Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2894 (19.3.1927)
- Date
- 1927-03-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wif ^QSisny jKHBHnHK s& Mky war M. SSM g!*1"';■■■'■■■ .r~"-**--' .. -i' Sapablaaka nicht mt|t elarvhotea. Das Newyorker -Schachturnier. Ke-rDLn, IS. März. Die Blätter melden aus New- York In der gestrigen 17. Runde des Sechs-Meistjer- Turniers errang Nicnrzo witsch als Rcühziehender einen schnellen Steg über Ma,tshall. Die Partien Bidmar-Alsechin mrd Spielmann-Capablanca wurden nach kurzem Verlauf remis gegeben. Der Stand des Turniers nach der 17. Runde ist folgender: Enpablanca 12i/3, Aljechin, Nieurzotmtsch 9, Bidmar 8%, Spielmann 7, Marshall 5. Capablürrca ist nicht nrchr cinzuholen. Heute ist ein spielfreier Dag. m zweites Turnier auf Havanna? Wie soeben befaitut wird, hat Albert P o u c e, der Vorsttzeride des Schachkomitees des Union-Klubs in Havarma auf Cuba, angeregt, im Anschluß an däs Newyorker Sechs-Meister-Turrlier in Nervyork im April d. I. ein internationales Schachturnier in Havanna zn veranstalten, zu dein außer den sechs Meistern, die fetzt in Ncwyork kämpfen, Dr. Emanuel Lasker, Reti, Dr. Tartakower und Maroezy (der das N-ckviyorker Turnier leitet) eingeladen werden sollen. Außer durch Capablanca soll Euba noch ^>urch einen oder zrvei seiner bestell Spieler vertreten werdew Ja» Rkefenflugzeug „Stadt Jerusalem". Wie ans Jerusalem berichtet wivd, hat der Feldmavschall Lord Plumcr gestern das Riesenflugzeug „Stadt Jerusalem" eingeweiht. Das Flugzeug, das in England erbaut wurde, hat seinen ersten Flug nach Jerusalem gemacht. Es gehört der Reichsluftlinie und wird den Dienst auf der Strecke Kairo — Carachi besorgen. Ler Aulfichtsbeamte als Sieb. Große Diebstähle in einem Münchener Museum. München, 18. Dtärz. In einem Münchener Museum , at&cn seit einiger Zeit fortgesetzt Diebstähle von Bindern von großem historischen Werte festgestellt. Der Dieb wurde nunmehr in der Person eines «Lfsicht^führenden Beamten, des Wibliothel*jr§ des Museums, sestgenom-men. Ein großer Teil des «ritoenfoweji Gnies konnte zur Stelle geschafft werden. «Gischte 1000 LeMotra. Die Fälscher verhaftet. Bnvta^est, 18. Mäuz. Die Polizei von Gal atz Der* haftete den Zinkagyaphen C o v a l e n c e und seinen Genossen Skoropad, weil sie 1000-Lei»Noten gefälscht habe«. Die Fälschungen waren so gut gelungen, bafo ste bpn den echten Noten kaum zu unterscheiden waren. Bei Covalence wurden 31 Stück Falsifikate gesunden. Es wurde festgestellt, daß er bereits mehrere h und-er^ Stuck ut Berlehr gebracht hat. Ier Mord im Ehampagnerklub. Eür geheimnisvoller Mord, der vor einem Jahre in einem der elegantesten Londoner Klubs, dem besonders in den Kreisen der Weingroßhändler bekannten Champagnerklub, begangen worden ist, wird demnächst Gegenstand einer aufsehenerregenden Gerichtsverhandlung sein. Der Mörder ist ein Zwerg. Die Motive zu der Mordtat sind in undurchdringliches Dunkel gehüllt. Das Opfer war ein Dn-funddreißigjähriger Kaufmann aus Frankreich, Charles Ball« d a, der in London gejchäfüich zu tun hatte. Ueber Balladas Vergangenheit waren verschiedene Gerüchte in Umlauf. Es hieß, er habe vor seiner Ankunft in England ein abenteuerliches Leben geführt und mit internationalen Verbrecherkreisen in Verbindung gestanden. Etwas Genaueres war allerdings nicht zu erfahren gewesen. Die Pariser Polizei erteilte auf die Anfrage der Londoner Polizei die Antwort, daß ihr ein Mann namens Ballada vollständig unbekannt sei. Die Umstünde des Mordes sind recht ungewöhnlich: Ballada saß zusammen mit verschiedenen Gästen im Klubsalon und war in die Lektüre einer Zeitung vertieft. Plötzlich erschien im Salon ein Zwerg, den man bis dahin im Klub nicht geisehen hatte. Er begab sich zum Tisch, an dem Ballada saß; alle Blicke richteten sich auf die unheimliche Erscheinung. Nur Ballada hatte ihn nicht gesehen. Der Zwerg zog ohne ein Wort zu sagen, einen Revolver hervor und feuerte auf Ballada drei Schüsse ab. Die Klubgäste stürzten sich nicht auf den Täter, sondern eilten zum Ausgang, da der Zwerg in seiner Hand ein Paket hielt, das er drohend in der Luft schwang. Die Klubgäste fürchteten einen Bombenanschlag. So konnte der Täter unbehelligt das Lokal verlassen. Einige Minuten sipäter war die Polizei benachrichtigt. Man suchte in ganz London den Mann, der kaum 140 Zentimeter groß war. Nicht weniger als 166 Detektive gingen an die Arbeit, und am selben Abend konnte der Zwerg in dem Augenblick, als er ein Dampfschiff in Dover besteigen wollte, verhaftet werden. Er nannte sich Charles Be-hi er und erklärte, daß er ein Weinhändler aus Frankreich sei. Ueber die Motive zur Tat verweigerte er hartnäckig jede Auskunft. Man erwartet mit größter Spannung den Ausgang des Propstes. Letzte Nachrichten. verstvfammenbrachüer BSMsche» im besfichkn Neichstag. Wir haben Wer die Vorgänge in der völkischen Fraktion des deutschen Reichstages bereits berichtet. Diese Fraktion hatte iw Jahre 1924 bei beit MatwaHlen 32 Sitze gewonnen. Im Dezember desselben Jahres verlor sie bereits 17 Mandate und schmofa auf 16 Mann zusammen, erreichte also gerade noch die Fraktionsstarke. Der innere Kampf um die Frage, wer der bessere Deutsche ist, hat mtnmehr zum totalen Zusammenbruch geführt. Die Fraktion zerfallt in eine deutschboMsche Freiheitspartei mit fünf Mann, in die Nationalsozialisten mit sechs Mann (darunter Reventlow) und zivei Mann der VoAsrechtSpartei. Ludendorff und K u b e haben sich als Wilde selbständig gernachk. Sine tzrsahreserve in der Tschechoslowakei. Prag, 18. März. Im Ministerrat wurde der vom Minister für Nationalverteidigung vorgelegte Gesetzesentwurf betreffend die Errichtung einer Ersatzreserve angenommen und beschlossen, den Entwurf zur parlamentarischen Beratung vorzulegen. In der Vorlage wird ein JaHreskontingent von 70.000 festgesetzt. Die über daS Kontingent assentierten Rekruten werden ln die Erfahrchervo eülgcreiht. Sie Hochschule sfir Welthandel. Das Exekutivkomitee der arbeitswilligen Studenten hat feilte Tätigkeit an der Hochschule für Welthrndel bereits ausgenommen. Seine Mitglied« tragen grüne Armbinden. Der Eintritt in die Hochschule ist nur Hörern mit ihrer Lagitition und einem Passierschein gestattet. Beiverber um Passierscheine haben sich beim Tor der Hochschule zu' melden, von ivo sie zum Exekutivkomitee geführt tverden. Im Falle eines günstigen Ergebnisses der erforderlichen Erhebungen rvird die Ausstellung des Passierscheines durch das Rektorat vom Exekutivkomitee beantragt. Hörerinnen erhalten diese Passierscheine ohne besondere Erhebimgen. Ab heute ist die Bibliothek für Besitzer von Passierscheinen von 9 Uhr früh bis 3 Uhr naGnittags geöffnet. Jin Laufe des heutigen Tages nehmen die Jnskriptlonen ihren Fortgang und werden Diplomprüfungen abgehalten. Zu einer Ruhestörung ist cs nicht gekommen. Die Deutschvölkischen kündigen-ftir heute mittags eine Protestversammlung auf der Rampe der llniversit^ - ' Erweiterung der BoreknzMungsbeglluftigung tfir die Einkommensteuer. In Erweiterung der mit Erlaß vom 2. Februar 1937 gewährten Boreinzahlungsbegünstigung ist bei jenen Einkvmmen(Verinögen-, Erwerb- und Renten-)steuerpflichtigeu, die bis längstens 10. März 1927 das Bekenntnis! für daS Jahr 1926 eingebracht haben und als Voreinzahlung für das Jahr 1927 in den vorgeschriebenen Quartalsterminen zeitgerecht je ein Viertel der auf das Bekenntnis 1926 entfallenden Steuern entrichten, bis zur Bemessung 1926 der Unterschied gegenüber der allenfalls höheren Boreinzahlungsgebühr weder hinsichtlich der Voreinzahlungen 1927 noch hinsichtlich der Boreinzahlungen 1926 einzuheben bzw., insoweit bereits mehr als diese ermäßigte Boreinzahlung für das Jahr 1926 entrichtet tvurde, der Unterschied als Ueberzahlung der Boreinzahlungsgebühr zu behandeln. Sie Sozialversicherung im Unterausschuß deschloffen. Der Urtterausschnß zur Beratung des Arbeiteroersicherungsgesetzes hat gestern die letzten Paragraph« der Regierungsvorlage angenommen. Das Gesetz wird erst in Kraft treten können, rvenn der von der Regierung vorgeschlagene W o h l st a n d i n d e x erreicht ist, das heißt, wenn es nur mehr 100.090 Arbeitslose in Oesterreich geben und sich Handel, Industrie, Landwirtschaft und, Verkehr in einer derart günstigen Lage befinden lverden, daß sie die Lasten der Sozialversichierung tragen können. Die über 60 Jahre alten Arbeiter haben Anspruch auf eiste Altersfürsorgerente in der Höhe des Zwanzigfachen der täglichen Arbeitslosenunterstützung. Diese Renten werden zum erstenmale für den Monat September flüssig gemacht. Die Kosten trägt Vorschuß eise der Bund. Der Aufwand wird, zur Hälfte durch Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu einem Sechstel vom Bund, Kl einem Drittel von den Ländern getragen. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden als Zuschlag zum ArVeitMosenversicherungsbeitrag mit 20Prozent des normalen Krankenversicherungsbeitrages ab September eingehoben. Wird der Aufwand an Notftanbsaushilfen vermindert, so sind die Beiträge entsprechend herabzusetzen. Damit hat der Unterausschuß seine Arbeiten bMdet. Donnerstag wird der BoNauSscharß die Vorlage einer SchlußSeratung unterziehen, die jedenfalls noch vor den Neuwahlen im Plenum des Nationalrates erledigt werden wird. Antounsall der Boraschaaspielers Höbling. Der bekannte Bnvgschaichpieler Franz Höbling «litt gestern abends, als er in einem Auto in das Akademieiheatcr fuhr, wo er in Motnars „Dpi«! tat Schloßentfall* treten hatte, einen Unfall, indem sein Wagen in der Lastenstraße mit, einem «nideren Auto zusa-mmeustieß. Höbling erttrt inehrfache Mißguetschwundcn, die ihm im Sanatorium Auersperg zusammengenäht wurden. Er fuhr dann ins Theater, wo er trotz der Schrnerzen anftrat, um die Vorstellung zu ermöglichen. Ser romantische Einbrecher. Am 28. Februar wurde die Wohnung der Schrift» stellerin Miß Amalka Levetus in der Peter-Jordan- Straße erbrochen und Schnruckgegenstände und eine Schreibmaschine im Gesamtwerte von zirka 2200 Schilling entwendet. Am Tage nach dem Einbrüche wollte ein Mann dem Schrelbmaschinenhändler Bronk in der Josefstädterstraße eine Schreibmaschine verkaufen. Der Mann wurde angehalten. Er ist der aus Alien aügsschaffte und wegen Diebstahls oft vorbestrafte Hermann Reisenbichler. Dem Verhafteten konnte eine große Anzahl von Einbrüchen nachgewiesen werden. In seiner Wohnung wurde auch ein Teil der Beute zustande gebracht. Die EinbruchSwerfaeuge hat er von dem Hilfsarbeiter Andreas Uhlik echalten, der nun ebenfalls verhaftet wurde. Schon vor drei Jahren war ReisenÜichler wegen mehrfacher Billeneinbrüche angeklagt. Er erzählte damals, er sei der Sohn eines Grafen und einer Zirkusreiterin und. sei int Armenhause in Ebensee ausgewachsen. Dort sei eines Tages eine vornehme Dame erschienen, die sich als ftine Mutter bezeichnete und ihn nach Wien mitnahm. Hier wurde er von der Mutter zum Stehlen ab gerichtet und erhielt deshalb mehrere Strafen. Relsenbkchler hatte sich in der Untersuchungshaft als einen „Herzog" bezeichnet und von den Mithälfttingen verlangt, daß ste chm d i e Ehrenbezeigung leisten sollten. Äurftand io der fifterreichischrn Gommiinvuftrie. Die Betriebe Semperit (Broitenseie und Traiskirchen)» Reithosfer (Steyr) und Joseftthaler (TribuSwinkey stillgelegt. Vorgestern früh ist die Arbeiterschaft der Gummi-- fabriken der Semperit A.-Gin TraiÄirchen und der Josefsthfller Möoritwerke in TribuSwinkel in AuSstand getreten. Gestern hat sich nun die Arbeiterschaft des Breitenseer Betriebes der Semperitwerke, sowie die Arbeiterschaft der Vereinigten Gummifabrik Reithosfer in Steyr dem Streik angeschlossen, so daß ein allgemeiner Streik in der österreichischen Gummitndustrie eingetreten ist. Die. Ursachen des Streiks sind Lohnforderungen, sowie die Forderung, daß die Arbeitszeit für Frauen und Jugendliche au^ 44 Stunden herabgesetzt werde. Ein weiterer Grund des Ausstandes ist die starke Reduktion des Wiener Betriebes der Semperitwerke in Breitensee. Der Verband der chemischen Arbeiterschaft plante anfänglich nur die niederösterreichischen Betriebe stillzulegen, um dadurch auf den Jndustrivverband einen Druck auszuü-ben, jedoch haben die Arbeiter der Wiener und Steyrer Betriebe ohne die Losung der Gewerkschaft abzuwarten, gestern vormittag die Arbeit sponta-- n i e d e r g e l e g t. LemonstkationgftreN der «k-deröfierrekchischeo Landesangestellten. Da der Landtag das Forderungsprogranrm der niederösterreichischen Landesangestellten und Lehrer nicht zur Gänze erfüllt hat, werden am Montag die Landesboamten und Lehrer Niederösterreichs einen eintägigen Proteststreik durchfühven. In der Volkshalle werden vortnittags die Landesangestetttett und Lehrer aus den Orten der näheren und ferneren Umgebung Wiens eine Protest-- Versammlung abhalten. Am Montag wird demnach in den Schulen des flachen Landes kein Unterricht und in den Lqndesänrtern kein Parteienvertz.hr ftat^ finden. Ear rasende Motorrad. Gofter« -ist der LüjLhrige Elektriker Joisef Hager mit sslnem Motorrad, auf dessen BegleiGtz die Private Herma Langer saß, gegen den Bahnschranken bei Stad lau angesahren. Er wurde in schwerverletztem Zustande ta das Spital gebnicht und ist tvsntige Stunden später seänsn Veriletzu-ngen erlegen. Sei-ne Bsglei-terin, die vier Meter weit sorigeschleutdert worden war, MeÜ unverletzt. Wie eS heißt, war der Bahnschranken nicht beleuchtet, aus welchem Anlaß sich an der glvichen Stelle schon wiederholt Unfälle ereignst habsn. A-m Schotten-tor wurde gestern die vdjährige Private Dtarcha Liebhart beim Passieren der Fahrbahn von einem Motorrade nieder-gestoßen und eilt schwere Verletzungen. Die AuSifochchumg deS fchrMragsndsn Motorvadsahrers ist ein« geleitet. Der Beamte Franz Lntzty ist in der Nußdorferstraße von seinem Motorrad gestürzt mlld vvM meh rfach-e B et* k« tzunge«.