kehrte lachend, lärmend, noch nicht ab. eschininkt, noch im Kostüm der Aufnahme: Tänzerin, bekleidet mit Schurz u d Brustschildern, die Amerikanerin heim, blumenbeladen, Gaume, Schauspieler, Maler hinter sich. Und die Besitzerin der Wohnung hauste in c'ner der Mädchenstuben, in der Gesindekammer nach dem Hof, lag in einem alten Bett, gelähmt, bleich, seltsam lächelnd. Es!var Priska Lubliner. Oft, sehr oft saß Boris Steinberg an ihrem Bett und sie sprachen von der grausamen Süßigkeit des Lebens. Mel Adler hatte ihn hergebracht. Priska stand nicht mehr auf. Ihre Kunden blieben aus, sie besaß nichts weiter als das Bermögm ihrer Wohnung. Und sie verzinste es, indem sie sie vermietete. Sie lächelte. Sie war weise wie ein Mann, ein Greis. ' ' > „Ja," sagte sie, „die Mägdekammer. Nun bin ich am Ziel. Jenseits der Wünsche. Ich bin hindurch. Ich habe, schließlich, immer nur Gott gebucht, und Er ist nur noch in Knechtstuben und Krankensä'cn So bin ich zu ihm gelangt. Ich habe schwer und heiß geträumt. Me Armen drüber die mir meinen Traum abgenommen!" (Fortsetzung folgt.) Jns füdiscfte Maus das füdisdke fötatt BWWHIKKKIWWBWBWWWggBWWWWWWWWWWWMWWaWWWWgaWgWWWgWW L Preis: Ein BlblloM von 300 Banden II. Preis: Eies Gratisreise nach Palästina III. Preis: Fünf Dunam Land in Palästina und weitere 47 Preise » . So war diese Zehn-Zimmer-Wohnung ein Kunterbunt. NiO unbehaglich in ihrer Uebersülle, wenn man das Ganze aufnahm. Peinliche Parfüms aber strömten aus Kissen und Deck«. Riesige Sessel, fellbeladene Diwans sprachen zu deutlich von zärtlicher Gelegenheit, die sie boten. Zuviele Rauchtische standen umher. Zu wenig, geschmt waren die Kostbarkeiten. Die Lauchen trugen allzu bunt und sanft gefärbte Schleier. Es bewohnte sechs von diesen Zimmern eine amerikanische Filmdiva mit ihrer Zofe. Man hatte sie herüberkommen lassen, damit sie einem deutschen Film die Note der Jnternationalitat gäbe. Jiddischer Kulturkreis in Wien Keule t»mS IfAruAemi^ Jfüdisdhet Jttasfienball ln den Kreis-Räumen, II., Prateretrsle II (Bürger-Cafi) in — Für Freunde des jüdischen Witzes Demnächst erscheint: Jüdische Schwänke Sammlung o&jüdischen Volkshumors Übertragen von MAX PRAGER und SIEGFRIED SCHMITZ Zum erstenmal« begegnen wir in dieser einzigartigen Sammlung der wahrhaft ersten Atmosphäre des jüdischen Volkshumors, der durch die sorgsam durchgeführte tJbeisetzung zu origineller, unmittelbarer Wirkung kommt R. Löwit, Verlag Wien, I. Be*., Fleischmarkt Nr. 1 4 I 1. ii;*T Ausschneiden- 5 i 6 17aI 18 | 19 20! 21 29 i SO 33 34 i 86 Zhr. 35 BEZEICHNUNG DBB WORTE: Wagrecht: t Abk. für „Sclicitor general“, 3 Bindewort, 5 Chem. Zeichen für Iridium, 7 Heimstätte der Juden, 10 Stimmlage, 11 Fremdsprach. Artikel, 12 Weibl. Vorname, 13 PHanzenart, 15 Herrschertitel, 16 Weibl. Vorname (meistens bei Schauspielerinnen), 17 Ausruf, 17a Fürwort, 20 Chem. Formel für Natrium, 22 Schreibrequisit, 23 Vorwort, 24 Hast, 25 Italien. Musiknote, 27 Doppelselbstlaut, 29 Französ. Adelsprädikat, 31 so wie 3 wagrecht, 33 Qewlcht der Verpackung, 37 Engl. Männervorname, 39 Chem. Zeichen für Selen. 40 Küsteneinschnitt, 42 Erdteil, 43 Abk. in Briefen für „Nachbemerkung", 44 Chemisches Zeichen für Aluminium, 45 Italien. Musiknote. Senkrecht: aiaui in —... * L#aukTCöicn in r*uien, o Dickes Tau, 4 Europ. Hauptstadt, 5 Ureinwohner Amerikas, 6 Takelwerk, 8 Abk. für „laut", 9 Doppelselbstlaut, 13 Militär. Formation, 14 Feldersegen, 17 Stadt in Rußland, 18 Stadt und See In Nordamerika (Pennsylvanlen), 19 Fluß in Frankreich. auch alte Schreibweise für Insel (französ.), 21 Engl. Bier, 26 Latein. Vorwort, 28 Italien. Musiknote, 30 Und (lat.), 31 Chem Zeichen für Samarium, 32 Verbrechen, 34 Arabischer Stamm, 35 Wirklich, 36 Chines. Münze, 37 Fluß in Polen, 38 Abk. für „Manuskript", 40 Chem. Zeichen für Wismut, 41 Weibl. Vorname.; j I : j I i Name »•VMWMIMMWMHWI Adresse: ....Ausschneiden...-..... Aviso I Beachten sie Unsern Rätselbriefkasten am M o n t a g! Erklariinff} Ab 13. Februar erscheint täglich \p der „Wiener Morgenzeitung“ ein Kreuzworträtsel sKssssass Oie Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rätselkuponsan ule „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung1 einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich staUfindenden Verlosung, deren genauer Zeltpunl: noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter, ln welchen unsere Rätsel erschienen sind, können jede zeit gegen E-^endnng des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen wer NB. Der Beischluß des auf Seiteß befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich.