Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2893 (18.3.1927)
- Date
- 1927-03-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekte 4 Wien, Freitag Glener Morgenzeitung 18. März 1827 Är. 2809 in --■■■■■ ----. legen, den Lauf des Saturns durch die verschiedenen Tierkreiszeichen seit 1899 bis zur (Gegenwart und zeigte, wie jede Konstellation des Satnrs im Verhältnis zu den verschiedenen Planeten von diesen oder jenen Börsenwirkungen begleitet war. Für die Zukunft kündigte er an, daß im Juli oder August dieses Jahres der Hindnrchgang des Wohltäters Jupiter durch das Zeichen des Widders, dem Deutschland zugeordnet ist, von einer wirtschaftlichen und finanziellen Konjunktur begleitet sein werden, so daß eine Steigerung der deutschen Staatspapiere zu erwarten sei. Er gab auch eine Anwendung seiner wissenschaftlich-astrologischen Sätze auf das Wettrennen und Roulettespiel und entwickelte namentlich die Methoden des englischen Astrologen Sephariel, die auf einer Kombination zwischen der kabbalistischen zahlenmäßigen Bedeutung der Buchstaben mit den Pferdenamen beruhen, die aber auch den Zusammenhang zwischen Mondkonstellationen und das Rertergewicht berücksichtigen. Die Einwendungen, die der Vortragende gegen die nicht astrologischen Spielsysteme für Roulette vorbrachte, daß nämlich Mischen den einzelnen aufeinander folgenden Gowinnschlägen im Roulettespiel kein mechanischer Zusammenhang besteht, gelten natürlich auch von dem Eintritt eines Planeten in dieses oder jenes Tierkreiszeichen, dem jedes Land zugewiesen sein mag, ein mechanischer oder besser ursächlicher Zusammenhang besteht. Jedenfalls ist es ihm nicht gelungen, den Nachweis, daß Mischen diesen Vorgängen ein mechanischer oder besser kausaler Zusammenhang besteht, zu erbringen. Zu dem Vortrag hatten sich zahlreiche Personen aus dem Kreise der Börse oingefunden. Dr. N. P. Ford freigesproche». Berlin, 17. März. (Wolfs.) Wie die Blätter aus New Vor! melden, rst in dem Verleuindungsprozeß, den Ingenieur Schapiro gegen den AutomoPÄsab rikanten Ford wegen antisemitischer Ausführungen in dessen Zeitschrift angestrengt hay ein Freispruch gefällt worden. Der Prozeß hat in Detroit stattgefanden. In dieser Stadt befinden sich die Ford-Werke rmd Ford ist der reichste Mann. Er hat sich dem Gerichte gar nicht gestellt, sondern war der ^Verhandlung serngeblieben. Sein Anwalt befragte' ine Geschworenen nach ihrer Religion >mck lehnte zwei jüdische Geschworene ab. Mörder Alkohol. Die 57jährige Bedienerin Jda Kuibik wurde, wie wir gestern berichteten, in dem vollständig verwahrlosten Kabinett ihres Lebensgefährten, des 53jährigen arbeitslosen Büchsenmachergehrlfen Johann Mack, tot ausgefunden. Die gestern vorgenommene gerichtliche Oeffnung der Leiche hat ergeben, daß unzweifelhaft fremdes Verschulden an dem Tode der Frau vorliegt. Die Tote wies einige Rippenbrüche auf, das Bauchfell zeigte Blutunterlaufungen und an den Füßen waren Flecken festzustellen, die von Fußtritten herrühren. Mack, der gleich nach der Entdeckung der Tat ln B e r w a h - rirugshaft genommen worden war, bestreitet, seiner Lebensgefährtin irgend etwas getan zu haben. Er sei vollständig betrunken nach Hause gekommen und weiß nicht, wann feine Lebensgefährtin, die ebenfalls trinken lvar, heimgekehrt sei. Als er nachts, um Wasser zu trinken, aus dem Bette stieg, sei er unabsichtlich aus die neben dem Bette auf der Erde liegende Frau getreten. Erst morgens habe er ihren Tod bemerkt. Die polizeilichen Erhebungen ergaben, daß das Paar schon seit Jahren dem Trünke ergeben war, ferner, daß in der Wohnung der Ofen umgestürzt war und Haarnadeln der Frau auf dem Boden herumlagen. Die PMzei vermutet, daß Mack mit der betrunkenen Frau, wie so oft schon, in Streit geraten ist und sie mit einem Fußtritt zu Boden streckte, ihr dann wahrscheinlich noch mehrere Fußtritte versetzte, bis sie mit den schweren Verletzungen, tot liegen blieb. Er wird wegen Verdacht des Totschlages dem Landesgerichte eingeliefert werden. Ein Lieberdrama in Floridsdorf. Der 27jährige Leopoll» Fuchs, der im Hause Floridsdorser Hauptstraße 14 eure, kleine Backstube betreibt, unterhielt mit der Tochter: seines Wohnunrsnachbars, der 19Mrigen Marie Aust, ein Lieöensverhä tnis. obwohl er selbst verheiratet und Vater eines einjährigen Kindes ist. Dia Aust arbeitete in den Abendstunden in seiner Backstube. Die abendliche gemeinsame Tätigkeit brachte die beiden einandTr näher, weshalb die Frau des Fuchs diesen öfters Szenen machte. Gestern nachmittags fiel es auf, daß man Fuchs im Hause nicht sah. Die Eltern der Aust schöpften Argwohn und drangen gewaltsam in die versperrte Backstube ein. Dort lag m t durchschossener Schläfe die Marie Aust tot aiu? dem Boden, während Fuchs mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe bei vollem Bewußtsein auf einem Sessel saß und eben im Begriffe war, ein zweitesmal auf sich M schießen. Der Vater der Aust ries dem Fuchs zu: „Was hast du mit meiner Tochter gemacht, du Gauner?" Fuchs konnte nur noch lispeln: „Sie hat es sich selbst gemacht." Die Rettungsgesellschaft konnte nur mehr den Tod der Aust seststellen, während Fuchs in lebensgefährlich verletztem Zustand ins Arbeiierunfallspiial gebracht wurde. Die gerichtliche Obduktion der Leiche wird aufklären, ob die Aust tatsächlich Selbstmord verübt hat ober von Fuchs, bevor er selbst Hand an sich legte, erschossen wurde. Bei der Toten fand man einen Mschiedsbries folgenden Jhalls: „Wir haben beschlossen, gemeinsam §u sterben. Mona e hindurch arbeiteten wir zusammen und verstanden uns nur zu gut, lernten uns lieben und konnteir einer ohne dein airdern nicht sein. So tverden wir auch im Tode vereint. Billen, uns gemeinsam Ul beerdigen. Leopold Fuchs, Aust Marie." Letzte Nachrichten. Keine hebräische Auslchnst ans den Palilstlna Münzen? Prag, 17. März. Der „Prager Presse" wird auS Jerusalem gemel'det, daß die im Laufe dieses Jahres zur Ausgabe gelangenden Metallmünzen der neuen Währung bloß eine englische und arabische Aufschrift und das Relief eines Olivenkranzes tragen werden. Me Münzen werden nach dem Vorbild der alten jüdischen Münzen gerändert sein. Die Banknoten werden mit Bilderschmuck versehen sein. Die neue Währung bericht auf einer Teilung des englischen Pfunds in zehn Einheiten. Ein Palästina-Pfund wird einem englischen Pfund gleichkommen und in 1900 „Mille" zerfallen. Palästinas Beitrag zur otlamaaifche» Staatsfchalb. London, 17. März. (I. T. A.) Der Bericht des Administrativen Rates der Ottoman Public Debt für das Jahr 1924/25 betont, daß unter allen Schuldnerstaaten einzig und allein Palästina die am 1. Mürz 1925 fällig gewordene Rate auf die ottomanische Staatsschuld getilgt hat. Es herrschten einige Differenzen über die Valuta, in der gezahlt werden sollte, weswegen die erwähnte Ratenzahlung unter Vorbehalt entgegengenommen wurde. Bevor aber der Administrative Rat Anstalten traf, um diese Differenzen beizulegen, beschloß — so heißt es in dem Bericht weiter — leider das KSlonialamt, die am 1. März 1926 fällig gewordene Rate nicht mehr zu zahlen. Der Rat hofft, daß die Schwierigkeit durch einen Ausgleich in naher Zukunft behoben werden wird. Von allen übrigen Schuldnerstaaten hat keiner auch nur die erste Rate bezahlt. Minister Becker gegen die Völkische«. Berlin, 16. März. (I. T. A.) Der preußische Kulrusminister Dr. Becker ergriff im Preußischen Landtag das Wort zum Kultusetat. Er begrüßte es, daß der Gesundungsprozeß sowohl in der Schule wie auch in der Hochschule in zunehmendem Maße im Gange sei. Dafür sei das Au-sschviden der volksparteilichen Studenten aus dem völkisch gerichteten Hochschulring ein erfteuliches Symptom. Mit erhobener Stimme erklärte der Minister, daß er zum 1. Oktober 1927 unbedingt die neue Verordnung über das Studentenrecht in Kraft setzen werde, und er bittet daher alle Freunde der studentischen Selbstverwaltung, die er nur ungern auslösen möchte, im Sinne der Befriedung der Studentenschaft zu wirken. Mit besonderer Schärfe verwahrte sich der Minister dagegen, daß ein jüdischer Referent des Kultusmini st eriums seiner Konfession wegen in der Landtagssitzung scharf apostrophiert worden sei. Er betonte, daß diese Art „völkischer Gesinnung" gewiß nicht geeignet sei, Achtung und Liebe zu erwecken. Segen die aniMLlsche Hetze in Rnmänken. Sofia, 17. März. (Tel. Comp.) Im Renaissance- Theater fand gestern eine Protestversammlung der jüdischen Einwohnerschaft Sofias gegen die Judenverfolgungen in Rumänien und gegen die antisemitische Politik der Regierung statt. In einer Entschließung richtete die Versammlung einen Appell an den Völkerbund, unverzüglich geeignete Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Minderheiten in Rumänien zu treffen. Ruhe a« der Hochschule sstr Welthandel. An der Hochschule für Welthandel war es gestern ruhig. Das Rektorat verlautbarte folgende Bekanntmachung: Das mls Vertretern aller Gruppen bestehende Exekutivkomitee der arbeitswilligen Studenten der Hochschule für Welthandel hat sich heute dem Rektor vorgestellt. Der dem Rektorate angebotene Hilfsdienst der arbeitswilligen Studenten zur Unterstützung der Aintlorgarre in Ausübung des Dienstes wurde angenommen. Der Eintritt in die Hochschule wird nur gegen Lö)ung eines Passierscheines auf Grund der Legitimation gestattet. Die arbeitswilligen deutschen Studenten beabsichtigen, dem Unruhestifter Körber, die Mißbilligung auszusprechen. Ae lnteruatkouale« MngKmpfe im Mus Avoift. Gestern wurden fünf weitere Treffen abfolvi-rt, bei welchen es auch zu Demonstrationen des Publikums kam, well einzelne Ringer durch ihre unfaire Kampfart Unwillen erregten. Die Ergebnisse waren: Leichtgewicht: Blahovetz (Tschechoslowakei) in 3jMin. 20 Sek. mit Kopffallgriff über Martini (Wien); Murna (Tschechoslowakei) in 4 Min. durch Untergriff von vorne über Hiner (Wien). — Schwergewicht: Steinbach (Wien) über Svaton (Prag) mit Roulade nach 7 Min; Grigi (Rußland) über Raguson (Jugoslawien) in 3 Min. 40 Sek. durch Mühle. Der Leichtgewichtskampf zu-ischen Barodi (Ungarn) und Brezina (Prag), wobei es zu Demorrstrallvneu kam, die Brezina verursachte, endete nach 25 Minuten wuei'i'.M strsreullche Steigerung der Kereu-Hajessod« Siugänge. Im Februar 47.33V Pfund. Wie der Zion. Korr, unter dem 15. d. M. aus Jerusalem telegraphiert wird, sind im Laust des Monats Februar beim Hauptbureau des Keren Hajessod in Jerusalem! 47.330 Pf. eingegangen gegenüber 34.187 im gleichen Monat des Vorjahres. Beigetragen haben: die Vereinigten Staaten Pf. 21.935, Südaftika 5060, Rumänien Pf. 4628, Schanghai 3039, Deutschland 2699, Holland 1733, Polen 1279 die sephardischen Juden in Argentinien Pf. 1009 tzin neuer Augenspiegel- AuS London wird uns berichtet: In dem Royal West» minster Ophchalmic-Hospibal wurde dieser Tage vor einem erlesenen Auditorium der bekanntesten Ophthalmologen ein neues Jnstrumen: vorgeführt, das den Augenärzten eine viel gründlichere Spiegelung des Augengrundes erlaubt, als mit der bisherigen Methode des Augenspiegels. Das Instrument gestattet eine so vollkommene Erforschung uaub Untersuchung des Augengrnndes, daß der Augenarzt sogar die Zirkulation des Blutes in den Gefäßen des Augapfels beobachten kann. Es besteht ans einer sogenannten Schlitz lampe mit einem Korneal-Mikroskop. Die Schlitzlampe wirst einen intensiven Strahl in das Auge, während der Arzt mit dem aus zwei Doppelsehrohren bestehenden Korneal-Mikvostop, das sich um eine drehbare Achse bewegt, die Untersuchung und Beobachtung mit der größten Leichtigkeit durchführt. Chefarzt Dr. W. Lockhart Gibson erklärte den Anwesenden, d«ß man mit diesem Instrument die innere Struktur des Auges aus das genaueste untersuchen könne und Augenleiden mit einer viel größeren Sicherheit zu diagnostizieren vermag, als es früher möglich gewesen. Ion KrokoSIlen belagert. Ein aufregendes Abenteuer wird von einem Mitglied der englischen südafrikanischen Polizei 'in „Wide World Magazine" geschildert. Der Erzähler war mll einem anderen Schutzmann namens Lawrence und einem eingeborenen Polizisten narnens Umslanji auf einem einsamen Posten zu Obzi in Maschona-Land stationiert. „An einem Morgen um fünf Uhr nahmen Lawrence und ich innser gewöhnliches Bad," schreibt er. „Wir trugen unsere breiten Polizeihelme, denn selbst in dieser frühen Tagesstunde ist die Soirne recht warm in Rhodesia. Wir schwammen bis zur Sandbank, und als ich wieder ins Wasser gehen wollte, um zurückzuschiiümmen, bemerkte ich plötzlich einen Gegenstand/ den ichzunächst für einen großen Holzpfahl oder ein umgedrehtes Eingeborenenkanu hielt, das stromabwärts schwamm. Lawrence watete unterdessen ins Wasser, und es schien mir, wie wenn sich der Pfahl nach ihm hinwendete. Indem ich meine Augen beschattete und angestrengt hinsah, erkannte ich, daß der Pfahl tatsächlich das größte Krokodil war, das ich je gesehen hatte. Ich stieß einen gellenden Warnruf aus, und Lawrence, der schon bis zur Brust im Fluß war, kam zurück. Es tvar die höchste Zeit, denn die Krokodile näherten sich, und eines kletterte aus dem Wasser heraus, seinen getvaltigen Rachen öffnend, tvobei die furchtbaren Zähne im Sonnenlicht leuchteten. Wie waren unbewaffnet und schienen den Untieren ohne Gnade ausgeliefert. Mer Lalvrenee nahm eine Handvoll Sand und Steinchen und warf sie, dem Krokodil, das bereits mit dem halben Körper auf der Sandbank war, in die Augen. Durch den Sand zeitweilig blind gemacht, fuhr dis Bestie mit einem wilden Schnappen ihrer Kiefer zurück, drehte sich um und tauchte mit den:' Kopf zuerst ins Wasser. Die drei Krokodile versuchten aber immer wieder die Brnk cm verschiedenen Stellen zu erklettern, und wir hatten viel zu tun, um sie mit Sand und Steinen immer wieder zu vertreiben. Um 8 Uhr wurde Lawrence! durch die Hitze und den Durst ohnmächtig, und die Aufgabe, die Krokodile fernznhalten, lag mir allein ob; außerdem deckte ich meinelt ohnmächtigen Freund, so gut ich konnte, mit Sand zu. Es muß etwa neun Uhr geivesen sein, als Umslan'i an» Flußufer erschien. Ich konnte nicht einmal mehr rufen; meine Zunge war geschwollen und steif, und Blut floß aus' meinen gesprungenen Lippen. Ich hatte nur noch iie Kraft, die Arme verzweifelt in die Höhe zu werfen. Umslanf-i begriff xasch die Lage, verschwand und lehrte sofort mit einem alten Karabiner Mieter. Sein erster Schuß traf glücklich in den aufgesperrten Rachen des größten unserer Ouä'geister, dev gerade seinen Kopf nach diefer Richtung drehte. Dann ruderte Umslanji in dem kleinen Boot uns zu Hilfe. Wir gruben den armen Lawrence aus dem Sande ans, legten ihn ins Boot und kehrten-zur Station zurück. Dann brachi auch ich bewußlos zusammen und erwachte erst im Hospital." Shedebatten im englischen Unterhaus. Das englische Unterhaus hatte dieser Tage eine gemüt» liche Stpnde, als der konservative Abgeordnete von Plymouth, Sir A. Sh ir l e y Beim, seine Eigene" Gesetzesvorlage über eine Minderung der erlglischen Familienu-nd Ehegesetzge» bung auf den Tisch des Hauses legte. Der Abgeordnete wollte nichts mehr, nichts weniger, als seine konservativen, ja sogar weniger konservativen Kollegen 'b-owegen, in England di« Heiraten zwischen Nichten und Neffen zu gestatten. Bereits die Motivierung oingebrächten Vorlage wurde m>!t stürmischer Heiterkeit aufgevoinmen. als von Ehen die Rede war — „zwischen einem Mcmn und der Tochter de- Bruders oder der Schwester ferner verstorbenen Frau, otat